Mit dem Beispiel von Hans Eichel wurden hier gerade einige Umverteilungs-Profiteure und ihre Opfer vorgestellt (sh. hier „Hans Eichels Pensions-Hebel“ vom 5.11.2011). Danach sind die neoliberalen Meinungsmacher bei der Selbstbedienung zwar an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Sie sind aber nur die bestbezahlten Propagandisten der viel größeren Profiteure in den Industrie- und Medien-Konzernen wie auch unter den großen Coupon-Abschneidern.
Das zeigt sich unter anderem an der Verteilung des Volkseinkommens auf die deutschen Arbeitnehmer als seine eigentlichen Produzenten und auf seine Haupt-Nutznießer in der nebenstehenden Abbildung. Die Reallöhne wurden in den 19 Jahren von 1991 bis 2009 zunächst nur um real insgesamt fünf Prozent erhöht. Davon ging aber ein wesentlicher Anteil in die Führungsetagen, so dass für die Klein- und Normalverdiener nur reale Lohnsenkungen übrig blieben.
Auf der anderen Seite sind in dieser Zeit die realen Unternehmens- und Vermögenseinkommen kräftig gestiegen bis zu einem vorübergehenden Einbruch während der Zockerkrise ab 2008. (Sh. hier den Artikel: „Exportförderung durch Konsumdrosselung“ vom 19.3.2010, dessen aktualisierte Grafik hier noch einmal abgedruckt wird.) Diese Schere geht also tendenziell immer weiter auseinander.
Einen leichten und hoffentlich nachhaltigen Anstieg der Reallöhne für Klein- und Normalverdiener in Deutschland gab es nach den 19 Schröpfungs-Jahren erst seit 2010, aber nicht dank der Selbstbedienungs-Politik, sondern trotz dieser Politik.
Dieser Anstieg über das Niveau von 1991 hinaus erfolgte dank Flexibilität der deutschen Arbeitnehmer und Unternehmen und mit deren staatlicher Unterstützung während des vorläufigen Höhepunkts der staatlich verschuldeten Zocker-Krise, aber auch durch die demographische Entwicklung. Diese Entwicklung hat begonnen mit der jüngsten Arbeitnehmer-Generation bei den Auszubildenden, bei denen jetzt der qualifizierte Nachwuchs für die Unternehmen fehlt. Sie müssen trotz staatlich geförderter Lohndrückerei also allmählich mehr zahlen, um geeignete Arbeitskräfte zu bekommen. Das führt zu einer Lohnsteigerung und damit ganz zaghaft zur längst überfälligen Stärkung der Binnennachfrage gegen die neoliberale Dumping-Politik, aber zugleich auch gebremst durch diese Umverteilung nach oben. Sie führt also weiterhin zum Ersatz von ordentlichen Arbeitsplätzen durch immer mehr Dumping-Jobs.
Die Lohndrückerei in Deutschland geht so weit, dass deutsche Discounter in Griechenland ihre Lebensmittel inzwischen billiger aus Deutschland importieren können, als sie vor Ort zu kaufen.
(Siehe hier den Artikel: „Exportförderung durch Konsumdrosselung“ vom 19.3.2010.). Damit werden auch dort ordentliche Arbeitsplätze vernichtet. Zugleich erhöht sich dort auf diese Weise die Staatsverschuldung mit den bekannten Folgen für den Euro und für das Kaputtsparen in diesen Staaten. Am Ende müssen die deutschen Klein- und Normalverdiener auch noch die Hauptlast tragen für die Rettung solcher Staaten, während die deutschen Umverteilungs-Profiteure wenigstens auch die Gewinne dieser Politik kassieren.
Zu den Profiteuren gehören aber keineswegs die vielen kleinen und mittleren Unternehmenm von denen laut Bundesfinanzministerium im Jahre 2004 „Dreiviertel ... unter 52.000 Euro, nahezu alle unter 128.000 Euro Jahreseinkommen“ lagen (sh. www.rossaepfel-theorie.de/files/Grafische_Darstellungen_2004.pdf ).
Sie erreichen mit solchen Beträgen bei weitem nicht das Einkommen der tonangebenden neoliberalen Meinungsmacher. Der Profit während der großen Selbstbedienungsaktionen unter dem Kanzler der Bosse und danach bis heute lag also bei diesen Meinungsmachern und vor allem bei ihren großzügigen Brötchengebern, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Griechenland, Italien, Spanien, den USA und in fast alle Staaten der asozialen Marktwirtschaft wie auch in ehemals „kommunistische“ und sonstige Staatswirtschaften mit ihren Kleptokraten.
Diese Propagandisten sorgen dafür, dass auch im Falle von Griechenland die Sanierung immer nur durch Kaputtsparen zu Lasten der Opfer erfolgen soll und dass dort wie hier möglichst niemand über die Einnahmenseite spricht.
Andernfalls hätte man die weitgehende steuerliche Freistellung der griechischen Einkommens-Millionäre durch den Rettungsschirm auf Kosten der deutschen Umverteilungs-Opfer vermeiden können und sich damit auch den gesamten Rettungsschirm erspart.
Stattdessen wollen die „Christlich-Liberalen“ in Deutschland das Lohnniveau weiter drücken durch „Lohnuntergrenzen“ knapp über dem Hartz-IV-Niveau, unter das solche Arbeitnehmer sofort fallen, wenn sie auch noch die Kosten für den Weg zur Arbeit abziehen.
Diese Lohndrückerei in Deutschland trägt also wesentlich bei zur Verschuldung in den übrigen Euro-und EU-Staaten zugunsten der deutschen Exporteure und ihrer Aktionäre. Die deutschen Klein- und Normalverdiener finanzieren somit einerseits diese Einkommens-Spreizung, sorgen aber andererseits auch noch – ebenfalls zu ihrem eigenen Schaden - für die Überschuldung Griechenlands und der anderen Euro-Krisenstaaten. Am Ende müssen sie diese auch noch mit ihrem Geld retten, damit ihre Schröpfung im Inland weitergehen kann.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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