goch

Blog 4 Fastfood & Satire

31.12.2011 | 19:59

Das geheime Tagebuch von Angie31-12-Neujahrsansprache

Eigentlich war das echt Mist, wie wir Anfang dieses Jahres von den Menschen in Nordafrika und Nahost bloßgestellt wurde. Wollten und wollen die doch tatsächlich Demokratie und Menschenrechte. Wer hätte das gedacht? Und ich dachte immer, die wollen nur die Scharia und den Schleier tragen.

Na ja, ein bisschen gegengesteuert haben wir , nach dem ersten Schreck schon. In Lybien haben wir den Gadaffi aus dem Land gebombt und dafür treue neue Geschäftspartner gefunden. Hoffentlich bleiben die bei der Stange. Schließlich hat der NATO-Einsatz ne Menge Kohle gekostet, dass will sich schließlich rentieren.

Ach und auf Japan hätte ich persönlich echt verzichten können. Das ausgerechnet die Japaner einem in den Rücken fallen und ihre Atomkraftwerke rumsen lassen. Hatte schon was peinliches.

Aber da musste ich nun mal durch. Gab ja keine Alternative. Sonst wären wir ja bei den Wahlen total abestürzt. Bis dass man auch der letzte in meiner Mannschaft begriffen hat, dass hat gedauert. Au weia.

 

Eigentlich kann ich das Wort Schuldenkrise auch nicht mehr hören. Aber was bringt man nicht für den guten Zweck für Opfer. Jede Woche Sarkosy. Beinahe hätte ich ihn verwechselt und im ein Bussy gegeben und gefragt , ob er denn gut geschlafen hätte. Konnte mich noch gerade bremsen.

 

Mein heißgeliebtes Euro- pa musste ich ja auch noch meinen Mitbürgern nahelegen.

Es hat uns über ein halbes Jahrhundert Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie gebracht.

Könnte man auch als Drohung auffassen. Nach dem Motto: liebe Leute mit Freiden , Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechten und Demokratie ist jetzt gut gewesen, wenn ihr nicht alles tut, was der Euro von euch verlangt, sagt Josef . Und der und seine Freunde wissen ja wie immer gut Bescheid.

Das ist mein Lieblingsargument: In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 bewahrte er uns vor Schlimmerem.

Na, Miesepeter könnten ja jetzt sagen: das kommt alles noch im nächsten Jahr nach dem Motto Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Seis drum.

Mut machen , gehört ja auch zu meinen Aufgaben. Drum finde ich den Satz auch so schön:

Heute nun können Sie darauf vertrauen, dass ich alles daran setze, den Euro zu stärken. Mit der Schlußfolgerung ...eine gemeinsamen Währung erst dann wirklich erfolgreich sein kann, wenn wir mehr als bisher in Europa zusammenarbeiten.

Natürlich unter meinem Kommando bzw. nach meinen Anweisungen.Josefs Anweisungen sind ja manchmal , wie das Orakel von Delphi, aber diesmal war er sehr klar.

Ich will mich ja nicht mit fremden Federn schmücken. Muss ich ja in der Öffentlichkeit , aber das ist ja ne Notlüge, die ist ja erlaubt, wenn die Kinder die Wahrheit nicht verkraften, finde ich.

 

Richtig aufbauend ist mir der nächste Abschnitt meiner Rede gelungen:

Europa wächst in der Krise zusammen. Der Weg sie zu überwinden, bleibt lang und wird nicht ohne Rückschläge sein, doch am Ende dieses Weges wird Europa stärker au der Krise hervorgehen, als es in sie hineingegangen ist. Oder habe ich das in der letzten Krise auch schon gesagt ? Egal, klingt einfach toll, finde ich.

Ein bisschen künstlerische Freiheit habe ich mir natürlich gestattet.

Korrekter hätte es heißen müssen: Europa schrumpft in der Krise zusammen. Klingt aber nicht so hübsch wie der andere Satz.

Auch beim nächsten Satz Der Weg sie zu überwinden, bleibt lang habe ich mir gespart ihn zu konkret werden zu lassen oder wie klingt das? Der Weg sie zu überwinden dauert bis zum Ende des Jahrhunderts. Da könnten ja meine Wähler ungeduldig werden.

Ja, und vorsichtig, wie ich bin .habe ich dann auch noch hinzugefügt: und wird nicht ohne Rückschläge sein, .

Erst mal ist es nicht zielführend zu sagen wie viele Rückschläge ich so erwarte oder wie fassen das meine Wähler auf, wenn sie hören und lesen und wird nicht ohne ca. 100 Rückschläge sein?

Ne, da bleib ich bei meiner ersten Formulierung. Außerdem halte ich mir ja mit den Rückschlägen die rhetorische Tür offen: Ach , liebe Leute tut mir Leid, dass es in diesem Jahrhzehnt  mit den Rückschlägen einfach nicht aufhört. Das ist aber auch eine böse böse Krise. Hauptsache das Volk denkt nicht darüber nach, dass mein Austeritätsprogramm für die Rückschläge verantwortlich sein könnte.

Kann ja jeder Onkel Doktor erklären: Wenn ich einem Patienten die falsche Medizin gebe, wäre ich auch echt überrascht, wenn sie wirken würde.

Na ja und gelungen ist auch der Abschluß: doch am Ende dieses Weges wird Europa stärker aus der Krise hervorgehen, als es in sie hineingegangen ist.

Ehem, erst mal , wenn es dann noch ein gemeinsames Europa gibt. Bin ich Hellseher?

Und außerdem habe ich mich auch nicht festgelegt, wann der Weg zu Ende ist. Den Fehler, wie Bush werde ich nicht machen, einen Krieg für beendet zu erklären, der gar nicht zu gewinnen ist.

Obwohl, wenn ich mal genauer nachdenke, in Afghanistan könnte ich in die peinliche Lage geraten , genau das zu tun Was wohl der Kopierer dazu zu sagen hätte?.

Drum habe ich ja auch nur zu dem Thema diese blumigen Sätze rausgehauen:

dass wir in Freiheit und Sicherheit leben können. Dazu leisten unsere Polizisten und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens einen großen Dienst, zu Hause und in vielen Regionen der Welt. Ich danke Ihnen wie auch den vielen zivilen und ehrenamtlichen Helfern in unserem Land.  

Kann doch keiner auf den Gedanken kommen, dass Afghanistan zu den vielen Regionen der Welt gehört? Schon der Sozi hat doch gesagt: Deutschland wird am Hindukush verteidigt. Also ist das doch eigentlich Deutschland irgendwie und keine fremde Region in der Welt, nicht?

Zur Sicherheit und unseren Werten habe ich was schönes formuliert:

Sie (die Soldaten und Polizisten)stehen für die Werte unseres Landes ein, die immer wieder herausgefordert oder gar angegriffen werden. Das mussten wir wieder mit Schrecken erfahren, als im Herbst eine rechtsextremistische Terror- und Mörderbande aufgedeckt wurde.

Oder könnte man das missverstehen? Kann man den Schrecken darauf beziehen, dass wir davon erfahren haben, dass im Herbst eine rechtsextremistische Terror- und Mörderbande aufgedeckt wurde?

Könnte jemand bei der Formulierung auf die Idee kommen, dass es uns lieber gewesen wäre, wenn sie unentdeckt geblieben wäre? Dann wäre uns die peinliche Offenlegung des Versagens unserer Polizei und der Geheimdienste erspart geblieben?

In ihren Taten, die sie über mehr als ein Jahrzehnt unbehelligt begehen konnte, wurde ein unfassbares Maß an Hass und Fremdenfeindlichkeit sichtbar.  

Na, ja der Satz ist vielleicht etwas suboptimal. Ihre Taten waren ja bekannt. Meine Polizei und der Verfassungsschutz haben nur die falschen Schlussfolgerungen gezogen, es wäre kein fremdenfeindlicher Hintergrund.

Würde vielleicht auch nicht so gut in der Öffentlichkeit ankommen, dass wir jeden Pups eines Islamisten für die Ewigkeit festgehalten haben, aber ein Dutzend Mordfälle übersehen haben.Könnten die alten Traditionen meiner Dienste zu sehr in den Mittelpunkt rücken.

Da bleib ich doch lieber bei unverbindlich pathetischem Gelaber:

Es ist unsere Pflicht, die Werte unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaft entschlossen zu verteidigen - jederzeit und gegen jede Form von Gewalt. Das ist eine Daueraufgabe - für die Politik wie für uns alle.  


 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
h.yuren schrieb am 01.01.2012 um 10:27
lieber goch, während die knallkultbarbaren ihren rausch ausschlafen, klopf ich dir schon mal auf die schulter für deine rede. hast ein paar schöne spitzen eingepflegt. und was ist dein lohn dafür?
die dame kassiert fürs vorlesen und lächeln. das ist etwas herrschaftlicher als deine ehrliche arbeit.
zum kalenderwechsel liebe grüße und gute wünsche nach der sitte des landes.
goch schrieb am 01.01.2012 um 13:41
Zuerst einmal , ebenfalls ein frohes neues Jahr lieber h.yuren.
Zu ihrer Verteidigung muss ich mich leider aufschwingen.
Es ist nun nicht wirklich einfach die kapitalistische Realität so umzulügen, dass sie sich wiederspruchsfrei mit den neoliberalen Dogmen verträgt. Das ist ja ihre Aufgabe.
Der neoliberale Schein bestimmt das kapitalistische Bewußtsein.
goch
Kapitalismus bedeutet Akkumulation von Krisen. Jede Krise bringt eine größere hervor.
Ort:
Bochum
Mitglied seit:
3 Jahre 14 Wochen
Zuletzt aktiv:
20.05.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 309
Kommentare: 1026
Logbuch
10:51
poor on ruhr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:50
h.yuren hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:49
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:49
abghoul hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:47
Lethe hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG