G.Westerby

Eine Art Held

08.11.2009 | 18:44

Werbung, die verbindet

LEIPZIG 08.11.2009

Ein Flashmob war es nicht, was sich da heute auf dem Leipziger Hauptbahnhof tat. Auch keine wirkliche Überraschung. Hatte doch die Telekom nach Aussage des Leiters Marketing Communications von T-Mobile zwischen 350 und 400 Hobbysänger in den Bahnhof bestellt und führte bei einem „Chor ohne Grenzen“ im Hintergrund Regie. Im Vordergrund stimmte der britische Chorleiter James Woods die Menschen auf die „Ode an die Freude“ ein, die der Tenor und Castingshow-Gewinner Paul Potts dann mit einem sich spontan entwicklenden Chor sang.
Am Vortag des Mauerfalls vor 20 Jahren sollte mit Beethovens Hymne an die friedliche Revolution erinnert werden, die in Leipzig ihren Ausgang hatte.
Ein bewegender Moment, der mehr von Ort und Musik getragen wurde, als von den Organisatoren. Neben Shoppingcenter und der nicht mehr sehr auffälligen Funktion als Zugabfahrtsstelle taugt der ehemals größte Kopfbahnhof Europas offensichtlich auch als Konzerthalle.
So wie es wider Erwarten intelligentes Leben im TV geben kann, gibt es offensichtlich auch noch wirklich intelligente Werbung, mit der sich hier die Telekom für die vor 20 Jahren nahezu über Nacht erhaltenen 16 Millionen potentielle Neukunden bedankte.
Potts, der vor zwei Jahren aus einer Casting-Show heraus vom Handyverkäufer zum im Internet gefeierten Tenor wurde und auf Grund eines Werbespots für die Telekom in Deutschland 3,5 Millionen Platten verkaufte, war am Ende seines Auftrittes ebenso sichtlich bewegt, wie viele der Chorteilnehmer und Zuhörer.

G. Westerby

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 09.11.2009 um 00:57
Lieber G. Westerby,
noch nie habe ich mich so gefreut, den Leipziger Hbf zu sehen wie heute, nach 3-stündiger Zugfahrt von Berlin, wovon 1 Stunde Fahrt war und 2 h Warten wegen Bombendrohung. Zeit genug also, FAZ, FAS, Berliner Zeitung, Zeit und Süddeutsche zu lesen, und mal Begeisterung, mal unbändige Wut zu spüren angesichts des Umgangs mit dem Mauerfall-Geburtstag.
Neben dem Einkaufserlebnis ist der Leipziger Bahnhof für seine Akustik bekannt (Lok vs.Chemie, Dynamo Dresen vs. Lok). Und dann kommt mir diese schöne Idee (zumal Schiller am Dienstag 250. feiert) gleich ein wenig billig vor. So billig wie Gottschalks Wetteinsatz, von x, nach y. mit dem Trabi zufahren. Sie machen uns als Masse dirigierbar, das mag ich nicht.
herzlich
kk
G.Westerby schrieb am 09.11.2009 um 09:42
Wer in ein Brötchen beisst und Sahnetorte erwartet, wird enttäuscht.
Wer bei Werbung andere Maßstäbe setzt, als an Werbung, enttäuscht sich selbst.
Wer meint, dem "...als Masse dirigierbar... ...gemacht zu werden..." wehrlos ausgesetzt zu sein, sollte seine Urteilsfähigkeit trainieren.
Wer im Stande ist, beim Konsum heutiger Medien so etwas, wie "unbändige Wut“ zu empfinden, glaubt indeß wohl auch noch unabhängig vom Gehalt an Werbung, solange nur die Aussage „polioekologisch“ korrekt ist.
Siehe auch: www.ende-der-maerchenstunde.de
(q.e.d., es ist doch möglich, in einem Online-Medium orthographisch korrekte Kommentare zu verfassen. Gibt es etwa intelligentes Leben im „Netz“?)
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