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Offensichtlich ist die Afghanisierung des Krieges in Afghanistan bereits im vollen Gange und scheint man sich für eine dem Vietnamkrieg ähnliche Strategie entschieden zu haben, wie dieser Bericht auf spiegel.de belegt.
Auch die vielfache mediale und politische Wiederholung macht die Aussage, die USA hätten den Krieg in Vietnam verloren, nicht richtiger. Auch wenn diese von den bekannten Bildern der Evakuierung der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon am 29. und 30. April 1975 gestützt zu werden scheint.
Bereits nach der Tet-Offensive Nordvietnams im Frühjahr 1968 standen sich unter US-Militärs und Politikern die gleichen Meinungsgruppen gegenüber, wie heute bezüglich Afghanistans. Der neugewählte Präsident Nixon erteilte den Fürsprechern einer massiven Aufstockung der US-Truppen in Vietnam und einer Ausweitung von deren Kriegseinsatz nicht zuletzt aus populistischen Gründen eine Absage und drängte auf die Vietnamisierung des Krieges. Zugleich begannen in Paris erste, jedoch vorerst erfolglose Friedensverhandlungen. Mit der „Nixon-Doktrin“ vom 25.07.1969 wurde die angestrebte Vietnamisierung des Konfliktes erstmals offiziell. Man erhoffte in Washington, dass die Südvietnamesen allmählich die Verantwortung bei der Kriegführung übernehmen würden und man die US-Soldaten stufenweise aus Vietnam zurückziehen könne. In der Folge wurden die Einsätze der US-Luftwaffe zwar ausgeweitet, die Anzahl der Bodentruppen jedoch Schritt für Schritt reduziert, so daß am 01. September 1972, also drei Jahre vor Ende des Krieges nur noch 39.000 US-Soldaten in Vietnam stationiert waren, im Vergleich zu 485.000 US- und 50.000 südkoreanischen Soldaten zum Jahresende 1967.
Abgesehen davon, daß es ohnehin nie eine Kriegserklärung zwischen den USA und Nordvietnam gegeben hat, es also formalrechtlich betrachtet, keinen Krieg zwischen den USA und Nordvietnam gab, haben die USA ihn auch nicht verloren, weil sie schlicht lange vor Kriegsende (am 01.05.1975), einfach aufhörten, weiter „mitzuspielen“ und ihre südvietnamesischen Verbündeten allein ließen.
Nahezu deckungsgleiche Abläufe kann man derzeit in Afghanistan beobachten. Dem oben genannten SPIEGEL-Bericht zufolge wurden bereits die Wahlen zum Teil von afghanischen Milizen „abgesichert“ und gehen diese nun gegen die Taliban vor.
Es ist noch nicht lange her, da bot der Westen den Afghanen, die sich von ihren Waffen trennen wollten, Geld. 100 US$ für eine Kalaschnikow zum Beispiel. Und bezahlte Millionen für dieses Entwaffnungsprogramm. Das aber ist offensichtlich inzwischen vergessen.
Während in Washington offiziell noch gegrübelt wird, ob eine massive Truppenaufstockung an Hindukusch, an Euphrat und Tigris Sinne mache, wird bereits die fortschreitende Afghanisierung deutlich. In einem Land, dessen Einteilung in Stammesgebiete bedeutender ist, als die administrativ aus Kabul gesetzten Bezirksgrenzen, wird dies nicht zur nationalen Einheit führen, sondern das gemässigte Chaos latenter Machtkämpfe der Clans nach sich ziehen, insbesondere, wenn die Ausländer abgezogen sind und die afghanische Staatsgewalt wieder massiv an Bedeutung einbüssen wird. Ob dies wieder in einem extremislamistischen Gottesstaat unter Talibanführung endet, muss offen bleiben, darf aber bezweifelt werden.
Fest steht nach diesem erneuten vergeblichen „Ausflug nach Afghanistan“, auf Sicht wird das Land nicht wieder auf der Liste attraktiver Reiseziele auftauchen, auf der es in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts schon mal stand.
G. Westerby
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Gut das Sie 'mal den "Spiegel" in Erinnerung bringen, das Problem mit diesem Magazin ist ja das es nie vorgreift aus Angst etwas falsch zu machen. Da ist ja sogar die "Bild" mit den Guttenberg-Interviews besser vernetzt. Ausserdem braucht Guttenberg bei der "Bild" auch keine spezifizierten Fragen befürchten.
Was im Spiegel steht konnte jeder Interessierte schon vor einem halben Jahr lesen (mother jones, New-Yorker, Tom Dispatch usw). Es lohnt sich das Orginal zu lesen. Der Vergleich mit Vietnam wird nur verwendet weil es eben wegen der Dems passt. Das Machtgefüge der süd-asiatischen Region und damit Pakistans Beteiligung an dem Krieg ist nicht vergleichbar mit der Entwicklung von vor 40 Jahren als die vietnamesischen Nachbarländer mit in den Orkus gesaugt wurden! Wir haben 2009, andere heldenhafte, vor allem risikolose Waffensysteme, diese unbemannten Flugkörper, aber wir werden nicht müde über "feige" IED's der Taliban zu nörgeln. Den Unterschied zwischen IED und Drohne heraus zu finden bleibt wenigstens einem toten Afghanen erspart. Um so mehr rächt sich jetzt das Obama den Krieg in Afghanistan immer wieder als "gerechten Krieg" während seines Wahlkampfes bezeichnet hatte. Das Pentagon hat sich längst eingeschossen, Milliarden-Aufträge vergeben und lässt neue Gefängnisse und Flugplätze in Afghanistan bauen. Gefängnisse helfen vielleicht eine Demokratie zu errichten. Die Verbündeten, einschliesslich Deutschland, verschanzen sich mit semantischen Verrenkungen hinter Bündnis-Treue gegen die eigene Bevölkerung. Wie Guttenberg z.Z; taktiert ist äusserst interessant, eins ist aber jetzt schon sicher: er wird die Rechnung am 13. Dezember präsentieren. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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