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Warum gibt es so einen Hype um Sarrazin, der im Kern nichts neues sagt,
lediglich biologistische und menschenfeindliche Schlussfolgerungen zieht,
die den Stammtisch bedienen ?
Neben den Argumenten und Hintergründen die ich im letzten Blogbeitrag genannt habe, würde ich hier ergänzen:
Nach der Weltwirtschaftskrise haben es die krisenverursachenden Eliten weltweit mit ihren Begleitmusikanten aus der Presse geschafft ,jegliche echte Konsequenzen (d.h. Kontrolle der Banken, Finanztransaktionssteuer, Verbot der Hedge-Fonds und das Austrochnen der Steueroasen) auszusitzen bzw. durch kosmetische Änderungchen abzuwenden.
Nun geht die neoliberale Elite wieder in die Offensive.
Merkels Atomkraft-Verlängerungspolitik, der weitere Abbau des Sozialstaats im Namen des verschuldeten Staats, Abwehr der Mindestlöhne , Abwehr der Abschaffung der Leiharbeit usw.
Die Argumente für diese Politik sind abgenutzt, da wären: der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands ist nur durch Lohnabbau (Lohnnebenkosten) machbar.
Auch die Mainstreampresse verbreitet, dass die Exporte Deutschlands die Schulden der andern sind, wenn Deutschland nicht ebensoviel importiert , wie es exportiert.
Die Herrschaften möchten es weiter so treiben und bekommen zur Zeit teilweise Recht durch die wirtschaftliche Entwicklung. Da die anderen Länder ebenfalls Konjunkturprogramme aufgelegt haben, profitiert die deutsche Exportwirtschaft davon. Nur, wie lange noch, da das Gegengewicht Importe , die die Exporte finanzieren fehlen.
Welche Rolle spielt die Sarrazinierung der Politik dabei?
Über das im Vorblog genannte, möchte ich ergänzen, dass die Absenkung der Lebenshaltungskosten des einzelnen mehrwertschaffenden Menschen sich nicht beliebig steigern lässt.
Aber was ist mit der Masse?
Schauen wir uns als Kapital mal die Qualität der mehrwertschaffenden Arbeitskräfte an, so wird deutlich, dass die Gier nach Profit die Qualifizierung der Bevölkerung als Voraussetzung für wertschaffende Produktion vernachlässigt hat.(Unterfinanzierung des Schul- und Hochschulwesens etc. , 3-Klassen-Schule,keine flächendeckende Kleinkindbetreuung etc.)
Dies wird nun beargumentiert. Reichte es bisher, die HarzIV-Empfänger als arbeitscheu, antriebschwach etc. zu diffamieren, um ihre Eingliederung in den Arbeitsprozess zu Niedrigstlöhnen zu befördern und sie nebenbei zu entmüdigen, muss nun weiter gedacht werden.
Arbeitsanreize durch Lohnsteigerungen und attraktive Arbeitsbedingungen schließen sich ja aus, wir sind ja nicht im Sozialismus, also muss schwarze Pädagogik her, um den Schichten, die nicht dem gewünschten Standard wertschaffender Arbeit entsprechen, durch Diffamierung, Sanktionsdrohung und Entmündigung Beine zu machen.
Integrationsverweigerung ist also ein Kampfbegriff der herrschenden Klasse , um die Qualifizierung von Bevölkerungsteilen zu erzwingen,um sie in die mehrwertschaffende Bevölkerung einzugliedern, da sich nur so die Kosten für nicht Mehrwert schaffende Menschen senken lassen, die wiederum die Gesamtprofitmasse schmälern würden.
Zum andern ist die Höchstqualifizierung der eigenen Bevölkerung für das Kapital dieses Landes die Bedingung, um im internationalen Kampf um Profite die Nase vorn zu behalten.
Außerdem sichert der Kampfbegriff: Integrationsverweigerer die Hegemonie über die Definition wer ein nützlicher Mensch ist.
Dies wird ausschließlich an seiner ökonomischen Verwertbarkeit ausgerichtet. So wird ein Menschenbild zementiert, dass nicht den Wert des Menschen aus sich heraus bejaht , sondern ihn nur dann als vollen Menschen akzeptiert, wenn er sich kritiklos und grenzenlos der mehrwertschaffenden Produktionsweise unterwirft.
Mensch ist wer produziert !
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Sehr schöne Ergänzung zu Deinem Vorblog, die ich sehr gut finde. Du lenkst den Blick auf das Wesentliche.
Wir brauchen es nicht noch sarrrazynischer in der Gesellschaft sondern das wirkliche Angehen der Probleme. Ich sage auch nichts mehr zu Sarrazin, außer dass ein Mann der seine Kampagnen auf diesem Niveau durch die Bildzeitung fahren lässt zur Karrikatur seiner sebst wird! Armes Deutschland in dem solche Menschenfeinde solch ein Gehör finden! |
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Dies wird ausschließlich an seiner ökonomischen Verwertbarkeit ausgerichtet. So wird ein Menschenbild zementiert, dass [sic] nicht den Wert des Menschen aus sich heraus bejaht , sondern ihn nur dann als vollen Menschen akzeptiert, wenn er sich kritiklos und grenzenlos der mehrwertschaffenden Produktionsweise unterwirft.Worüber sich dieser Jammerbeitrag dezent ausschweigt ist, woran sich der berühmte »Wert« eines Menschen denn sonst bemessen lassen soll, wenn nicht an der Ökonomie. Ganz und gar nicht entwickeln Sie hier eine tatsächliche Kritik an einer Gesellschaft, die sich den Menschen als Verwertungsobjekt zurichtet und ihn so überflüssig macht, daß er sich nur noch in den Wahn des Kollektivs verflüchtigen kann, damit das gemeinschaftliche Himmelreich, in dem jeder jedem etwas wert sei, endlich eintreten möge. Sie akzeptieren vielmehr eben diese Anschauung, indem Sie unterstellen, die gesellschaftliche Rechnung sei nur falsch (nämlich: ökonomisch) aufgemacht worden. Daß Sie rein gar nicht begriffen haben, zeigt sich in jedem Fall schon in Ihrer moralisierenden Beschwerde über die falsche »Hegemonie« der »Definition[,] wer ein nützlicher Mensch« sei. Daß sich die Frage nach dem Wert des Menschen ohnehin immer nur dann stellen kann, wenn man nach seiner Verwertbarkeit für die Zwecke von Staat, Kapital und im schlimmsten Fall Volksgemeinschaft fragt, wird aber nicht auf seine materialistische Pointe gebracht, daß schon die Frage voll und ganz falsch gestellt ist. Man kann Ihren Beitrag daher mit Fug und Recht absurd nennen, weil er lediglich die affirmative Kehrseite dessen ist, was er nur scheinbar kritisiert. Grüße, Josef Allensteyn-Puch |
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@j-ap:Worüber sich dieser Jammerbeitrag dezent ausschweigt ist, woran sich der berühmte »Wert« eines Menschen denn sonst bemessen lassen soll, wenn nicht an der Ökonomie.
Der Wert eines Menschen lässt sich natürlich nicht ökonomisch ausdrücken oder bemessen . Das ist ja das menschenfeindliche an dieser Sichtweise. Jeder Mensch hat seinen Wert aus sich heraus. Die Menschenrechte sind keine ökonomische Kategorie sondern eine politisch-philosfische. @j-ap:Daß Sie rein gar nicht begriffen haben, zeigt sich in jedem Fall schon in Ihrer moralisierenden Beschwerde über die falsche »Hegemonie« der »Definition[,] wer ein nützlicher Mensch« sei. Die Besetzung von Begriffen nenne ich Hegemonie. Darin liegt nichts moralisierendes, sondern in einer Klassengesellschaft wird ein permanenter Kampf um das gesellschaftliche Bewußtsein der Menschen geführt und die Hegemonie über Begriffe, wie z.B. Integrationsverweigerer beinhaltet für mich ein Menschenbild, dass den Menschen auf eine Ware (Arbeitskraft) reduziert. Diese Reduktion ist für die herrschende neoliberale Politik wesentlich, da von diesem Standpunkt die sozialen, politischen, wirtschaftlichen Interessen der arbeitenden Menschen beurteilt als nützlich oder nicht abgehandelt werden. Dem zu wiedersprechen und ihm einen emanzipatorischen Begriff des Menschen entgegenzusetzten und die Hegemonie darüber zu gewinnen ist wichtig, um die scheinrationale Argumentation deutlich zu machen. Hier ein Zitat von Marx zum Wert des Menschen: Der Mensch ist nicht erst dann Mensch, wenn er einen Faktor im Bruttosozialprodukt darstellt, wenn er ökonomisch nützlich ist.“ (Marx, S. 70) Eine soziale Ordnung, die dieser Würde ohne irgendwelche Nützlichkeitserwägungen Rechnung trägt, muss ihre Unterstützung der Person, nicht dem Arbeiter zubilligen! Diese materielle Absicherung eines Lebens „frei von Furcht und Not“, wie es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht, muss daher dem Einzelnen bedingungslos und ohne Prüfung garantiert werden. Diese menschlichen Bedürfnisse zu reduzieren auf ihren Wert als Faktor im Bruttosozialprodukt ist Ziel neoliberalen Hegemoniebestrebens. Dagegen Widerstand zu leisten ist mein Ziel gewesen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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