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Pleiten, Pech und Pannen - Nachschlag
Noch einmal kurz zurück zu Bruce Willis. Nicht dass der jetzt in ein schlechtes Licht gerät. Der ist eigentlich in den meisten Fällen sehr handsam. Ein Profi eben.
Dazu muss man vielleicht auch mal wissen, wie solche Interviews ablaufen, vor allem wenn es sich um sogenannte „Hollywood-Stars“ handelt. Wenn die nach Europa fliegen um Interviews zu machen, dann haben sie erst einmal Jetlag, oder bilden sich zumindest ein, ihn zu haben. Mir bis heute schleierhaft wieso. Ich weiß gar nicht wie oft ich diese Strecke schon hin und her geflogen bin, manchmal sogar mit der ersten Maschine hin, ins Hotel gehetzt, Interview gemacht, zurück zum Flughafen und mit der Abendmaschine wieder zurück. Irgendwie Jetlag hatte ich da nie höchstens bei dem Flug nach L.A., weil da der Tag dann einfach 8 Stunden länger dauert. Umgekehrt war das doch alles easy. Da machte man meistens mit seinen Meilen ein upgrade – Ällebätsch Herr Wulff! Wir dürfen das, sind nämlich unsere Meilen. – bekam oft sogar ein supergünstiges Upgrade bei der LH in die 1st. Dann aß man lecker zu Abend, kippte sich vielleicht noch eine Flasche schweren Roten hinter die Binde – das Weinangebot war bei der LH immer erstklassig –guckte beim Abendessen aus dem Fenster, sah meistens noch den Grand Canyon in der untergehenden Sonne rot funkeln und dann schlief man bequem ein. Über Amsterdam wurde man dann nett geweckt, bekam ein ausgiebiges Frühstück und landete ausgeschlafen morgens wieder in Frankfurt. Und die Herrschaften aus Hollywood reisen ja auch nicht anders, meist sogar in Privatjets mit noch mehr Komfort und zurück.
Bei Jetlag musste ich jedenfalls immer schmunzeln, aber dennoch haben die einen harten Tag bei solchen Junkets. Meist geht es um 9:00 Uhr morgens los und dann Schlag auf Schlag. Bei TV mittlerweile alle 10 Minuten ein Neuer. 5 Minuten Interview, der Rest geht für Begrüßung, Kassettenwechsel, Verabschiedung und Anpudern drauf. Und dann meist stereotyp die gleichen Fragen, die gleichen Antworten. Kurze Mittagspause, dann geht’s meist weiter mit Print. Mittlerweile fast nur Gruppen von 10 bis 15 Journalisten. Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten. Ehrlich gesagt habe ich da manchmal Verständnis für gewisse Reaktionen. Würde mir wohl auch nicht anders gehen. Und die kommen da auch nicht raus aus dieser Situation, steht alles im Vertrag.
Die Freiheiten, die sich manche noch herausnehmen können haben die nicht. Ich habe das einmal erlebt mit einem ganz Großen. Interviews mit Clint Eastwood, in San Francisco. Ich hatte die Angewohnheit mich immer ans Ende der Liste setzen zu lassen, sofern das ging. Barg zwar das Risiko, dass der Gesprächspartner schon ausgelaugt ist, hatte aber auch den Vorteil, dass man nicht mehr ganz so unter Zeitdruck stand, weil ja keiner mehr wartete.
Ich also rein. Übliche Hotelsuite vom Feinsten. Respektvolle Begrüßung, hingesetzt, Aufnahmegerät eingeschaltet und wollte gerade die erste Frage loswerden, da unterbrach er mich auch schon.
‚Ich habe keine Lust mehr.‘ Ich muss wohl schon sehr verstört geschaut haben, denn er lächelte nur und meinte, ich müsse keine Angst haben, aber er säße nun seit in der Früh in diesem Raum und müsse dauernd auf diese hässliche Bild starren. Ich drehte mich um und das Bild, irgendein Kunstdruck. Stimmt, war hässlich.
Ob ich Zeit hätte, denn er würde gerne hier raus, einen Drink nehmen und eine Kleinigkeit essen. Ob ich denn Lust hätte, da weiter zu machen. Wer da nein sagt, muss einen Schuss haben. Dafür hätte ich sogar den Rückflug umgebucht, aber ich blieb eh über Nacht.
Verleih, Pressechef, Agent waren zwar sichtlich not very amused, trauten sich aber nicht nein zu sagen. Einzige Bedingung, Bodyguard muss mit.
Wir also los mit 2 Limousinen an die Marina. Clintwood mit Bodyguard in seiner, Ich mit Pressechef und Pressagent in der anderen. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, die konnten mich nicht leiden. Aber was sollten sie tun? Kurz und gut, wir saßen auf der Terrasse eines kleinen Fischrestaurants, blickten auf die Bay, tranken kalifornischen Weißwein, hatten Seafood und quatschten über Film, Jazz und über Gott und die Welt.
So was ist wie ein Sechser im Lotto. Das erlebt man höchstens einmal, zumindest mit solchen Ikonen.
Wäre ein andere der letzte gewesen, hätte es wahrscheinlich ihn erwischt. Aber in der ganzen Zeit wurde auch deutlich, US-Stars, ob Schauspieler, Produzenten oder Regisseure liebten europäische Journalisten. Wir stellten einfach andere Fragen als unsere amerikanischen Kollegen.
Wir kannten uns mit Film aus, mit Kultur, konnten Über Malerei reden, Literatur und kannten die geschichtlichen Hintergründe. Früher jedenfalls. Mit Sylvester Stallone konnte man sich wunderbar über Malerei unterhalten. Dennis Hopper stand plötzlich am frühen Abend neben mir auf dem Klo im Hotel Excelsior in Venedig, erkannte mich von den Interviews vom Tage und meinte beim gemeinsamen Händewaschen, dass wir doch noch ein wenig auf der Terrasse plaudern könnten. Und Dennis Hopper war passionierter Kunstsammler, verlor das Gesammelte aber nur immer wieder an seine diversen Ehefrauen.
Es sind oft Zufälle und Kleinigkeiten, die solche Situationen heraufbeschwören, man muss nur bereit sein, sich darauf einzulassen. Und so gerne Hochglanzmagazine sich mit ihren Stars die Seiten füllen, von Glanz und Glamour quatschen, ihnen die Abendroben und Absatzhöhen von Superstars der Glitzerwelt wichtiger sind als alles andere, dahinter stecken Menschen. Angelina Jolie kommt zu Print-Interviews meistens ungeschminkt in Turnschuhen, Jeans und T-Shirt. Andere brezeln sich auch dafür auf als wären sie gerade auf dem Laufsteg. Erstere Variante war mir immer lieber.
Aber ich komme schon wieder ins schwadronieren, deshalb noch ein, zwei Jokes, was alles so passieren kann, wenn der Zufall es so will.
Wieder Venedig, Festival.
Musste noch ein Interview machen, das sich leicht verspätete und hatte schon Angst den Flug zu verpassen, denn ich musste weiter nach London. Der Verleih war so nett und organisierte mir eins der hotelinternen Schnellboote, die sowieso dauernd hin und her fuhren um die sogenannten VIPs vom Flughafen abzuholen. War auch klar, dass die das machten, denn die hatten selbst ein Interesse daran, dass ich den Flieger nicht verpasse, denn der in London gehörte auch zu ihnen.
Am Steg des Flughafens angekommen, pure Hektik, Zeit wurde echt knapp. Gepäck geschnappt und losgerannt. Problem, da gibt es ein paar Stufen und die waren feucht. Ausgerutscht und bautz, voll auf der Nase gelandet. Ich versuche mich aufzurappeln, schau noch völlig belämmert nach oben und da steht einer direkt vor mir, schaut runter und grinst mich an, aber schon so was von breit, bis fast zu den Ohren und dann höre ich nur noch: „Bad timing.“ Jack Nicholson mit einer kleinen Entourage.
Ich wollte schon vor Scham in den Boden versinken, ging aber nicht, der Flieger wartete. Begab mich wieder mühsam in die Senkrechte, packte meine Sachen und schlich mich betreten an ihm und den anderen vorbei und hetzte zum Schalter. Flieger verspätet, mindestens eine Stunde. Also eingescheckt, Gepäck aufgeben und wieder raus um in der Sonne noch eine zu paffen.
Schaue auf den besagten Steg. Boot lag immer noch da, zwei Leute arbeiteten fieberhaft am Motor und die Entourage stand gestikulierend am Boot. Da sah ich plötzlich Nicholson mitten auf dem Steg sitzend, die Beine baumelnd, kein Bodyguard in der Nähe, die standen am Boot. Da hatten die ja eigentlich nichts zu suchen, die hätten vorne am Steg stehen müssen. Standen sie aber nicht.
Keine Ahnung welcher Teufel mich damals geritten hat, aber ich stiefelte los, Nicholson bemerkte mich erst als ich mich neben ihn setze, der war irgendwie in Gedanken. Der guckt mich an, ich guck ihn an, kann auch grinsen und sagte nur „No! Good timing“. Nachdem er nicht gleich nach den Bodys rief, stellte ich mich vor erklärte die Situation und bat um ein Interview. Mittlerweile hatten die das aber gesehen und wollten schon losstürmen, da winkte er ihnen ab und ich hatte was ich wollte.
Manchmal siegt eben auch pure Frechheit. Ich habe ihn später noch zwei oder dreimal getroffen und jedes Mal, auch wenn Kollegen dabei waren, kam die Frage: „Weißt Du noch, damals auf dem Steg, als wir die Beine baumeln ließen?“ Die anderen wussten gar nicht, was er meinte, für ihn war es quasi ein running gag zu Begrüßung.
Okay aber jetzt vorerst Schluss mit den Stars. Mit denen kann man Geld verdienen, die erlauben einem kostenlos durch die Welt zu reisen, kann man sein Image aufpolieren und wenn man will auch angeben.
Doch Moment, eine Geschichte noch und damit zurück zur Berlinale.
Festivals wie die Berlinale können stressig sein, erzählte ich schon, besonders dann, wenn man zu viele Termine angenommen hat. Und auch das muss manchmal aus Zeitgründen auch die sogenannte Premiere-League unter den Medien in Kauf nehmen, Einzel ist nicht, wenn dann Gruppe.
Objekt der journalistischen Begierde damals: Emma Thompson.
Aber ich kam zu spät, knapp nur, aber zu spät. Ich muss wohl wirklich herzzerreißend geblickt haben, die Dame, die die Interviews betreute, meinte nur, warte mal, ich schau mal was sich machen lässt. Die waren ja auch erst 5 Minuten zusammen. Sie in den Raum, wieder raus, nickte, ich rein. Und dann traf mich fast der Schlag. Runder Tisch, Thompson saß mit direktem Blick auf die Tür und der einzige Stuhl der noch frei war, war genau der ihr gegenüber. Mein Lieblingsplatz bei solchen Runden, denn genau da hat man Distanz und den anderen direkt im Blickfeld und kann ihn fixieren. Dann ein Lachen von Thompson und der Spruch. „Na endlich ein Mann.“ Da registrierte ich erst, da saßen nur Frauen am Tisch.
Ergebnis war, wir saßen uns gegenüber, das Gespräch lief überwiegend zwischen uns. Die giftigen Blicke meiner Kolleginnen registrierte ich zwar aber ich dachte mir, die Chance lässt du dir nicht entgehen.
Bin aber danach wie ein Blitz verschwunden, wollte nicht gelyncht werden.
Aber die schönsten und vor allem intensivsten Interviews aber waren meistens mit denen, die die kleinen Filme machten. Filme, die oft kaum Beachtung fanden. Manche sahen auch nie eine Kinoleinwand außer bei Festivals. Filme wie „Nachtaufnahmen“ von Assi Dayan, Sohn von Moshe Dayan, der mir nachts Erschütterndes über seine Jugend mit seinen berühmten Vater erzählte. Ein Dokumentarfilm einer jungen Palästinenserin aus Ramallah über den Zusammenschluss israelischer und palästinensischer Mütter und politisch aktiven Frauen um gegen den Irrsinn in ihrem Land zu protestieren. Eine Absolventin einer deutschen Filmhochschule aus der Mongolei, die einen wunderschönen Film, „Das weinende Kamel“ machte. Eine andere aus Korea drehte ausgerechnet eine sehenswerte Doku über Wacken und studierte in Ludwigsburg und hatte mit Heavy Metal selbst so gar nichts am Hut. Die Liste könnte man endlos fortsetzen. Sie kamen auf Festivals von überall her, man muss ihnen nur zuhören.
Als freier Journalist kann man damit kein Geld verdienen. Diese Filme finden in den Medien kaum mehr statt, es sei denn, sie sorgen für Überraschung an der Kinokasse, wenn sie denn die Chance dazu bekommen. Aber man kann seinen persönlichen Horizont erweitern.
So, das war es erstmal.
Was als nächstes kommt? Keine Ahnung. Ich schreibe gerade , was mir so in den Sinn kommt.
Teil 7: www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/filmkritiker--arbeit-am-abgrund-des-ganz-normalen-wahnsinns-teil-7
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Das kann man sich, anhand der bekannten Darsteller wahrscheinlich, wunderbar bildlich vorstellen.
Echt bunt, George, macht Freude sich das anzusehen. Lass geh'n :) |
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Die Reihe entwickelt sich zu meiner regelmäßigen Morgenlektüre.
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Ist schön locker be-und geschrieben. Macht Freude, es zu lesen. Danke.
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Beim Lesen frage ich mich, wie Sie der ausgemachten Oberflächlichkeit (des ganzen Zirkus´) entgegenwirken?
Und: Wie verhindern Sie kreativen Verschleiß und wie bewahren Sie sich Inspiration? |
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Hmmmm, Frau Smilla,
Interessante Fragen. Ich versuch es mal zu beantworten. Bei der ersten durch Distanz. Man muss sich klar sein, man ist ein kleines Zahnrad im Uhrwerk. Da führt kein Weg vorbei. Aber man muss sich nicht als solches fühlen und den gewissen Abstand behalten. Die machen ihren Job, ich mach meinen und hinterher geht man auseinander. Manche begehen den Fehler und überschreiten diese Grenze. Das endet dann meist in Anbiederei und man hat einen Teil seiner Urteilsfähigkeit verloren. Sicher spielt eine gewisse Erfahrung auch eine Rolle. Man kennt das Business und weiß wie die Leute, die es betreiben, ticken. Vor allem Amerikaner werden schon seit ewigen Zeiten gecoacht. Da wird eine Rolle gespielt in den meisten Fällen. Und zur zweiten. Ich hoffe, ich habe sie richtig verstanden. Diese Rolle, von der ich gerade sprach, zu durchbrechen. Nicht dieses Spiel mitzuspielen, das übrigens immer das gleiche ist, sondern ihnen sanft mein Spiel aufzuzwingen. Ich führe das Interview, ich bestimme durch meine Fragen, wo es lang geht, nicht mein Gegenüber. Viele, gerade junge Kollegen machen oft den Fehler sich vorher stundenlang hinzusetzen um ihre Fragen zu formulieren, die sie dann einfach nacheinander abhaken ohne darauf einzugehen, was der andere vorher gesagt hat. Und meist die üblichen Stereotypen, wie war der Regisseur, wie waren die Kollegen, wie war es am Seil zuhängen und über einem Abgrund zu baumeln. Die Fragen kennen die aber, darauf sind sie vorbereitet und dann kommen jedesmal die selben Antworten. So was hat mich aber nie interessiert. Ich denke, das interessiert den Leser auch nicht. Mich interessiert an einer Angelina Jolie nicht, wie sie aussieht, das kann jeder sehen. Mich interessiert, wie sie wirklich denkt und um sie dahin zu bringen, das zu sagen, das ist in meinen Augen dann ein Erfolgserlebnis. Ich habe da auch jedesmal nur einen Masterplan. Ich überlege mir, was will ich haben und wie bekomme ich es. Vorformulierte Fragen habe ich da nicht. Vielleicht höchsten einen door opener, der die Lage entspannt. Ein konkretes Beispiel: Wenn Sie Nicole Kidman dazu bringen, Ihnen zwar nicht expressis verbis aber zwischen den Zeilen zu gestehen, dass der leider verstorbene Stanley Kubrick, eigentlich der Auslöser für das Ende ihrer damaligen Beziehung mit Tom Cruise und auch verantwortlich für ihre spätere Rollenauswahl war, ohne Tom Cruise überhaupt zu erwähnen, dann ist das in meinen Augen ein Volltreffer. Wenn sie dann erzählt, wie Kubrick Einfluss genommen hat, nämlich dass die beiden nächtelang während der Dreharbeiten allein in seiner Küche saßen und er aus ihr nicht nur eine neue Schauspielerin sondern fast schon einen neuen Menschen machte, ihr Selbstvertrauen zurückgab, dann erfahren sie was über Kidman, wie sie denkt, wie sie fühlt und wie sie sich neu definiert hat. Muss dazu sagen, ich wusste das schon vorher, weil ich nach Kubricks Tod seine Frau kennenlernte und sie mir das damals erzählte, auch das Kubrick mit Cruise kein Wort am Set gewechselt haben soll, sondern seine Anweisungen nur über seinen Regieassistenten ausrichten lies. Das sind aber Informationen aus dritter Hand, damit kann ich nichts anfangen. Ich brauchte es direkt von ihr. Und was mit Cruise am Set war, keine Ahnung, über den haben wir nicht gesprochen, der war mir auch egal. Bin aber sicher, hätte ich den Namen erwähnt, hätte sie dicht gemacht. Ich hoffe ich hab den Kern der Fragen getroffen. |
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schrieb am
02.02.2012 um 00:00
Danke für die ausführliche Antwort.
Distanz und Urteilsfähigkeit erachte ich auch für wichtig in diesem Job, Distanz auch i.S. von reflektieren können. Und zudem die Fähigkeit der Perspektivenübernahme, des sich Einfühlen und -denken können in die andere Person. Und: Humor! Humor sind die Rescue-Tropfen in der heutigen Zeit. Insbesondere wohl in Ihrem Beruf. "Mich interessiert, wie sie [A. Jolie] wirklich denkt und um sie dahin zu bringen, das zu sagen, das ist in meinen Augen dann ein Erfolgserlebnis."[...] ", dann erfahren Sie was über Kidman, wie sie denkt, wie sie fühlt und wie sie sich neu definiert hat." Es ist schon eine grundoptimistische Haltung notwendig, um von (exzellenten) Schauspielern zu erhoffen, dass sie pünktlich zur Interview-Massenabfertigung über wirklich Privates oder gar Intimes erzählen. Und es ist erstaunlich, dass Leser sich nicht mit einem tollen Film zufrieden geben - nein, es ist wichtiger, wieviel Hunde X hat, wie sie heißen und welche Haarkur Y bevorzugt und was ihr Mann oder seine Frau dazu sagt. Mit jedem satz läßt sich Geld verdienen, was sicherlich dem Exportschlager Hollywood geschuldet ist. Und Export ist wichtig für ein Land, das im Gegensatz zu Deutschland eine Verbrauchswirtschaft ist, da 2/3 der gesamtproduktion für den privaten Konsum bestimmt sind. Das nur nebenbei. Mich beschäftigt eher eine andere Frage: Warum ist es so unglaublich bedeutsam, alles über Stars zu wissen - in der Pubertät ist das schon wichtig, aber irgendwie scheint die Pubertät bis ins hohe Alter zu mutieren- , und kaum etwas über Politiker wissen zu wollen. Immerhin haben politische Entscheidungen direkte Auswirkungen auf jeden Bürger, da müsste doch das jeweilige Parteikonzept hinterfragt werden und Antworten eingefordert werden und (Ver-)Sprechen mit Handeln verglichen werden, um Konsequenzen zu ziehen. Anscheinend liegt in diesem Gebiet keine allzu große Beachtung. Woran liegt das? Sollten PR-Firmen mal die Politiker zu Stars hypen? Das wär doch mal was! Ade tristes frage-Antwort-Spiel in den Talkrunden und auf zu Tabu!-Sitzungen: Karte ziehen und Farbe bekennen oder lebensechte Quizrunden für politiker: Wie komme ich einen Monat mit Hartz4 aus, incl. Haushaltsplan erstellen und Angebote raussuchen. Da hätten Sie dann wiederum genug Zeit und Gelegenheit , Privates hervorzulocken; wenn eine Person sinnvoll beschäftigt ist, redet sie auch über sinnvolles... Na ja, aber da würden dann Glamour und Illusion fehlen. Vorstellungen sind ein wichtiger Platzhalter, der viele ernährt. |
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Danke, Georg. Jetzt hat es mich wirklich mitgenommen... ich meine, ich habe es irgendwie begriffen... ich weiß nicht, wie ich jetzt formulieren kann. Das ist für mich nicht nur eine extrem fremde Welt, sondern auch extrem fremdes Lebensstil... ich glaube, ich könnte es gar nicht aushalten, mit so vielen Reisen, öfteren Übernachtungen im Fliegen, so vielen Kontakten mit verschiedensten Menschen, so viele Café und Partys, wo es ebenso jede Menge Menschen um einen herum, mit denen man ja auch irgendwie reden muss... das ist für mich völlig unvorstellbar. Ich bin vom Nerventyp her ein ganz anderer Mensch.
Aber Du hast es irgendwie so geschrieben, dass ich in diese für mich völlig fremde Welt ganz entspannt rein gucken konnte, ohne mich gestresst zu fühlen, sondern mit Gewinn. Fesselnd, menschlich, intelligent. Ganz toll. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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