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Die ARD will mit der Zeit gehen und die „TAGESSCHAU“ künftig über eine kostenlose Anwendung auch auf sogenannten Smartphones im mobilen Internet verfügbar machen.
Kaum verkündet, bricht im Lager der privaten Medienanbieter und ihrer politischen Unterstützer, den Fans „schwarzer Kanäle“, das große Geheul aus.
Dies sei Wettbewerbsverzerrung und gefährde die Geschäftsmodelle der privaten Anbieter, schränke deren Spielräume ein und bedrohe das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem und privaten Medien, wird gegeifert, während der Schaum von den Mäulern fliegt.
Vor allem BILD und WELT sehen sich wohl wirklich bedroht, haben beide doch erst kürzlich eine kostenpflichtige Anwendung für IPhone und Co. herausgebracht.
Ignoriert wird bei der mit aller Aufgeregtheit eines Hühnerhofes geführten Debatte, daß in allen Bereichen des Medienmarktes, außer im Printsegment, ein Nebeneinander von öffentlich-rechtlich und privat finanzierten Medien besteht.
Auch im Internet.
Dort sind die Angebote der öffentlich-rechtlichen Anbieter zwar beschränkt worden, aber nur hinsichtlich über das Programm der Sender hinausgehender, gewerblicher Angebote. Insofern ist die Smartphone-Anwendung für die TAGESSCHAU nur konsequent und kostenlos sollte ein Angebot der durch Zwangsgebühren finanzierten ARD wohl auch im Internet sein, auch im mobilen Web.
Aber natürlich haben die heutigen Anbieter privater Medien einiges zu fürchten und wollen „den Anfängen wehren“.
Durch eine gnadenlose Ausdünnung von Inhalten infolge radikaler Sparpolitik und absoluter Profitorientierung haben sie sich zuweit vom Berufsbild des Verlegers, der wusste, daß nur über die Qualität der Inhalte Leser gewonnen und damit (auch Werbe-) Einnahmen generiert werden können, entfernt und sind gleichsam unfähig, den sich eröffnenden neuen Medienmärkten entsprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln, so daß sie um Marktanteile und damit um Profite ernsthaft fürchten müssen.
Ein typisches Beispiel dafür ist die „Washington Post“, die sich ernsthaft vor dem noch nicht lange am Markt befindlichen Online-Magazin politico.com zu fürchten beginnt.
Auf politico.com produzieren ehemals bei der POST beschäftigte Journalisten auf den Themenbereich Politik fokussierte Qualitätsinhalte, das Magazin ist werbefinanziert, arbeitet profitabel und hat inzwischen auch einen Printableger gestartet, der in Washington DC ebenfalls kostenlos zu haben ist. Politico.com ist damit ein eindeutiger Beleg dafür, daß nur über die Qualität der Inhalte auch das für deren Produktion benötigte Geld und erfolgreich ein Return of Investment generiert werden kann. Mit NewsDesks, ZeitarbeitsAushilfskräften und willigen, aber unerfahrenen Praktikanten in den Redaktionen ist dies allerdings nicht realisierbar. Insofern sollte man sich in den Chefetagen von Springer, WAZ und Co. vielleicht nicht der Ablenkung vom eigenen Unvermögen durch subtanzloses Debattiergeschrei widmen, sondern lieber mal der eigenen Denkfauheit zu Leibe rücken.
G. Westerby
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Gut auf den Punkt gebracht. Die Privaten befürchten nicht nur Gewinneinbußen, sondern befürchten auch , dass ihre Inhalte an nicht-kommerziellen Inhalten gemessen werden.
Zum anderen wollen sie sich auf einem Markt generell eine lästige Konkurrenz vom Hals schaffen, die nicht privatwirtschaftlichen Interessen verpflichtet ist. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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