gloria veeser

Blog von gloria veeser

19.10.2011 | 17:56

Täter, wehrt euch! Bank Transfer Day

 

Viel wurde bereits über die Zielsetzung der Occupy-Bewegung diskutiert - und zu Recht sehen einige genau in dem Fehlen vordefinierter Programme die Stärke der Bewegung

Doch muss es bei dieser Diskussion nicht um ein Entweder-Oder gehen: Zweifellos ist "Präsenz zeigen" wichtig und ein Volk, das gemeinsam auf die Straße geht, kann viel bewirken, das hat die Geschichte oft genug gezeigt. Aber während Protest ein wirksames politisches Druckmittel ist, sind den Banken selbst die Proteste ziemlich egal. Wer auf die Straße geht, nimmt also einen Umweg: Er übt Druck auf die Politik aus, damit diese widerum den Banken Druck macht. 

Einige Demonstranten versuchen nun einen direkteren Weg: Das eigene Konto: Die ersten Aktionen und Reaktionen zum BankTransferDay zeigen: kündigende Kunden schrecken die Banken weitaus mehr als zeltende Demonstranten:

www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&;;v=RqGzQ4SzCAk

Die Idee ist keineswegs neu: Attac hat die Aktion "Krötenwanderung" bequemerweise schon fertig durchformuliert und eine komplette Bedienungsanleitung für den Bankwechsel und die Verwandlung zum mündigen Konsumenten zusammengestellt: Inklusive Informationen, Analysen und Alternativen zum mitmachen. Sogar eine Vorlage für den Abschiedsbrief an die eigenen Bank gibt es. 

Diese Bewegung ist in vielerlei Hinsicht eine Gelegenheit, alten Ideen neues Gehör zu schenken. Dazu gehört, sich der Verantwortung für das eigenen Geld bewusst zu werden. Wie dringlich das ist, bestätigt der aktuelle Food-Watch Bericht. Er erhärtet den Verdacht, dass Bankkunden mit ihrer Altersvorsorge die preistreibenden Wetten der Spekulanten auf Lebensmittel bezahlen:

foodwatch.de/foodwatch/content/e10/e45260/e45263/e45318/foodwatch-Report_Die_Hungermacher_Okt-2011_ger.pdf

Auch wer nicht zu dem erlauchten Kreis der rund 3 Millionen deutschen Aktienbesitzer gehört - auch das eigenen Gehalt, Stipendium oder sonstigen Unterhalt muss man nicht bei einer Bank parken, die damit ins Casino geht und ihre Gewinne auf Kosten ärmerer Länder ausbaut. Zumal Deutschland bislang kaum zu den Opfern dieser Krise zählt - sondern sie vielmehr bezahlt und sich dem Vorwurf stellen muss, davon zu profitieren. Während junge Spanier, Italiener und Griechen aufgrund mangelnder Jobchancen aus ihren Ländern flüchten, ist in Deutschland die Arbeitslosenquote niedriger denn je. 

Deutschland ist reich - und damit mächtig in einer Finanzkrise, in der Geld wirksamer ist als Politik. Im Kapitalismus ist die Stimme der Konsumenten mindestens genauso wichtig wie die Stimme der Wähler - und das beschränkt sich nicht nur auf die Rolle des Bankkunden. Jede Kaufentscheidung ist eine Abstimmung, jede Überweisung eine Wahl, jeder Kontoeröffnung ein Regierungswechsel. Das sind keine neuen Antworten, aber sie können helfen zu erkennen, wo wir stehen: Gerade Deutschland sollte sich seiner Täter-Rolle in diesem System bewusst werden um nicht trotzdem, sondern gerade deswegen die Veränderungen in Europa mit Macht und Verantwortung voranbringen.

 

 

 
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Kommentare
shalako schrieb am 19.10.2011 um 19:06
"...Deutschland ist reich -..."

Wie kommen Sie denn darauf?

Staatsverschuldung - Schuldenuhr

"Es wird von folgenden Zahlen ausgegangen (der deutsche Staat gesamt, also Bund, Länder, Gemeinden, Sozial­versicherung):

Stand Ende 2010 1999 Mrd. €
Defizit 2011 (geschätzt 3% des BIP) 75 Mrd. €
=2378 € pro Sek.
Stand Ende 2011 2074 Mrd. €"

Quelle:
www.staatsverschuldung.de/schuldenuhr.htm

Was allerdings stimmt, ist, dass das Privatvermögen einer kleinen Gruppe unaufhörlich wächst.

Herr Schramm erläutert das gern.

www.youtube.com/watch?v=sOgQbx9Ry9s
Daniel Domeinski schrieb am 20.10.2011 um 01:05
Zustimmen würde ich nur in dem Punkt, dass die Occupy-Bewegung sich nicht an die offizielle Politik hängen sollte.
Der Rest ihrer Vorschläge bleiben systemimmanent und zielen auf die Stabilisierung des Kapitalismus (Forderung nach einem "mündigen Konsumenten").
Spekulationen auf Nahrungsmittelpreise sind nicht die einzige Ursache für die heutigen Hungersnöte. Vorbereitet wurde dieser Mangel durch neoliberale Strukturanpassungsprogramme seit den 1980er Jahren.
Besonders bedenklich finde ich ihr Fazit:

"Gerade Deutschland sollte sich seiner Täter-Rolle in diesem System bewusst werden um nicht trotzdem, sondern gerade deswegen die Veränderungen in Europa mit Macht und Verantwortung voranbringen."

"Veränderung" in welche Richtung? Und was hat das mit "Macht" und "Verantwortung" zu tun? Beschwören sie hier das stolze Herrenvolk, von dem Max Weber nach dem Ersten Weltkrieg träumte?
brefcourte schrieb am 22.10.2011 um 22:15
Die empfehlen letztendlich den Wechsel zu einer Volksbank, was nicht empfehlenswert ist, wenn die Volksbank wirklich pleite ist !
gloria veeser
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roadmin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Lindnerowski hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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