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In dem Maße, in dem wir die alltägliche gesellschaftliche Gewalt, die strukturell arbeitet und auf jeden wirkt, akzeptieren und als normale Herausforderung betrachten, als "Sachzwang" sozusagen, dem man sich - jeder einzelne für sich - anzupassen hat, und nicht mehr in der Lage sind, eine kollektive, gesellschaftliche Antwort sich auch nur vorzustellen, in dem Maße wird ein Amoklauf als ein individuelles Problem begriffen, das mit dem Rest der Republik und Welt nur bedingt zu tun hat. Die überwältigende Mehrzahl der Kommentare sieht die Ursache des Problems beim Amokläufer. Auslöser waren dann je nachdem die Verfügbarkeit von Waffen, seine psychischen Probleme oder oder.
Das hat einen Vorteil: Es beruhigt dann doch ungemein, daß man selbst ja ganz anders drauf ist.
Zentral ist die Vorstellung, daß er sich nicht mehr im Griff gehabt hat. Alle Lösungsvorstellungen und Vorschläge zur Prophylaxe zielen darauf ab, solche Ausbrüche von grausamer, tödlicher Gewalt zu verhindern. Sie haben zum Ziel, allen Individuen dazu zu verhelfen, mit der alltäglichen Gewalt zurechtzukommen und sie vor allem zu akzeptieren.
Das große Tabu ist, darüber zu reden, wie die grundlegende strukturelle Gewalt in der Gesellschaft, die z.B. dafür sorgt, daß viele Menschen zuviel arbeiten, während viele gar nicht arbeiten können, aufzulösen ist.
Das große Tabu ist, mit der Phantasie einer gesellschaftlichen Harmonie zu brechen und der Realität ins Auge zu sehen.
Ist es ein Nicht-Können oder ein Nicht-Wollen?
Denn an viele alltägliche Grausamkeiten haben wir uns zu sehr gewöhnt.
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Mit Blick auf ein anderes systemimanentes Problem wie Arbeitslosigkeit bröckelten im Verlauf der letzten Jahre die Durchhalteparolen wie etwa "Mir passiert sowas schon nicht" oder "in meinem Umfeld ist die Welt noch in Ordnung" zusehends. Diese heile Welt brach schließlich erst zusammen als AlGI und II schon in jedem Freundeskreis bzw. jeder Familie dauerhaft erfahrbar waren.
Angesichts der Verbrechen der letzten Tage, hab ich die Hoffnung, strukturelle Gewalt und dessen Folgen werden nicht erst dann als ein weiteres systemimanentes Problem gesehen, wenn in jeder Nachbarschaft oder Schule dessen grausamsten Auswirkungen erfahrbar wurden. Noch drohen solche Schreckensnachrichten, welche den Medien als Scoops (Jagd nach der Sensation, bei der Schlacht um Quote) dienen, im Alltag der Nachrichten und Scoops ohne ein bedeutsam gesellschaftliches Echo zu verhallen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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