Eigentlich war in „Ausflüge nach Afghanistan“ vom 20. September 2009 das Thema schon abschließend behandelt. Selbst des Autors vielfache Nachfolgebeiträge, die in Folge seines „Springens aufs Stöckchen“, als Reaktion auf weitere Meldungen von der Front am Hindukusch, entstanden, waren eigentlich überflüssig.
Einen Krieg in Afghanistan hat seit Alexander dem Großen niemand mehr gewonnen und selbst dessen Provinzkonstruktion löste sich nach seinem Tod recht schnell wieder auf.
Aber nach 8 Jahren „Nichtkrieg“, nach 8 Jahren „ein bißchen schwanger“, will es Präsident Obama nun doch noch mal wissen und entsendet zusätzliche 30.000 Mann nach Afghanistan, stockt damit die US-Truppen im Land auf das Doppelte gegenüber dem Beginn seiner Amtszeit auf und hofft auf „Erfolg“. Von „Sieg“ sprach er vorsichtshalber schon mal nicht, kündigte aber allen Taliban und Al Kaida an, wann sie die Amerikaner los sein werden. 2011. In 2012 sind in den USA Neuwahlen.
Aber selbst „The Guardian“ attestiert ihm auch noch unter diesen Umständen eine 50:50 Chance.
Betrachtet man die Geschichte Afghanistans, so gab es diese 50:50 Chance nie, erst recht jetzt nicht, und jetzt wissen die Taliban- oder Al-Kaida-Kommandeure auch noch genau, wie lange sie sich einigeln und ruhig verhalten müssen.
Betrachtet man die Geschichte der USA, so hatten die bis zu einer halben Million Soldaten in Vietnam und entschlossen sich dennoch, sich mit der Ausrede der „Vietnamisierung“ aus diesem Konflikt davonzustehlen, weil die weitere Beteiligung an dem dortigen asymmetrischen Konflikt in den USA der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr zu vermitteln war.
Sogenannte asymetrische Kriege* sind schwer oder garnicht zu gewinnen, das wusste schon von Clausewitz mit seiner These vom „kleinen Kriege“. Er wusste auch, daß wenn nicht „alle moralischen und physischen Kräfte eines Staates als Mittel im Krieg eingesetzt werden könnten“, man die Sache eben abschreiben könne.
„Ein bißchen schwanger“ geht eben ebensowenig, wie „ein bißchen Krieg“
Trotz Obamas martialischer Rede in West Point und der erheblichen Truppenaufstockung, bleibt es bei „ein bißchen Krieg“ und der angestrebten „Afghanisierung“ des Konfliktes. Das kann nichts werden und wird nun wohl in zwei Jahren, nach geschätzt 1.000 zusätzlichen Toten der westlichen Truppen, mit einem Abzug und einer formal demokratischen Regierung in Kabul, in einer endgültigen „Afghanisierung“ des Konfliktes enden.
Und wenn der letzte westliche Streiter dann abgeflogen ist, wird dieser Konflikt ausgehen, wie nach Alexanders Tod oder wie nach dem Abzug der Russen im Jahre 1989. Die hatten es übrigens auch mit rund 115.000 Mann in Afghanistan versucht.
Oder anders ausgedrückt, es endet eben so, wie es auch heute enden würde, zöge man sofort ab. Nur eben ca. tausend Tote später.
Einziger Vorteil danach, es wird wohl nicht mehr soviel Heroin produziert werden, wie aktuell in Afghanistan. Unter den Taliban war das verboten und geschah nur insoweit, als die Einnahmen für Waffenimporte gebrauchtwurden.
G. Westerby
asymetrische Kriege* = kämpferische Auseinandersetzungen zwischen stark unterschiedlichen Gegnern, z. B. zw. einer organisiserten und hochgerüsteten Armee und Partisanen.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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