GeroSteiner

Fraktale des Humors

02.08.2011 | 20:41

Polaroid? Impossible!

 

Ein weißer Rahmen geht um die Welt - Die Geschichte eines Bildes und eines unmöglichen Projektes.

 

Können Sie sich noch an Ihr letztes Polaroid erinnern? Dieses kleine Bild in Farbe oder Schwarzweiß mit dem weißen Rahmen, der unten immer ein bisschen breiter ist? Haben Sie Ihre alte Polaroid-Kamera vor ein paar Jahren auch in einer schwer zugänglichen Ecke der Wohnung entdeckt und diesen alten Plunder weggeworfen, weil es keinen Film mehr dafür gab und es doch jetzt diese tollen Digitalkameras gibt? Dann haben Sie was verpasst. Es gibt wieder Filme für Polaroid-Kameras – und weil das so unmöglich klingt, heißt die Firma, die die Filme wieder herstellt auch folgerichtig "Impossible".

 

Photographie – Malen mit Licht.

Die digitale Revolution hat den Markt für Fotoprodukte in einem Zeitraum von etwa 10 Jahren vollkommen umgekrempelt. Während in der 1980er Jahren nur Studiofotografen mit digitalen Kameras experimentierten, die zudem noch eine für heutige Zeiten inakzeptable Auflösung hatten, wurden digitale Kameras ab Mitte der 1990er Jahre bereits für die Reportagefotografie eingesetzt. Die Bilder von den Brennpunkten der Welt mussten nicht mehr als unentwickelter Film per Eilboten in die Redaktionen der Welt transportiert und dort mit handwerklichem Geschick entwickelt werden, sondern konnten per Datenleitung direkt übermittelt werden. So war erstmalig eine wirklich zeitnahe Berichterstattung möglich, was für die schnellsten Fotografen und Redaktionen einen Marktvorteil bedeutete.

Die ersten zum klassischen Negativfilm konkurrenzfähigen digitalen Spiegelreflexkameras wurden auf der photokina 2002 vorgestellt. Die Canon EOS-1DS mit 11,1 Megapixeln kostete zu der Zeit 10.000 Euro – nicht gerade ein Schnäppchen. Für Pressefotografen dennoch ein lohnenswerter Kauf, da die Geschwindigkeit der Bildübermittlung in die Redaktion den hohen Preis durch zeitnahe Berichterstattung und die Vorauswahl der Bilder mehr als wettmachte. In den folgenden Jahren kamen zahllose Hersteller mit digitalen Kameras auf den Markt, die den klassischen Silberhalogenidfilm und damit auch die Polaroids vom Markt gefegt haben.

 

Der Wert eines Bildes

Heute haben Bilder keinen Wert mehr. Die Bilderflut ist durch die Foto-Handys so rasant gestiegen, dass man davon ausgehen darf, dass es in der zivilisierten Welt kaum noch einen nicht fotografierten Flecken Erde gibt. Wer Google Earth nutzt, weiß, dass es zu jeder Sehenswürdigkeit ein Foto gibt, oftmals in Panorama oder gar als 360°-Ansicht. Zudem sorgt die Digitalisierung dafür, dass jedes Bild in Bruchteilen von Sekunden überall auf der Welt angeschaut werden kann, entweder auf einem Computer oder einem Smartphone. Da Speicherplatz immer billiger wird, muss auch nichts mehr weggeworfen werden. Jeder hebt alle Bilder auf. Darüber hinaus können selbst mäßige Bilder mit professionellen Bildbearbeitungsprogrammen aufgearbeitet und bis zur Perfektion verbessert werden.

Was mit der digitalen Revolution verloren gegangen ist, ist die Originalität, die Einzigartigkeit eines Bildes. Die Allgegenwärtigkeit von Bildern wird bereits als optische Umweltverschmutzung wahrgenommen, was in der Werbung zu einer Gegenreaktion, zu einer Reduktion der Bildinformation auf das Wesentliche und damit zu einer Renaissance der Schwarzweißfotografie führt.

In diesem Zusammenhang ein interessantes Experiment: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich ein berühmtes Foto vor. Was sehen Sie? Ein Schwarzweiß-Bild oder ein Farb-Bild?

Es ist in der Tat so, dass die meisten bei berühmten Fotografien vor ihrem inneren Auge ein Schwarzweißfoto sehen, häufig Portraits, wenn sie sich an Details des Bildes erinnern können. Nur wenige erinnern ein Farbfoto.


Das Ende von Polaroid

Als Polaroid im Jahre 2008 wegen eines Betrugsverfahrens gegen seinen Eigentümer "Petters Group Worldwide" in die Insolvenz ging und in Enschede die Fabrik für die Konfektionierung der Polaroid Produkte schloss, ging eine Ära zu Ende. Die traditionelle Fotografie war durch die digitale Revolution bereits tot und das Sofortbild starb seit längerem einen langsamen Tod. Nur ein paar verrückte Enthusiasten konnten sich für dieses Material noch begeistern, dachte man zu der Zeit bei Polaroid. Die Sofortbildfotografie war aber nie tot, sie wird auch nicht an der digitalen Revolution sterben, sondern allenfalls an der Nicht-Verfügbarkeit der Produkte. Das Szenario ist jetzt abgewendet.

 

Das Unmögliche möglich machen – The Impossible Project

In unserer digitalen Welt ist das analogste Produkt, dass man sich überhaupt vorstellen kann, ein Polaroid-Bild. Jedes Polaroid ist ein Unikat, jedes Bild hat seine eigene Struktur und Farbigkeit, kleine Fehler, die man nicht wiederholen kann. Gute Fotografen wissen, dass die Menschen kein Produkt sondern Emotionen kaufen wollen. Polaroids bedienen diese Emotion, sie sind vergleichbar mit einer Langspielplatte. Trotz CD und mp3 steigen die Verkäufe von Langspielplatten jedes Jahr. Genau in diese Art von Nische zielt der Verkauf von neuem Polaroid-Material.

Florian Kaps, den sie bei Polaroid den "verrückten Österreicher" nannten, weil er einfach keine Ruhe gab und die Polaroid-Fabrik in Enschede kaufen wollte, hat zusammen mit André Bosman und Marwan Saba die Firma "The Impossible Project" gegründet. Jeder der alten Polaroid Manager, den sie dazu befragten, sagte Ihnen sofort, dass es unmöglich sei, dieses Produkt wieder aufleben zu lassen – daher der Name: Impossible.

Eine der Hauptschwierigkeiten des Projektes war, die Zeit zwischen dem Start und der Neuentwicklung eines marktfähigen Materials zu überbrücken, die Unbeirrbaren und Künstler mit Material versorgen zu können. Aus diesem Grunde hat Florian Kaps das gesamte zuletzt noch produzierte Polaroidmaterial aufgekauft und über das Internet weiterverkauft. Die Neuauflage eines Polaroid-Bildmaterials schien eine nahezu unlösbare Aufgabe und doch hat Impossible das Unmögliche geschafft. Welche Schwierigkeiten zu überwinden waren und noch zu überwinden sind, kann man auf den Internetseiten des Impossible Project nachlesen.

Mit wenigen Partnern ist es dem Impossible Project gelungen, innerhalb nur eines Jahres ein komplett neues Schwarzweißmaterial mit 100ASA und 600ASA und innerhalb von 2 Jahren ein komplett neues Farbmaterial mit 100ASA und innerhalb eines weiteren Jahres ein Farbmaterial mit 600ASA auf den Markt zu bringen und zu verkaufen. Die Produkte sind vollständig neu entwickelt worden und können in den alten Polaroid-Kameras verwendet werden. Das Produkt darf allerdings nicht Polaroid oder Polaroid-Bild heißen, weil Polaroid die Namensrechte hat. Das macht aber gar nichts. Selbst wenn man den Film in unbedruckten weißen Schachteln verkauft – ohne Namen – und sagt, das sei ein Film für Polaroid-Kameras, dann werden alle Kunden verstehen, was das ist. Jeder kennt dieses Produkt.

Für diejenigen, die wissen wollen, wie die Produkte von Impossible heute hergestellt werden, sei der folgende Film wärmstens empfohlen.


 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 02.08.2011 um 21:09
Hallo GeroSteiner,

interessant, so kann man sich ein Bild von einer Thematik machen, deren Schatten immer kürzer werden.
GeroSteiner schrieb am 02.08.2011 um 21:23
Da schauen wir doch mal bei Helmut.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.08.2011 um 21:42
Oh nein- ich habe meine Polaroid-Kamera entsorgt! Und jetzt? Ebay? (Ich hätte diesen Artikel hier nicht lesen sollen....*grummel)
GeroSteiner schrieb am 02.08.2011 um 22:00
In ein, zwei Jahren soll es tatsächlich neue Kameras geben. Bis dahin bleibt nur Glück, Verwandte, ebay oder eventuell der Impossible Shop.
Vadis schrieb am 02.08.2011 um 23:59
Sehr gute Nachrichten. Werde meine P 600 mal etwas mit dem Mikrofasertuch liebkosen. Sind sogar noch 3 Polas drin. Zwei Kartons voll alter Polas (belichtet) aus den 80ern bis heute stehen neben mir im Regal.

Danke für den Artikel.
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 09:15
Je nachdem, wie alt die Filmkassette ist, könnte es ein Problem geben. Die komplette Stromversorgung der Kamera kommt aus dem Filmpack. Die Batterie in den Filmpacks hat 6V und 750mAh. Wenn der Filmpack sehr alt ist, funktioniert die Belichtungssynchronisation und der Filmtransport nicht richtig.
Vadis schrieb am 03.08.2011 um 22:28
So alt ist es nicht, das Package. Das letzte Polaroid? – 2010, 2011, kann mich im Moment nicht erinnern.

Wäre übrigens interessant, analog zur Einzigartigkeit Sujet und Zeitpunkt zu vergegenwärtigen, der letzten belichteten Sieben aus der 10er-Box. Denke gerade mal nach..... Es will mir einfach nicht einfallen. Selbstportraits gibt's jede Menge. Das soll mir die Sache wert sein - begebe mich auf die Suche nach dem letzten Pola....

Immerhin habe ich die Gebrauchsanleitung gefunden – wer braucht die schon? Das Teil heißt auch nicht wie die Filme (s. K. o.), sondern »Polaroid SLR 680 Autofocus Land Camera«

Battery inside – jawoll, die leeren Kasetten bringe ich immer fein zusammen mit den klassischen Batterien in (oder ›auf‹, wie Müllkippe) den Recyclinghof, ich alten Umweltschützen. Und das ist kein Schreibfehler, sondern entspricht der Tatsache, dass der U–Schützer längst mit dem Produkt auf die U geschossen und getroffen hat.
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 14:25
Übrigens:
Impossible nimmt die Neuen alten Batterien gerne zurück. Die 750 mAh sind natürlich nicht aufgebraucht, wenn man die 8 Bilder gemacht hat.
Wichtig ist, dass man die Batterien aus der Filmhalterung herausnimmt - was mit ein bisschen Übung übrigens auch sehr leicht geht.
Dann kann man entscheiden, ob man die 750 mAh noch anderweitig verwenden kann oder ob man das Energiepaket direkt zurückschickt.

Hier die Infos dazu und wie man es macht:
www.the-impossible-project.com/projects/battery/
Maike Hank schrieb am 03.08.2011 um 12:41
Meine Zuneigung, die ich für die Polaroid-Ästhetik vespüre, ist ja Dank meiner Instagram-Bilder bekannt. Ich habe sogar noch eine Polaroid-Kamera.. und dann noch ganz viele abgelaufene Filme, die nicht in meine Kamera passen. Für die ich mir aber unbedingt mal auf dem Flohmarkt eine kaufen sollte.. Ach. So viel Schönes gibt es zu tun, theoretisch... Solange knipse ich frevlerisch mit dem Mobiltelefon. Besser als nix.
Danke für den Bericht.
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 13:21
Kleiner tip Berlin (von der Konkurrenz)

Beobachter schrieb am 03.08.2011 um 14:19
"Da Speicherplatz immer billiger wird, muss auch nichts mehr weggeworfen werden. Jeder hebt alle Bilder auf."

Bis zum nächsten Plattencrash. Und die allerwenigsten Hobby-Fotografen haben eine brauchbare Backup-Lösung im Einsatz.

Im Verhältnis zu der schier endlosen Masse an digitalen Fotos wird kaum eins davon auf Papier gebracht und somit wirklich haltbar. Deshalb werden die heutigen Teens einmal die Generation sein, die ihren Enkel keine Fotos aus der eigenen Kindheit zeigen kann.
Richard der Hayek schrieb am 03.08.2011 um 14:31
Diese Generation war bisher aber üblich, geschichtlich gesehen.
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 14:52
@Beobachter
"Im Verhältnis zu der schier endlosen Masse an digitalen Fotos wird kaum eins davon auf Papier gebracht und somit wirklich haltbar."

Ein guter Hinweis!

Bei einer Befragung nach verheerenden Waldbränden wurden in Australien Menschen gefragt, was sie denn aus Ihren Häusern retten würden, was Ihnen am wichtigsten sei.
Interessanterweise kamen in der Aufzählung nach Rentenbescheiden und Versicherungspolicen direkt die Photos der Familie. Einen Computer hat niemand retten wollen...
carlfatal schrieb am 03.08.2011 um 16:04
Lieber Gero,
erstmal tue ich meine volle Zustimmung kund, obwohl ich immer nur mit Spiegelreflex fotografiert habe. Allerdings habe ich doch noch eine winzige Kritik, frei nach den goldenen Zitronen: "die Leute fotografieren, um zu beweisen, daß es sie gibt."
Mir gingen diese Fotografierwütigen nämlich immer schon auf die Nerven, und Fotos von mir gibt es so gut wie keine. Ich hoffe auch inständig, daß das so bleibt.
Liebe Grüße, carl
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 16:49
Das Wesen der Polaroids ist ja das Wesen des Einzigartigen. Es gibt nur dieses eine Bild. Nur ein Original. Keine Kopie. Das haben Künstler sehr geschätzt, wie zum Beispiel Helmut Newton


oder Andy Warhol
Columbus schrieb am 03.08.2011 um 17:37
Schön, lieber Gero Steiner, dass Sie die Polaroid-Nostalgie wieder beleben. Wer nicht gleich zum Fan des neuen Filmmaterials und der alten oder neuen Kameras werden möchte, der kann sich über diverse Photoshop- oder Gimp-Tutorials im Web der speziellen Ästhetik annähern und geeignete eigene Digitalfotos umwandeln.

Leichter geht es mit einigen kleinen Freeware-Bildprogrammen. Bekannt ist "Pola", das mit einer virtuellen Polaroid arbeitet, gute Ergebnisse liefert und sogar die Bearbeitungszeiten nachahmt. Es dauert und dauert, so lange wie im realen Leben. Die Dateien liegen als PNG vor, können aber, z.B. mit dem schnellen Bildbetrachter Irfan View leicht in Tiffs oder Jpegs umgewandelt werden. -Die sind dann für jedermann digital lesbar, selbst wenn kein Bildprogramm installiert ist.

Die Wiener Fotogalerie "Westlicht" erwarb jüngst ein Konvolut von mehr als 4000 Polaroids aus der europäischen Firmensammlung, mit den Werken bekannter Fotografen und Künstler. Westlicht belässt es aber nicht bei der Historie. Hier dürfen auch neue Polaroidprojekte auf ihre Präsentation hoffen.

Die Austellung einer Auswahl aus dem Fundus der europäischen Polaroid-Sammlung zeigt die Galerie in Zusammenarbeit mit "Impossible". Wer sich diese, überall, von 3sat-Wiener Standard, von den Fotoblogs bis zu Arte, positiv rezensierte Fotokunstpräsentation anschauen will, der fahre bis zum 21.08.2011 nach Wien.

Hinweise zur Ausstellung und ein paar Schmankerl:
the-impossible-project.com/projects/exhibitions/westlicht
Offizielle Seite der Austellungsmacher und der Produktionsfirma:
www.westlicht.com/

Was ist denn nun das Besondere am Polaroid Filmmaterial? Die alten Polaroids waren ein herrliches Instrument, um mit Farbverfälschungen zu arbeiten. Der ursprüngliche Polaroid-Film war von der Gradation her weich und man bekam ihn auch in höheren Empindlichkeitsstufen, bis zu 3000 ASA, auch für Groß- und Mittelformate. Wie das mit Impossible ist, die wollen ja mehr Qualität bieten, weiß ich nicht.

Ein Kuriosum der Sofortbild-Geschichte ist eine begehbare Kamera, die 1:1 Abbildungen erlaubt und in der grauen Vorzeit schon einmal auf dem Sommerfest eines alten Poltergeistes unter den Kanzlern gedient haben soll.

Was manche Fotografen zu Weißglut trieb, nämlich die Temperaturabhängigkeit (flau, abgesoffen, Verfärbung) und die unsichere Belichtungssteuerung, weil die eingebauten halbautomatischen und automatischen Belichtungsmesser der Instant-Kameras völlig von der Spannung der mit dem Filmpack gelieferten Batterie abhingen und zudem die Photodioden schnell alterten, das war anderen zum Spiel mit der Technik gerade Recht.

Sehr gut eigenen sich Polaroids für Landschaftsaufnahmen mit vielen Tonwerten und Porträts. Hier zahlt sich die weiche Gradation aus. Schlecht funktionierte es mit Gegenlicht. Wer mit Polaroid Aufträge erledigen wollte, der musste erst einmal für die richtige Ausleuchtung sorgen.

Berufsfotografen und Künstler setzten die Polaroids meist im Workflow als Zustandsdokumentation oder als Ausleuchtungshilfe ein, so lange es noch keine digitalen Möglichkeiten zur Sofortkontrolle gab. Sie sind daher häufig Nebenprodukte. Warhol nutzte sie, weil das einfach und bequem war. Die Kameras brachten alles, von der Automatik bis zum Blitz, schon mit, und die SX70 konnte zusammengefaltet als Accessoire des Clubbesuchers durchgehen. Er geht auch mit dem Material eher unorthodox um, und Belichtungs- wie Kompositionsfehler, die Fotografen ärgerten, störten ihn nicht die Bohne.

Zuletzt, lieber Gero Steiner, speziell für Sie und ihre immer lesenswertern Beitrage (Hier kann ich es ruhig hinschreiben, es stimmt zu meiner vollen Überzeugung) zwei "Als- ob- Polaroids":

1.bp.blogspot.com/-CS54nADRlzE/TjlUI_m981I/AAAAAAAAAl8/vzcD7VgQCOE/s640/Zollhafen%252CMainz%252CPola+Magic+Mystery+Tour.jpg

2.bp.blogspot.com/-C10jkCQR9m4/TjlUmPdfXGI/AAAAAAAAAmA/-eTooxwp4A0/s640/Polar+bear+for+Gero-1.jpg

Beide sind mit "Pola" aus digitalen Vorlagen produziert.

"Es ist in der Tat so, dass die meisten bei berühmten Fotografien vor ihrem inneren Auge ein Schwarzweißfoto sehen, häufig Portraits, wenn sie sich an Details des Bildes erinnern können. Nur wenige erinnern ein Farbfoto." - Woher wissen Sie das?

Herzliche Grüße
Christoph Leusch
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 18:50
Lieber Christoph Leusch,

vielen Danke für die nette Rückmeldung und die Zusatzinformationen!

Die Temperaturabhängigkeit der Entwicklung ist immer noch gegeben. Die Bildentstehung ist diffusionskontrolliert und damit temperaturabhängig. Die Veränderung des pH nach der Silber-Entwicklung zu "sauer" durch die Bildempfangsschicht, in der die Bildfarbstoffe dann festgelegt werden, ist nahezu unabhänig von der Temperatur. Man kann das Bildergebnis auch durch Reiben mit einem Stift verändern, so dass es fast aussieht, wie ein Aquarell. Dabei wird die Diffusion der Bildfarbstoffe gestört:



Zu den digitalen Polas habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis, weil das Bildergebnis der realen Polaroids so nicht ist.

Und zu Ihrer letzten Frage, woher ich weiß, dass die meisten in ihrer Erinnerung an berühmte Fotografien ein Schwarzweißphoto sehen, kann ich nur antworten, dass das eineUmfrage in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis war, die ich leichtsinnigerweise auf die Weltbevölkerung hochgerechnet habe...





Und natürlich haben Sie recht, zwei Farbfotos dürfen nicht fehlen:

Im ersten ist kaum Farbe drin...


Das zweite hat unser Weltbild verändert:
Columbus schrieb am 03.08.2011 um 20:58
Ja, die Welt ist bunt. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass für Fotografen und Künstler bunt kein guter Begriff ist. Farbig darf es sein oder SW.

Ihre Polaroids reizen, es auch einmal mit Impossible, bei jeder Temperatur natürlich, zu probieren. Schön, dass die Polaroid-Nachfolger die chemische Technik erhalten, die so viel Kreativität ermöglicht.

Die Haptik und die Sofortkontrolle der Instants lassen sich digital sowieso nicht nachbilden.

Hier sende ich Ihnen noch einmal die beiden "for Gero"-Bilder. Dieses Mal weniger gesättigt, ein wenig heller und beim Farbstich geht es in die komplementäre Gegenrichtung.

Mit ein wenig mehr Übung kann man sicher nahe an den Polaroid-Effekt kommen, dann eine Batch-Datei anlegen und so jedes passende Foto wandeln.

Die magischen Fenster:

1.bp.blogspot.com/-qrbUkqgpDdo/TjmLXCZ10GI/AAAAAAAAAmE/JvfGEed2m9M/s1600/Zollhafen%252CMainz%252CMagic-2con%2540Pola%252820110803153746%2529.png

Pola-Bär:

4.bp.blogspot.com/-1QG0WlLMUJk/TjmLkx-0wPI/AAAAAAAAAmI/Jq2Fzvi2L-0/s1600/Mainz%252CZollhafen%252CB%25C3%25A4r-4con%2540Pola%252820110803154137%2529.png

Noch ein Tipp für die Anhänger der digitalen Schwarzweiß-Fotografie:

Wer wirklich gute Resultate, auch mit den billigsten Kameratrümmern (mehr als 4 MP braucht der Mensch für sein Album nicht, mit 8 MP kann man Poster drucken) oder mit seinem Handy (Mobiltelefon,Smartphone) erzielen will, sollte immer farbig aufnehmen, also nicht vorher auf SW umschalten!

Am PC oder Laptop werden die Bilder in "Picassa" oder "Photoscape", oder in den mächtigeren Programmen (s.o.) ebenfalls nicht entfärbt, sondern der Regler "gefilteres SW" benutzt. - Ob es den Regler auch bei den ab Werk mitgelieferten Programmen gibt, weiß ich nicht. Nachprüfen!

Wahre Wunder sind möglich, weil plötzlich aus einen tristen grauen Digitalfoto Zeichnung, Kontur und Tonwerte hervor kommen, Wolken im Himmel stehen, Architektur mit etwas mehr Orange-Anteil plötzlich plastisch und differenziert wirkt, wo vorher nur weißer Putz oder Schattendreck war.

Landschaften lassen sich modulieren und man kann mit SW dem realen Farbeindruck und den Jahreszeiten viel näher kommen. Eine wahre Auffrischung erleben blasse Porträts und Haut wirkt endlich wie Haut und nicht wie Plaste.

Liebe Grüße und schönen Abend
Christoph Leusch
GeroSteiner schrieb am 03.08.2011 um 21:28
Danke.
:-)

Meisterwerke sind immer Originale.
Vadis schrieb am 03.08.2011 um 22:33
Auch wenn der breitere Rand unten aus der Quetsche das ganze Chemieentwicklungszeugs enthält, er ist prädestiniert für S-ich-naturen, wie Andy Newton beweisen.
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 00:16
Wenn man bedenkt, dass Polaroid Jahre an Forschung drauf verwendet hat, um diesen breiteren Rand unten wegzubekommen... Wie sich jetzt herausstellt, ist genau dieser breite Rand das Wiedererkennungszeichen für Polaroids - oder schlicht für individuelle Bilder.
Das erinnert an den alten Microsoft-Entwickler, der angesichts der merkwürdigen Fehlermeldungen mal entnervt gesagt haben soll: "It's not a bug - it's a feature."
Vadis schrieb am 04.08.2011 um 01:27
Zum Anfassen gut und auch bei experimentelleren Motiven zu wissen, wo oben und unten ist/war.

Apropos Experimente: »Entwickeln« auf der Herdplatte; total unterbelichten und dann mit Heißkleber zeichnen, ergibt eine glühende Lichtspur; oder während der Entwicklung mit hartem Gegenstand zeichnen, man sieht, wie das flüssige Material unter dem Schutzfilm verdrängt wird; das Pola aufdröseln geht auch, ergibt fast ein Dia.
dame.von.welt schrieb am 04.08.2011 um 08:48
Lieber Gero - vielleicht interessiert Sie (und @alle natürlich) die wunderschöne Polaroid-Ausstellung von Sibylle Bergemann bei c/o Berlin (läuft noch bis 4.9.) www.zeit.de/kultur/kunst/2011-07/fs-bergemann

Hier eine weitere Fotostrecke mit Polaroids, mixed artists www.zeit.de/kultur/kunst/2011-06/fs-polaroid-collection

Ich freue mich ja kaputt, daß es wieder s/w-Polaroid-Film gibt!
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 09:41
Liebe dame.von.welt,

vielen Dank für die Hinweise!
Es ist wohl wirklich so, dass die Beliebigkeit von Digitalfotos mit dem Weiterleben von Polaroids einen schönen Kontrapunkt erhält. Es ist die Faszination des Augenblicks und Einzigartigkeit. Es gibt keine zwei gleichen Polas auf dieser Welt.

Schwarzweiß war übrigens zuerst auf dem Markt. Der PX70 SilverShade mit Sepia Optik und 150 ASA und die empfindlicheren Filme mit 600 ASA (PX680) für die 600 Kameras.
Die Faszination dieses Mediums wird deutlich wenn man im Bekanntenkreis damit Fotos macht. Zu beobachten, wie sich das Bild zu etwas Unerwartetem entwickelt hat ein bisschen was von der Schatzsuche in und nach sich selbst - eine magischer Moment.
Columbus schrieb am 04.08.2011 um 18:48
Der Blog ist doch viel zu schade, so schnell zu verschwinden. Das ist das dunkle Sommerloch.

Liebe Dame von Welt, vielleicht haben Sie ja auch noch eine Erinnerung an diesen ZEIT-Beitrag zur begehbaren Polaroid-Kamera?

Anbei nun, was denn passiert, wenn digitale SW-Fotos mit "Pola" gewandelt werden. So einfach herumknispsen und das magische Entstehen beobachten, manches Mal sind die Unikate dann kleine Gemmen, das geht natürlich nicht.

Aber, die Ergebnisse sind doch erstaunlich, wobei ich nun keinen Ehrgeiz an den Tag legte, da mehr zu machen, als die "Pola"-Leute in ihre Software einbauten:

Taunus, Wetterwechsel:

4.bp.blogspot.com/-o8AzEzm3VN4/TjrHRfRX0TI/AAAAAAAAAmU/20MBgClSCm0/s640/100_6356-1%2540Pola%252820110804181614%2529.png

Winter an der Ahr, Rech:

3.bp.blogspot.com/-oKh125ucMeE/Tjq_2tpSf5I/AAAAAAAAAmQ/azWer4q6cM8/s640/Ahr%252CRech%252Csw%252C09%252C300111%2540Pola%252820110804111902%2529.png

Ein bisschen süchtig kann man schon werden, mit diesem netten Spielzeug, und es sieht auf der Webseite gut aus.

Viel Spaß und schönen Abend

Christoph Leusch
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 21:43
Lieber Herr Leusch,
schade oder nicht, es geht um Zeit - die wir einfangen und nutzen oder eben nicht.
;-)

Ich bin mal so frech und beantworte Ihre Frage zur begehbaren Kamera direkt.
Die Kamera heißt: Imago 1:1 - die größte begehbare Kamera der Welt.
Sie steht in Berlin am Moritzplatz und wird betrieben von Susanna Kraus. Sie nutzt meines Wissens kein Sofortbildmaterial sondern ein Schwarzweißpapier, dass in einem speziellen Umkehrprozess entwickelt wird.
Man findet sie:
Kunstraum IMAGO1:1 am Moritzplatz
Prinzenstr. 85 / Eingang D
10969 Berlin-Kreuzberg

Hier ist noch ein weiteres Schmankerl: die 20 x 24 Studio Kamera.

Ich selbst bin schon auf einer Vernissage in Köln damit fotografiert worden und es ist nicht zu beschreiben, wie lebensecht die dabei entstehenden Bilder sind. Durch die große Blende ist nur eine kleine Ebene des Portraits wirklich scharf, was den Bildern eine unglaubliche Plastizität verleiht.
Die größte technische Herausforderung sind die überdimensionierten Pastenbeutel mit em Entwickler; die werden alle im Manufakturbetrieb hergestellt. Was schreibe ich...
Sehen sie selbst. In den Artikel sind auch zwei sehenswerte Filme integriert.
20×24 Studio, the Home of Large Format Instant Photography
Columbus schrieb am 04.08.2011 um 23:12
Lieber Gero,

Ich glaube, das ist nicht die gleiche Kamera.- Ach Quark, Sie haben es ja selbst darunter geschrieben!

Dieses -Monster sollen die Leute selbst bedienen dürfen und Frau Kraus steht daneben und drückt dann in der Duka die Entwicklerpaste aus.

Tatsächlich belichtet es nur SW-Umkehrpapier.

Hier der ZEIT-Artikel mit einer Abbildung der Imago-2:

www.zeit.de/kultur/kunst/2010-02/selbstbildkamera-imago-2

Imago, der Name ist sehr geschickt gewählt. Von Außen sieht das ganze wie ein Kokon aus und erbrütet ein 1:1 Abbild. Von was? Von der Seele?

Liebe Grüße
Christoph Leusch
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 23:27
Lieber Herr Leusch,
die Imago 1:1 arbeitet nicht mit Entwicklerpaste, sondern mit einem echten nass-chemischen Umkehrprozess.

Die 20 x 24 Studiokamera hingegen arbeitet mit dem echten Sofortbildmaterial, 100 ind 600 ASA, Schwarzweiß oder Color. Das Negativmaterial ist oben als Rolle (für mehrere Bilder) eingesetzt, wird belichtet; das Positiv wird als Rolle unterhalb der Belichtungsebene eingesetzt, beides wird nach der Belichtung mit einem vorher eingelegten Pastenbeutel durch ein Rollensystem, dass die Paste gleichmäßig verteilt nach unten gezogen. Anders als im Film kann das Negativ nur bei völliger Dunkelheit eingelegt werden. Der Entwicklungsprozess selbst muss auch noch unter Lichtabschirmung erfolgen.
Columbus schrieb am 05.08.2011 um 13:24
Na, hoffentlich habe ich es jetzt gerafft (;-)). C.L.
GeroSteiner schrieb am 05.08.2011 um 15:58
Davon bin ich überzeugt.
Das folgende Video ist darum auch nur für mich:

Zu Besuch bei der Imago 1:1 from lens flare on Vimeo.

GeroSteiner
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