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1) „Hitler ist Reichskanzler! Und was für ein Kabinett! Wie wir es im Juli nicht zu träumen wagten! Hitler, Hugenberg, Seldte, Papen!!! An jedem hängt ein großes Stück meiner deutschen Hoffnung. Nationalsozialistischer Schwung, deutschnationale Vernunft, der unpolitische Stahlhelm und der von uns unvergessene Papen. Es ist so unausdenkbar schön […] Was Hindenburg da geleistet hat!“
Luise Solmitz, Lehrerin in Hamburg, 30.1.1933
2) „Hochzuverehrender Herr Reichspräsident!
… Mit Eurer Exzellenz bejahen wir die Notwendigkeit einer vom parlamentarischen Parteiwesen unabhängigen Regierung, wie sie in den von Eurer Exzellenz formulierten Gedanken eines Präsidialkabinetts zum Ausdruck kommt … Gegen das bisherige parlamentarische Parteiregime [ist] … auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei grundsätzlich eingestellt … Wir erkennen in der nationalen Bewegung … den verheißungsvollen Beginn einer neuen Zeit, die durch Überwindung des Klassengegensatzes die unerlässliche Grundlage für einen Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft erst schafft. Wir wissen, dass dieser Aufstieg noch viele Opfer erfordert. Wir glauben, dass diese Opfer nur dann willig gebracht werden können, wenn die größte Gruppe dieser nationalen Bewegung führend an der Regierung beteiligt wird. Die Übertragung der verantwortlichen Leitung mit den besten … Kräften ausgestatteten Präsidialkabinetts an den Führer der größten nationalen Gruppe, wird die Schwächen und Fehler, die jeder Massenbewegung notgedrungen anhaften, ausmerzen und Millionen Menschen, die heute abseits stehen, zu bejahender Kraft mitreißen.“
Eingabe von Wirtschaftsführern an Hindenburg (November 1932)
3) „Massenstreik! Hitler Reichskanzler!
Der Reichspräsident Hindenburg […] hat seinen „Gegner“ Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Hitler hat eine Regierung der faschistischen Konterrevolution gebildet. Diese Regierung wird mit allen Mitteln des faschistischen Terrors unter Einsatz der SA-Mordkolonnen und des Stahlhelm versuchen, den Widerstand der Arbeiterklasse zu brechen und den Weg der offenen faschistischen Diktatur zur Rettung des bankrotten Kapitalismus gehen. Die Grundlage der Einigung zwischen Nazis, Deutschnationalen und Stahlhelm ist: Ausnahmezustand und Verbot der Kommunistischen Partei […] Die Kommunistische Partei ruft die Arbeiterklasse, die Angestellten und Beamten, die Mittelständler, Kleinbauern zur machtvollen Entfaltung der Antifaschistischen Aktion […] Wir rufen die Belegschaften der Betriebe zum Massenstreik heraus, die gewaltige Offensivkraft der Betriebe zu verbinden mit den Massenkämpfen der millionenfachen Erwerbslosenarmee.“
Aufruf der KPD Württemberg (30./31. Januar 1933)
4) „Der 30. Januar 1933 wird einmal eingehen in die Geschichtsschreibung als ein Tag, der einen historischen Umschwung in der deutschen Entwicklung darstellt. Nach 14 Jahren unerhörtester Opfer und Arbeit steht Adolf Hitler heute an jener Stelle, die ihm seit langem gebührte. Ein Gefühl unbändigen Stolzes geht durch die Millionen all jener, deren Sehnsucht, Kampf und Hingabe diese Jahre über im Zeichen des Willens stand, die Schande vom 9. November 1918 zu sühnen. Die wussten, dass Deutschland in dieser Schande nicht untergehen, dass die Geschichte der Deutschen damit nicht zu Ende sein konnte. Und aus dieser seelischen und materiellen Not erwuchs der Nation ihr Führer, dessen Schicksal ihn aus den Nöten des selbsterlebten deutschen Arbeitertums hinführte zum Schicksalskampf von 1914 und aus diesem Frontsoldatentum, nach dem Dolchstoß der Novemberverbrecher, zum politischen Kampf um die Erneuerung seines Volkes. Adolf Hitler wurde die Charaktererneuerung […, das] Gleichnis des deutschen Widerstandswillens, einer großen Zukunftshoffnung. […] Der Glaube an die geschichtliche Sendung, das war jener Wille, der den Führer und die Bewegung nimmer müde werden ließ […]“
Völkischer Beobachter, 31.1.1933
5) „[…] Jetzt [1932] erschien das antisemitische Hetzblatt Der Stürmer in kleiner Auflage bei uns, und die persönliche Verunglimpfung jüdischer Mitbürger begann. Die Hetze setzte sich immer weiter fort und brachte vielen Juden Schaden. Man begann, Friedhöfe zu schänden und belästigte linksrepublikanische Bürger […] Bald gärte es überall, und dann kam der Tag, an dem […] der Reichspräsident Adolf Hitler in die Regierung als Kanzler berief […] Durch das Radio hörten wir dann den großen Fackelzug der Nazis vor der Reichkanzlei vorbeimarschieren, […] und wurden sehr deprimiert. Wir wagten nicht, an diesem Abend auf die Straßen unserer Stadt zu gehen, denn auch dort war ein Jubel ohnegleichen, und man hörte draußen die Rufe der marschierenden Nazis ‹Juda verrecke ›.“
Edwin Landau aus Deutsch-Krone (Westpreußen) 1940

Paul Weber: Deutsches Verhängnis (1932)
Anmerkung Zachor: Die Zitate stehen bewusst und absichtlich unkommentiert da.
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Interessante Zitate. Unkommentiert ist auch okay, aber (genauere) Quellenangaben wären gut.
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Gut, dass wenigstens du auf die Idee gekommen bist, zum Jahrestag der Machtübertragung auf die Nazis ein Blog einzustellen.
Zu den Quellen wäre vieles zu sagen, z.B. zu den kontroversen Interpretationen der Eingabe vom November 1932. Als ich nach dem Lesen deines Blogs etwas im Internet recherchierte, habe ich erfahren, dass der Aufruf der KPD zum Generalstreik tatsächlich an einem Ort im heutigen Baden-Württemberg befolgt wurde. Über die Folgen für die Betroffenen und Rezeption nach 1945 informiert der Artikel "Mössinger Generalstreik" bei Wikipedia. Schön übrigens, dass du nach langer Abwesenheit wieder da ist. Danke für den Eintrag. |
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Danke für die Rückmeldungen.
Hier die Quellenangaben: Luise Solmitz, Lehrerin in Hamburg, 30.1.1933 hab ich zitiert nach: Ian Kershaw: Hitler. 1889-1936. Stuttgart, 1998, S. 547. Die Eingabe der Wirtschaftsführer nach Hartmut Müller: Stundenblätter: Der Nationalsozialismus: Die große Täuschung. Sekundarstufe I. Stuttgart, 1983, S. 42f. Den KPD-Aufruf: Digitalisat des Originalflugblatts der KPD Württemberg mit dem Aufruf zum Generalstreik gegenHitler als Pdf-Datei (www.stadt-moessingen.de/ceasy/modules/core/resources/main.php5?id=151) Die Nazizeitung: www.zlb.de/projekte/millennium/original_html/beobachter_1933_3101.GIF.html E. Landau wurde zitiert nach: : Monika Richarz (Hg.): Bürger auf Widerruf. Lebenszeugnisse dt. Juden 1780-1945. München 1989, S. 384. Die Webersche Graphik kann man googeln. Ich habe bewusst auf eine Kommentierung verzichtet, weil ich denke, dass wen es interessiert, die Texte eh einordnen kann. Mich hat zuerst interessiert, wie die erste, direkte und unvermittelte Reaktion der Leute am 30. Januar war. Freilich ist es schwierig, dazu Primärquellen zu finden. Deshalb habe ich den zeitlichen Kontext auch auf die Frage ausgedehnt, was man sich etwa im Vorfeld von der Ernennung erhofft (bzw. befürchtet) hat. Bei dem Weber ist ja sehr spannend, dass er ideologisch gar nicht mal soweit von den Nazis entfernt war: selber antisemitisch eingestellt, völkisch-nationalistisch. Und dennoch eine derart suggestive und vorausschauende Graphik zustande gebracht hat. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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