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„Hest“ verwundert sich sich öffentlich im FREITAG, daß die medienunabhängige „Berliner Journalistenschule“ (BJS) auf 16 Ausbildungsplätze etwa 1.500 Bewerbungen bekommt und kontert mit einem Redebeitrag des freien Journalisten Tom Schimmeck auf dem „Mainzer Medien Disput“, in dem der das Hohelied des journalistischen Prekariats, vertreten durch die freien Mitarbeiter singt. DAS IST MIT SICHERHEIT ALLES WAHR! Die Mehrzahl der Journalisten sind, sagen wir es mal ehrlich, arme Schweine, gemessen am deutschen Einkommensdurchschnitt.
Die meisten „Freien“ oder „Fest Freien“ leben auf sehr niedrigem Niveau und von ihren „irgendwas mit Medien-Illusionen“, fahren willig überteuerte Gebrauchtwagen von SAAB und wohnen freiwillig in Stadtvierteln mit lauter überteuerten Öko-Läden, -Bäcker, -Spielzeug, -Videothek, einschließlich Öko-Friseure. Letzteren überlassen sie dann, so vorhanden, ihre Setcards als Trinkgeld und die Öko-Friseure pinnen sie hinter dem Empfang an die Wand.
Abends gehen sie in spezielle Billigkneipen in Abbruchhäusern, die mit dem in anderen Abbruchhäusern aufgefundenen Mobiliar ausgestattet sind, beschränken sich auf eine Weinschorle und reden drei Stunden über den „V-Effekt“.
Speziell die „Fest-Freien“ sind vom Gesetz eben mal übersehene Scheinselbständige, die meist ausschließlich weisungsgebunden für einen Auftraggeber, nach von diesem vorgeschriebenen Arbeitszeiten, tätig sind und auf Gedeih und Verderb dessen Konditionen akzeptieren müssen, aber ihr Equipment und ihre Krankenversicherung selber bezahlen dürfen. Insbesondere der auch als Schwarzer Kanal 2.0 bekannte MDR hat sich da eine ganze MediaCity voll "herangezüchtet".

Kostenneutrale PraktikantInnen, die sich willig auf Chefredakteurs Couch legen und ansonsten jeden Mist schreiben, filmen, sprechen, den das Medium zo wollen glaubt, scheinen übliche und willige Praxis zu sein.
Und dennoch sind 1.500 Bewerber auf 16 Ausbildungsplätze an einer Journalistenschule nicht so verwunderlich. Weil diesem „irgendwas mit Medien“ immer noch der Nymbus des Besonderen anhaftet, und natürlich, weil diese „Zustände“ ausserhalb der Branche eben absolut nicht bekannt sind.
Und natürlich gibt es die Vorbilder.
Und das liebe Geld.
Peter Scholl-Latour ist das Senior- und Paradebeispiel. Abenteuerliches Leben von Fremdenlegion bis Fernsehen, Bücher, Filme, Beiträge, Experte. Das ist doch ein erstebenswertes Ziel.
(genannt Kiwi) dürfte in ihren Hochzeiten als Moderatorin so etwa 20.000 Euronen pro Sendung kassiert haben, bei viermal „Fernsehgarten“ im Monat schon mal nicht wenig. Daneben veröffentlichte sie Bücher, die nur gekauft wurden, weil sie eben die Fernseh-Kiwi war, deshalb aber eben nicht auch nicht zu wenig. Weil das alles nicht reichte, musste sie sich auch noch von den Weight Watchers, kräftig schmieren lassen, um deren Produkte in ihren Sendungen zu promoten. Als sie danach zweitweilig aus den Fernsehprogrammen flog, durfte sie immer noch weiter eine laymoriante Kolumne in der „SUPERILLU“ veröffentlichen.
Aber selbst die „Ikonen“ von Regionalprogrammen sind doch noch überdurchschnittlich bekannt – und verdienen natürlich auch überdurchschnittlich, mit oder ohne Schmiergelder. Ein Beispiel aus der DRITTEN Reihe: Ines Krüger

(Bild von www.mdr.de/fakt-ist/moderation/4486924.htm)
ist freie Moderatoring beim MDR und bisher noch nicht beim Schmiergeldnaschen erwischt worden. Sie moderiert dort etwa einmal im Monat die Talk-Show „FAKT IST...“, die eigentlich keiner braucht, „fliegt“ dafür mal eben kurz aus Dresden nach Leipzig ein. Die inhaltliche Vorbereitung inklusive des idioten- und blondinensicheren Scripts mit Fragen an die Talkgäste erledigen zuvor die „MDR- Redaktions- Bienchen“. Sie sieht dann 45 Minuten lang blond und besser aus, als man(n) bei ihren aktuell 44 Jährchen vermuten würde, und dürfte dafür so etwa um die zehntausend Euronchen bekommen. Pro Sendung. Bevor wir jetzt den Stundenlohn ausrechnen, bleibt noch anzusetzen, daß Krüger auf Grund der vom MDR gelieferten Popularität im Rest des Monats einige Zeit mit gut bezahlten Moderationen auf irgendwelchen Veranstaltungen verbringt.
Und da sind wir noch lange nicht bei einem Herrn Mohren, der vor Gericht einräumen musste, als Redaktionsleiter Sport vom MDR ein Jahresgehalt von rund 170.000,- Euro bekommen zu haben.
Bei solchen Aussichten wundert es doch nicht wirklich, daß es 1.500 Bewerber für 16 Studienplätze für Journalismus gibt. Und auch nicht, daß eine medienunabhängige Lehranstalt nicht mehr das Geld zur Ausbildung hat. Nicht nur die oft geschmähten Privatsender, nein auch die zwangsgebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender werden doch nicht ihre Besetzungscouch’s leer räumen, indem sie eine „medienunabhängige Lehranstalt“ unterstützen.
Da könnten doch auch Abgänger mit unabhängigen, eigenen Meinungen dabei sein.
Nur bei Betrachtung eines Punktes erscheinen die 1.500 Bewerber dann doch verwunderlich. Wenn man die „Qualität“ der angebotenen Medien betrachtet, findet, bis auf Ausnahmen, doch der Karrierestart heute eher bei „Deutschland sucht den Superstar“ statt.
G. Westerby
(Beitrag ebenfalls erschienen in westerbys.blog)
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@G.Westerby
So etwas, wie dieser Beitrag, ist "Gift" für mich, im "Depressionsmonat" November :-) Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr über einige JournalistInnen geärgert, viele davon in den sog. "Hauptstadt-Redaktionen/Büros" von "SPIEGEL", "ARD", "ZDF", "DIE ZEIT" usw. tätig. Ich habe die Gesichter und Namen vor Augen, ich weiß was sie gemacht haben und sie tun mir leid, weil sie so wenig journalistisches Berufsethos zeigten. Worum geht es? Es geht um die "mediale Durchpeitschung" der neoliberalen Ideologie von "Agenda 2010", "Hartz IV" usw. Ich habe diese Damen und Herren erlebt, in unzähligen Politik-Talkshows, in Leitartikeln usw. Ich habe es nicht vergessen, wie sie Stichwortgeber und Steigbügelhalter waren für all die "Botschafter" der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", von "BDI-BDA-DIHK"-Funktionären, von sog. Historikern und Wirtschaftswissenschaftlern. Deren "Schritt in die richtige Richtung" wurde als "alternativlos" gepriesen. Ich habe damals Unmengen von Leserbriefen gefaxt (ARD, ZDF, SPIEGEL, ZEIT, Tagesspiegel, N-TV etc.). Irgendwann wurden meine Ausführungen sogar zitiert :-), zwar ohne Quellenangaben, aber immerhin ;-). Wahrscheinlich gab es keine anderen Quellen, die man hätte zitieren können ... :-))))))) Ich verachte viele dieser JournalistInnen bis heute, auch wenn - oder vielleicht gerade weil - sie sich teilweise erneut gewendet haben und plötzlich "marktradikale" Politik vorsichtig kritisch kommentieren. Wie billig und durchsichtig! Dann kam Jürgen Leinemann's "Höhenrausch" und später Albrecht Müller's "Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen" Ich bekam fast ein wenig Mitleid mit "den" Journalisten, aber nur fast. Heute mißtraue ich journalistischen Erzeugnissen stärker, als vor der "Agenda 2010" und gelegentlich bin ich ungerecht, wenn ich an Journalisten denke, denn Verallgemeinerungen sind immer falsch! Trotzdem, wenn ich so manchen Insider-Witz höre: "Man schreibe eigentlich nicht für die Leser/innen, sondern für die Journalisten-Kollegen, um sich bei denen zu profilieren ..." Dann lache ich ziemlich dreckig. Und wenn ich dann noch fast wortgleiche Artikel von verschiedenen Journalisten in div. Zeitungen entdecke, habe ich den dringenden Verdacht, da schreibe einer vom anderen hemmungslos ab ... Aber, sicher gibt es auch noch immer Journalisten und Journalistinnen, die uns Leser und Leserinnen tatsächlich nach bestem Wissen und Gewissen über die Vorgänge in Politik, Wirtschaft, Kultur usw. informieren wollen. Wollen, vielleicht ... aber können sie das angesichts ihrer Situation (Knebelverträge, konzerngebundene Zeitungen, Schließung von Lokal-Redaktionen etc.) überhaupt noch? Ich habe da sehr große Zweifel. Das alles gilt selbstverständlich nicht für die JournalistInnen des "Freitag" ... SP |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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