G.Westerby

Eine Art Held

14.09.2009 | 23:30

Wieder erwischt!

MDR-Info ist einer der Radiosender des Mitteldeutschen Rundfunks und bringt werbefrei 24 Stunden täglich Berichte und aller 15 Minuten Nachrichten, Verkehrslage und Wetter. Neben den immer gleichen Blödeleien der Moderatoren sogenannter „Format“-Radios, den immer gleichen Gewinnspielen, die als Zielgruppe offensichtlich ein Intelligenzprekariat haben, an das sich auch die dort ausgestrahlte Werbung zu richten scheint, erstmal sehr sehr erholsam.

An jedem Dienstagmorgen läuft zum Beispiel die Serie „Die späte DDR“. Und für die wird auf dem Sender natürlich schon getrommelt. Natürlich mit einem Werbeeinspieler, der neben Musik verschiedene Zitate enthält. Neben O-Tönen von Politveranstaltungen der DDR auch Volkes Stimme von der Straße. „Mir sinn de Osttürken, hammer immer gesacht“ zum Beispiel. Und es fällt in diesem Einspieler der von anhaltinischem Dialekt geprägte Satz „Wir haben Autos verstecken müssen vor den Kunden, weil wir nicht genug hatten."
Der Hörer stellt sich gruselige Szenen in leeren, verstaubten Hallen des IFA-Vertriebs vor, der Firma, die in der DDR die Neuwagen verkaufen durfte. Daß es deren nicht allzuviele und vor allem nicht genug gab, ist allgemein bekannt.

„Hören“ wir uns nochmal diesen Satz an: „Wir haben Autos verstecken müssen vor den Kunden, weil wir nicht genug hatten." Stellen wir uns dazu eine typische mitteldeutsche Aussprache vor. Die Gruselbilder verfestigen sich. „Passt!“ denkt sich Ottonormalhörer.

Passt nicht!
Das Zitat stammt aus einer Sendung der Serie „Wendegeschichten“, mit dem Titel „Auf einmal war die Werkstatt leer“ vom 28.04.2009 und die befasste sich mit Freud und Leid eines frischgebackenen Vertragshändlers einer fernöstlichen Automarke von Anfang der 1990er Jahre.

Somit wird also ein aus dem originären Zusammenhang gerissenes Zitat einfach an ganz anderer Stelle eingefügt, „weil es passt“. Passiert das bei Nachrichten, Berichten, Features auch? Mal eben so oder sogar mit Absicht?

Der Altmeister dieser Disziplin war der Chefredakteur des Originals. Aber Karl Eduard von Schnitzler hat, so scheint es, würdige Erben gefunden in der Medienschmiede in Leipzigs Altenburger Str. und so tut wohl auch MDR-Info sein „Bestes“, damit der „Ehrentitel“ erhalten bleibt: Der schwarze Kanal 2.0.

G. Westerby

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
jayne schrieb am 24.10.2009 um 18:57
diesen werbeeinspieler und den später folgenden beitrag hatte ich auch gehört, und leider ist das kein einzelfall, und auch nicht allein beim mdr - von zufall kann da kaum die rede sein, eher von instrumentalisierung ...
G.Westerby
„Die Täuschung der Öffentlichkeit durch Politik und Medien hat einen Grad erreicht, den ich für höchst gefährlich halte.“ ______________________________________________________________________
Mitglied seit:
3 Jahre 12 Wochen
Zuletzt aktiv:
17.07.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 130
Kommentare: 84
Mein Web:
Logbuch
04:26
JR's China Blog hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:10
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:59
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:33
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:29
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG