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Mal angenommen, die Masse ist ziemlich blöd, nicht unbedingt, weil es ihr an Intelligenz fehlt, sondern aus Angst oder Bequemlichkeit, sie zu benutzen. Frei nach Kant: Die Masse ist aus verschiedenen Gründen daran interessiert, blöd zu bleiben. Man muss nicht einmal Pisa-Studien bemühen, um zumindest zu erkennen, dass aktive Intelligenz knapp ist, insbesondere in Deutschland. Täglich zwei bis drei Stunden Beschallung durch öffentlich-rechtliche und private Sender, und man merkt, sofern man dazu noch in der Lage ist, die endlos lähmende Kraft der Verblödungsmaschinen. Und sie wirken in eine Gesellschaft, die für unterbrechungsfreien Blödsinn empfänglich ist. Nur schwach erinnerlich ist dagegen die Zeit, als es nur die öffentlich-rechtlichen gab, die Anzeichen eines "Anspruchs" entwickelten. Die ewig quasselnden Talkshows, Reality-Shows, Doku-Soaps und Big Brother- Formate kamen erst später.
Es war auch die Zeit, als es noch Denker in Deutschland gab, die sogar im Fernsehen auftraten. Adorno, Horkheimer, Habermas, Marcuse, Bloch, Abendroth, Negt, Mitscherlich, Luhmann, Dahrendorf, Schelsky. Wenn auch viele nicht verstanden, was beispielsweise ein Adorno da von sich gab, so war allein schon das Vorzeigen solcher Denkanstrengungen für viele eine Hoffnung auf intellektuelle Besserung. Das Potenzial dieser Leute bestand eben nicht nur darin, einige klug klingende Sätze formulieren zu können, sondern mehr oder weniger vorgängige Denkarbeit von der Antike bis in die Moderne in die aktuelle Gegenwart einzubringen. Heute mag etwa ein Peter Sloterdijk ähnliche Qualitäten vorweisen, aber wer will ihn hören?
Schon Adorno und seine Frankfurter Schule kamen selbst bei Wohlwollenden kaum an. Beleidigt reagierten sie: "Wer nur denkt, sich selbst herausnimmt, sei schwach, feige, virtuell ein Verräter". Denker sind offensichtlich sensibel, und ziehen sich eher zurück, wenn sie merken, dass sie nicht ankommen, Stupidität die Meinungsszenen beherrscht: "Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert". Ein Sloterdijk wagt es gerade noch vorzutragen, dass die jüngste Generation wie keine zuvor "therapeutisiert, kulpabilisiert, miserabilisiert und auf Defizitgefühle dressiert" sei - und schon blödet die Verblödungsmasse wieder los.
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Es gibt schon noch heute wertvolles in den Medien, welche erstens aber vielgleisiger geworden sind und zweitens sich das wertvolle gegen den angesprochenen allzu seichten Mainstream nicht mehr hervorheben kann. Es geht einfach unter. Ich verbringe viel Zeit beim suchen solcher Lichtblicke.
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@GeroSteiner
Ich weiß nichts. Ich bin blöd. Ich hab's gut. "Die Wahrheit ist oft deprimierend. Aber nicht für den, der sie nicht versteht." UNBEKANNTER MEISTER Ciao Wolfram |
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@gero steiner
Die bittere Pointe: Der Nichtwissende hat oft das bessere Leben, meist auch mehr Geld, bessere Laune und mehr Freunde. Wer mehr weiß, leidet mehr. Tragisch. Die Intellektuellen sind die Raucher, und müssen immer rausgehen, wenn die Masse sich vergnügt. |
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Sloterdijk ist ein Mode-Philosoph und daher Teil der "Verblödungsmaschine".
Ich habe mich damit abgefunden, dass von den Massenmedien wenig sinnvolles kommt und erwarte nicht, dass dort Denker auftreten, die mich interessieren. |
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@daniel domeinski
Glücklicher. Ich selbst brauch immer ein paar Einheiten von diesen Verblödungsserien zwecks Ablenkung. Und wenn da mal ein Sloterdijk durchfliegt, gebeten, irgendwas anspruchsvoll klingendes von sich zu geben, finde ich schon interessant, dass er nicht den üblichen Meinungssklaven der Talkshows macht. |
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schrieb am
28.10.2011 um 12:55
Sloterdijk macht doch selber zusammen mit Safranski diese unterirdische Talkshow beim ZDF.
Sein Publikum ist das deutsche Bildungsbürgertum. Ich sehe nicht, was daran heldenhaft sein soll. |
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Die beiden sind wohl ein Duo und mögen es, wenn Geschenkpapiere rascheln.
Aber welche Denkhelden haben Sie denn anzubieten? |
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schrieb am
28.10.2011 um 17:37
Die Mühe Denker zu finden, die sich jenseits des medialen Mainstreams bewegen, möchte ich ihnen nicht abnehmen.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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