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MDR in Leipzig
Als Steuer wird eine Geldleistung ohne Anspruch auf individuelle Gegenleistung bezeichnet, die ein öffentlich-rechtliches Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen Personen auferlegt, die einen steuerlichen Tatbestand verwirklichen (Definition nach § 3 der deutschen Abgabenordnung).
Die „Fernseh-Steuer“ wird kommen, aber anders heißen.
Schließlich muß doch zukünftig auch der von ö-re-Medien unbelastete Haushalt ebenso zahlen, weil er eben Haushalt ist. Auch die 86jährige ehemalige Französischlehrerin, die bisher mit Bibliothek und Plattenspieler für lau weg kam, ist nach den aktuellen Plänen des Projektes „Fernseh-Steuer“ mit der vollen Dröhnung von 17,98 Euronen pro Monat dabei.
Da „Haushalt haben“ und „steuerlicher Tatbestand“ vermutlich irgendwann vor irgendeinem höheren Gericht kollidieren dürften, wird man es nicht Steuer nennen.
Auch die dafür geplante Übergabe von Daten der Einwohnermeldeämter an die GEZ bietet aus Sicht von Datenschützern noch Konfliktpotential.
Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird das Projekt „Fernseh-Steuer“ auf Grund der kräftig steigenden Basis von Zahlungspflichtigen wohl erheblich mehr als die bisher schon gewohnten Milliarden aus den Taschen der Zuschauer in die mit Werbemillionen vorgewärmten Kassen spülen.
Dennoch bleibt - aus Sicht der Senderchefs - nachvollziehbar, daß in den öffentlich-rechtlichen Programmen auch zukünftig auf die Quote, nicht auf Qualität und Bildungsauftrag geschaut werden wird. Für Bildungsauftrag und Qualität gibt es keine Werbemillionen.
Die gibts nur für Quote.
Fängt auch mit Q an und in einem Zuschauerfeld mit rapide und stetig sinkenden IQ, wie Prekariatsversteher Sarrazin kürzlich konstatierte, ist der Unterschied vielleicht auch nicht mehr wirklich wichtig.
Aber neben aller Empörung über Sarrazin und das Projekt „Fernseh-Steuer“, ein ganz anderer Effekt dieses Projektes wird medial derzeit fast völlig übersehen.
Das Artensterben!
Wird das Projekt „Fernsehsteuer“ so, wie derzeit geplant, umgesetzt, greift es ganz erheblich in unsere Biotope ein und fordert das Aussterben eines possierlichen Mitbewohners.
Sie gehören zu den Schlauen und Flinken in unserer Fauna. Sind clever wie ein Waschbärchen
Bild: wikimedia/Carsten Volkwein
beim Mülltonnenknacken, aber auch mal bösartig, wie ein mißgelaunter Marder
Bild: wikimedia/ Franco Atirador
unter der Motorhaube. Mit letzterem haben sie auch den finanziellen Schaden gemein, den sie bei unsachgemäßem Umgang mit ihnen verursachen können.
So ein richtiger Marder-Schaden kann in die Tausendeuroregion abgleiten. Einer dieser ungewollten Mitbewohner im Auto hatte sogar Brotscheiben zum Grillen auf dem Auspuffkrümmer angeschleppt und im Motorraum eingelagert.
Sonst sind Marder ganz possilierliche Tierchen. Das soll fairerweise hier angefügt sein. Vom Aussterben bedroht sind sie allerdings nicht.
Zurück zum Thema. Noch sieht man diese possierlichen und manchmal teuer werdenden Mitbewohner unserer Fauna verstohlen durch die Straßen schleichen. Sie schielen nach Antennen, wie weiland die Freie Deutsche Jugend auf der Jagd nach Westsenderkonsumenten.
Nein, sie suchen nichts zum Klettern, wie ein Waschbärchen vielleicht. Sie lungern vor Haustüren herum und vergleichen Adresslisten mit Klingel- und Briefkastenschildern. Waschbärchen dagegen können in der Regel nicht lesen.
Diese Fauna-Bewohner jedoch klingeln an Wohnungstüren. Sie geben sich als Homo sapiens sapiens aus und stellen verfängliche Fragen. Ob man das Fussballspiel gestern abend gesehen habe und ob aus der Wohnung des Nachbarn Radiogeräusche dringen würden. Oder so. Man sagt, sie würden vor fast nichts zurückschrecken auch gern mal die schmalen Geldvorräte der Bewohner von Einrichtungen für betreutes Wohnen plündern, so heisst es.
Im Wahlvolke ist der „Homo sapiens tributum exactores“, oftmals als „GEZ-Schnüffler“ bekannt.
Es soll wohl nicht ganz unberechtigt und durch das Auftreten besonders bösartiger Unterarten verursacht, auch noch üblere Bezeichnungen geben.
Dieser possierliche Mitbewohner unserer Fauna, unter dessen Artgenossen sich im Bereich des MDR auch schon mal gewesene Versicherungsvertreter mit Stasi-Vergangenheit tummeln sollen, wird mit der Realisierung des Projektes „Fernseh-Steuer“ im Jahre 2013 aussterben.
Wohl keine Rote Liste wird ihm nachtrauern.
G. Westerby
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Der Beitrag war fällig - und schön, wieder etwas von dir zu lesen.
Allerdings, ich fürchte, für diese besondere Spezies des gemeinen Kontrollettis wird sich eine neue Aufgabe finden: Haushalte zählen, vielleicht dann auch im Auftrag oder in Kooperation mit den ARGEN? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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