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Es ist keine 14 Tage her, da titelten nahezu alle deutschen Medien, vom "Blut&Sperma-Blättchen" bis zum „anspruchsvollen“ Nachrichtenmagazin (der FREITAG war eine der ganz wenigen löblichen Ausnahmen und beteiligte sich nicht daran) quasi unisono: „Menschen ermordet, Fett verkauft!“, worauf wolllüstig-blutrünstige Beschreibungen, wie aus dem Drehbuch eines Splatter-Films folgten.
(Der verlinkte SPIEGEL-Artikel dient als Beispiel, da es die google-news-Seite, auf die im Beitrag "medienhorror" verlinkt wurde, nicht mehr gibt)
Alle Argumente, warum die Geschichte so wohl nicht stimmen könnte, fanden garnicht oder bestenfalls am Rande statt. Zu schön pervers war die Geschichte, die Schlagzeile, als daß sich auch nur ein Redakteur die Mühe gemacht hätte, das weiter zu hinterfragen.
In einem lakonisch kurzen Beitrag teilt uns nun heute SPIEGEL-online mit, der Chefermittler der peruansichen Polizei sei entlassen worden, da er diese Geschichte erfunden habe. Nichts anderes war von Anfang an zu vermuten, okay, der chefermittler vielleicht doch nicht, aber die Erfindung der Ente.
Ebenso erwartet geht der SPIEGEL natürlich NICHT, mit keiner Silbe, darauf ein, daß man diese Grütze ja selber auch völlig unkritisch von der Agenturmeldung abgeschrieben und online gebracht hatte.
Die Anmerkung in dem heutigen Artikel, der peruanische Innenminister hätte die Story zuerst auch geglaubt, soll wohl als Ausrede dafür dienen. Der peruanische Innenminister? Wer ist das schon? Von einem Medium, das damit wirbt, seine Leser wüssten mehr, ist aber anderes, ganz anderes zu erwarten. Aber diese Werbung gibt es wohl schon lange nicht mehr, außer auf völlig veralteten Werbeaufstellern an irgendwelchen Provinztankstellen.
Ein wenig ungerecht ist die Schelte so schon, das sei zugegeben.
Sie trifft nicht nur dieses eine Hamburger Magazin, sondern alle anderen Medien auch, die diese Fett-Ente gebracht haben.
Ausgenommen sind nur die, welche mit für extrem Sehschwache geeigneten Lettern aufmachen, deren Artikel halbsoviel Raum wie die Überschriften einnehmen und wo sich auf irgendeiner der im niedrigen zweistelligen Bereich liegenden Seiten ein nacktes Mädchen tummelt. Die kann man sich ja mit dem Aufmacher: "Ente geschlachtet, Fett trieft!" nun wirklich nicht vorstellen.
G. Westerby
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weinsztein:
eigene Beiträge: 0 Kommentare: 284 B. Brecht hatte unrecht, von wegen es gibt keine... GW |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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