Geierschreck

Blog von Geierschreck

01.09.2011 | 21:04

FDP bleibt bei ihrem Zocker-Lobbyismus gegen Deutschland

 

Selbst Finanzminister Schäuble (CDU) versichert inzwischen fast glaubhaft, dass er die ruinöse Zockerei zumindest im Euro-Raum durch die Zocker-Steuer (Finanztransaktionssteuer) bremsen will (siehe „Koalition streitet über Finanz-Transaktionssteuer“, de.reuters.com, 1.9.2011; siehe aber auch: „CDU/CSU & FDP fördern Steuer-Großbetrug“, freitag.de, 29.8.2011). Diese Regulierungs-Absicht gefällt der Zocker-Kundschaft von der FDP überhaupt nicht. Sie wollen jetzt sogar das Weltzentrum des Derivate-Handels von New York und London nach Deutschland holen durch Übernahme der Mehrheit an der New York Stock Exchange Euronext. Dazu schrieb die deutsche-boerse.com am 15.2.2011 unter der Überschrift „Deutsche Börse AG und NYSE Euronext vereinbaren Zusammenschluss zur weltweit führenden Börsenorganisation“:

Durch die Zusammenlegung des Derivategeschäfts beider Unternehmen entsteht ein klarer Weltmarktführer, über dessen Plattformen täglich mehr als 19 Millionen Derivatekontrakte gehandelt werden, inklusive der täglich über 6 Millionen nordamerikanischen Optionskontrakte.
Die FDP befürchtet zu Recht, dass mit dieser Rotations-Steuer der Fluss der Milliarden-Boni aus dem Volkseinkommen an ihre Kundschaft eingeschränkt wird. Sie versteckt sich nun hinter den Selbstbedienungs-Lobbyisten in den USA und Großbritannien, die dort die Staatsfinanzen ruiniert haben – auf Kosten der Ärmsten. Zumindest mit Großbritannien will man das Elend durch Umverteilung nach oben teilen, wenn die britische liberal-konservative Regierung erwartungsgemäß diese Spekulations-Steuer verweigert. Zur Abschreckung weist man die deutschenVerbraucher darauf hin, dass ihre Überweisungen und Spareinlagen mit der Steuer angeblich um (einmalige) 0,05% teurer werden. Das könnte allerdings nur gelten, wenn die Steuer – unsinnigerweise – auch darauf erhoben würde, und es wäre selbst dann - im Gegensatz zum volkswirtschaftlichen Schaden der ungebremsten Zockerei – überhaupt nicht spürbar.

Verschlagener können die „Verbraucherschützer“ von der FDP also kaum argumentieren. Diese Steuer wird überhaupt erst relevant bei hohen Umschlagshäufigkeiten durch ihre Vervielfachung mit dem rasende Wiederanlage-Roulett, insbesondere da jetzt schon durch Computerprogramme die zahllosen Umschichtungen in Sekundenbruchteilen ausgelöst werden. Aber das wird von den Selbstbedienungs-Lobbyisten penetrant verschwiegen.

Richtig ist, dass man durch Abbremsen der Zockerei in den Euro-Staaten diese parasitäre Umverteilung nach oben nur in den Transaktionssteuer-Teilnehmer-Staaten bremsen kann. Aber man konnte bei der letzten Finanzkrise erst wieder sehen, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) ohne diese Zockerei deren unmittelbare Folgen wesentlich besser überstanden haben als die USA, Großbritannien und Irland. Allerdings wurden einige EU-Staaten in dem Strudel mitgerissen, teils wegen unseriöser Haushaltspolitik in den PIIG-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland und noch einmal Irland), teils auch wegen hoher finanzpolitischer Verflechtung mit den Opfer-Staaten. (Zu Italien siehe den Artikel „Rettungsfonds kann die Bürgen für ihre Mehrkosten voll entschädigen“, readers-edition.de, 30.8.2011. Zu Irland und Griechenland siehe www.rossaepfel-theorie.de/Steuer-Parasitismus.htm und das demnächst erscheinende Buch von Alf Suletzki: Rossäpfel-Theorie – Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben, Band 1: Einführung.)

Auch wenn die „Christlichen“ die Umverteilung nach oben nicht immer im gleichen Ausmaß vorantreiben wie ihr Selbstbedienungs-Partner, so sind sie doch voll mitverantwortlich für diesen gelben Klotz am Bein, solange sie dessen Liberalisierungs-Wahnsinn nicht bremsen.

 

 

 

 
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Geierschreck
Gegner der Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben und durch Wählertäuschung, also des „christlichen“, „sozialdemokratischen“ und sonstigen Neoliberalismus; Anhänger der „Goldenen Regel“; Finanzökonom, aber auch ehemaliger Außenseiter-Student der Frankfurter Schule.
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