G.Westerby

Eine Art Held

26.06.2009 | 20:28

Die Arroganz der Provinz oder Dresdens Talibans

oder warum Dresden nun nicht mehr Weltkulturerbe ist.

Helma Oros, die aktuelle CDU-Oberbürgermeisterin der Elbestadt ist in Barcelona zwar noch quasi auf medialen Knien vor das Welterbekomitee gerutscht, um den GAU zu verhindern. Wirklich abnehmen kann man der ehemaligen Krippenerzieherin und heute eben führendem Mitglied der CDU in Sachsen die Ernsthaftigkeit dieses Engagements nicht.
Dresden, gerademal zum Weltkulturerbe im Jahre 2005 ernannt, ist dieses nicht mehr. Als weltweit erst zweite ExWeltkulturerbestätte überhaupt.
Nr. 1 war ein Wüstengebiet im Oman, wo man für die Verkleinerung eines (Weltkulturerbe-)Schutzgebietes für eine besondere Antilopenart vielleicht sogar noch Verständnis aufbringen kann.

Für die blindwütige Zerstörung 1.500 Jahre alter Buddha-Statuen durch relegiöse Fanatiker, wie die Taliban, hingegen nicht.Auf genau diesem "kulturellen" Level bewegt sich die Dresdner Politik. Oder eben auf dem derer, die die Stadt am 13./15. Februar militärisch sinnlos zerbomben lassen haben. Die Waldschlösschenbrücke hat die gleiche Qualität, nur daß Frau Orosz eben unverschleiert und ohne Brandbomben zum Meucheln des kulturellen Erbes antritt.

Eine Tunnellösung wäre wohl ebenfalls im Kostenrahmen machbar (aber vielleicht nicht von die Provinzfürsten unterstützenden Firmen zu bauen...) gewesen? Wenn denn eine Elbquerung an dieser Stelle stadt- und verkehrsplanerisch überhaupt sinnvoll sein sollte. Was von mehreren Experten bezweifelt wird. Entsprechende Erkenntnisse wurden den Dresdnern durch die regionale Politik in Vorbereitung des Volksentscheides zur Waldschlösschenbrücke jedoch nicht oder nur verfälscht präsentiert, um eine Mehrheitsmeinung pro Brücke und anti Weltkulturerbe zu erzeugen. Was wiederum fatal an z. B. die im Iran vorherrschenden „demokratischen“ Praktiken erinnert.  Oder an die DDR.

Dresden „braucht kein Weltkulturerbe“?
Ist diese Aussage jetzt das Entrée einer ihren Geschwistern Dummheit und Größenwahn auf dem Fuße folgenden unsäglichen Arroganz?
Oder wirkt da etwa immer noch die früher im „ARD - Außer Raum Dresden“ auffällige geistige Beschränktheit weiter, die man in Vorwendezeiten den damals nicht mit der Gabe des „Westfernsehens“ verwöhnten und entsprechend mehr an die Indoktrination des Honecker-Regimes angepassten Bewohnern des Elbtales durchaus unterstellen konnte? Orosz und auch der mehrfach wegen offensichtlicher Lügen über seine gar unchristlich regimetreue Arbeit in der DDR in die Schlagzeilen geratene CDU-Ministerpräsident und sorbische Nationalist Stanislaw Tillich sind Vertreter der letzten Generation dieser medial benachteiligten und daher möglicherweise ernst- und dauerhaft geistig geschädigten Elbtalbewohner. Womöglich mit weitreichenden Folgen.

Dresden „braucht kein Weltkulturerbe“?
Dumm nur ist, daß speziell fernöstliche Reiseveranstalter ihre Europa-Touren genau nach den Listen des Weltkulturerbes ausrichten.
Zwinger? Grünes Gewölbe? Alte Meister? Neue Meister? Weiße Flotte? Elbaue?
Es gibt auch noch eine Eremitage in Europa. Die hat mehr Bilder und auch noch Fabergé-Eier. Und einen Louvre.
Und ein Loreleytal, wo sich die regionale Politik nicht zu fein oder zu dumm ist, einen geplanten Brückenbau zuvorderst mit dem Weltkulturerbekomitee der UNESCO abzustimmen.

Dumm ist auch, daß sich diese Dresdner „Polit-Ritter von der traurigen Arroganz“ nicht daran werden messen lassen müssen.
Wenn die Auswirkungen des Verlustes des Weltkulturerbetitels durchschlagen, wenn Touristenzahlen sinken, wenn vor allem Mittelständler unter den Beherbergungsbetrieben und anderer Anbieter touristischer Leistungen die Insolvenzzahlenauf neue Höhen treiben werden.
Dann sitzen diese selbsternannten „Eliten“ und längst abgewählten ExBonzen, nach Einstreichung des Bakschischs längst wieder in ihren (touristischen???) Betrieben und heulen ob der schlechten Wirtschaftslage.
Oder wuchern sie, und vor allem ihre vormaligen „Förderer“, dann eher als Baulöwen in den nach dem Verlust des Weltkulturerbetitels zur Bebauung mit Eigentumswohnungen nun frei gewordener Bereichen des Dresdner Elbtals?

Xelbtal 2015 siehe: <a href=home.arcor.de/g.westerby/DDElebtal2015_2.jpg" width="408" height="303">

 
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Kommentare
micha74 schrieb am 30.06.2009 um 19:58
„Eine Zensur findet nicht statt ...“

Schade eigentlich, mancher Artikel (Beitrag) hätte es verdient. Was soll das? Provozieren? Wie kann man ernsthaft den 13. Februar (die Taliban) mit der Waldschlösschenbrücke vergleichen? Gemeinsamkeiten? .... Oh! Keine. Is aber wohl egal. Keine Frage die Entscheidung zur Waldschlösschenbrücke war falsch, die Argumente sind bekannt. Aber diese Vergleiche sind scheußlich, verharmlosend und menschenverachtend. Und dieses dietouristenkommennichtmehr Geheule. Mein Gott. So ein Quatsch.

Abwärts geht’s halt immer schneller.

Armer Freitag, war mal ne gute Zeitung

ein Dresdener
mahung schrieb am 01.07.2009 um 03:21
politisch korrekt! super gebrüllt, löwe. die brücke ist zwar real, aber die entscheidung falsch. welche meinen sie? welterbe wegen brücke weg? oder den bau derselben an sich? ich kenne den freitag von früher nicht, denke aber, dass "er" der freitag "früher" auch zu keiner anderen auffassung gekommen wäre. würde natürlich voraussetzen, dass es "den freitag" wirklich gäbe. zum thema wsb gibt es ihn aber nicht! es gibt höchstens einen kulturredakteur - michael angele - der einen ganz kurzen text, wenig wertend, mit viel mehr fotos verbunden hat, die einige welterbestätten zeigen. punkt. das ganze hieß dann irgendwie "ätsch dresden". ich bin natürlich als brückengegner der ersten stunde (völlig unabhängig vom unesco-urteil) moralisch diskreditiert.

sie sollten aber ihren groll, darüber das ein "irgendwie linkes" medium ihre - aus welchen gründen auch immer entstandene sympathie für die waldschlösschenbrücke - nicht ganz teilt, nicht als abwärtstrend des mediums selbst werten, sondern - das ist nun wieder meine subjektive sicht auf die dinge - ihre geringes verständnis der causa wsb in dd an sich einbeziehen. auch wenn es schwer fällt. es wird dann aber ein schuh draus.

und menschenverachtend ist ein vergleich mit den taliban? das müssen sie mir erklären! oder anders. wenn sie der meinung sind, dass der freitag wegen der veröffentlichung freier meinungsäußerung zum insgesamt randthema waldschlösschenbrücke zur zensur greifen sollte, dann frage ich mich wessen geistes kind sie sind? ein medium, welches so herrlich weit weg ist von der ärgerlichen provinzposse wsb, zur zensur aufzufordern, kommt fast dem gebaren der hiesigen cdu resp. fdp gleich. ich hoffe das war nicht ihr ansinnen. und außerdem - die brücke wird ja gebaut und darf bald, vor allem motorisiert, befahren werden.

ich gebe ihnen trotzdem recht: touristen kommen trotzdem. aber darum ging es nie. wenn sie ehrlich sind.
piiter schrieb am 30.06.2009 um 23:56
Wie hieß das DD Umland zu DDR Zeiten so schön ?
Tal der Ahnungslosen.
Nun denne, bleibt ahnungslos.

@Micha, ja, auch ich bringe mehr Verständnis dafür auf, eine gewachsene Kulturlandschaft zu zerstören, als z.Bsp. das ausssterben der seltenen Antilopenart hinzunehmen.
Die Brücke kann man in ein paar Jahrzehnten wieder abreißen, die Antilopenart leider nicht wieder zum Leben erwecken.
I.D.A. Liszt schrieb am 01.07.2009 um 07:42
Echt? In de Umgebung Dresdens gibt es eine seltene Antilopenart?
micha74 schrieb am 02.07.2009 um 21:52
@mahung

Zunächst: Wenn es irgend geht, bitte richtig lesen, statt nur rumzuschwallen. Aber das ist auch so eine Manie im Freitag (Sorry, in seiner dollen Blogger Community türlich).

Also nochmal: Ich bin selbst gebürtiger Dresdner und auch wenn ich seit 8 Jahren am anderen Ende der Welt in Leipzig wohne, ist mir die causa WSB (WoW! wo haben das aufgeschnappt ?) durchaus geläufig. Aber weiter. Ich habe, wie eigentlich auch deutlich geworden, keine Sympathie für die Brücke und mein Hauptaugenmerk lag auch auf dem Vergleich mit dem 13. Februar. Aber egal. Gilt natürlich auch für die Taliban. Wenn ich Verbrecher und Mörder der Taliban (der Nazis) mit dem politischen Kaspertheater in DD vergleiche, ist das ein Griff ins Klo. Ja, um es nochmal zu betonen, die Entscheidung war falsch, dämlich , provinziell und leider recht typisch für meine Heimatstadt. Nur wenn ich dann sage, dass ist wie bei den Taliban (noch blöder: wie bei den Nazis) ist das eine Verharmlosung der Taliban und deren Verbrechen und damit eine Verachtung, Missachtung der Opfer. Die Sprengung der Buddha Figuren war ein Akt der Barbarei (vom Rest der Politik der Taliban ganz zu schweigen), der Bau der Brücke ist es, bei aller möglichen Kritik daran, natürlich nicht. Klar? Nich?? Egal.
Und zum Freitag: Auch hier bitte mal lesen! Ich erwarte keineswegs, dass eine Zeitung meine Meinung wiedergibt. Und Zensur? Ja mein Gott, das war natürlich ganz ernst gemeint. Herjee.

Freundlichst
micha
G.Westerby schrieb am 10.07.2009 um 21:56
Wirklich interessant an den Kommentaren erscheint mir: Niemand befasst sich mit den facts. Und sorry - "wie bei den Nazis" offenbart ob der Tatsache, daß Dresden von Engländern und Amerikanern zerbombt wurde, nur eine so mangelhafte Allgemeinbildung, daß man sich im betreffenden Kommentar schon mal über fehlerfreie Rechtschreibung wundern darf. Wer, wie "micha74", den 13. Febr. bezügl. Dresden mit Talibans gleichsetzt, offeriert mehr mangelndes Wissen, als durch die mangelhafte Schulbildung entschuldbar wäre.
Im übrigen eint wohl alle "Kommenatoren", daß das eigentliche Thema "Elbtal 2015 - qui bono" verfehlt wurde. 6-setzen!
Und auch alle, die zu kommentieren müssen meinten, eint die Unfähigkeit, zu begreifen, auf welcher website sie sind. Was in diesem BLOG steht, ist meine Meinung - NICHT DIE DES FREITAG. Bis ihr das gerafft habt, also bis zum Ende des Groß Dämlichen Reiches, also so schätzungsweise in 11,5 Jahren, also bis dahin, kommentiert ihr besser auf blöd. - ähm sorry - bild.de.
Im übrigen, ich wurde nicht in Dresden geboren, ich hab nie da gelebt und heute lebe ich in Bangkok. Und versuche gerade in Thai-Schrift ein Hiroglyphenpaar zu finden, das "dumme Thai´s" und "dumme Dresdner" gleichsetzt. Wenn ich es gefunden habe, werde ich es hier veröffentlichen. Kann bei 42.000 möglichen Zeichen aber etwas dauern.
G.Westerby
micha74 schrieb am 17.07.2009 um 01:57
@ G.Westerby
Was? Dresden wurde von den Amerikanern zerbombt - das ist natürlich eine tolle Neuigkeit. Habe ich irgendwo das Gegenteil behauptet? Nein. Manche Schlüsse sind halt Kurzschlüsse. Mit Verlaub - Ich glaube kaum, dass ich von Ihnen Nachhilfe in Geschichte brauche. Ich habe mir lediglich die Freiheit genommen, Ihre, in meinen Augen, völlig falsche Herangehensweise (Ich meine nicht den Freitag …) logisch fortzusetzen.

Zitat:
Für die blindwütige Zerstörung 1.500 Jahre alter Buddha-Statuen durch religiösen Fanatiker, wie die Taliban, hingegen nicht. Auf genau diesem "kulturellen" Level bewegt sich die Dresdner Politik. Oder eben auf dem derer, die die Stadt am 13./15. Februar militärisch sinnlos zerbomben lassen haben.

Wer so denkt, muss jeden Akt kultureller Barbarei mit dem Bau der Brücke gleichsetzen. Sie kommen sich wohl ganz toll vor? Paar arrogante Sprüche ablassen und hier einen auf -über den Dingen stehen machen-. Lächerlich. Nochmal. LESEN!! (Vor allem auch mal ihr eigenes Zeugs) Können sie doch als Weltbürger, oder? Wo hat wer was gleichgesetzt? Wenn ich in einem Artikel Taliban UND die die Nazis erwähne, setze ich nichts gleich. Sie allerdings schon. (Siehe Zitat oben.) Ich würd SIE bitten, auch im anonymen Netz, solche grotesken Unterstellungen zu unterlassen. Sie werfen mir allen Ernstes mangelnde Bildung wegen eines Vergleichs vor, denn sie selbst wörtlich vorgenommen haben (Siehe wieder Zitat oben) und bringen es dann noch fertig, dem Rest der Kommentatoren Unverständnis vorzuwerfen?? Traurig.
Und dann dieses „Ich bin nicht der Freitag“ Gedöns, was soll das denn? Wer hat das denn behauptet? Wat? Niemand? Richtig!

micha
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