Vorhergehendes Kapitel: Die Akte Happenbeck II – Ediths Zeit
Quelle Messe Leipzig: Leipzig Frühjahrsmesse in den 1980er Jahren
Der Prozess fand nicht statt.
Die Ermittlungen dazu gab es schon.
Im Jahre 1984 sieht sich Edith mit einer Hausdurchsuchung und ihrer Aussage von 1975, der Betrieb hätte keine Edelmetalle und entsprechenden Schmuck mehr im Bestand, konfrontiert.
Die Ergebnisse der Durchsuchung im dritten Stock in der Katharinenstrasse in Leipzig sagen ein anderes.
In den Tresoren findet sich, was nach ihrer Ausage aus 1975 nicht dort sein dürfte.
Im Jahre 1984 implodiert Ediths Welt.
Unterlagen und Zeugenaussagen in der Akte aus jener Zeit häufen sich. Ehemalige Angestellte wollen dabei ihren Pelz sicherlich auch möglichst rein waschen.
Quelle Westerby: Parkkrankenhaus Leipzig-Dösen
Unklar bleibt nach Aktenlage, landete Edith wegen Alkoholismus doch irgendwann im Psychiatrie-Krankenhaus in Leipzig-Dösen und flog deswegen alles auf, oder landete sie eben dort, nachdem alles aufflog?
Das geht aus der Akte nicht eindeutig hervor.
Eindringlichste Ermittlungsarbeit allerdings schon. Schließlich war man in einem Fall vermeintlich höchstkarätiger Wirtschaftskriminalität tätig. Nur die vermuteten und wohl erhofften Verbindungen zum Klassenfeind, die Westkontakte, die blieben, was Ediths „Wirken“ nach 1975 angeht, nicht nachweisbar.
Dennoch hebt die Kripo einen Schatz.
Der gefundene Schmuck und die Edelmetalle in den Happenbeckschen Firmenräumen ergeben nach dem anfangs der achtziger Jahre korrigierten inländischen Edelmetallpreis einen Wert von rund zwanzig Millionen DDR-Mark.
Mehr als ein Jahr werden die Ermittler brauchen, um die vorhandenen Werte zu katalogisieren. Barrengold, Goldschmuck, Goldmünzen, Silber, Silberschmuck.
Quelle Westerby: Parkkrankenhaus Leipzig-Dösen
Edith, in der Dösner Klinik, wird vernommen, versteht die Welt und sich selbst nicht mehr. Der Alkoholentzug wird ihr zugesetzt haben.
Derweil werden von seiten des Staates Erbschafts- und sonstige Steuernachforderungen gegen Edith gestellt, in Höhe von etwa zwanzig Millionen DDR-Mark.
Irgendwann im Jahre 1985 kommt eine Staatsanwaltschaft in Leipzig zu der Erkenntnis, daß die Forderungen des Staates als solches mit der Einziehung des Happenbeckschen Vermögens ausgeglichen seien. Die Mühen der Ermittler bei der über ein Jahr dauernden Inventarisierung des Happenbeckschen Warenbestandes haben Früchte getragen.
Auch an das regelmässige und langzeitige Ein- und Ausgehen anzugtragender Herren in den 1980ern wollen sich heute damalige Anwohner nicht mehr erinnern können.
Vom Ende des Jahres 1985 stammt jedenfalls der staatsanwaltliche Bescheid, die Strafvorwürfe seien verjährt, außerdem sei die Deliquentin in der Psychatrie. Das Verfahren wird eingestellt.
Damit endet die Akte.
G. Westerby
Fortsetzung: Die Akte Happenbeck IV – Endzeit
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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