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Wer heute im Fernsehen die konstituierende Sitzung des neuen deutschen Bundestages verfolgen wollte, musste lange suchen, bis er bei Phoenix fündig wurde, die öffentlich-rechtlichen Sender, auch die dritten Programme, setzten da andere Prioritäten.
Bei der ARD lief „Schaumküsse“, das ZDF beglückte die Zuschauer mit Kapitel 36 der Telenovela „Bianca - Wege zum Glück“ und der MDR mit einer Spielshow, einem Regionalmagazin und der Wiederholung einer Talkshow vom gestrigen Abend.
Dies stieß auch dem neugewählten Bundestagspräsidenten Norbert Lammert auf, der in seiner Antrittsrede kein Verständnis dafür aufbringen mochte, daß gebührenpflichtiges Fernsehen, dessen üppig dotiertes Privileg mit einem besonderen Informationsauftrag verbunden sei, in „souveräner Sturheit“ der Unterhaltung Vorrang vor der Information einräume.
Ähnlich „qualifizierende“ Worte fand übrigens der Festivaldirektor des am gestrigen Abend eröffneten 52. Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm in Leipzig, Claas Danielsen, der in seiner Eröffnungsrede den öffentlich-rechtlichen Sendern übermässige Quotenhörigkeit, rapide sinkende Qualität der Programmgestaltung und Inhalte, sowie eine schleichende Abkehr von ihrem Informations- und Bildungsauftrag vorwarf. Das diese Rede dem Schwarzen Kanal 2.0 in seiner Berichterstattung von der Dok-Filmwoche KEINE Erwähnung wert ist, erstaunt dabei nicht wirklich.
Und leider wird keiner der beiden Rüffel die Quotenjunkies in den Redaktionen dazu bewegen, von einer immer weiter in Richtung Prekariats-TV abgleitenden Sendepolitik abzulassen.
Eine Rückkehr dahin, als öffentlich-rechtliche Sender die Maßstäbe für Informationsqualität setzten, dürfte mit der heute dort üblichen „husch-husch und passt schon irgendwie“-Denke leider ausgeschlossen sein.
G. Westerby
UPDATE 28.10.09 13:00Wie das ZDF mit Lammerts umging, erfahren Sie übrigens hier: ARD und ZDF verweigern Lammert die Debatte - und spielen Berlusconi
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Bravo!
Ich rege mich immer "tierisch" auf, wenn (die Kehrseite dieser Abstinenz :-) irgendwelche Papstbesuche, Monarchen-Hochzeiten o.ä. parallel in den öffentlich-rechtlichen (und von mir durch Gebühren finanzierten) Sendern ausgestrahlt werden. Was für ein "Schwachsinn", wenn ich "so etwas" sehen will, kann ich mir doch den einen Sender auswählen, der das "Ereignis" bringt, oder? Muss ich dann "den ollen Ratzinger" parallel auf ARD, ZDF und Bayern 3 sehen? Wollen die mich etwa zwingen das anzuschauen? Nicht mit mir, dann schalte ich die Kiste aus :-) SexPower |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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