Die Hoffnungen waren, adäquat zu der gefühlten Bedeutsamkeit als Landeshauptstadt, groß, damals zu Anfang der 1990er Jahre. Aus der schmuddeligen und altlastenversuchten Hinterlassenschaft der abziehenden Roten Armee sollte ein gewinnbringendes Schmuckstück werden. So investierte die Politik in Sachsen-Anhalt dann auch eifrigst in das, was nicht erst nach der Pleite der Betreibergesellschaft im Jahre 2001 zum gefühlten Sorgenkind wurde.
Aber war das nicht absehbar?
Bis nach Berlin sind es rund 200 km, bis nach Schkeuditz sogar nur etwa 100 km. Ein dritter Flughafen in diesem Umfeld würde es schwer haben, das muß doch auch bei aller Anfangseuphorie der Kohl’schen „Der Aufschwung kommt“-Ära klar gewesen sein. In Magdeburg hingegen plusterte man sich in vermeintlicher Bedeutsamkeit und investierte munter weiter in den ehemaligen russischen Militärflugplatz Cochstedt.
Quelle: www.airport-cochstedt.de
Nach der Pleite begab man sich dann ernüchtert auf Investorensuche.
Für den Flughafen oder für ein „Gewerbegebiet mit Landebahn“. Rund 75 sollen es gewesen sein, in den letzten zehn Jahren, die dafür, immer mit entsprechend großen Plänen, im Gespräch waren, aber wohl nie auch das entsprechend große Geld locker machen wollten oder konnten. Auch wenn die Cochstedt-Preise stetig fielen.
Zuletzt wurde Anfang 2009 gejubelt, nun endlich den endlos reichen Märchenprinzen aus Abu Dhabi gefunden und zum Kauf überredet zu haben. Für neun Millionen Euro sollte das kostenträchtige Sorgenkind der Magdeburger Landesregierung den Besitzer wechseln.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren allerdings bereits 60 Millionen Euro Steuergelder in das Projekt, in Instrumentenlandesysteme, in den Ausbau der Start- und Landebahn und eben auch in den Erwerb der Konkursmasse geflossen.
Der Märchenprinz ließ sich erstmal Zeit und war wohl doch nicht so endlos reich. Im Frühjahr 2009 bat er um Zahlungsaufschub für zwei Jahre. Letztlich wurde nicht einmal die vereinbarte erste Rate in Höhe von einer Million Euro überwiesen. Das führte dazu, daß das Land Sachsen-Anhalt vom Kaufvertrag zurücktrat nun und wieder mit dem Sorgenkind Cochstedt allein war.
Nicht ganz ein Jahr später wird nun in Magdeburg wieder „Ende gut, alles gut“ geträllert und mit der Airport Development A/S der nächste Investor präsentiert. Für lediglich 1,5 Millionen Euro soll die dänische Aktiengesellschaft Cochstedt erwerben. Das ist ein Stück weg von noch neun Millionen im Vorjahr. Von der Differenz zu 60 Millionen Euro Investitionen des Landes, also um es klar zu sagen, von 58,5 Millionen verbranntem Steuergeld, mal ganz zu schweigen.
Der neue Hoffnungsträger Airport Development A/S bringe gute Erfahrungen in der Entwicklung von Flughäfen und Gewerbeflächen mit, sagte der sachsenanhaltinische Wirtschaftsminister Haseloff bei der Vorstellung des Deals.
Dies und wohl die Schlagerzeile „Dänen lügen nicht“ soll nun Hoffnung machen auf ein Happy-End.
Betrachtet man jedoch die Airport Development A/S etwas genauer, fällt auf, daß die Firma erst im Jahre 2007 von dänischen Immobilieninvestoren gegründet wurde. Anlaß war die Übernahme des Brandenburger Flugplatzes Neuhardenberg. Zu Zeiten der DDR war das der Militärflugplatz Marxwalde.
Neuhardenberg sei ihr erster Flugplatz, sagte im November 2007 Michael Agaled, einer der Dänen, der Märkischen Oderzeitung.
Seitdem haben sie ihre „guten Erfahrungen“ offensichtlich noch mit dem Besitz des Verkehrslandeplatzes Fürstenwalde, der über zwei ca. 900 m lange Graspisten verfügt, vertieft.
Geht also die Magdeburger Euphorie über die erfolgreiche Entsorgung eines Millionengrabes samt vollmundiger Verlautbarungen zu dessen Zukunft in blühenden Landschaften wiedermal etwas zu weit?
Über regelmässigen Flugbetrieb in Neuhardenberg war heute telefonisch von Anwohnern jedenfalls nichts zu erfahren.
In Cochstedt soll es bereits im Sommer diesen Jahres soweit sein.
G. Westerby
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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