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In einem am Montag im Print-Spiegel erscheinendem SPIEGEL-Gespräch prangert der kurz vor seinem Ausscheiden stehende ZDF-Chefredakteur Brender die Dominanz der Politik in den öffentlich-rechtlichen Medien an. Das meldet SPON als Vorabmeldung und es wird von allen Online-Medien eifrig nachgekaut. Je nach Ausrichtung erfahren da insbesondere Aussagen von Brender zu einem senderinternen "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen", natürlich unterschiedliche Würdigung. Dazu zählt auch der Vergleich mit den Inoffiziellen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.
Mancher mag diesen Vergleich als zu gewagt ansehen. Immerhin gut möglich, daß Brender, der ja nicht im Guten scheidet, sich seinen Groll von der Seele geredet hat und dabei über das Ziel hinaus schoss.
Die unverholene Dominanz der Politik wird aber auch der Zweifler nicht in Abrede stellen können, betrachtet man die „Affäre Brender“.
Der in der Politik nicht nur gern gesehene Chefredakteur hatte bereits lange vor der anstehenden Vertragsverlängerung mit Anfeindungen zu kämpfen, bei denen sich inbssondere der Hesse Koch (CDU) als Handlanger hervortat.
Die im November 2009 nicht erfolgte Verlängerung von Brenders Vertrag als Chefredakteur wurde nicht durch eine meinungsgleiche Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat auf Grund fachlicher Mängel oder irgendwelchem Fehlverhalten getragen. Gegen die Meinung von Brenders Vorgesetzten, dem Indendanten des ZDF, wirkte hier eine ganz offensichtlich parteipolitisch indoktrinierte Mehrheit konservativer Politikvertreter.
Wo politische Indoktrination fachliche Kompetenz derart düpiert, da kommen schon mal Rinderoffenställe raus und ist natürlich der Gedanke an ähnliche Systeme nicht fern.
Wer sich jetzt jedoch ein von einer hochgeheimen Medienzentrale im Regierungsviertel in Berlin straff geführtes Informantennetz, vielleicht noch einschließlich regelmässiger Treffs in konspirativen Wohnungen vorstellt, geht ebenso falsch, wie die Motivationslage dieser Medien-IM dennoch sehr ähnlich zu der ihrer unrühmlichen Vorgänger sein könnte.
Bei der Stasi waren es + ideologische Überzeugung; + Aussicht auf Karrierevorteile, + positionsimmanente Bedingtheit, + Geldgier, + Angst vor Nachteilen und Erpressung.
Den öffentlich-rechtlichen Medien kann zumindest eine allgemein der Politik zugeneigte Meinungsbildung unterstellt werden. Betrachtet man die Geschichte der Bundesrepublik, wurden richtige politische Skandale zumeist von privatrechtlichen Medien und da überwiegend aus dem Printbereich, nicht vom Fernsehen, aufgedeckt.
Als Beispiele mögen die SPIEGEL-Affäre und die SPENDEN-Affäre genügen.
Unterstellt man nun, daß sich diese der Politik zugeneigte Meinungsbildung vornehmlich an dem jeweils regierenden Lager orientierte, dann war in der Geschichte der Bundesrepublik erheblich mehr Zeit und Raum, sich dem konsverativen Lager zuzuwenden. Das hat nun seine Auswirkungen.
Öffentlich sichtbar ist nur die Spitze des Eisberges, die gelegentlichen Ungeschicklichkeiten, öffentlich vorauseilender Gehorsam und ähnliche Entgleisungen, über die auch in diesem Blog schon berichtet wurde.
Viel drastischer sind die internen Wirkungen. Unterstellt man, daß wie zu DDR-Staatsfernsehfunkzeiten, der Besitz des „richtigen Parteibuches“ oder zumindest gute Beziehungen zum Besitzer eines solchen wichtig für eigenen Erfolg oder Mißerfolg sind, kann man davon ausgehen, daß sich in den internen Hierachien genügend Besitzer eines solchen „richtigen Parteibuches“ angesammt haben.
Das sind allemal nicht die Köpfe, die allabendlich über die Bildschirme flattern. Das sind die Ebenen, von denen man im allgemeinen im Fernsehen garnichts hört, außer es gibt einen Skandal. Also eine Frau Heinze zum Beispiel.
Noch mehr aber Redaktionsleiter, die meinungsbildenden Redaktionen, wie Politik, Nachrichten, Zeitgeschehen vorstehen und hinter den von ihrer Manschaft produzierten „eins-dreissigern“ so gut wie nie öffentlich auftreten. Gerade diese Redaktionen beschäftigen jedoch ein Heer an festangstellten Redakteuren, freien Mitarbeitern, selbständigen Kameramännern, Volontären, Praktikanten. Diese Mitarbeiterscharen sind existenziell abhängig von diesen Redaktionen und stehen untereinander in Konkurrenz. Was soll auch der Kameramann, der einst „auf Geheiss“ des MDR und unter Verweis auf personelle Anpassungen, in die Selbständigkeit ging, mit seinen 100.000 Euro Technikinvestitionen anfangen, wenn er vom Sender keine Aufträge mehr kriegt? Wohin soll sich der Redakteur, die Redaktionsassistentin wenden, wenn sie ihren Job verlieren? Speziell an den MDR-Standorten gibt es keine Wettbewerber, die neues Personal mit offenen Armen aufnehmen könnten.
Man kann sich auch den Volontär betrachten, der Redakteur werden möchte, oder den Chefredakteur, der auf den Abteilungsleitersessel schielt.
In einem solchen Umfeld und Klima ist das Entstehen informeller „IM-Strukturen“, ohne regelmässige Berichte und konspirative Wohnungen, aber mit weitverzweigten Beziehungsgeflechten, Informationskanälen und internen Druckpotential, „richtige“ Entwicklungen im Sinne des „Parteibuches“ zu befördern, durchaus denkbar, oder sogar mehr als wahrscheinlich.
Die Motivationslage scheint wirklich ähnlich: + ideologische Überzeugung; + Aussicht auf Karrierevorteile, + positionsimmanente Bedingtheit, + Geldgier, + Angst vor Nachteilen und Erpressung.
So gesehen, dürfte hinter den Aussagen von Nikolas Brender wohl weit mehr stecken, als nur Groll.
Ein veritabler Staatsparteifunk vielleicht?
G.Westerby.
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Deutschlandfunk und DeutschlandRadio Kultur sind die besten Beispiele. Absolut regierungashörige Sender (Sabine ADLER, Kappern, Bettina Klein, zur Heide, usw. usw. und an der Spitze Günther Müchler...)
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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