gerhard monsees

Blog von gerhard monsees

16.05.2011 | 10:06

Die Frau als Mannmaschine

Was macht die Frau als Frau aus? Sofern es etwas mehr sein sollte als nur Gender Trouble oder eine biologische Differenz, ist es damit demnächst vielleicht aus. Vielleicht aufgrund meiner romantischen Gesinnung fühle ich eine gigantische Gleichmachmaschine anrollen. Und das schon seit längerem.

Die Maschine holte den handwerklich schuftenden Mann aus dem Haus und kultivierte ihn zu einem Massenartikel produzierenden Fabrikwesen. Dort durfte er seine neue Männlichkeit als verlängerten Teil einer Ausführungs- oder Befehlsmaschine ausbilden. Die Frau, die zunächst zu Hause blieb, ließ sich aus diversen Gründen dann doch einreden, dass es eine Befreiung aus häuslicher Enge sei, ebenfalls in die Mechanik der industriellen Welt eingebaut zu werden. So ging ihr Frauenkörper in den bereits vermännlichten Industriekörper ein, der sie durchdrang, zergliederte und wieder zusammensetzte. Zunächst als Ausführungsmaschine. Aber wie nach der Emanzipationsstatistik inzwischen auf zehn Mörder fünf Frauen kommen, kommen heute in einem gut geführten deutschen Gleichberechtigungsunternehmen auf zehn Vorstandsmitglieder drei Frauen. Die Frau wird maschinell, und das Haus wird leer wie nie zuvor. Man könnte sich die Zersiedlung ganzer Landschaften ersparen, ebenso die sinnlosen Verkehrsnetze von A gleich Wohnung, nach B gleich Firma, sofern es nach A kein autonomes Zurück mehr gibt.

Die Frau als Mannmaschine ist eine Denunziation ihrer selbst. Der mechanisierte Mann, das ist ihr Ort, als wäre die gute alte Frau bis an die Ränder ihres Körpers geflüchtet. Eine Ware für ein Ticket, ein Werbeprodukt, eine Wirtschaftsmoral, eine Projektion, ein generalisiertes Kommunikationsmedium männlicher Weltenkonstruktion. Die Mannmaschine, das ist ihr Raum, weil sie sonst keinen mehr hat. Madonna, du zeigst nichts, du stellst nichts dar, du verweist nur auf technisch-männliche Funktionalität.

 

 

 

 

 
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Kommentare
KalleWirsch schrieb am 16.05.2011 um 12:17
Ich bin bestimmt zu blöd um das zu verstehen.
luzieh.fair schrieb am 16.05.2011 um 12:21
Lieber Kalle,

da waren wir wieder fast gleich auf;-)

vielleicht gibt es ja Erklärungen...

liebe Grüße, Luzieh
gerhard monsees schrieb am 21.05.2011 um 13:32
hallo kalle, letztlich sind männer immer zu blöd, es zu verstehen. aber vielleicht hilft uns luzieh.fair.
luzieh.fair schrieb am 16.05.2011 um 12:19
Hallo gerhard monsees,

ich weiß ja nicht ob Sie Netzbeton verfassen, aber wenn nicht, wäre es hilfreich, diesen Artikel mit " " zu versehen, oder in einen "Zitatblock" zu stecken, denn sonst könnten die Leute auf die Idee kommen, die hätten das selber geschrieben.

Zur Sache: die Einbettung des Themas in eine Kritik am kapitalistischen System und der (auch gesellschaftlichen) Industrialisierung und Verwertungslogik ist sicher nicht unlogisch. Aber Sie tun hier nicht nur so, als sei da tatsächlich eine bewusste Entscheidung von Seiten der Frau getroffen worden. Nein, die Frau soll auch noch Opfer einer Emanzipationsideologie sein, oder wie ist es zu verstehen, dass sie sich die Sache mit der Befreiung aus der häuslichen Eng hat einreden lassen?
Wenn Sie das meinen, haben Sie entweder keine Ahnung von historischen Zusammenhängen, oder Sie stellen diese bewusst verkürzt dar.

Und Sie scheinen von einer Art "natürlichem" Platz für jedeN auszugehen.
Das habe ich nicht so ganz verstanden und hätte dazu auch gerne eine Erklärung.

Gespannt auf die Antwort, wartet Luzieh.fair
gerhard monsees schrieb am 20.05.2011 um 21:31
hallo luzieh.fair,

jetzt kommt meine kleine Abwesenheit mit einer Antwort wohl zu spät, daher kurz. Ich bin nur ein Freund dieses Artikels, der natürlich "bewusst verkürzt" ist.

Erklärung: von "natürlichem" Platz ist keine Rede. Als Mann hatte ich mal das Glück, eine Konzernchefin kennenzulernen. Die "Frau als Mannmaschine" entspricht ganz meiner persönlichen Wahrnehmung.

Meine These: Gäbe es keiner Männer, würde Frau den Konzern völlig anders führen, möglicherweise gar nicht auf die Idee "Konzern" kommen.

wartet Luzieh.fair noch?
luzieh.fair schrieb am 21.05.2011 um 12:07
Luzieh.fair hat einen Haufen Geduld, der manchmal unbenutzt herum liegt.

Danke für die Antwort. Wenn Sie jetzt Kalle und Knüppel noch antworten, könnten wir das hier mit mehr Menschen bequatschen.

Dass Sie nicht vom "natürlichen" Platz gesprochen haben, weiß ich. Ich lese das zwischen den Zeilen.
Auch, dass Sie offenbar davon ausgehen, dass Frauen (ohne männlichen Enfluss) anders arbeiten würden. Das ist erstens Spekulation und geht nicht ausreichend, auf den Faktor der Sozialisation ein.

"Die Frau, die zunächst zu Hause blieb, ließ sich aus diversen Gründen dann doch einreden, dass es eine Befreiung aus häuslicher Enge sei, ebenfalls in die Mechanik der industriellen Welt eingebaut zu werden."

Was wäre (außer einem allgemeinen Systemwechsel) denn die Alternative gewesen? Weiter zu Hause bleiben?

Wieder wartet, Luzieh.fair
gerhard monsees schrieb am 21.05.2011 um 17:34
"Systemwechsel" nicht unbedingt, eher Wertewechsel:

Warum muss den ein Sessel augenblicklicher Machtfülle in einer Vorstandsetage der höchste quotierbare Wert sein, und nicht ein Kinderzimmer voller Zukunft?

Bin sehr gespannt, ob und wie Sie antworten.
luzieh.fair schrieb am 21.05.2011 um 18:14
*Trommelwirbel*
Das Reproduktionsarbeit gesellschaftlich ...naja, ich sag mal unterbewertet ist, dem kann ich zustimmen.
Aber wäre es nicht auch eine Möglichkeit gewesen, die Männer aus den Fabriken zurück zu holen und sie Schlaflieder singen zu lassen?

Sie meinen also, wenn es einen "Wertewechsel" gäbe mit dem einherginge, dass das "Kinderzimmer voller Zukunft" als Säule eben dieser gesehen würde, kämen zwangsläufig die Frauen zurück, um die offenen Türen dieser Zimmer einzurennen?

Was ist denn Ihre Idee vom "was wäre wenn"?
Im Artikel wird ja erstmal der Status quo bemängelt.
Aber wie würde die gesellschaftliche Gesamtrealität aussehen, wenn der von Ihnen erhoffte Wertewechsel vollzogen wäre?
gerhard monsees schrieb am 22.05.2011 um 14:18
"Frauen zurück"
- Ist Ihre Lesart. Aber die Welt nach "Wertewechsel", nach der Sie fragen, könnte auch so aussehen, dass weder Frau noch Mann wegen fehlender gesellschaftlicher Anerkennung in eine Vorstandsetage will.

Dem "Frauen vor", dem Sie anhängen, bleibt aber ohne Wertewechsel nur die Integration in das "System Mann". So finde ich "Die Frau als Mannmaschine ist eine Denunziation ihrer selbst" treffend.
luzieh.fair schrieb am 22.05.2011 um 19:37
Naja, solange der Wertewandel noch nicht vollzogen ist, leben Sie und ich in der Welt, wie sie jetzt ist.
Ich finde die Vorstellung von verschwindenden Vorstandsetagen nicht schlecht.
Aber, was mache ich bis dahin?
Mir kommt es vor, als wäre es um meine persönliche Halbwertszeit nicht so gut bestellt, als das ich den Wnadel noch erleben würde.

Und wäre eigentlich nach Ihrer Logik nicht auch der Mann eine "Mannmaschine"? Also auch eine "Denuziation" seiner "selbst"?

Frau vor, bis gleich. - Hieße es übrigens komplett.

p.s. ich will übrigens in garkeinen Vorstand...aber das nur so am Rande...also als p.s.
gerhard monsees schrieb am 23.05.2011 um 11:49
Der Mann als Fraumaschine wäre es, aber wieso soll er als Mannmaschine eine Denunziation seiner selbst sein?

"Frau vor, bis gleich" - Sie sagen es:
Die Frau auf dem Weg zu ihrer Mannwerdung, aufgrund welcher Minderwertigkeitsgefühle auch immer.

Mag sein, dass Sie wegen persönlicher Halbwertszeit keine andere Wahl sehen. Aber mit Ihrer anfänglichen Behauptung, ich würde von einem "natürlichen" Platz ausgehen, unterschreiten Sie das Anspruchsniveau der sogenannten "Emanzipationsbewegung" für meinen Geschmack ein wenig zu deutlich auf simplen KonkurrezInstinkt (absolut "kapitalistisch") hin.

Bis Freitag
luzieh.fair schrieb am 24.05.2011 um 08:58
"aber wieso soll er als Mannmaschine eine Denunziation seiner selbst sein?"

Ich dachte, es ginge Ihnen bei der Kritik (auch an der Fabrik) darum, dass die kapitalistische Lohnarbeit den Menschen...entfremdet. Das müsste dann auch für "den" Mann gelten.
Der mit dem Gang in die Fabriken ein Ideal von Männlichkeit (als Schaffer, Macher, Versorger) bedient, dass auf Dauer nicht zu halten ist und zwangsläufig zu Widersprüchen führen muss.

Insofern: der Mann eben auch als Mannmaschine.

Oder Sie sagen, dem Mann liegt die Arbeit in der Fabrik (oder sonstwo) eher als der Frau.

"Aber mit Ihrer anfänglichen Behauptung, ich würde von einem "natürlichen" Platz ausgehen(...)"

Das war keine Behauptung, das war ein Eindruck, den ich Ihnen vermittelt habe und erklärt haben wollte. Steht da oben.

Ich unterschreite im Übrigen kein Niveau, ich versuche nurm, das Ihre zu vertsehen.*

*Spitzen verteilen kann ich auch. Wenn Sie auf dieser Ebene bleiben, können wir's auch lassen. Es würde helfen, wenn Sie schlicht auf Fragen antworten, oder Ihrerseits welche aufwerfen, aber mein Niveau in Frage zu stellen...?
...ach ja...
gerhard monsees schrieb am 27.05.2011 um 20:30
hallo luzieh.fair,

komme mit meiner Antwort wohl endgültig zu spät.
Anderenfalls:

Tut mir leid, dass Sie meinen letzten Satz persönlich genommen haben. Aber er bezieht sich wirklich nur auf Ihren "Eindruck".

Zur Entschädigung schenke ich Ihnen mein Lieblingszitat aus Cyborg Feminism von Donna Haraway: Any objects or persons can be reasonably thought of in terms of disassembly and reassembly; no 'natural' architectures constrain system design.

Das ist ungefähr das, was ich meinte. Niemand muss sich zur Mannmaschine machen, wenn er/sie es nicht will.
Knüppel schrieb am 16.05.2011 um 12:37
Ich hatte "so merkwürdige Gedanken" beim Lesen dieses Textes, aber die können natürlich auch ganz und gar unbegründet sein, also halte ich erst einmal den Mund und warte ab, ob der Autor auf Kommentare antwortet (und vor allem 'wie' er antwortet) ...
gerhard monsees schrieb am 21.05.2011 um 13:28
pardon, sehr spät. aber ok "wie" ich geantwortet habe?
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