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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Programmatisch wendet die Linkspartei den leninistischen Grundsatz auf Wirtschaft und Medien an. Ich sehe das grundsätzlich anders. Ganz ohne Kontrolle mag es nicht gehen. Nur in einer Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, Vertrauen in ihren Beziehungen zu schaffen, nützt auch keine Kontrolle. Fehlt Vertrauen, verstärken Kontrollen noch das Misstrauen, tendieren zum exzessiven Staatsterror.
Die Linke will eine "grundlegende Veränderung der herrschenden Eigentums-, Verfügungs- und Machtverhältnisse“, eine "neue Ordnung". Das grundgesetzlich geschützte Eigentum, die Allgemeinwohlorientierung, wird ihr zur "Eigentumsfrage". Die Frage zur "politische Macht".
Kann man vertrauen? Die letzten deutschen Verbindungen von Eigentumsfragen und politischer Macht führten direkt in die Katastrophe. 1933 organisierten die Nationalsozialisten das Misstrauen als System, vor allem gegen Juden und ihr Eigentum, 1950 die Sozialistische Einheitspartei die Verstaatlichung und das System der flächendeckenden "Operativen Personenkontrolle". In ihrem Parteiprogramm erklärt sich die Linke: In einem "schwierigen und selbstkritischen Prozess" sei aus der ehemaligen SED die "Partei des Demokratischen Sozialismus" hervorgegangen.
Das Programm sagt, dass es in der DDR auch "Etappen einer lebendigen Sozialismus-Diskussion" gab. "Lebendige Sozialismus-Diskussion" in einem flächendeckenden System der "Operativen Personenkontrolle"? Vertrauen ist eine begrenzte Ressource. Spätestens hier kommen bei mir Fragen auf. Unter "Pervertierung der sozialistischen Idee" wurden "Verbrechen" begangen. Das verpflichte, "unser Verständnis von Sozialismus neu zu bestimmen".
Aus der Erfahrung mit sozialistischen Verbrechen Sozialismus "neu" bestimmen? Als Verpflichtung? Diese Logik vermag ich kaum nachzuvollziehen.
"Eine ewige Erfahrung lehrt, dass jeder Mensch, der Macht hat, dazu getrieben wird, sie zu missbrauchen".
Das steht nicht im Linkenprogramm, das steht bei Montesquieu, Vom Geist der Gesetze. Vertrauen gut, Kontrolle besser? Mich interessiert, was die Linke zu der Erfahrung mit der getriebenen Macht schreibt, zur "politischen Macht", wie sie es "neu bestimmt", in ihrem "Demokratischen Sozialismus im 21. Jahrhundert":
Nein, es geht erst mal los mit einem "Kapitalismus", der nicht das Ende der Geschichte sei. Der erste "große" Versuch, eine "nichtkapitalistische" Ordnung aufzubauen, sei an "mangelnder Demokratie, Überzentralisation und ökonomischer Ineffizienz" gescheitert. Die "ewige Erfahrung"? Sie scheint nicht die Erfahrung der Linken zu sein. Es wird weiter "Kapitalismus" überwunden, es wird für eine "weltweite Ordnung" gestritten, es soll eine "Einheit" aus Rechtsstaat und Sozialstaat hergestellt werden, weil so ein "gutes Leben" gestaltet werden könne, Not und Elend "überall auf der Welt" überwunden werden, überhaupt alle schlechten Dinge dieser Welt "überwunden" werden. Nur schafft es der "Demokratische Sozialismus" nicht ein einziges Mal die Frage der Macht zu erwähnen, so als könne an dem "Geist" der eigenen Macht das ganze Programm verbrennen.
Meine "ewige Erfahrung" fragt: hat so nett und freundlich nicht schon immer die getriebene Macht gesprochen? Die "großen" Versprechungen, der Himmel, dargeboten als glückliche Erde? Mein Vertrauensvorrat geht zu Ende. Vertrauen gut, Kontrolle besser?
Ich breche ab, sonst werde ich noch zum Leninisten.
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@hadie
...und Leute, die sich in einem gewissen, sagen wir leicht kontrollierten Umfeld bewegen, habe eine gewisse Angst vor den Kontrollern, zu sagen, dass sie kugelförmig ist. |
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Ne, das hast du dir doch schon selbst angetan. Wobei ich gerade in der Verlegenheit bin, dir nicht ganz folgen zu können.
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@chrislow
hatte ich ganz vergessen zu erwähnen, dass es um Vertrauen, Kontrolle, Macht im Verhältnis zu einer gewissen Partei geht. |
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Das hilft mir nun auch nicht weiter. Mir schwirrt immer nur "Verbrechen" vor den Augen rum. Du weisst doch, dass wir davon nichts hören wollen.
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„Die letzten deutschen Verbindungen von Eigentumsfragen und politischer Macht führten direkt in die Katastrophe.“
Frage 1: Erleben wir jetzt keine deutsche Verbindung von Eigentumsfragen und politischer Macht? Warum reduzieren Sie unter der Hand Eigentum auf Individualeigentum? "Lebendige Sozialismus-Diskussion" in einem flächendeckenden System der "Operativen Personenkontrolle"? Frage 2: Aus Ihrer Frage entnehme ich, dass Sie den DDR-Alltag nur aus zweiter oder dritter Hand (hoffentlich nicht Hubertus Knabe) kennen. Ergibt sich aus lebendigen Sozialismus-Diskussionen (die sicher nicht flächendeckend waren) nicht gerade eine Überwachung, weil man diesen Debatten misstraute? „sozialistischen Verbrechen“ Diese Wortschöpfung haben Sie wohl doch von Hubertus Knabe übernommen. |
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@nietzsche 2011
Hallo, ich habe hier zuerst die Fragen gestellt (kann man vertrauen?). Es ist die Linkspartei, die die "Eigentumsfrage" stellt, und ich hätte gern gewusst, was sie damit meint, historisch, auch als SED-Nachfolgepartei, und bezüglich Verfassung, die bekanntlich das Eigentum nicht in Frage stellt, nur Anforderungen bezüglich Gemeinwohl stellt. Ich reduziere nichts "unter der Hand", versuche nur meine fragende Wahrnehmung des Linkenprogramms darzustellen. Ich kenne aus erster Hand Debatten nicht-sozialistischer wie sozialistischer Art, die einen ängstlich, verdeckt, die anderen, "offen" und "lebendig", wie von der SED behauptet, deshalb kommt mir auch die Formulierung im Linkenprogramm sehr bekannt vor. Stasi-Überwachungen kenne ich nur aus zweiter Hand, waren nie zu sehen. Linkenprogramm: "Unter Pervertierung der sozialistischen Idee wurden Verbrechen begangen". Ist irgendwas an „sozialistische Verbrechen“ falsch? Es ist ja kein Geheimnis, dass hier im FC viele Anhänger der Linkspartei posten. Ich habe eine ganze Menge Fragen zum Programm dieser Partei. Aber es gibt bei bestimmten Fragen alles andere als eine "lebendige Sozialismusdiskussion", so als wär da immer noch eine Art Stasi, mein Eindruck. |
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Da es wohl vornehmlich um das Parteiprogramm der Linken geht, bin ich - als Parteiloser - überfordert.
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@nietzsche 2011
Hallo Mit-Parteiloser, ich hoffe wir bleiben hier in Verbindung. |
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>>Ich habe eine ganze Menge Fragen zum Programm dieser Partei.<<
Das ist doch ganz einfach, Gerhard Monsees: Zitieren Sie die Programmteile, zu denen Sie Fragen haben und stellen Sie die Fragen dazu. Dann kann darüber diskutiert werden. Es gibt Mitglieder und Nichtmitglieder der Partei die Linke, die sich dazu äussern würden. Und wer weiss, vielleicht könnte das die Programmdebatte in der Linken weiterhin lebendig halten, gerade auch wenn auch Parteimitglieder beteiligt sind. --- Über die Frage, ob das GG "leninistisch", oder vielleicht "marxistisch" oder doch eher "carlschmittistisch" ist kann man herrlich dimpfeln. siehe auch hier: www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/das-grundgesetz-ist-links?searchterm=Jakob+Augstein Am ehesten ist das GG ein bisschen AhlenerProgamm-istisch. Man sah sich damals veranlasst, dem Volk ein paar Zugeständnisse zu machen. Aber natürlich anders als im Ahlener Programm so unverbindlich formuliert, dass letztlich "FDGO" immer genau das ist was gerade abläuft. Die von Jakob Augstein erwähnte Verfassung des Freistaates Bayern war in einigen Fragen der Lebensbedingungen konkreter, aber die stammt auch von 1946 und galt ohnehin nicht für die gesamte Trizone. |
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@claudia
"Zitieren Sie die Programmteile, zu denen Sie Fragen haben und stellen Sie die Fragen dazu". gute Idee, ich komme darauf zurück. "Am ehesten ist das GG ein bisschen AhlenerProgamm-istisch". jedenfalls ist es nicht "direkt", sondern mittels Verfahren eingeführt worden, das als "repräsentativ" behauptet wird. Inhaltlich ist es französische, amerikanische, englische Verfassung, aber keinesfalls sowjetische bzw. marxistisch-leninistische Verfassung, genau davon wollte man sich gerade abgrenzen. Das AhlenerProgramm ist allenfalls katholische Soziallehre, christliche Arbeitnehmerbewegung, die sich ebenfalls von marxistisch-leninistischen Ideen abgrenzen wollten. Augstein und Linkspartei verbiegen das GG 14f, hebeln die darin garantierten Schutzrechte sogar aus, wenn sie die Option auf Verstaatlichung, anstatt auf einen nicht auszuschließenden Einzelfall, auf eine gesamtgesellschaftliche veränderte Eigentumsordnung hin uminterpretieren. |
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>>...jedenfalls ist es nicht "direkt", sondern mittels Verfahren eingeführt worden, das als "repräsentativ" behauptet wird.<<
Ja. Das "Demokratiedefizit" des GG wurde bis in die 70er Jahre mit Artikel 146 entschuldigt: "Es ist nicht die endgültige Verfassung, sondern ein Provisorium". In den 80er Jahren wurde dazu übergegangen, dass GG als "deutsche Verfassung" zu interpretieren: Kein Provisorium mehr. Erinnern wir uns: Die 80er Jahre waren die Phase im kalten Krige, in der die USA mit Unterstützung der afghanischen Mudschahedin die afghanische Regierung zur Aktivierung des militärischen Beistandspaktes mit der Sowjetunion zwangen, weil die aggressiven Islamisten allein nicht mehr unter Kontolle bringen konnte. Gleichzeitig wurde ein monströses Rüstungsprogramm aufgelegt. Die Sowjetunion ist zu spät aus dem ruinösen Wettrüsten ausgestiegen: Der Endsieg im kalten Krieg wurde greifbar. In dieser Situation hatten offenbar in Bonn einige Leute die Hosen gestrichen voll angesichts der Möglichkeit, dass Artikel 146 bald mal aktuell werden könnte. Ich kann ich auch noch an die Panik erinnern die der Verfassungsentwurf des Runden Tisches im "freien Westen" auslöste. --- >>Eigentumsordnung<< Zur Eigentumsfrage: Gibt es einen Unterschied zwischen: a) einem Einfamilienhaus, das dem Zwecke der Privatnutzung dient, und das Sie nach Belieben umbauen können b) gesellschaftlichen Einrichtungen wie Produktons- Medizin(+Pharma)- Infrastruktur- Infomations-Mitteln? Wie wirkt es sich aus auf die Menschen, die auf solche Einrichtungen angewiesen sind, wenn deren Privateigner nach Belieben mit diesen Einrichtungen verfahren können? Welche Auswirkungen hat es auf die Volkswirtschaft, wenn mit immer grösser werdenden privaten Geldansammlungen ausschliesslich nach Besitzerbedürfnis verfahren werden kann? --- Sind sogenannte "harte Einschnitte" tatsächlich stets nur einem bestimmten Bevölkerungsteil zum Vorteil des anderen Teiles zumutbar? Oder ist es zumutbar, dem bislang bevorteilten Bevölkungsteil Einschränkungen auferlegt werden, die dem Lastenausgleich dienen? Welche Vorschriften dazu sind aus dem GG begründet ableitbar? zur GG-Diskussion siehe auch hier: www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/das-grundgesetz-ist-links |
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@claudia
"Gibt es einen Unterschied"? Bezogen auf GG 14 eindeutig nein. Es wäre auch fatal, wenn Privatnutzen und "gesellschaftlicher" Nutzen verfassungsrechtlich getrennt wären, denn die Grenze ist unklar wie gesellschaftlich immer strittig. Stattdessen gilt, dass der "Gebrauch" zugleich dem "Wohle der Allgemeinheit" dienen soll, also nicht nur "Privateigner", sondern ebenso Eigner öffentlichen Eigentums (Bund, Länder usw.) eben nicht nach "Belieben" verfahren sollen. Zu Volkswirtschaftlichen Auswirkungen ebenso: es betrifft nicht nur "private Geldansammlungen", staatliche ebenso, siehe Staatskredite, Staatsverschuldungskrise, EU, Griechenland etc. Zu "harte Einschnitte": Es gilt für private und öffentliche Entscheider immer noch, dass sie die Folgen ihrer Entscheidungen mitzutragen haben. Unternehmen, die Risiken eingehen, müssen deren Folgen tragen. Es gilt nicht: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Genau das würde GG 14 verletzen. Ich halte die Argumentation von Augstein für falsch, weil pauschal, undifferenziert. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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