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Mit der Truppenaufstockung um 500 Mann einher geht eine „neue Strategie“ der deutschen Heeresgruppe Ost am Hindukusch, versuchten heute Akteure (Merkel, Westerwelle, zu Guttenberg) der Afghanistankonferenz im Bundeskanzleramt dem desinteressiert staunendem Wahlvolke zu vermitteln.
Griffige Schlagworte, wie
- Demokratisierung und Stabilisierung in Einklang bringen
- Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte,
- Präsenz in der Fläche zeigen, neudeutsch „Partnering“
- Erhöhung der finanziellen Aufbauhilfe,
- 50 Millionen Euro für Taliban-Aussteigerprogramm,
sollten dies illustrieren.
Aber sollte das alles, was da heute als „neue Strategie“ verkauft wurde, nicht schon längst und ständig passieren? Von dem neuen Bonbon „Taliban-Aussteigerprogramm“ vielleicht mal abgesehen?
Da drängt sich die Frage auf, was bitte hat denn die deutsche Heeresgruppe Ost in den letzten acht bis neun Jahren dort so getrieben, sieht man mal vom offensiven Vorgehen gegen Autodiebe ab?
Heisst eigentlich „Demokratisierung und Stabilisierung in Einklang bringen“, daß Karzai nun doch wegen Wahlbetruges in die Wüste geschickt und die Präsidentenwahlen wiederholt werden? Gehört dazu auch der heimlich, an allen Kriegswaffenkontrolleuren vorbei erfolgte Export der DDR-Straßenverkehrsordnung an den Hindukusch, samt grünem Rechtsabbiegerpfeil, 
oder ist das schon Bestandteil der „Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte“? Diese ist, hat sich herausgestellt, eine sehr effektive Methode, die Kampfkraft regionaler Kriegsfürsten und eben auch die der Taliban zu steigern, indem einheimischen „Sicherheitskräfte“ nach der Ausbildung die Seiten wechseln. Das hat nicht zuletzt der Anschlag auf CIA-Agenten doch recht gut belegt.
„Präsenz in der Fläche zeigen“ heisst schlicht und ergreifend, durch direkte Beteiligung deutscher Soldaten an Operationen afghanischer Truppen steigt deren Abschussrisiko erheblich.
Genau das möchte man aber dann so deutlich doch nicht sagen, sondern behauptet, das Konzept bedeute weder mehr noch weniger Gefahr für die deutschen Soldaten. Auch wenn sich schon Ottonormalwehrdienstler an drei Fingern ausrechnen kann, daß dies nicht stimmen kann.
Die „Erhöhung der finanziellen Aufbauhilfe“ ändert nichts an den Realitäten im Lande, sieht man mal davon ab, daß die Teilnahme an der örtlichen Korruption noch attraktiver wird.
Die „beste“ Idee indeß ist das neueste Bonbon, das „Taliban-Aussteigerprogramm“!
Ausstiegswillige Taliban sollen Gewalt und Terror abschwören, dann sollen sie Jobs, Ausbildung und Geld erhalten.
Es wäre ungerecht, die Erfolgsaussichten dieser Idee an ähnlichen Programmen für Ausstiegswillige aus der deutschen Neonazi-Szene zu messen, auch wenn diese mehrfach mangels willigen Aussteigern eingestellt werden mussten.
Vielleicht denken Taliban ja doch pragmatischer als deutsche Extremisten.
Die Schwierigkeiten liegen woanders.
Zum ersten, wer bitte sind denn jetzt die Taliban? Die mit den Bärten und Turbanen oder die mit den Turbanen und Bärten?
Wie soll überhaupt belegt werden, daß Gewalt und Terror abgeschworen wurde? Reicht das einfache Ehrenwort oder ist das Vorlegen personalisierter Drohbriefe der Ex-Kollegen erforderlich?
Selbst in den komplett durchbürokratisierten beiden deutschen Staaten wurde nach dem Mauerfall nicht nur vereinzelt das Begrüssungsgeld mehrfach abgefasst. Was soll das werden in einem Land, in dem das Wort „Einwohnermelderegister“ unbekannt ist und echte Personalausweise so häufig sein dürften, wie weiße Elefanten?
Wenn denn Taliban sich doch so viel pragmatischer wie deutsche Extremisten zeigen sollten, könnte es nicht auch sein, daß dieses Ausstiegsprogramm besonders pfiffigen Talibanesen eine sommerfrischegleiche Möglichkeit des Überwinterns bis zum Abzug der internationalen Truppen gibt?
Macht sich eigentlich irgendwer, Politiker oder der Leser wirklich Illusionen, was trotz aller Strategien und Programme, trotz aller Brunnen und Schulen, trotz aller neuausgebildeten, aber zu 70% dennoch analphabetischen Polizisten und Soldaten nach dem Abzug der westlichen Truppen in Afghanistan passieren wird? Glaubt wirklich jemand daran, daß man in ein paar Jahren den Hippietrail wieder befahren kann und es Pauschalreisen nach Bamiyan gibt? Nach "Abarbeitung" der aktuell noch bestehenden Blutrachefälle aus den letzten dreissig und insbesondere aus den letzten zehn Kriegsjahren, vielleicht. Irgendwann. 2350?
G.Westerby
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Gute Fragen. Hat Broder den Artikel schon gelesen, bevor er seinen schrieb? Oder, abgrässliche Idee - bist du Broder?
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Präsenz in der Fläche hatte ich mir anders vorgestellt.
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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