gerhard monsees

Blog von gerhard monsees

17.12.2011 | 15:13

Der Umverteilungsstaat hat uns zu übelgelaunten Neidhammeln gemacht

Was hat sich da eingefräst? Die Verteilungsmasse wird verteilt, angeglichen, in viele Haufen aufgeteilt. Die Verteiler sorgen medial dafür, dass ich genau dies als Mehrung oder Minderung erlebe. Mein Subjekt führt Buch, stellt verwundert fest, dass Armut trotzdem schneller wächst als allgemeiner Wohlstand, und ärgert sich, dass der Mittelklassewagen des Nachbarn trotzdem zur Luxuslimousine mutiert. - Ja werter Zeitgenosse, wie sollte es auch anders sein, wenn das bildende Kapital immer mehr flüchtet anstatt investiert, und der Rest in einem maßlosen konsumistischen Verzehr verschwindet. 

Der Umverteilungsstaat lebt davon, dass die Versorgungsfälle schneller reproduziert als beseitigt werden. Und was wird in dieser Konstellation von der medialen Sprachpolizei, gerade jetzt so kurz vor Weihnachten, nicht alles niedergeknüppelt. Auf Kosten des Subjekts, der Freiheit, der Ideen, der Initiative, der Würde, und des Risikos, auch mal die Seitenwege zu gehen. Eine massenhafte Kultur der Gier, der Missgunst und Heuchelei ist entstanden. An Rückkehr zu lokal ausgeglichenen Gegenseitigkeiten ist nicht mehr zu denken. Die Kontrolle der Ansprüche geht auf den Adressaten über: auf den, der die Rechtsgewalt zu erfüllen hat, zugleich die Bedingungen der Rechtsgewähr formuliert und in endlosen sozialartigen Zwecken variiert. 

Ich habe den Mantel dicht um mich gezogen, so als würde ich schon in der Endstation meiner Versorgungs- und Betreuungsansprüche stehen. Einen Musterbürger könnte ich jetzt nennen, eine Entlastung der Verwaltung, die sich um nichts mehr zu kümmern braucht, weil der Antragsteller bereits alles bekommen hat, was ihm zusteht. Und sei es nur, dass er ihnen sein Leben schulde, weil sie ihn noch nicht komplett getötet haben.  

Gegenwärtig scheint der Umverteilungsstaat sein Ende zu erreichen. Ausgeliehene Kredite, weil Billionen Steuern und Abgaben nicht reichten, können von den Kreditnehmern nicht mehr zurückgezahlt werden, ohne die eigene Bevölkerung mehr auszunehmen als zuvor. Der Sozialstaat könnte sein Ende erreicht haben und in einen Staat allgemeiner Armutsverwaltung übergehen. Damit würden dem Antragsteller noch letzte Möglichkeiten entzogen, wieder ein unabhängiges Individuum zu werden, das auf eigenen Füßen stehen könnte. 

Von etwas mehr Würdeverlangen in den Arsch getreten, weiß ich und fühle ich, dass es um mein Leben geht, und dass diesbezüglich alles falsch läuft in diesem Neidtempel sogenannter sozialer Gerechtigkeit.

 

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 17.12.2011 um 16:11
Sicher schreiben Sie von der Umverteilung von unten nach oben.
Baphomed schrieb am 17.12.2011 um 16:22
Hallo Poor,

da habe ich aber doch 30 sekunden lang suchen müssen. Alle je von der Bundesrepublik geleisteten Subventionen für die Atomindustrie betragen fast das Doppelte der BRD Gesamtverschuldung.

HMMM, nunja aber eigendlich liegt die Atomuindustrie ja am Boden also ist das vielleicht doch eine Umverteilung von oben nach unten?

Was meinst du?

Liebe grüße
Baphomed
Magda schrieb am 17.12.2011 um 16:54
"Eine massenhafte Kultur der Gier, der Missgunst und Heuchelei ist entstanden. "

Ich verstehe das so: Sie wünschen sich, dass diese Kultur der Gier, Missgunst und Heuchelei auf einige Auserwählte beschränkt wäre.

"An Rückkehr zu lokal ausgeglichenen Gegenseitigkeiten ist nicht mehr zu denken."

Was soll das heißen, sollen sich Leute von einem Lokal ins Andere begeben?

Kurzerhand - das Umverteilen gehört zum Staatswesen. Wie umverteilt wird, darüber kann man lange diskutieren, debattieren, streiten.

Aber Ihr Lamento ist einfach nur Rollenprosa eines "Neidtemplers" (hübsches Wort, nur was bedeutet, ist nicht ganz ersichtlich).
gerhard monsees schrieb am 17.12.2011 um 18:10
@magda

nun ja, das gegenseitige Kümmern ist doch ausgestorben. Hat wohl mit Bismarck angefangen, zu einer Zeit, als Arbeiter noch rebellisch waren, deshalb so genannte "Revolution von oben".

Etwas Prosa hab ich von diesem Marx, wo er Verteilungssozialismus als "Vulgärsozialismus" bezeichnet. Gut gesehen, würde ich als definitiver Nicht-Marxist sagen. Die moralische Unruhe war denkmäßig schon mal weiter, als erst an der Ladenkasse bei Lidl & Co. zu beginnen.
gerhard monsees schrieb am 17.12.2011 um 17:19
@poor on ruhr

nein, ich schreibe nur gegen den üblichen Mainstream, der sich so gefällig mit Wohlstandsversprechen anschleicht.

Nebenbei auch über "poor on ruhr", das mal über eine gewaltige Ideen- und Arbeitspower verfügte, und nun EU-Armutsregion ist. Zuletzt durfte Ruhr an West-Ost-Umverteilung teilnehmen. Die Umverteilung von links nach rechts oder umgekehrt, der Ruhrmensch sagte mal, linke Tasche, rechte Tasche, Taschenspielertricks.

Beste Grüße an die Ruhr.

Lasst das Nörgeln und holt Eure Power zurück.
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