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Blog von gandow

12.02.2009 | 14:12

Buchbesprechung: Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will

Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will –
Standardwerk zu Scientology von Nordhausen/Billerbeck
  Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will von Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck , Broschiert: 616 Seiten; Verlag: Christoph Links Verlag; 2. Auflage: Dezember 2008; ISBN-103861534703; Preis: EUR 19,90

  Nach Jahren scheinbarer Ruhe agiert Scientology wieder offen und aggressiv. Ihr Europa"-Ambassador" und Werbeträger Tom Cruise ruft in bizarren Videos dazu auf, »die Erde zu säubern«. Zu seiner Rolle als Speerspitze des Kampfes gegen das „4. Reich“, Frankreich, Deutschland, Belgien gehört die Lobbyarbeit mit seinen Filmrollen, die ihm die weitgehende Unterstützung durch das deutsche Feuilleton (SZ, FAZ, FR) eingebracht hat. Krönend bekam er in Deutschland den »Bambi für Courage« verliehen, nachdem ihm schon die Scientology-Organisation einen Courage-Preis für seinen Einsatz gegen Europa und die Psychiatrie verliehen hatte. In diesem Zusammenhang fiel übrigens sein Satz: „Sollen wir nicht die Erde säubern?“  

Wer sich trotz der Valkyrie-Promotion  durch die deutschen Edelfedern fragt, warum nach dem rechtskräftigen Urteil des OVG Münster http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2008/5_A_130_05urteil20080212.html vom Februar 2008 über die verfassungsfeindliche Scientology-Organisation nun doch von der Bundesinnenministerkonferenz kein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist, - nur noch die  Bundesländer Bayern und Hamburg stimmten dafür -,  findet in dem neuen Buch von Nordhausen und von Billerbeck Stoff zum Nachdenken.


 
Fast bescheiden heißt es in der Verlags­werbung: "Das Buch ist eine kritische Gesamtdarstellung des Macht­systems Scientology mit  journalistischen Mitteln" - ja, es ist vorbildlich darin, wie investigativer Journalismus ein so schwieriges Thema darstellen sollte. Aber vor allem ist das Buch als Gesamt­darstellung ein Meilenstein in der  kritischen Beschäftigung mit Scientology in Europa.   Es beschreibt in nicht nur gut und spannend geschriebe­nen, sondern auch hervorragend dokumentierten Kapi­teln, wie diese welt­weit tätige Organisation entstand, was sie will, wer heute die Fäden zieht und warum Scientology einen »Krieg gegen Europa« führt. Es ist daher Pflichtlektüre für alle, die sich kritisch mit Scientology auseinanderset­zen müssen, sei es in Politik oder Unter­richt oder die sich zu Scientology öffent­lich äußern möchten.

Es wäre zu schön, wenn man sich wünschen könnte, daß auch Noch-Scientologen es lesen dürften, um sich über Strukturen und Ziele des Konzerns, dem sie sich verschrieben haben, zu orientieren.
 

Das Buch steigt ein mit einem ausführli­chen Kapitel darüber, wie dem Scientology-Botschafter Tom Cruise im Sommer 2007 der Durchmarsch in fast alle deutschen Feuilletons gelang.
Im nächsten Kapitel beschreibt  es den Einfluß von Scientology in Holly­wood. Ursula Caberta und ihre Arbeitsgruppe werden ebenso gewürdigt, wie die neue Situation in Berlin nach Errichtung der Hauptstadtzentrale beschrieben wird.
  Im historischen Rückblick wird die Her­kunft von Scientology, die Machtübernah­me durch David Miscavige und die "Beset­zung" von Clearwater geschildert. Die Versuche, weiteren poli­tischen Einfluß in Deutschland  zu gewin­nen ("Clear Deutschland") sind durch den erreichten "Frieden mit Washington", ja durch die regelrechte Unterstützung durch den amerikanische Regierungsapparat für Scientology nicht unrealistischer gewor­den.

Im letzten Kapitel geht es um den Gegenwind in Westeuropa. Dabei wird in erschreckender Deutlichkeit geschildert, wie weit Scientology in Frankreich bereits gekom­men war. Daher erklärt sich zum Teil die heutige französische Entschlos­senheit im Vorgehen gegen Scientology.
 

Nordhausen sieht im letzten Abschnitt das Internet mit seiner Informationsfreiheit als Scientologys Vietnam, - interessant sein Exkurs über das Internetphänomen anonymous (http://www.whyweprotest.net/de/), meint aber, daß letztlich nur eine gemeinsame entschlossene Haltung der europäischen Staaten und schließlich ein Umdenken in den USA  die Scientology-Organisation in die Knie zwingen wird.  

Es könnte, meine ich, auch sein, daß das System wegen Überdehnung mit mögli­cherweise schrecklichen Kollateralschä­den und der Freisetzung aller möglicher Derivate und Nachfolgeorganisationen im Laufe des nächsten Jahrzehnts in sich zusammenstürzt. Totalitäre Systeme haben keine Bestandsgarantie. Dennoch wird dies noch nicht das letzte Buch über Scientology sein.
 

Der ausführliche Anhang des Buches ent­hält einen Rechtsratgeber von Ralf Bernd Abel und ausführliche Anmerkun­gen, ein Abkürzungsverzeichnis, erschöpfende Literaturhinweise und ein ausführliches, hilfreiches Register zur Erschließung der Materialfül­le.


Liegt es wirklich daran, daß das Buch mit 600 Seiten wirklich umfangreich ist, daß es bisher kaum Besprechungen dieses Standardwerkes gibt? Oder warum verschlafen die Rezensenten dies Ereignis?

  Frank Nordhausen und Liane v. Billerbeck recherchieren seit fast 20 Jahren über den Milliarden-Dollar-Konzern mit eigenem Geheimdienst, Umerziehungslagern und mafiaartigen Methoden. Für seine jahrelange Berichterstattung über Scientology erhielt Nordhausen 2007 den Medienpreis »Der lange Atem«.
 
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Kommentare
thomasg schrieb am 15.02.2009 um 13:12
Ist ja ein heißes Thema. Das aber diese Sekte in Berlin offiziel agieren darf ist schon ershreckend.
Die Politik scheint wohl auch nicht ganz unbelastet zusein oder?
gandow
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JR's China Blog hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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