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Vorhergehendes Kapitel: Die Akte Happenbeck III – Der Prozess
Quelle Westerby: Leipzig, nach 1989
Nichts in der Akte dokumentiert das Ende.
Edith Happenbeck wird irgendwann in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre aus dem Dösener Psychiatriekrankenhaus entlassen, mehr oder minder geheilt von Alkoholsucht und Depressionen.
Mittellos wie sie ist, wird man ihr staatlicherseits Arbeit und Wohnung zugewiesen haben.
Vermutlich wurde sie irgendwo Sekretärin oder Pförtnerin. Sehr wahrscheinlich erhielt sie entweder eine Einraumwohnung oder landete im unsanierten Altbau mit Ofenheizung.
Vielleicht kam sie auch zurück in ihre Wohnung in den Plattenbauten am Brühl.
Wie ist es ihr damit gegangen?
War sie froh, wieder „draussen“ zu sein, wieder ihr Leben führen zu können. Oder lastete die Bürde des väterlichen Auftrages immer noch auf ihr, nun doppelt und dreifach schwer, da sie alles verloren hatte?
Wartet sie vielleicht immer noch auf den Bruder?
Ging sie pünktlich zu Arbeit oder begann sie bald zu bummeln? Zurück zum Alkohol vielleicht auch? Die Rückfallquote bei Alkoholikern ist hoch.
Wie ist ihr Umfeld? Angehörige hat sie keine. Findet sie Freunde, die sie zuvor nicht hatte, unter Vaters Fuchtel und dann im selbstgewählten Exil in der Katharinenstrasse? Oder starrt sie Abend für Abend auf den Fernseher oder auch nur auf die Wand, weil sie sich noch nicht mal diesen leisten kann? Fernsehgeräte waren teuer in der DDR, im Verhältnis zum Einkommen einer Sekretärin oder Pförtnerin.
Irgendwann in diesem neuen Leben der Edith Happenbeck kommt die „Wende“.
Es fällt schwer, sie sich bei Friedensgebeten in der Nikolaikirche oder bei den Montagsdemonstrationen auf Leipzigs Straßen vorzustellen.
Was erhofft sich Edith von der neuen Zeit? Erhofft sie überhaupt noch etwas?
In der Zeit nach 1989 ändert sich im Osten Deutschlands die Welt völlig.
Und noch einmal auch für Edith, als diese 1990 in Rente geschickt wird. Von den paar Märkern kann sie eigentlich nur eher schlecht als recht gelebt haben.
Aber die Antworten auf all diese Fragen sind bereits vom Dunkel der Geschichte verschlungen worden, obwohl diese letzte Etappe vor nicht mal zwanzig Jahren zu Ende ging.
Im Jahre 1996 stirbt Edith Happenbeck im Alter von sechsundsechzig Jahren.
G. Westerby
Quelle der Akte: Staatsarchiv Leipzig, Tag der Archive 2010
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lieber g. westerby,
ich habe alle teile mit interesse gelesen. und hätte gern noch mehr gewusst. aber daswürde dann sicherlich ins fiktionale rutschen. wie bist du auf diese frau gekommen? herzlich kk |
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Schließe mich k.k. an - das "Nichtkommentieren" ist bei solchen Texten eher die Folge von Faszination des Inhalts, nicht Desinteresse.
Ich mag solche Geschichten - ich denke, in Archiven findet sich da manches, wenn man denn Gelegenheit und Zeit zum Stöbern hat. |
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Ich habe Ihre Blogs in Sachen Happenbeck mit Interesse und Anteilnahme gelesen. Vorzüglich! Bedanke mich.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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