Gehe um Ann herum.
Ziehe den Revolver.
Sie dreht sich geschickt
und entreißt ihn mir.
Stampfe wild auf den Boden.
Scheisse, verdammte Scheisse. Ist das Schwein endlich tot? Es würde mich freuen. Verstehe die Leute, die dabei gewesen sein wollen, auch die, die davon gehört haben, verstehe den Zeitunterschied zwischen Abbottabad und New York, verstehe den Unterschied zwischen denen, die ihre Gegenwart abgeschlossen haben und denen, die damit gerade wieder begonnen haben, verstehe sogar Genua in zwanzig Jahren, wenn das Durchschnittsalter bei 62 Jahren liegt undBird-Satellitenflotte via 13° immer noch fliegt (Buona sera, hier bin ich wieder, der imaginäre GlobalMärtyrer mit offiziellem Totenschein, die Fortsetzung der suizidalen Welt mit anderen Mitteln, immer noch tot oder lebendig, befinde mich hier oder, dafür bin ich schließlich da, schon wieder an einem anderen Ort). Verstehe auch, warum mir das gerade jetzt einfällt, meine etwas klein geratenen Augen. Sie liegen tief. Ausgeprägte Unterlippe, angewachsene Ohrläppchen, auch das noch. Ich sollte das künftig gründlicher abwägen.
Wir befinden uns jetzt an dem Punkt, sagt Ann, an dem die reale Rache endet und die imaginäre Rache wieder beginnt. Wir können den Schlag, den wir fassungslos erlitten haben, nicht hinnehmen, ohne fassbare Vergeltung zu ergreifen. Schuldig oder nicht schuldig, wo kein Schuldiger ist, ist Schuld. Nichts für lahme Justizsysteme Rache. Oder soll die imaginäre Rache schneller sein als die reale Rache, wenn die imaginären Rächer mit ihren Teilekörpern sich bei ihrer Rache gleich mit zerstören und ihre Teile mit unseren Teilen vermischen? Reale wie imaginäre Rache gehorchen dem Diktat der Wiederkehr, das augenblicklich keine Ausstiegsmöglichkeiten kennt. No One Is Innocent. Siehst du etwas, dann sag’ etwas. Ab heute gibt es nur noch Antworten und keine Fragen mehr. Bis zum Ende der Liste.
Bis zum Ende? Genug Ann. Ende.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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