G.Westerby

Eine Art Held

01.12.2009 | 22:03

Fett-Enten-Grütze

Es ist keine 14 Tage her, da titelten nahezu alle deutschen Medien, vom "Blut&Sperma-Blättchen" bis zum „anspruchsvollen“ Nachrichtenmagazin (der FREITAG war eine der ganz wenigen löblichen Ausnahmen und beteiligte sich nicht daran) quasi unisono: „Menschen ermordet, Fett verkauft!“, worauf wolllüstig-blutrünstige Beschreibungen, wie aus dem Drehbuch eines Splatter-Films folgten.
(Der verlinkte SPIEGEL-Artikel dient als Beispiel, da es die google-news-Seite, auf die im Beitrag "medienhorror" verlinkt wurde, nicht mehr gibt)

Alle Argumente, warum die Geschichte so wohl nicht stimmen könnte, fanden garnicht oder bestenfalls am Rande statt. Zu schön pervers war die Geschichte, die Schlagzeile, als daß sich auch nur ein Redakteur die Mühe gemacht hätte, das weiter zu hinterfragen.

In einem lakonisch kurzen Beitrag teilt uns nun heute SPIEGEL-online mit, der Chefermittler der peruansichen Polizei sei entlassen worden, da er diese Geschichte erfunden habe. Nichts anderes war von Anfang an zu vermuten, okay, der chefermittler vielleicht doch nicht, aber die Erfindung der Ente.
Ebenso erwartet geht der SPIEGEL natürlich NICHT, mit keiner Silbe, darauf ein, daß man diese Grütze ja selber auch völlig unkritisch von der Agenturmeldung abgeschrieben und online gebracht hatte.
Die Anmerkung in dem heutigen Artikel, der peruanische Innenminister hätte die Story zuerst auch geglaubt, soll wohl als Ausrede dafür dienen. Der peruanische Innenminister? Wer ist das schon? Von einem Medium, das damit wirbt, seine Leser wüssten mehr, ist aber anderes, ganz anderes zu erwarten. Aber diese Werbung gibt es wohl schon lange nicht mehr, außer auf völlig veralteten Werbeaufstellern an irgendwelchen Provinztankstellen.

Ein wenig ungerecht ist die Schelte so schon, das sei zugegeben.
Sie trifft nicht nur dieses eine Hamburger Magazin, sondern alle anderen Medien auch, die diese Fett-Ente gebracht haben.

Ausgenommen sind nur die, welche mit für extrem Sehschwache geeigneten Lettern aufmachen, deren Artikel halbsoviel Raum wie die Überschriften einnehmen und wo sich auf irgendeiner der im niedrigen zweistelligen Bereich liegenden Seiten ein nacktes Mädchen tummelt. Die kann man sich ja mit dem Aufmacher: "Ente geschlachtet, Fett trieft!" nun wirklich nicht vorstellen.

G. Westerby

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
weinsztein schrieb am 02.12.2009 um 03:39
@G.Westerby Was möchten Sie uns mitteilen?

"Fett-Enten-Grütze"? Und was noch?
G.Westerby schrieb am 02.12.2009 um 09:02
weinsztein:
eigene Beiträge: 0
Kommentare: 284
B. Brecht hatte unrecht, von wegen es gibt keine...
GW
G.Westerby
„Die Täuschung der Öffentlichkeit durch Politik und Medien hat einen Grad erreicht, den ich für höchst gefährlich halte.“ ______________________________________________________________________
Mitglied seit:
3 Jahre 12 Wochen
Zuletzt aktiv:
17.07.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 130
Kommentare: 84
Mein Web:
Logbuch
04:10
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:59
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:33
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:29
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:27
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG