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„So werden unsere Gebühren verpulvert!“ titelt die BILD-Zeitung heute und deckt auf: „Anne Will kostet doppelt soviel, wie Maischberger!“
Wer Anne will und nicht Sandra, mag das zahlen, aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und damit hier irrelevant.
Fakt ist, und damit ist nicht die gleichnamige „Talkshow die keiner braucht“ des MDR gemeint, der Aufreger, wie im übrigen fast alle Reaktionen der Medien darauf, geht am Kern des Problems wieder mal vorbei. Es wird begeistert zugeguckt, wie die falsche Sau durch’s Dorf gejagt wird.
Platte Vergleiche, daß die große Talkrunde mit mehreren Gästen und vor Publikum teurer in der Produktion sei, als die intime Fragestunde zwischen Moderatorin und einem Gast ohne Publikum, eignen sich zwar hervorragend als Aufreger für ein DSDS-verwöhntes Massenpublikum, aber eben auch nur als das.
Unbenommen jedoch, dem Schlendrian und der Geldverschwendung sind in den behördengleichen, behäbigen öffentlich-rechtlichen Medienanstalten Tür und Tor geöffnet, so wie in jedem Beamtenstadel und zuletzt dient immer noch die Ausrede vom „öffentlich-rechtlichen Auftrag“ als allgemein akzeptierte Beruhigungspille.
Aber der Teufel steckt in den Details, nicht in den BILD-Schlagzeilen. Die aber sind kaum öffentlich und wohl schon garnicht der BILD bekannt.
Natürlich ist die Frage berechtigt, ob es wirklich wirtschaftlich sinnvoll und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag dienlich ist, daß hochbezahltes Personal von ZDF, ARTE, MDR, desweiteren eine externe Produktionsfirma, freiberufliche Regisseure und Kameraleute sowie noch diverse Verarbeitungsdienstleister für Filmschnitt u. ä. sich geschlagene zwei Jahre damit befassen, ein 90minütiges Dok-Filmepos über den Sport im geteilten Deutschland zu produzieren, welches noch dazu nach seiner groß angekündigten und dann nicht wirklich inszenierten DokFilmWochen-Premiere 2008 sang- und klanglos im Orkus verschwindet und danach nur nochmal im Programm von ARTE gezeigt wird. Die von der externen Produktionsfirma initiierten Videoverkäufe auf amazon.de für 13,99 EUR dürften die Kosten schwerlich wieder hereinbringen.
Aber diese Frage stellt niemand, weil außer Insidern, die weil profitierend oder sonst existenziell bedroht, die Klappe halten, kaum jemand diese Fakten kennt.
Natürlich sollte die Frage erlaubt sein, ob eine Provinzsenderblondine wie Ines Krüger als freie Mitarbeiterin des MDR für EINE! Moderation der „Talkshow die keiner braucht“ wirklich dem Vernehmen nach zehntausend Euro wert ist. Und sie moderiert diese Talkshow viermal im Monat! Aber auch diese Frage kann aber quasi niemand stellen, weil ausser den Beteiligten niemand die Details kennt.
Natürlich sollte auch die Frage berechtigt sein, ob die qua öffentlich-rechtlichem Heimatsender erlangte Popularität einer freiberuflichen Moderatorin durch diese so einfach als laszives Bühnenblondchen zur Profitmaximierung durch gut honorierte Moderationen von Möbel- oder Autohauseröffnungen und ähnlichem eingesetzt werden darf oder ob dies nicht ähnlich anrüchig ist, wie die bezahlte Schleichwerbung einer Andrea Kiewel.
Natürlich sollte die Frage erlaubt sein, ob es zulässig und mit den Grundsätzen journalistischer Ethik vereinbar sei, wenn ein Abteilungsleiter einer öffentlich-rechtlichem Medienanstalt einer Magazinsendung seines Verantwortungsbereiches schlichtweg die Berichterstattung über die Schieflage eines Finanzinstitutes verbietet, weil er um den Wert seiner Aktien fürchtet.
Nur auch diese Fragen kann niemand stellen, weil die Kenntnisse und Fakten dazu in den Elfenbeintürmen der öffentlich-rechtlichem Sender bleiben, neben deren Sicherheitsmaßnahmen sich der ganze „antifaschistische Schutzwall“ wie ein Kinderspielplatz ausnimmt. Wer auch immer Zutritt hinter die öffentlich-rechtlichen Schutzwälle hat, profitiert und schweigt deshalb oder ist, gleich ob angestellt oder „Freier“, existenziell so abhängig, daß er eben auch schweigt.
Auch der Anstoß zu des Mohren Schuldigkeit kam von aussen.
Natürlich sollten die Fragen erlaubt sein und auch eine Antwort erhalten, warum öffentlich-rechtliche Sender unverholen parteiliche Wahlpropaganda zu treiben versuchen und wieso sich Provinzpolitik-f/w-ürstchen in DDR-unartiger Weise in die Personalien der Sender einmischen können. Die letzte Rundfunkgleichschaltung in Deutschland fand schließlich offiziell 1990 ihr Ende, die vorletzte 1945.
Natürlich sollte die Frage erlaubt sein, warum in öffentlich-rechtlichen Sendern mit platten Vorabendserien und schwülstigen Fernsehfilmproduktionen die immer weiter ins Unterirdische abgleitende „Qualität“ der privaten Medienanbieter nachgeahmt werden muß und das gegebenenfalls auch auf Kosten und wider dem „öffentlich-rechtlichem Auftrag“.
Das Hinterherjapsen hinter einem vermeintlichen Publikumsgeschmack ist dabei ein gern gebrauchtes Argument von Seiten öffentlich-rechtlicher Verantwortlicher.
Nun, wenn es eben nur noch und überall dauerhaft nur Grütz(e)wurst gibt, gewöhnt Mensch sich, bevor er verhungert, daran und vergisst mit der Zeit, daß es irgendwann mal auch noch Steaks und chinesisches Essen oder sowas wie Knödel, Döner oder Pizza gab.
Gerade bei Telemedienangeboten scheint diese Gewöhnung sehr sehr schnell einzusetzen.
Ob das Ergebnis samt käuflicher Senderbeamter und ebenso leicht käuflicher Moderator/inchen dann wirklich noch mit öffentlich-rechtlichen GEZ-beigetriebenen Milliarden finanziert werden sollte, ist mehr als zweifelhaft. Ob der Verbraucher die gleiche Mediengrütze per Kaufpreis der angepriesenen Produkte beim werbefinanzierten Privatsender oder per Zwangsabgabe bezahlt, macht summenmäßig so einen Unterschied nicht. Dennoch, bei „gleicher Grütze“, klingt die erste Lösung irgendwie gerechter. Zumal er bisher doppelt zahlt, per Kaufpreis UND ZwangsGEZ-Gebühr.
G. Westerby
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Werter Herr Westerby,
Sie haben das da oben ganz schnell runter geschrieben, ohne zwischendurch mal Atem zu holen. Stimmt's? Das war ein Fehler! Sie möchten den Anschein erwecken, als seien Sie ein Insider bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Das sind Sie nicht, Ihr Beitrag ist weniger seriös als die Bildzeitung, auf die Sie sich u.a. berufen. Was bringt Ihnen dieses Schwadronieren über laszive Bühnenblondchen, ihre Schuldigkeit getan habende Mohren oder käufliche Sendebeamte? Belegen Sie, was Sie behaupten. Mir scheint, Ihrer Meinung nach gehöre das öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsystem abgeschafft, damit auch die ZwangsGEZ-Gebühr. Und dann? Nur noch sat1, rtl, rtl2 etc.? Das würde Ihnen also reichen. Das merkt man. Herzliche Grüße weinsztein |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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