Geierschreck

Blog von Geierschreck

18.01.2010 | 10:52

Käufliche Koalition macht Staat zur Beute

1,1 Millionen Euro als einmalige Spende für jährliche Gewinnerhöhung um eine Milliarde Euro auf Kosten der Steuerzahlers!
Das lohnt sich für die Hoteliers, um auch die FDP für diesen Deal einzuspannen. Es lohnt sich sogar für einen einzigen Hotelier, der eine Hotelkette betreibt. Dazu folgende Rechnung eines Lesers zum Artikel der Frankfurter Rundschau "FDP – Pikante Millionenspende aus Düsseldorf", fr-online.de, 16.1.2010:

Nachrechnen lohnt
Geniales Investment,
... weltweit macht die Mövenpick-Group im Bereich der Hotels laut eigener Homepage etwa 700 Mio SFr Umsatz, etwa 20% davon dürfte geschätzt auf Deutschland entfallen, also rd.140 Mio SFr. oder 93 Mio Euro. Bei gleichem Brutto-Gesamtumsatz beträgt der Mehrwert in Deutschland durch die verringerte MWSt-Abführung mehr als 9 Mio. Euro pro Jahr, da die Hotelbetreiber die Kostenersparnis ja nicht an die Kunden weitergeben werden. Für die Spender der 1,1 Mio an die FDP, bzw der 0,83 Mio an die CSU ein geniales Investment, da es sich bereits nach etwa 3 Monaten amortisiert hat.

Hallo Wahlvolk, aufwachen!
Jetzt könnt ihr Live erleben wie die Schulden bei den unterstützten Parteien eingetrieben werden!!

geschrieben von Rechner am 16.01.2010 um 23:38 Uhr

Seit Jahren klagen die Neoliberalen über die angebliche Durchlöcherung einer klaren Mehrwertsteuer-Regelung mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, vor allem für Nahrungsmittel und Bücher. Durch eine Erhöhung auf 19 Prozent oder mehr zu Lasten der Ärmsten hätten sie mehr Spielraum für ihre Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben. Jetzt schröpfen sie aber die ohnehin ausgeplünderten Staatskasse mit einer echten Durchlöcherung ausgerechnet für ihre Hoteliers, nachdem sie durch ihre Deregulierungs-Wut bereits einen Schaden von zig Milliarden für den Steuerzahler angerichtet haben. Für diese Spender-Bedienung lieferten die "Liberalen" und "Christlichen" die hanebüchenen Begründung, dass die ausländischen Gäste in Deutschland ja auch in angrenzenden EU-Staaten übernachten könnten oder gar nicht erst hierher kommen.

Dass die Hotelbetreiber die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich nicht weitergeben, wurde gerade festgestellt durch eine Stichprobe für das Wirtschaftsmagazin Wiso. Dazu heißt es:

Die Preise für Hotelzimmer bleiben unverändert - und das trotz  gesenkter Mehrwertsteuer. Das hat eine WISO-Stichprobe ergeben. Das ernüchternde Ergebnis: Lediglich drei der getesteten Hotels geben die Steuersenkung teilweise an die Gäste weiter.

(Sh. "WISO-Stichprobe – Steuern sinken, Hotelpreise nicht", wiso.zdf.de, 11.1.2010.)

Auf diesem Hintergrund wird auch das Engagement der CSU für die unsinnige Mehrwertsteuerregelung verständlich. Dazu schreibt die Nachrichtenagentur Reuters am 18.1.2010 unter der Überschrift "Gabriel wirft Regierung wegen Millionen-Spende Käuflichkeit vor":

Bei "Spiegel Online" hieß es, auch die CSU, die sich ebenfalls für die Mehrwertsteuersenkung stark gemacht hatte, habe Spenden aus der Unternehmensgruppe von August Baron von Finck erhalten, dessen Familie Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe mit 14 Hotels in Deutschland sei. Nach früheren Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" habe die Familie Finck kurz vor der bayerischen Landtagswahl 2008 an die CSU zwei Spenden von 430.000 Euro und 390.000 Euro überwiesen.

Die FDP betrachtet den Staat offenbar nur noch als Beute für sich selbst, ihre Spender-Kundschaft und sonstigen Profiteure der Umverteilung nach oben. Von den niedergelassenen Ärzten werden sie z.B. unterstützt durch 56 Prozent von deren Zweitstimmen. Weitere 23,5 Prozent Stimmenanteil dieser Ärztegruppe gingen an die "Christlichen" (sh. "Finanz- und Pharma-Industrie beweisen mit Großspenden ihr Vertrauen in 'christliche-liberale' Blockade der Finanzmarkt-Regulierung und Unterstützung der Pharma-Abzockerei", rossaepfel-theorie.de/Journal-2.htm). Ihre übrigen Wähler sind reine Täuschungs-Opfer.

Von ihren Mitgliedern hat immerhin Frau Hamm-Brücher den Charakter aufgebracht, aus dieser Lobbyisten-Gang mit Protest auszuscheiden. Dem SPIEGEL sagte sie über diese Truppe: "In der Regierung macht die FDP reine Klientelpolitik. Sie kümmert sich um die Steuerfragen einer bestimmten Schicht, das ist alles." (Sh. "Großgeschenke – Unternehmer spendete der FDP 1,1 Millionen Euro", spiegel.de, 16.1.2010, mit Foto des "edlen Spenders"). Der Süddeutschen Zeitung sagte sie:

"Die FDP kapriziert sich nur auf Steuern, die eine bestimmte Schicht betreffen - auch wenn kein Geld da ist, um das zu finanzieren".

(Sh. "'FDP macht sich Staat zur Beute'", sueddeutsche.de, 18.1.2010, nach Zitat von Renate Künast.)

Solche "Spenden" sind allerdings nur ein kleiner Bruchteil aus dem laufenden Lobbyisten-Etat zur "Pflege der politischen Landschaft" (sh. wikipedia:  "Flick-Affäre" sowie z.B. "Finanz- und Pharma-Industrie beweisen mit Großspenden ihr Vertrauen in 'christliche-liberale' Blockade der Finanzmarkt-Regulierung und Unterstützung der Pharma-Abzockerei", rossaepfel-theorie.de/Journal-2.htm). Man sieht aber, dass nicht nur diese klassischen "Landschaftspfleger" zum Zuge kommen, sondern dass bei den Neoliberalen jeder profitiert, der entsprechend zahlt.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.01.2010 um 11:19
Das ist ein Hammer, in England oder anderswo wäre das schon ein Grund, die Regierung zum Rücktritt aufzufordern.

Ich habe übrigens das Thema auch bloggiert:

www.freitag.de/community/blogs/felicitas/moevenpick-spendete-millionen-an-die-fdp

:)
LG Feli
Cato42 schrieb am 18.01.2010 um 16:12
Wer etwas anderes erwartet hat,
muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein.
Herrlich, der Neid der SPD. Wer seine
Klientel bedient, wird gewählt.
Die SPD hat ihre eigenen Wähler ausge-
plündert und jammert nun 20 Jahre in
der Opposition.
Der Gang zur Wahlurne ist ein Akt der
Selbsterniedrigung.
Geierschreck schrieb am 18.01.2010 um 17:13
@Cato42

Die SPD mit dem Kanzler der Bosse hat in der Tat die Sozialdemokratie verraten. Solange der Schröder-Adlatus Steinmeier nicht auf einer Hinterbank sitzt, wird sie sich kaum glaubhaft darauf zurückbesinnen. Vielleicht muss man erst auf die nächste Generation warten mit hoffnungsvollen SozialdemokratInnen wie Franziska Drohsel. Dennoch ist es ein Unterschied, ob man seine "Klientel" bedient mit der Umverteilung nach oben auf Kosten der Klein- und Normalverdiener, also der eigentlichen Produzenten des Volkseinkommens, sowie zu Lasten der Binnennachfrage und der Arbeitsplätze, oder ob man diese Umverteilung rückabwickelt.

Eine solche schrittweise Rückabwicklung wäre möglich mit einer linken Mehrheit in den Parlamenten. Wenn die Grünen nicht dem Kurs von Renate Künast nach Jamaika folgen (sh. "Strukturelle linke Mehrheit? Renate Künast strebt nach Jamaika", rossaepfel-theorie.de), dann trennen uns von einer linken Mehrheit nur zwei oder drei Prozentpunkte. Also ist "der Gang zur Wahlurne" für die Umverteilungs-Opfer kein "Akt der Selbsterniedrigung", sondern man braucht etwas Optimismus und es gilt der Spruch von Bert Brecht: "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber" mit dem unvermeidlichen Zusatz "oder gehen nicht zur Wahl". Pardon! Aber ich musste das mal ein bisschen zuspitzen, weil davon alles abhängt.
Baszlo schrieb am 18.01.2010 um 16:49
Was ist daran neu? Spätestens seit den "Amigo" Geschichten der Achtziger, in die CDU, FDP und SPD verwickelt waren (uns sind...), weiß doch jeder wie in Deutschland Politik gemacht wird.
Wer bezahlt, bestimmt und wer sich bezahlen lässt, der schafft an....
Geierschreck schrieb am 18.01.2010 um 17:45
@ Baszlo

Ohne ein Minimum an Optimismus lassen sich diese Zustände nicht ändern.

Vorreiter bei der Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben für sich selbst und für die Großspender sind die "Christlichen" und noch mehr die "Westerwelles". Die Grünen langen längst nicht so dreist zu, und die LINKE bekommt sowieso keine Großspenden. Lafontaine wurde ja gerade deswegen in Abseits manövriert, weil er den Verrat an der Sozialdemokratie durch den Kanzler der Bosse und seinen Tross nicht länger mitmachen wollte (sh. www.rossaepfel-theorie.de/Linksbuendnis.htm)

Der Optimismus für eine schrittweise Verbesserung ist also gerechtfertigt, wenn man jeweils die bessere Alternative oder das kleinere Übel wählt und dafür bei Bedarf auch immer mal wieder zum Wechselwähler wird.
mahung schrieb am 18.01.2010 um 20:50
Ergänzend zum Thema lief gerade ein bemerkenswert schonungsloser Kommentar im Deutschlandfunk über die "Klientel-Kadergruppe" FDP:

www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1108249/

Etwas länger her, aber nicht minder treffend eine kurze Charakterisierung des Guido W. und derjenigen Wähler in unserem Land, welche dem Brutalstpopulisten, also dem/den sog. Liberalen im September ihre Stimme gaben:

„Guido Westerwelles Atout: Er bietet jedem etwas. Die einen wählen den FDP-Chef, weil sie ihn für einen angepassten Streber halten, die anderen lieben ihn als Krawallkopf mit Profilneurose. Westerwelles Kurs ist dialektisch: Wählen lässt er sich vom kleinen Mann mit Neidkomplex, den er dann für seine asoziale Wahlentscheidung mit Leistungsentzug und Lohnverbot bestraft; das Geld reicht er weiter an jene, die weder finanziell noch politisch auf ihn angewiesen sind und es sich leisten können, Hobbyparteien wie die Grünen zu wählen. So etwas imponiert Westerwelle! Nebenbei bewahrt er sich auf diese Weise seine Unabhängigkeit – Westerwelle nennt sie `das Wichtigste, was es auf dem politischen Markt zu kaufen gibt`“ TITANIC 11/2009; S. 35
Geierschreck schrieb am 18.01.2010 um 21:55
Danke für die ausgezeichneten Quellenhinweise.
Das ist etwas für Sprachliebhaber!
Rainer Burchardt bringt im Deutschlandfunk die "Westerwelles" wirklich auf ihren Begriff.

Herrlich der Spruch zur "Klientel-Kadergruppe":
"Spötter scheinen erneut recht zu bekommen, die meinen, Abgeordnete seien zwar nicht an Weisungen, aber an Überweisungen gebunden."

Besonders erhellend seine Hinweise:

"Für die Steuerzahler und treuen Demokraten ist die Angelegenheit tatsächlich unerträglich. Nicht nur dass der saubere Milliardär Finck sich aus fiskalischen Gründen in die Schweiz abgesetzt hat, zu der Millionenspende kommt noch einmal dieselbe Summe aus dem Steuersäckel hinzu. Die Möllemann-geschädigte FDP wäre somit saniert."

Man kann vielleicht gerade noch Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz akzeptieren, die ihr Geld vorrangig im Ausland verdienen und verdient haben. Aber es ist schon eine üble Art des Scharotzertums, wenn es überwiegend in Deutschland verdient wurde, dann in den Steuerhinterziehungs-"Oasen" verschoben wird und schließlich auch noch zur Korruption in Deutschland dient(sh. auch die diversen Artikel auf den Journal-Seiten zum "Steuer-Parasitismus" unter rossaepfel-theorie.de). Aber gerade für den politischen Schutz von solchem Oasen-Parasitismus und gegen dessen wortradikale Bedrohung durch Peer Steinbrück ist die profitierende FDP stets vehement eingetreten.

Sehr erfrischend auch die TITANIC-Satire!
Frans-von-Hahn schrieb am 19.01.2010 um 07:54
Spende ist der falsche Begriff für diese Geldtransaktionen. Wenn man sie als Investment bezeichnet, dann werden die Zusammenhänge deutlich.

Ein paar Zeilen dazu hier:
zwischenzeit.de/blog/2010/01/17/ein-rentables-investment-in-krisenzeiten-parteispenden/
Geierschreck schrieb am 19.01.2010 um 12:47
@ Frans-von-Hahn

Tatsächlich kann man "Spende" hier nur in Anführungszeichen setzen.

Die Kalkulation des "Investments" wurde auch schon vorgeführt mit dem Zitat "Nachrechnen lohnt" in meinem obigen Beitrag.

Der verlinkte Blog-Beitrag von Andreas Bemeleit bei zwischenzeit.de ist
dazu aber noch eine hervorragende Ergänzung. Zur Verwendung des Investment-Ertrages aus den 1,1 Milliarden Euro heißt es dort:

Verwendung der Gewinne

Einen Teil dieser Gewinne könnte für Bußgelder in eigener Sache verwendet werden. Gegen mehrere Fünf-Sterne-Hotels wurden Bußgelder für Dumpinglöhne im Zimmerservice verhängt. Diese Hotels haben weit weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,15 Euro je Stunde bezahlt. Nach
Angaben der Gewerkschaft IG Bau sollen Zimmermädchen, die regelmäßig in großen Fünf-Sterne-Hotels gearbeitet haben, einen Stundenlohn von
knapp
fünf Euro erhalten haben. Nach Angaben des Hauptzollamt München können die Strafen für die Hotels zwischen 10.000 und 30.000 Euro betragen.

Es bleiben aber noch genug Überschüsse für Fincks Schweizer Konten und für weitere "Spenden".
merdeister schrieb am 19.01.2010 um 08:10
Man könnte fast meinen die Parteien sähen das Land als Selbstbedienungsladen. In dem muss man allerdings an der Kasse zahlen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.01.2010 um 09:39
Dieser Mini-"Spendenskandal" ist ja nicht auf die FDP beschränkt, sondern betrifft alle Parteien. Vor allem auch die CDU/CSU die sich von jeher durch großzügige Spenden von Unternehmen beschenken lässt.

In Deutschland ist dies durch das Parteispendengesetz so legitimiert.

Das Gesetz müsste, um diese Lobbyzusammenarbeit zu verhindern, geändert werden - in Richtung: paritätisch.
Das heißt, welcher Unternehmer spenden möchte, muss dies anteilig für alle Parteien tun.
Auch die Summe, nach welcher eine Spende öffentlich gemacht werden muss, ist in Deutschland sehr hoch: die Grenze liegt bei 50.000 Euro pro Spende.

Wenn ein Unternehmer also 10 mal 49.000 Euro spendet, erfährt die Öffentlichkeit davon n i c h t s!

Diese Spende vom Hotelier ist wohl die nur die Spitze eines allseits geduldeten Eisbergs, da kann man, wie Cato42 weiter oben dezent anmerkt, ruhig realistisch sein.
merdeister schrieb am 19.01.2010 um 12:27
"Diese Spende vom Hotelier ist wohl die nur die Spitze eines allseits geduldeten Eisbergs"

Hoffen auf den Klimawandel?
Frans-von-Hahn schrieb am 19.01.2010 um 13:19
3 verschiedene Namen, eine Anschrift. Das macht zusammen 450.000€ für die CDU in 10/2009 bit.ly/4ObYrh

Es gibt eine Datenbank wo die Spenden gelistet sind:
www.parteispenden.unklarheiten.de/?seite=datenbank

Hier ist zu lesen, dass die FDP Geld dringend nötig hat:
www.bundestag.de/dasparlament/2009/51/Innenpolitik/28112239.html
Der Zahlungsbescheid, den Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) im Juli 2009 wegen Verstößen gegen das Parteiengesetz gegen die FDP erlassen hatte, ist rechtens.

Und last but not least hier mein liebster Kommentar aus den Reihen der FDP:
twitter.com/oliverfink/status/7905343564
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.01.2010 um 13:44
:O
Geierschreck schrieb am 19.01.2010 um 17:01
@Felicitas

Für manche ist die Politik ein "schmutziges Geschäft". Für die FDP ist
diese "Investition" ihres Spenden-Fincks ein garnz normaler Vorgang.
Wohl wahr! Denn man hätte von ihr auch nichts anderes erwartet.

Als "ganz normalen Vorgang" sehen es offenbar auch die Meinungsmacher
des großen Medienkapitals von der Friede-Springer-Truppe. Sie verweisen
auf das Parteiengesetz, wonach Spenden über 10.000 Euro im Jahr unter
Angabe von Namen und Anschrift des Spenders im Rechenschaftsbericht zu
verzeichnen (und im Wust der Bundestagsdokumente zu versenken) sind.
Spenden über 50.000 Euro sind dem Bundestagspräsidenten "unverzüglich"
anzuzeigen und von diesem zu veröffentlichen. Weiter heißt es in dem
Springer-Artikel:

All das ist im vorliegenden Fall geschehen. Aber womöglich geht es der
Opposition auch gar nicht um den Nachweis eines juristischen Vergehens.
Denn allein die Debatte über die Spenden bringt den alten Ruf der FDP,
eine Klientelpartei für Unternehmer und Besserverdienende zu sein,
wieder in Erinnerung.

(Sh.
"Für die Liberalen ist die Spende ein ganz normaler Vorgang"
,
welt.de, 19.1.2009.) Man sieht, was von dem ursprünglich
emanzipatorischen "Liberalismus" und von der idealisierten
Pressefreiheit übrig geblieben ist, nämlich der reine Neoliberalismus,
also die Ideologie zur Umverteilung nach oben durch Wählertäuschung.

Klaus Ernst von der Partei DIE LINKE sagt dagegen:

Wenn man die Fehlanreize durch Parteispenden bekämpfen will, dann muss
man Parteispenden durch Unternehmen und Wirtschaftsverbände konsequent
verbieten. Ansonsten findet sich immer ein Schlupfloch. Höchstgrenzen
sind untauglich, weil sich jede Spendensumme beliebig aufteilen lässt.

(Sh. deren
"Pressemitteilung vom 19.1.2010"
.) Damit wäre der an sich
vernünftige Vorschlag von paritätischen Unternehmerspenden für alle
Parteien gegenstandslos. Die meisten „spendenfreudigen“ Großunternehmer
wollen nicht paritätisch für die LINKE spenden, obwohl gerade diese
Ihnen wieder  zu mehr Binnennachfrage verhelfen würde, und als
Privatmann möchte ich schon gar nicht paritätisch für die FDP spenden!



Mir ist klar, dass die 1,1 Millionen Euro "nur die Spitze eines allseits
geduldeten Eisbergs" sind. Vor allem darf man nicht zulassen, dass sich
ein Großspender hinter dem Namen einer Körperschaft versteckt. Aber
gerade auf dieses Versteckspiel legt die FDP größten Wert, denn sonst
würde man ja noch leichte erkennen, welchem Zweck diese "Partei" dient.
Dazu heißt es im stern:


Während die FDP die Nennung von Spendern für "rechtswidrig" hält, sieht
Staatsrechtler von Arnim in der Nichtnennung einen Widerspruch im
inneren Sinn des Parteiengesetzes.

(Sh.
"Zwei Großspenden an die FDP"
, stern.de, 17.6.2009.)

Im Zeitalter des Internets dürfte es kein Problem sein, dass z.B. jede
Spende über 1.000 Euro mit Namen und Adresse des Spenders binnen
Monatsfrist veröffentlicht wird, damit ein Rechercheur bei Bedarf
zunächst einmal einigermaßen nachvollziehen kann, ob gestückelt wurde.

(Sh. zur Stückelung auch
"Willkommen bei der Freien Deutschen Hotelpartei"
, stern.de, 18.1.2010.)
Geierschreck schrieb am 19.01.2010 um 19:43
Die drei verschiedenen Namen unter einer gemeinsamen Anschrift stehen für die Quandts in Bad Homburg einschließlich Frau Klatten, geborene Quandt, mit ihren Spenden von jeweils 150.000 Euro zum 1.10.2009, also insgesamt 450.000 Euro, für die CDU. Das ist jedenfalls noch deutlich weniger als die gezielte Großspende für die viel kleinere FDP. Man kann sich fragen, warum die Quandts dieses Geld ausgerechnet an die CDU und nicht z.B. an DIE LINKE "gespendet" haben.

Aber noch interessanter ist die Frage, warum diese Multimilliardäre so großzügigen sind mit den "Christlichen", während sie jede christliche Entschädigung für die gesundheitlich ruinierten Quandt-Zwangsarbeiter aus der bleiverseuchten Varta-Produktion im Dritten Reich verweigern (sh. "Die Quandts und die Nazis", zeit.de, 19.11.2007, und dazu den Film "Das Schweigen der Quandts" sowie wikipedia: Günther Quandt). Ihre bekundete Betroffenheit über den Film und ihre anschließende Finanzierung einer "Geschichtsaufarbeitung" sind eher ein Hohn für den dänischen Zwangsarbeiter Carl-Adolf Soerensen, der in dem Film die Stätten seiner Qual besucht hat. Es gibt nicht nur Verräter der Sozialdemokratie, sondern auch Verräter des Christentums, ebenso nicht nur einen "realen Sozialismus", sondern auch ein "reales Christentum" (sh. rossaepfel-theorie.de/Journal-2.htm).

Die zitierte Übersicht zu den Großspenden für die einzelnen Parteien ab dem Jahre 2000 ist sehr aufschlussreich. Es überrascht nicht, dass die kleine FDP mit etwa 70.000 Mitgliedern viel mehr Großspenden erhält als die SPD, deren Mitgliederstand in der Zeit von etwa 800.000 auf 400.000 abgesackt ist.

Die Groß-"Spende" von 1,1 Millionen Euro für die FDP werden von ihr in der Tat dringend gebraucht um ihre Strafen von 4,3 Millionen Euro für die Verschleierung ihrer Spendenstückelung zu bezahlen, wenn sie auch in der Berufungsinstanz unterliegt.
Geierschreck schrieb am 21.01.2010 um 12:33

Nachtrag zu den Rechtfertigungsversuchen der FDP


 


Die FDP "argumentiert" inzwischen damit, dass auch andere Parteien ähnliche Mehrwertsteuersenkungen gefordert hätten und dass eine Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers bereits ein Programmpunkt in ihrem eigenen Wahlprogramm für 2005 gewesen sei. Gegen solche Scheinargumente habe ich heute (als Arno Hansen) in der readers-edition folgenden Leserbrief geschrieben (sh. dort ""Ist die FDP korrupter wie andere Parteien?"'"):

 


Ob eine Millionen-"Spende" schon vor Erfüllung ihres "Investitions"-Zwecks oder erst danach als "Schmiergeld" fließt, das macht kaum einen Unterschied. Wenn eine Partei schon vor ihrem Wahlkampf Wohltaten zur Umverteilung nach oben anbietet, dann haben die Umverteilungs-Profiteure um so mehr Grund, diesen Wahlkampf zu finanzieren.

Andere Parteien haben eine Senkung der Mehrwertsteuer für "konsumnahe Dienstleistungen" gefordert zur Eindämmung der Schwarzarbeit, also z.B. für Handwerkerleistungen wie Malerarbeiten bei Endverbrauchern. Bei Leistungen für Unternehmen ist das uninteressant, weil die meisten Unternehmen ihre bezahlte MWSt als Vorsteuer voll absetzen können gegen ihre eigene Mehrwertsteuerschuld. Die vielen großen und teuren Hotels wie z.B. die Mövenpick-Hotels vom Millionen-"Spender" und Steuerflüchtling FINCK werden aber hauptsächlich von Geschäftsleuten besucht. Auch die Ferien-Hotels in den Kurorten können kaum "Schwarzarbeit" anbieten, weil sie von den Kurverwaltungen gut kontrolliert werden - allein schon wegen der Kurtaxen. Wenn nun auch noch nachweislich die Hotelpreise durch die MWSt-Subvention um 12 Prozentpunkte kaum gesunken sind, dann bedeutet das in Wirklichkeit eine drastische Erhöhung des Nettopreises, durch die die Millionenspende schon in wenigen Monaten wieder zurückfließt (sh. "Käufliche Koalition macht Staat zur Beute", Freitag.de, 18.1.2010).

Geierschreck
Gegner der Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben und durch Wählertäuschung, also des „christlichen“, „sozialdemokratischen“ und sonstigen Neoliberalismus; Anhänger der „Goldenen Regel“; Finanzökonom, aber auch ehemaliger Außenseiter-Student der Frankfurter Schule.
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