2
]
Habt ihr schon wieder vergessen, den Müll runterzubringen? Ich gebe mir Mühe und hinterlasse eine zivilisierte Bitte um Besserung auf dem Küchentisch. Ich kriege es hin. Es ist Samstag. Woher bloß diese gute Laune? Busfahrer Fahrgeld geben und anlächeln. Allein fahren, Leute kennenlernen, anschlussfähig sein. Tischrede für Herrmanns Sechzigsten, hinreißende sadomasochistische Anekdoten, damit Herrmann und Gäste viel zu lachen haben. Je mehr ich rede, je mehr sage ich. Meine relative Stärke. Identitätspreise vergleichen und das Ich betreiben wie einen Zeitschriftenkiosk, oder wie Victoria von Schweden mit Krone, oder wie damals Joschka Fischer in Turnschuhen. Intensive Selbsterkundung, tuen, was dir liegt, stabile Basis bauen. Blick nach innen, Blick nach außen. Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben, meinem verborgenen Ich hinterher. Mein Blog, mein Twitteraccount, meine Wohnung, der letzte angesagte Scheiss, Beziehungsgeschichten rauf und runter. Kein Grund, unter dem Moosteppich zu verschwinden. Jeder ist wichtig. Interessiere dich. Gehe auf andere zu. Nicht alle Nachbarn sind Schweine. Zeit, dass wieder das Herz entscheidet. Wie gehts? und täglich an das gegenseitige Fiebermessen denken, warm halten. Nützlichkeit, Status, Rangunterschiede überbrücken. Wertschätzung der Obdachlosenmannschaften ohne Gegenleistung, immer großzügig Kredit verteilen. Vorwürfe lassen Mauern wachsen. Daher auf gewaltfreie-kommunikation.de. gehen. Alle Krücken nehmen, die dir gereicht werden, damit du dich durch diese kommunikative Welt weiterschleppen kannst. Wer wachsen will, begibt sich in die bestgeöffnete Interaktionsmaschine und tauscht sich aus. Keine Angst vor Small Talk, vor ornamentaler Selbstdarstellung deiner Anpassungsfähigkeit und Beliebigkeit, spannend wie Treibsand. Keine Angst vor dem Echo. In den anderen sieht man seine Etikette genauer. Abteilungstüren springen auf. Bereit, das Klassenfest zu organisieren, Verhandlungsgeschick ausprobieren, lernen, eigene Ideen durchzusetzen, verborgene Zustimmungszeichen dechiffrieren. Probieren, ob meine Stimme trägt und der Könner ankommt. Ein Lacher und ein Applaus sind meiner Aufmerksamkeit nicht abhold. Im Bäckerladen am liebsten alles kaufen, netter als nur leere Kohlenhydrate bemeckern, weil sie angeblich dick machen, besser, als draußen in der Kälte zu stehen. Bemühen um Gefallen gefällt immer, weil es seine Kriterien schon in sich selbst trägt. Garantien meines Persönlichkeitstrainers und was es sonst noch braucht, um mein selbstrefentielles Ich zusammenzuhalten. Zum Beispiel täglich 20 Minuten nichts tun. Damit kein Helfersyndrom daraus wird. Mein suizidaler Klassiker für offizielle Anlässe in Schwarz. Gestehen, nicht perfekt zu sein. Wer sich verstellt, verliert sich selbst: Ihr Angebot ehrt mich sehr, vielen Dank, aber trotzdem Scheisse. Lass dich nicht demaskieren, nicht demontieren, nicht niederknien, nicht austrocknen. Mensch bleiben. Wichtigste Voraussetzung für eine symphatische Ausstrahlung.
|
|
DANKE
Beste Grüße gerhard monsees |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen