Das Zitat, heute im Morgenmagazin des ARD von einem Bibliser Atomkraftwerksarbeiter ausgesprochen, nachdem er sich über die "Riesenschweinerei" der Abschaltung dieses Uraltkraftwerks mokiert, wirft die Schatten auf die Zeit nach dem (Super-) Gau in Japan voraus. Es ist beunruhigend, in welchem Maße die ersten Auswüchse der sogenannten Rationalität in Form von Verharmlosung oder Verortung der Gefahr in Erscheinung treten und die Ereignisse in Japan herunterreden, von Sicherheit sprechen, wo es doch ganz eklatante Risiken gibt. Abstrakte Risiken, die mit der Worthülse "Restrisiko" bezeichnet wurden und ihre Konkretisierung in den Explosionen und Austritten von Radioaktivität in Fukushima finden. Die Konkretheit dieser Gefahr bedroht jedoch nicht nur Japan, den Pazifik und damit die Nahrungskette der Menschen, sondern auch die umgebenden Regionen und ihre Natur. In letzter Konsequenz ist Fukushima ebenso eine Konkretisierung der Gefahr deutscher Meiler, ob nun 20 oder 40 Jahre alt. Mit welcher Naivität gibt sich der gemeine Mensch nur die Blöße, der sich über "die Grünen" oder "die Umweltschützer" aufregt, der im festen Glauben an den technologischen Fortschritt und die Sicherheitsversprechen deutscher Ingenieurskunst die existenzielle Bedrohung durch Atomwaffen entweder in Form von Kraftwerken oder Bomben nicht sehen will oder auch nicht sehen kann. Der gemeine Mensch verblindet scheinbar angesichts einer durch die meinungsbildenden Massenmedien und die durch die Atomlobby betriebene Reklame über der sogenannten "Sicherheit" der AKWs im Laufe der Jahre, bis er durch die nächste Katastrophe vorrübergehend erneut in den Zweifel gebracht wird. Konservative Wirtschaftsmoderatoren wie Heiner Bremer bei NTV verhalten sich bei der Relativierung des Unfalls wie nicht anders zu erwarteen, als dieser bereits am vergangenen Sonntag die Frage in den Vordergrund trug, wie denn die deutsche Wirtschaft bei einem Atomausstieg ihren Energiebedarf stillen solle. Es sind diese Apologeten verquerer Vernunftideologien, bei denen man nicht auf den ersten Blick ablesen kann, ob sie einfach ignorant gegenüber dem Wert von Leben sind, oder ob sie in einer Profilneurose steckend gar nicht anders können, als die geldgebende Klientel ihrer Branche zu befriedigen. Doch ihre Aussagen befördern keinen abwägenden Geist, wie sie vielleicht zu meinen glauben, sondern sie helfen dabei, die tatsächliche Gefahr zu verharmlosen und damit die Entscheidungsfähigkeit des Durchschnittsbürgers bei der nächsten Wahl das Richtige zu tun, zu behindern.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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