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Der Freitag auf der Buchmesse. Zumindest publikumsseitig war es eine stark buchmessegeprägte Veranstaltung. Eine, die sich leider auch in die engen Zeitfenster der Messelocations einpassen musste. Im fliegenden Wechsel mit dem Publikum einer vorangehenden Lesung, füllte sich um kurz vor 21 Uhr die Aula der Alten Nikolaischule in Leipzig für eine Diskussion von J. Augstein mit der Chefredakteurin des Leizpziger Magazins Kreuzer, Claudia Euen, dem Freitag-MitHerausgeber Friedrich Schorlemmer und dem stellvertretenden Chefredakteur des regionalen Zeitungsplatzhirsches, der Leipziger Volkszeitung (LVZ), Michael Schneider.
Die ausgetauschten Argumente zu Leserschwund und unterschiedlicher Mediennutzung zwischen Ost und West blieben überwiegend die jeweils arteigenen. Die LVZ sieht hilflos zu, wie ihr aus Altersgründen die Leser wegsterben, während sie ihr Angebot mit dem eines Kaufhauses vergleicht, das jedem alles bieten will. Der Vergleich passt, davon sind ja kürzlich aus ganz ähnlichen Gründen auch ein paar weggestorben. Festhalten an Geschäftsmodellen des letzten Jahrhunderts, also Unfähigkeit zur Anpassung an den Markt bringt, gleich ob Einzelhandel oder Medien, nur eines, das mehr oder weniger schnelle Ende.
Der Kreuzer, die Monatszeitschrift mit dem Veranstaltungskalender für Leipzig, wähnt sich mit der Fokussierung auf die 25-35jährigen auch als Printmedium auf der sicheren Seite. Man sieht nur marginale Auflagenrückgänge, auch wenn bereits vieles an Inhalten auch auf kreuzer-leipzig.de mit verlagert würde. Dort sieht man sich dann als „Das Leipzig Portal“. Sieht das sonst noch wer so?
Die Wende-Ikone, der ehemalige Pfarrer und heutige Publizist und Mitherausgeber des FREITAG überraschte dann doch. Mit der Behauptung, die allseits beklagte schlechte Medienqualität und die überdurchschnittliche Akzeptanz von Privatsendern und Boulevardblättern in den neuen Bundesländern sei auf die mangelhafte Qualität des Publikums zurückzuführen. Natürlich! Der Kunde ist schuld! Wo hatten wir das unlängst? Bei Springer. Die zweite Überraschung war, daß dies so ziemlich unwidersprochen blieb.
Einig war man sich, daß die Zeitung in 20 Jahren gaanz ganz anders aussehen würde, als heute. Nur wie, dazu meinte Herr Schneider von der LVZ, wenn er das denn wüsste, säße er als gefragter Medienberater auf den Bahamas. Da mag er ja recht haben, aber wenigstens das Fünkchen einer Idee, das Zipfelchen einer Vision sollte von einem stellvertretenden Chefredakteur, auch wenn schon in der zweiten Lebenshälfte, zu erwarten sein. J. Augstein setzt seine Hoffnung auf die dauerhafte Relevanz der Wochenzeitung. Zur allfälligen Diskussion zur Qualität der Inhalte von Medien äußerte sich niemand.
Die folgende Publikumsdiskussion begann damit, daß jemand partout in der heutigen LVZ immer noch das einstige „Zentralorgan der Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (Untertitel bis 1990) sehen wollte, was wohl eher eine Frage von Sehstärke und persönlichem Geschmack ist. Auch bei der LVZ im Jahr 20 nach der „Wende“. Die Nichtakzeptanz bundesweiter Tageszeitungen in den neuen Bundesländern darauf zu schieben, daß diese DDR-typische Urlaubsthemen nicht behandeln, ist weit her geholt. Die Frage, warum hingegen allein nur Sachsen als einziges der mitteldeutschen Bundesländer von der FAZ für würdig befunden wurde, einen eigenen Korrespondenten zu haben, wurde nicht gestellt.
Die Publikumsdiskussion wurde, siehe die eingangs erwähnten Zeitfenster, recht schnell durch die Planer des Veranstaltungsortes abgebrochen.
J. Augstein und Tessa? sei der frühe Feierabend gegönnt. Die hoffentlich durch reichlich verteilte Freiexemplare gewonnenen neuen Leser sind dem FREITAG zu wünschen. Es war der FREITAGs-Auftakt-Salon in Leipzig. Einer der hoffen lässt, daß es laut J. Augstein auch Nachfolger-Salons außerhalb von Buch- und anderen Messen geben soll.
G. Westerby
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Das hast Du gut getroffen! Interessanter Kaufhaus-Vergleich. Und dass es zum eigentlichen Thema gar nicht mehr kam, dass mehr Basiswissen aufgefrischt wurde als über Inhalte gesprochen, habe auch ich sehr bedauert.
herzlich kk |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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