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Im Raum schlendern nobel gekleidete Anzugträger herum. Gelegentlich nähert sich einer dem Tisch in der Mitte des Raums und zieht sich eine weiße Linie rein. Das geht reihum, bis jeder sich bedient hat. Ein weiterer Mann betritt den Raum. Die Anwesenden setzen sich. Eine gewisse Anspannung erfüllt den Raum. Auch der letzte Mann setzt sich an das Kopfende des Tisches und nickt den Anwesenden zu.
Wir haben heute als Thema : Haircut
Unruhe breitet sich unter den Anwesenden aus.
Die ersten können ein Zittern nicht mehr unterdrücken . Lockern sich die Krawatten .
Der erste beißt bereits in die Tischplatte und stöhnt: ich halte das nicht mehr aus.
Sein Nachbar gibt ihm ein paar bunte Pillen und reicht ihm ein Glas Wasser.
Atmen sie erst mal tief ein und entspannen sie sich, rät der Gesprächsleiter.
Ja, das Thema ist nicht einfach , aber darum treffen wir uns ja. Um zu reden und um unsere Probleme zu erörtern.
Was fällt ihnen denn ein zu dem Stichwort Spekulanten?
Tendenzös ruft einer in die Runde.
Wir machen doch nur unsere Arbeit.
Ein anderer wirft ein: Und ein bisschen Nervenkitzel muss doch wohl erlaubt sein.
Hohe Renditen gehen doch nur mit hohem Risiko. Da kann doch mal was schief gehen. Das ist doch menschlich.
Gut, gut, greift der Leiter die Stimmung auf. Das ist doch ein Anfang. Menschlich . Menschlich soll es also zugehen. Was noch?
Jeder braucht eine Belohnung, tönt es prompt aus der Mitte der nun verstärkt Pillen konsumierenden Schar.
Ohne Boni gibt’s keine Höchstleistungen. Der Mensch will im Konkurrenzkampf bestehen. Da geht’s nicht ohne Verluste.
Ja, ja, Belohnungen Anerkennung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Verluste ,Versagen ist nicht schön, aber auch menschlich., stimmt der Gesprächsführer zu.
Sag ich ja, entfährt es einem, wir stillen nur unsere Grundbedürfnisse nach Luxus, teuren Häusern, Yachten und was man sonst so für ein gehobenes Leben braucht. Sagts und zieht sich eine Linie rein.
Und das wird jetzt angeprangert, ergänzt er noch . Das ist unmenschlich.
Ein anderer wirft ein: Wir bieten unseren Kunden, sich zu verwirklichen. Mehr Geld mehr Macht. Was anderes wollen die doch nicht. Wir sind nur die Dienstleister.
Wir verhalten uns nur marktkonform. Der Markt reguliert sich doch selbst, sekundiert ein weiterer.
Wir halten uns doch nur an die Regeln, bekräftigt ein dritter.
Sehr schön, greift der Diskussionsleiter den Faden auf: der Markt ist neutral. Niemand darf in ihn eingreifen.Das ist gegen die Regel.
Da haben wir ja schon eine ganze Menge an guten Argumenten auf dem Tisch.
Noch ein Stichwort: Rettungsschirm
Selbstbedienungsladen entfährt es einem spontan.
Profite ohne Risiko, ein anderer.
Aber meine Herren, was würden sie denn seriös z.B. der Presse zu dem Thema EFSF sagen:
Einer kichert und meldet sich dann zu Wort: die Staatsschulden sind das Problem.
Aber, meine Herren , ein bisschen müssen wir doch bei der Wahrheit bleiben.
Na, ja murrt ein blassgesichtiger Schlipsträger,
Ohne Konsolidierung der Staatsfinanzen wird es keinen Ausweg aus der Krise geben.
Die Staaten haben über ihre Verhältnisse gelebt. Die Märkte reagieren hierauf nervös aber seriös.
Na, sehen sie, geht doch, ermuntert der Leiter.
Was haben wir denn noch für Stichwörter. Ach ja, Finanztransaktionssteuer, ruft er in den Raum.
Das ist doch Enteignung der Leistungsträger– seuftzt zitternd ein älterer Anzugträger .
Das schmälert doch unsere Boni. Wie soll ich da meinen Lebensstandard halten?
Gibt’s nicht etwas staatstragendere Argumente? wendet sich der Fragesteller an die nun wieder unruhiger werdenden Zuhörer.
Die Fianztransaktionssteuer würde nur etwas bringen, wenn sie weltweit eingeführt wird.
Sonst führt sie zu Wettbewerbsverzerrungen. Genauer gesagt, unsere Boni sinken, kichert der Redner.
Na, das Letzte lassen wir mal weg. Wettbewerbsverzerrungen – ein gutes Argument , der Markt verträgt keine Wettbewerbsverzerrungen.
Die Anwesenden prosten sich zu und genehmigen sich noch ein paar Linien und skandieren nun wieder gut gelaunt:
Zuerst knacken wir Griechenland, dann ziehen wir durchs Euroland.
Unser Schlachtruf lautet: Boni für mich Schulden für dich
Meine Herren, die Sprüche bleiben unter uns. Aber wir sind auf einem guten Weg.
Hört sich etwas piratenmäßig an. So ein bisschen nach Brandschatzen und Plündern, klingt das.
Nur Mut, wir stehen auch diese Krise durch.
Auf die Krise, rufen die erleichterten Nadelstreifen.
Josef murmelt nur noch zu sich selbst. Man diese Therapiesitzungen sind auch von mal zu mal anstrengender. Nicht nur , dass ich meine Politiker auf Linie halten muss, meine Leute muss ich auch immer öfter therapieren. Aber das bringt nun mal der Job so mit sich. Wie haben meine Weisungsempfänger so schön formuliert: Boni für mich, Schulden für dich – müsste genauer heißen Boni für mich, Schulden für alle.
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Es wird ja so selten aus dieser Parallelwelt berichtet. Da fühl ich mich halt bemüssigt.
Danke für den Kommentar Gruß goch |
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Passend dazu: die heutige Folge von "Die Von der Leyens", mit dem Titel: "Ein Licht für den Gipfel"
Auszüge: "Tante Angela kämpft doch um den Euro. Und so wie es aussieht, verliert der Euro." "Tante Angela hat das natürlich heute im Griff! Und um sie dabei aufzumuntern, basteln wir was Schönes." "Einen Rettungsschirm? Soviel Kleber gibt's gar nicht." "Nein, wir basteln jetzt für alle Gipfelteilnehmer schöne Martins-Laternen!" "Nee, is klar! Damit geht's bestimmt wieder aufwärts! Da warten die auch die ganze Zeit drauf!" "Ja, vielleicht. Deshalb bekommt Onkel Sarkozy von uns eine passende 3000 Watt Glühbirne, Onkel Berlusconi... hmmmmm ... eine rote Laterne." "Wieeeeso??" "Das ist egal. Und Tante Angela..." "...bekommt 'ne Tranfunzel!" "Nein. Wir wollen doch schöne Laternen basteln!" "Und jetzt das Lied für alle, die um den Euro kämpfen! Mein Licht geht aus, wir geh'n nach Haus, rabimmel, rabammel, rabumm..." |
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Kannte ich noch nicht,(die von der Leyens) danke
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Lieber goch,
Seit über 6 h im Netz und keine Sterne - verstehe wer will... hervorragend Allerbeste Ullrich Läntzsch |
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Danke für das hohe Lob.
Gruß Goch Aber vielleicht hat Josef ja gerade keine Zeit für Prosa. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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