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Foto: Westerby
In der Talk-Show „FAKT ist...“ widmet sich der MDR heute um 22:05 Uhr einem speziellen Thema: „Eine Frau aus Ostdeutschland bewirbt sich im Westen und wird mit dem Vermerk "Ossi" abgelehnt“ und wirft die Frage auf, mit der sich jetzt auch ein Stuttgarter Arbeitsgericht zu befassen hat: „Sind Ostdeutsche vielleicht sogar eine eigene Ethnie...“?
Keine Erwähnung bei dem TamTam zum Thema findet die Tatsache, daß die Dame wohl schon im Jahre 1988 aus der damaligen DDR in die BRD übersiedelte, also zu einer Zeit, in der es im Westen Deutschlands noch das Wort von den „Brüdern und Schwestern im Osten“ gab und man sich ansonsten von einer Wiedervereinigung soweit weg fühlte, wie vom Mars.
Von den „Brüdern und Schwestern im Osten“ war nach Kohls Reden 1989 in Dresden und vor der DDR-Volkskammerwahl 1990 dann nicht mehr viel zu hören, umso mehr von Ossis und Wessis und was dabei herauskäme, wenn man beide kreuze – arrogante Arbeitslose.
Nun wird niemand darum herumkommen, festzustellen, daß es Unterschiede zwischen den Menschen gibt. In Hamburg gehen die Uhren anders als in Thüringen oder Bayern. Anders auch, als in Rostock? Wahrscheinlich. Nur werden auch die sorgsam beachteten Unterschiede zwischen Schwaben und Badensern zumeist nur mit humorigem Unterton gepflegt und nicht mit einer bierernsten Verbissenheit, wie die zwischen Ossis und Wessis. Was aber auch gleich zur Lokalisation der meisten diesbezüglichen Pflegebemühungen führt, zum Stammtisch. Je niedriger Einkommensniveau und kollektiver IQ an selbigem sind, desto bemühter und ernster sind die Pflegebemühungen, auch was die eigenen Vorurteile angeht. Da haben wir schon mal eine große Gemeinsamkeit zwischen den Os und Ws.
Nicht wegzudiskutieren sind faktische Unterschiede, die zum Teil aus den unterschiedlichen Entwicklungen in der Zeit zwischen 1945 und 1990 resultieren, in der je zwei Generationen in Ost und West sich getrennt voneinander und unter unterschiedlichen Vorzeichen entwickelten.
Zumindest aber zur Hälfte resultieren diese Unterschiede auch aus politischem Gestaltungswillen.
Zu ersterem gehören unterschiedliche Sozialisation, verschiedene Bildungs- und Berufswege, was noch nichts über die Qualitäten aussagt, aber wohl entscheidend mit dazu beiträgt, daß nach einem historisch kurzen Zeitraum von nur zwanzig Jahren Führungspositionen in Wirtschaft, Industrie, Politik und Bildung überwiegend noch in den Händen von Personal aus den alten Bundesländern sind.
Zum zweiten gehören unterschiedliche Einkommen für gleiche Arbeit. Dies ist das Ergebnis ausgeprägter Klientelpolitik von Parteien und Gewerkschaften und spart überdies Bund und Neuen Bundesländern dort Geld, wo diese die Entlohnung tragen müssen. Als politisch gewolltes Ergebnis trägt es allerdings auch zur Verfestigung von Vorurteilen, vor allen an Stammtischen und bei den „Altbundesländereliten“ bei, die keine persönlichen Erfahrungen und Kontakte mit den neuen Bundesländern haben.
Durchgreifende Veränderungen sind über kurz nicht zu erwarten, sie funktionieren nicht auf Kommando, sondern nur durch die gemeinsame Entwicklung kommender Generationen.
Ob der MDR-Talk heute zu dieser Einsicht gelangt, muß offen bleiben.
Offensichtlich hat man sich, wie auch bei anderen Medien, die in diesem Zusammenhang von den Ossis als eigene Ethnie sprechen, den Blick ins Lexikon der Völkerkunde gespart. Als jüngerer Fall einer sich als eigene Ethnie neu gebildeten Bevölkerungsgruppe werden dort die Afroamerikaner genannt, die auf die bis zum Jahre 1808 nach Nordamerika verschleppten afrikanischen Sklaven zurückgeht.
Beruhigend zu wissen bleibt, in Melbourne, Oslo, San Francisco oder Tokio oder sonstwo außerhalb der in dieser Frage wohl doch noch etwas muffigen germanischen Provinzen wird bei der Antwort „Germany“ auf die Frage, woher man komme, keine Unterscheidung in „East“ oder „West“ gemacht, es sei denn, der Antwortende legt selbst Wert darauf.
G. Westerby
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Tja, Herr Westerby, heute will ich Sie ernst nehmen.
Wie lautet also Ihre Botschaft genau? Ungerechtigkeiten wie unterschiedliche Löhnen in Ost & West solle man nicht bekämpfen? Besser abwarten, bis kommende Generationen es richten? Unterschiedliche Sozialisationen - was heißt das schon? Die gab es auch innerhalb West wie Ost. Verlor der Westen, als er den Osten übernahm? Warum hätte er das tun sollen? Oder verlor der Osten mit den besser gebildeten Menschen, weil der kapitalistische Westen industrielle Oststrukturen ganz billig übernehmen konnte? Klug und langfristig gedacht, nach der Maßgabe: wer wen? (Das kannten die im Westen auch.) Beste Grüße weinsztein (west) |
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Was gibt es da zu Jammern. Billige Arbeitskräfte sind keine spezielle Ethnie, sondern mehrere Millionen Deppen, die das so wollten. Sie haben doch in der Schule ausgiebig gelernt wie Kapitalismus funktioniert.
Die Unterscheidung zwischen Ossi und Wessi ist politisch gewollt(Demokratisch gewählt) und von diesen gesetzlich fixiert. Die unterschiedliche Sozialisation verschwindet mit den aussterbenden Generationen. Es gibt also gar kein Problem, das ist doch alles nur Propaganda. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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