Es liest sich wie das Drehbuch zu einem Medienhorrorfilm. Nahezu alle deutschen Medien, vom "Blut&Sperma-Blättchen" bis zum „anspruchsvollen“ Nachrichtenmagazin (der FREITAG ist eine der ganz wenigen löblichen Ausnahmen und beteiligt sich nicht daran) titeln quasi unisono: „Menschen ermordet, Fett verkauft!“ und darauf folgen wolllüstig-blutrünstige Beschreibung, wie aus dem Drehbuch eines Splatter-Films.
Finstere Gestalten in Peru sollen Menschen töten um an deren Körperfett zu gelangen. Die Artikel strotzen nur so vor gruseligen Details und Unsinn und eine wirkliche Analyse dieser Nachricht, die man in einem "BLÖD-Blatt" nicht erwarten würden, liefern auch die anderen nicht.
So sollen es arme Bauern sein, die da „eingefangen“ werden. Das die zweifellos arme peruanische Landbevölkerung nun an übermässiger Fettleibigkeit leiden soll, erscheint schon mal unlogisch.
Weiter sollen die Opfer enthauptet, ihrer Extremitäten beraubt und dann über Kerzenflammen (!) aufgehängt werden, um auf diese Weise an das Körperfett der Opfer zu gelangen. Diese Vorgehensweise klingt ebenso gruselig, wie unsinnig. Schon weil von klinischer Hygiene und Sterilität nicht die Rede sein kann.
Nichtsdestotrotz soll das auf diesem Wege gewonnene und in Limonadenflaschen abgefüllte Fett für horrende Summen an die europäische Kosmetikindustrie verkauft werden.
Auch wenn man bar jeglicher Illusionen über die bei Megaplayern in Milliardenmärkten vorhandene Restethik ist, klingt das abstrus. Einmal, weil die „Qualität“ des angebotenen Produktes jenseits aller Maßstäbe sein dürfte.
Zum anderen, weil Experten aus Medizin und Kosmetik einhellig und logisch argumentieren, daß es für „Fremdfett“ keinen Markt gibt, in der kosmetischen Medizin wegen sonst zu erwartender Abstoßungsreaktionen nur Eigenfettbehandlungen vorgenommen werden und menschliches Fett in Kosmetika nicht vorkommt.
Aber selbst wenn es einen Markt dafür gäbe, menschliches Fett sollte doch wohl in Europa und den USA reichlich vorhanden sein und die vielen Kliniken, die Fettabsaugungen vornehmen, würden sich diese Nebeneinnahmequelle wohl nicht entgehen lassen.
Unbestritten soll bleiben, daß in Peru Leichen gefunden wurden und Menschen vermisst werden.
Die „Fettgeschichte“ beruht indeß auf einem Bericht der DPA und dem zufolge auf den Äußerungen eines peruanischen Polizisten. Als Quelle für solch seitenlange „Blutexzesse“ auch sogenannter „seriöser“ Blätter ist das wohl eher unzureichend.
Aber natürlich bringt es in Zeiten von qualitätsfernem Highspeed-Journalismus nicht ein Medium fertig, das wirklich mal zu hinterfragen. Das ist der eigentliche Medienhorror.
G. Westerby
(Beitrag ebenfalls erschienen in westerbys.blog)
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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