gerhard monsees

Blog von gerhard monsees

02.07.2011 | 17:46

Müll runterbringen und Mensch bleiben

Habt ihr schon wieder vergessen, den Müll runterzubringen? Ich gebe mir Mühe und hinterlasse eine zivilisierte Bitte um Besserung auf dem Küchentisch. Ich kriege es hin. Es ist Samstag.

 

Woher bloß diese gute Laune? Busfahrer Fahrgeld geben und anlächeln. Allein fahren, Leute kennenlernen, anschlussfähig sein. Tischrede für Herrmanns Sechzigsten, hinreißende sadomasochistische Anekdoten, damit Herrmann und Gäste viel zu lachen haben. Je mehr ich rede, je mehr sage ich. Meine relative Stärke. Identitätspreise vergleichen und das Ich betreiben wie einen Zeitschriftenkiosk, oder wie Victoria von Schweden mit Krone, oder wie damals Joschka Fischer in Turnschuhen. Intensive Selbsterkundung, tuen, was dir liegt, stabile Basis bauen. Blick nach innen, Blick nach außen. Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben, meinem verborgenen Ich hinterher. Mein Blog, mein Twitteraccount, meine Wohnung, der letzte angesagte Scheiss, Beziehungsgeschichten rauf und runter. Kein Grund, unter dem Moosteppich zu verschwinden. Jeder ist wichtig. Interessiere dich. Gehe auf andere zu. Nicht alle Nachbarn sind Schweine. Zeit, dass wieder das Herz entscheidet. Wie gehts? und täglich an das gegenseitige Fiebermessen denken, warm halten. Nützlichkeit, Status, Rangunterschiede überbrücken. Wertschätzung der Obdachlosenmannschaften ohne Gegenleistung, immer großzügig Kredit verteilen. Vorwürfe lassen Mauern wachsen. Daher auf gewaltfreie-kommunikation.de. gehen. Alle Krücken nehmen, die dir gereicht werden, damit du dich durch diese kommunikative Welt weiterschleppen kannst. Wer wachsen will, begibt sich in die bestgeöffnete Interaktionsmaschine und tauscht sich aus. Keine Angst vor Small Talk, vor ornamentaler Selbstdarstellung deiner Anpassungsfähigkeit und Beliebigkeit, spannend wie Treibsand. Keine Angst vor dem Echo. In den anderen sieht man seine Etikette genauer. Abteilungstüren springen auf. Bereit, das Klassenfest zu organisieren, Verhandlungsgeschick ausprobieren, lernen, eigene Ideen durchzusetzen, verborgene Zustimmungszeichen dechiffrieren. Probieren, ob meine Stimme trägt und der Könner ankommt. Ein Lacher und ein Applaus sind meiner Aufmerksamkeit nicht abhold. Im Bäckerladen am liebsten alles kaufen, netter als nur leere Kohlenhydrate bemeckern, weil sie angeblich dick machen, besser, als draußen in der Kälte zu stehen. Bemühen um Gefallen gefällt immer, weil es seine Kriterien schon in sich selbst trägt. Garantien meines Persönlichkeitstrainers und was es sonst noch braucht, um mein selbstrefentielles Ich zusammenzuhalten. Zum Beispiel täglich 20 Minuten nichts tun. Damit kein Helfersyndrom daraus wird. Mein suizidaler Klassiker für offizielle Anlässe in Schwarz. Gestehen, nicht perfekt zu sein. Wer sich verstellt, verliert sich selbst: Ihr Angebot ehrt mich sehr, vielen Dank, aber trotzdem Scheisse. Lass dich nicht demaskieren, nicht demontieren, nicht niederknien, nicht austrocknen. Mensch bleiben. Wichtigste Voraussetzung für eine symphatische Ausstrahlung.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
lausemädchen schrieb am 02.07.2011 um 21:43
schöne schreibe das.
mit genuss und gewinn gelesen.

gute grüsse
lausemädchen
gerhard monsees schrieb am 03.07.2011 um 13:35
DANKE

Beste Grüße
gerhard monsees
gerhard monsees
radikal parteilos, Hebel keiner Firma
Mitglied seit:
1 Jahr 5 Wochen
Zuletzt aktiv:
26.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 67
Kommentare: 477
Logbuch
05:07
marvinius hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:26
JR's China Blog hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:10
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:59
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:33
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG