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Die Baupläne waren seid Jahren öffentlich. Der Investor mfi klappert seit langem für das Projekt, auch wenn es auf Grund der herbeigeredeten Wirtschaftskrise zwischenzeitlich schon mal auf der Kippe gestanden haben soll. Außer Lobhudeleien aus der Stadtpolitik und dem verwunderten Kopfschütteln der Bürger, ob Leipzig wohl noch eine Einkaufspassage mehr braucht, war sonst bisher nichts dazu zu hören.
Aber es war fast zu erwarten. Jetzt, kaum hat die „Blechbüchse“ ihr Aluminiumkleid ganz abgeworfen und ist der ruinöse Rest des 1943 durch Fliegerbomben zerstörten Kaufhauses am Brühl zu tage gekommen, regt sich Widerstand.

Foto: Westerby
Jetzt, da am ehemaligen Verwaltungstrakt des Kaufhauses der Abriß bereits begonnen hat. Offene Briefe werden geschrieben. Initiativen bilden sich. Ein Moderator von Leipzig-Fernsehen kettet sich an der Fassade fest. Mal abgesehen, daß das seinem Bekanntheitsdefizit nur kurzzeitig abhelfen und auch die Quoten dieses TV-Senders nicht verbessern wird, hat es auch mit journalistischer Objektivität nicht viel zu tun.
All diese jetzt plötzlich erwachten Aktivisten, die nun unbedingt das Kaufhaus von 1908 oder zumindest dessen Fassade wiederhaben wollen, müssen sich zwei Fragen gefallen lassen. Wieso fällt ihnen das erst jetzt ein? Und: Wer soll das bezahlen?

Foto: wikipedia/westerby collage: westerby
Ein Vergleich zeigt, von den einst mit Erdgeschoss sieben Etagen des alten Gebäudes, sind lediglich noch vier von den alten Mauern umgeben.
Foto: wikipedia/westerby collage: westerby
Betrachtet man sich diese im Detail, wird klar, der Feuersturm des Krieges und die Anbringung der Aluminiumfassade haben nichts, aber auch garnichts von der ursprünglichen Fassade übrig gelassen, von den Räumen im Inneren ist spätestens seit dem Umbau zur „Blechbüchse“ nichts mehr übrig. Eine Wiederherrichtung, eine Sanierung ist also nicht möglich, schlicht, weil nichts sanierungswürdiges übrig geblieben ist.
Der dann gern genommene Vergleich mit der Dresdner Frauenkirche geht fehl, ein Kaufhaus ist kein Sakralbau. Und ein Kaufhaus soll es schließlich wieder werden. Was man nicht erfährt, wenn man Unterschriftensammlern, Initiativen und Aktivisten zuhört, die Planungen für die „Höfe am Brühl“ sehen wohl vor, einen Teil der alten Fassade zu integrieren, als Denkmal.

Eine interessante Frage bleibt jedoch, ob die abgenommene Aluminiumfassade, die restauriert werden soll, danach wirklich das Parkhaus des künftigen Einkaufszentrums umschließen wird, oder ob sich da nicht „ganz plötzlich“ noch irgendwelche Hindernisse auftun werden. Hindernisse, die und alle Beteiligten werden große Krokodilstränen weinen, dann doch die Realisierung des ursprünglichen Projektes des Investors mfi zulassen, ohne Aluminiumkleid. Es gibt sowohl in der Bürgerschaft als auch in der Leipziger Politik wahrscheinlich so einige, die sich an diesem architektonischen Wahrzeichen aus DDR-Zeit stören. Mag sein, daß diese eine Chance wittern.
G. Westerby
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Blechbüchse - Zum Letzten: Das Ende vom 17.07.2010
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Habe vorige Woche auch den Blechbüchsen-Abriss fotografiert. "Wer soll das bezahlen?" ist immer ein Totschlag-Argument. Und dass "nichts, aber auch garnichts von der ursprünglichen Fassade übrig"-geblieben ist, mag ich auch nicht so recht glauben. Im Grunde ist es eine Geschmacksfrage zwischen Nostalgikern: sollen DDR-Blech-Moderne oder Kaiserzeit-Zitate das neue Einkaufszentrum aufhübschen? Ich wäre für letztere, auch durch Deine Fotos von 1908 bestärkt. Honeckerei gegen Klein-Paris?
home.arcor.de/hans9/grafik/blech06.jpg |
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"Eine interessante Frage bleibt jedoch, ob die abgenommene Aluminiumfassade, die restauriert werden soll, danach wirklich das Parkhaus des künftigen Einkaufszentrums umschließen wird, oder ob sich da nicht „ganz plötzlich“ noch irgendwelche Hindernisse auftun werden. Hindernisse, die und alle Beteiligten werden große Krokodilstränen weinen, dann doch die Realisierung des ursprünglichen Projektes des Investors mfi zulassen, ohne Aluminiumkleid".
Siehe Dresden. Abriß Centrum-Warenhaus. Alle waren sehr traurig - aber die Originalwaben der Fassade waren leider nicht mehr zu retten ... |
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Ist schon intererssant, wenn unter dem "modernen" 70er-Jahre Kleidchen noch der alte Hauskadaver aus der Kaiserzeit schimmelt..... Wird denn jetzt das gesamte Brühl-Projekt realisiert? Bei der Ausstellungseröffnung zum Wettbewerb Richard-Wagner-Platz (Anfang 2009) hat sich Herr zur Nedden recht zurückhaltend geäußert, die Auswirkungen der Finanzkrise waren noch nicht im vollen Umfang erkennbar.... ich würde mich freuen, wenn Westerby uns auf dem Laufenden halten könnte...:-))
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Was mir bei solchen Diskussionen immer ein bisschen kurz kommt: Die sozialistische Architektur kann man mögen oder nicht. In jedem Fall ist sie ebenso wie Immobilien aus der Kaiser-, Gründer- oder Biedermeier-Zeit ein Stück unsere Geschichte und daher wert, bewahrt zu werden. Nachdem man in Leipzig bereits den Großteil der DDR-Messebauten abgerissen und durch nicht minder seelenlose Kaufhausneubauten ersetzt hat ist die Erhaltung der Blechbüchse aus meiner Sicht umso wichtiger.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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