G.Westerby

Eine Art Held

29.10.2009 | 14:40

Quotenwahn

Täglich werden morgens die Fernseheinschaltquoten des Vortages bekannt. Ermittelt durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), bilden sie die Droge für die Qoutenjunkies in den TV-Redaktionen. Die Quote hat immensen Einfluß auf den Preis von Werbezeiten im Fernsehen. Und ist Maßstab für persönlichen Erfolg der Sendungsmacher, der Chefs vom Dienst und natürlich auch der Chefredakteure, Fernsehdirektoren etc....

Wie kommt dieses "Goldene Kalb" des Fernsehens zustande?
Die GEZ, die Anstalt, die im Auftrage der öffentlich-rechtlichen Sender die Rundfunkgebühren für Radios und Fernseher einzieht, geht von 42,5 Millionen Teilnehmerkonten aus, die GfK hingegen nur von ca. 34 Millionen sogenannter Fernsehhaushalte.
Eine Hauptursache dafür liegt möglicherweise darin, daß durch die GEZ auch Unternehmen erfasst werden. Eine logische Begründung, wieso zur Quotenerfassung nicht berücksichtigt wird, daß Hans Meier sich im Büro eine Sendung auf TV1 anschaut, während seine Gattin zuhause TV2 schaut, erschliesst sich schon mal nicht.

Durch die GfK wird in einem TV-Panel, einem (Zitat GfK-Webseite:) „...nach statistischen Methoden ausgewähltem repräsentativen Kreis von Haushalten...“ das sogenannte Fernsehnutzungsverhalten ermittelt. Genauere Angaben zu diesem TV-Panel waren auf der GfK-Webseite nicht zu finden. Aus gutem Grund offensichtlich.
Veröffentlichte Zahlen, die man zu Größe dieses TV-Panels findet, sind unterschiedlich, eine Größenordnung vom ca. 6-8.000 kann aber als realistisch angenommen werden. Das sind aber lediglich 0,01% der von der GfK angenommenen Fernsehhaushalte! Aus deren Fernsehnutzungsverhalten wird dann auf ganz Deutschland hochgerechnet. Dieses Verhältnis von Testmenge zu Gesamtmenge darf als fragwürdig bezeichnet werden.

Und was wird als sogenanntes Fernsehnutzungsverhalten erfasst? Das jeweils gesehene Programm und die Anzahl der Personen vor dem Fernseher. Nicht erfasst wird, was dort tatsächlich passiert! Dudelt ein Musiksender nur als Hintergrundbeschallung den ganzen Tag oder als Einschlafhilfe? Oder wird konzentriert eine Nachrichtensendung verfolgt? Eine Erfassung der Nutzungsqualität erfolgt also NICHT.

Hinzu kommt, den Mitgliedern dieser TV-Panel-Haushalte ist die Zugehörigkeit zum TV-Panel selbstverständlich bekannt. Was zweifelsohne unbewusste Einflüsse auf das Sehverhalten haben dürfte.

Auch NICHT erfasst wird auf diesem Wege die Anzahl der TV-Nichtnutzer. Und vermutlich auch NICHT die Zahl der Nutzer im gewerblichen Umfeld, siehe vor.

Genauigkeit sieht aber anders aus. Genauigkeit, die man bei solch Euromilliarden bewegenden Zahlen (Marktvolumen TV-Werbung laut Nielsenresearch in Deutschland im ersten Halbjahr 2008 immerhin 10,2 Milliarden Euro), wie den Einschaltquoten aber erwarten dürfte. Statt dessen wird hier mit Zahlen hantiert, deren Substanz nahe an dem ist, was sich mit deutlich weniger Aufwand auch aus dem Kaffeesatz lesen lässt.

Wieso die werbungtreibende Wirtschaft das akzeptiert, bleibt ein Rätsel.
Wieso jemand die so „ermittelte“ Quote als Abbild der Zuschauerakzeptanz und damit Qualitätsbeurteilung der eigenen Arbeit ernstnehmen kann, ebenso. Es sei denn, er oder sie ist auch nicht ganz ernstzunehmen.

Indeß, der im Fernsehen vorherrschende Quotenwahn befördert Existenzen und Karrieren ebenso, wie er sie auch brutal vernichtet. Und darüber entscheidet ein virtueller Wert ohne empirischen Nutzen.

G. Westerby

 
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