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Ende Februar 2010, irgendwo bei Strasbourg in Frankreich, später Abend. Auf einem Parkplatz an der Route Nationale 4 steht ein wuchtiger Geländewagen. Schwarz und so mit Lehm und Dreck bespritzt, daß man die Nummernschilder nicht lesen kann. Zwei Männer sitzen darin, warten, rauchen Gauloises.
Irgendwann rollt langsam ein grauer Mercedes mit deutschem W-Kennzeichen auf den Parkplatz. Darin auch zwei Männer.
Im Geländewagen wird die Lichthupe betätigt.
Der Mercedes hält neben dem Geländewagen.
An den Beifahrerseiten beider Fahrzeuge öffnen sich die Türen, die Männer steigen aus. Der aus dem Mercedes legt einen Aktenkoffer auf die Kofferraumhaube. Der aus dem Geländewagen öffnet den Koffer, begutachtet den Inhalt, leuchtet mit einer kleinen Taschenlampe hinein, tastet darin herum. „D’accord“ murmelt er schließlich, klappt den Deckel des Aktenkoffers zu und nimmt diesen an sich.
Der Mann aus dem Mercedes hat inzwischen einen Laptop auf der Kofferraumhaube gestartet.
Aus seiner Innentasche nimmt der Mann aus dem Geländewagen eine kleine weiße Papierhülle und gibt sie dem anderen. Dieser schiebt die darin enthaltene CD in den Laptop und schaut über die darauf gespeicherten Daten. „Okay“ murmelt er dann. Der Mann, der jetzt den Koffer hat, macht eine grüßende Handbewegung und steigt in den Geländewagen, der sofort gestartet wird. Mit aufheulendem Motor rast das schwere Gefährt über den Parkplatz, auf die RN 4 und davon in die Nacht. Der Mann aus dem Mercedes hat den Laptop wieder zugeklappt und auf dem Rücksitz des Wagens verstaut. Jetzt steigt er gemächlich wieder vorn ein und der graue Wagen rollt auch auf die Straße. In Richtung deutsche Grenze.
Müssen wir uns so den Ankauf der „Steuersünder-CD“ vorstellen?
Offensichtlich haben viele diese oder ähnliche Vorstellungen, denn wie den Medien zu entnehmen ist, erreicht die Zahl von Selbstanzeigen täglich neue Rekorde. Da der „Deal“ bei Selbstanzeigen ist, daß bei Gewährung von Straffreiheit die hinterzogenen Steuern zzgl. Zinsen zu zahlen sind, landen damit landen hunderte Millionen in der Staatskasse.
Was aber, wenn alle diese Selbstanzeiger nur schlechte Pokerspieler sind? Was, wenn es diese Steuersünderdaten-CD garnicht gibt? Wenn ein Cleverle im Finanzministerium sich das ganze, quasi als nachträgliche Trittbrettfahrerei zur Zumwinckel-Affäre nur ausgedacht hätte, darauf setzend, daß die Medien aller Couleur wolllüstig diese Ente schon richtig hochfliegen lassen werden?
Die Selbstanzeige-Millionen bleiben auch dann in der sonst ziemlich leeren Staatskasse, selbst wenn das mal irgendwann auffliegen sollte.
G. Westerby
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Originelle Idee. ;O)
rr |
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"Was, wenn es diese Steuersünderdaten-CD garnicht gibt?"
Fast könnte man tatsächlich meinen, dass ich mich hegemannesk inspirieren ließ ... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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