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Heute um 15.30 Uhr ist auf dem Leipziger Richard-Wagner-Platz, in der Hain-Strasse und am Brühl nichts besonderes zu entdecken. Menschen eilen vorüber, auf dem Weg zur Straßenbahn oder in die Innenstadt. Manche bleiben stehen, betrachten die nun völlig von ihrem Blechkleid befreite Kaufhausruine, fotografieren auch. Alles wie immer, ein typischer Samstagnachmittag in Leipzigs Stadtzentrum.
Dann fährt die Polizei vor. Erst ein Polizeibus, dann noch einer. Etwas später kommen dann noch drei Polizeimotorräder hinzu. Ein Mitarbeiter einer Wachschutzfirma steht da und telefoniert mit seinem Handy. Eine Gruppe um einen kleinen Mann in auffälligem roten T-Shirt geht auf die Polzeibeamten zu. 
Das ist Renato Bodenburg. Jener Moderator des Leipziger Stadtfernsehens, der sich unlängst an die Ruine des Kaufhauses am Brühl kettete.

Er hatte dazu aufgerufen, heute um 16:00 Uhr eine Menschenkette um das Kaufhaus herum zu bilden.
Tatsächlich findet sich eine Menschenmenge zusammen, wobei anfangs scheint, als blieben die anwesenden Ordnungshüter in der Überzahl. Die Zahl der Neugierigen nimmt zu, als Bodenburg mit einem Megafon weitere Ordner für seine Veranstaltung sucht. Die finden sich und bekommen orangefarbene Schutzwesten und Armbänder übergestreift.
Ein Transparent wird entrollt, das von seiner Aussage her sehr universell gehalten ist. Bodenburg präsentiert sich den anwesenden Fotografen und dann, um viertel nach vier soll sie gespannt werden, die Menschenkette. Am besten um das ganze Baugrundstück. Dafür hat es dann aber doch nicht gereicht, es wurde eine nur kleine Demo daraus. 
Eine Menschenreihe, nicht ganz so lang, wie das Grundstück am Brühl, zog einmal darum herum. Die zuvor gewonnenen Ordner umkreisten die Gruppe, wie Hütehunde ihre Herde. Mißtrauisch beäugte die Polizei das Geschehen. Aber alles blieb friedlich. Passanten schauten neugierig. Von denen ließ sich trotz einiger eifriger Agitationsversuche kaum jemand verleiten, mitzumarschieren. Auch die Sammlung von Unterschriften gegen den Abriß der Kaufhausruine vor, während und nach der Demo führte wohl nicht zu euphorisch machenden Ergebnissen. Nach knapp einer Stunde war alles wieder vorbei, die Menschenmenge von vielleicht zwei- oder dreihundert löste sich schneller auf, als sie zuvor zusammengefunden hatte.
Verwunderlich ist das nicht. Die Planungen zu dem Neubau der „Höfe am Brühl“, die den Abriß einschließen, sind lange bekannt. Das heute oft gebrauchte Argument, man könne ja erst jetzt sehen, was sich unter Aluminiumfassade verbarg, ist zwar richtig. Aber der Anblick des im Krieg zerstörten Mauerwerks begeistert wohl die Mehrheit der Leipziger nicht. Es ist daher auch verfehlt, von nicht funktionierender Bürgerbeteiligung zu sprechen, wie das nicht ganz unparteiisch die Leipziger Internetzeitung tut.
Auf den offenen Brief, der nach Bodenburgs erster Aktion an den Investor mfi gerichtet wurde, hat der reagiert. Mit einem Paukenschlag, wie es die LVZ nannte. Demnach wird der Investor nun nicht nur einen 15 Meter breiten Streifen der Steinfassade erhalten, sondern außerdem noch gut erhaltene Bestandteile der Steinfassade beim Abbruch sichern und einlagern. So soll eine spätere Verwendung durch Dritte möglich werden.
Es bleibt der nicht ganz unbegründete Verdacht, daß sich hier jemand in Szene setzt, der etwas gegen sein Aufmerksamkeitsdefizit tun will und dafür versucht, ein Anliegen der Leipziger zu instrumentalisieren, das eindeutig keines der Mehrheit ist.
Denn wer ist eigentlich Renato Bodenburg?
Renato Bodenburg, das vorweg, ist ein freier Mitarbeiter von Leipzig-Fernsehen.
Seine Aktionen rund um das Kaufhaus am Brühl haben mit Leipzig-Fernsehen nichts zu tun. Dies klarzustellen, darauf legt die Geschäftsführung des Senders gesteigerten Wert.
Im Wendejahr 1989 floh der damals achtzehnjährige Bodenburg über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik. Obwohl er es bis zu einem Job in Frankfurt/Main gebracht hatte, kehrte er kurze Zeit später, von Heimweh geplagt, in die DDR zurück.
Heute sieht Bodenburg, der sich als freier Mitarbeiter in der Leipziger Medienlandschaft durchschlägt, sich selbst als Schauspieler und Moderator. Ersteres untermauert er mit diversen Statistenrollen. Letzteres lebt er derzeit in dem Format „In Leipzig“ bei Leipzig-Fernsehen aus. Es brachte ihn aber auch schon bis zum MDR.
Im Jahre 2001 wurde er da als das neue Gesicht bei „Hier ab vier“ gefeiert.
Dieser Karriereabschnitt dauerte indeß nicht lang. Ende 2002 war Bodenburg wieder weg aus dem öffentlich-rechtlichen Rampenlicht.
Die Gründe dafür sind unklar. Beim MDR wollte man sich auf Nachfrage nicht mal daran erinnern, daß er jemals da war. Bodenburgs intensive Bemühungen, ein MDR-Magazin für seine Kaufhausaktionen zu instrumentalisieren, liefen ebenfalls ins Leere.
Die Vermutung liegt nahe, daß der ganze Kaufhausaktionismus mehr einem letzten Push der eigenen Karriere dienen soll, als dem guten Zweck.
G. Westerby
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Blechbüchse zum Letzten: Das Ende vom 17.07.2010
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Danke für den ausführlichen Bericht, vor lauter Kaninchenstall-Gehopse holt man sich hier ja fast die Myxomatose. Die Proteste an der "Blechbüchse" auf den Geltungsdrang des Herrn B. reduzieren zu wollen, greift meine ich zu kurz. Gewiss, das Baufeld ist weitgehend abgeräumt und eine andere Nutzung ist für die teure Innenstadtlage auch nicht in Sicht. Aber ist es wirklich eine weitere Allerwelts-Mall voller Plastikramsch und seltsam aussehenden Wachleuten, nach der die sächsische Seele lechtzt?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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