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Zum Tod des Designers Hubert Petras
Überschaut man die Exponate, so herrscht der Hang zum kalten Ästhetizismus, zu farbloser Eintönigkeit und Verarmung der künstlerischen Formen bis zum nackten Funktionalismus vor. (...) Aber eine Wohnung ist doch kein Labor. (...) Fangen wir mit dem krassesten Fall an. Hubert Petras aus Meißen deklariert einige abgeschnittene weiße Porzellanröhren als Vasen. (...) Diese Vasen haben mit Kunst nichts mehr zu tun, denn jede sinnlich-ästethische Wirkung wurde eliminiert. Übrig blieb kalter Funktionalismus, eine Spielart des Formalismus, der in der übrigen bildenden Kunst längst überwunden ist.
(Karl-Heinz Hagen, Hinter dem Leben zurück - Bemerkungen zur "Industriellen Formgebung" auf der V. Deutschen Kunstausstellung, Neues Deutschland, 4.10.1962, S. 4)
Abgesehen davon, dass dem Autoren dieser Zeilen so einiges durcheinander geriet (Funktionalismus=Formalismus), war er mit dieser seiner Designauffassung im Jahre 1962 sogar für DDR-Verhältnisse etwas spät dran (oder aber, wenn man will, viel zu früh). Man kann den Artikel im Feuilleton des ND als einen Nachklang der berühmten ‚Formalismus-Diskussion’ in der DDR betrachten. Den Schöpfer der inkriminierten ‚Porzellanröhren’, Hubert Petras, verschaffte der ideologieschwere Verriss über Nacht Bekanntheit und Popularität in den Kreisen der Kulturschaffenden und der Designliebhaber. Die bereits sehr bekannte und populäre Brechtinterpretin Gisela May sprang dem jungen Gestalter in einem Leserbrief an das ND bei:
Mit dem ideologischen Vorschlaghammer wurden harmlose, klar geformte weiße Vasen zertrümmert. Liebhaber für graue Farben und Stoffe wissen nun, (...) daß sie nicht positiv und optimistisch in den Sozialismus schauen – und wer gar den absurden Wunsch hätte, aus dem schwarzen Kaffeeservice Kaffee zu trinken, der muß nun endlich wissen, daß er auch eine schwarze Seele hat.
(Vasen, Röhren und Ideologie, Neues Deutschland, 4.1.1963, S. 8)
Hubert Petras, der bei dem Bildhauer Waldemar Grzimek studiert hatte und später in Halle an der Burg Giebichstein lehrte, begründete seine ‚Abkehr’ von der freien Kunst einmal so:
Eine Aufgabe, wie damals diese Plastbottiche war für mich einfach eine Herausforderung. Der enge gestalterische Spielraum, den einem die Anforderungen ließen: die Fließform, die dem Material und der Technologie entsprach, der Wunsch nach ganz einfacher Herstellbarkeit, die Haltbarkeit der Griffe usw. - das alles in eine einfache, klare und überzeugende Form zu bringen, eine Form überdies, die nicht einfach dem Diktat von Technologie und Festigkeit unterworfen ist, sondern einem adäquaten Ausdruck dessen und einer angenehmen Handhabung folgt. (...) Derartige Vorgaben empfinde ich nicht als Einschränkung, sondern als herausfordernde Bedingungen, die mich oft ungemein motivieren.
(Gespräch mit Hubert Petras, Die Burg 6, 1996, S. 37)
Diese nie ganz auflösbare Spannung zwischen dem Gestaltungswillen des Künstlers und seiner Achtung vor den praktischen Erfordernissen des Alltags der Menschen hat Hubert Petras in seiner eigenen Arbeit wie in der Ausbildung von jungen Designern produktiv machen können. Was einer wie er nie einkalkuliert hat, und das mag sowohl an der Generation, der er angehörte, als auch an der Besonderheit der gesellschaftlichen Situation, in der er sich befand, gelegen haben, ist die Indienstnahme des Designs für rein symbolische, distinktive und warenästhetische Zwecke.
Design verschwindet
Design ist überall. Überall ist Alltag. Alltag ist unscheinbar. Alltag ist langweilig. Wir wenden den Blick. Alltag wird unsichtbar. Existent ist, was wahrgenommen wird. Gesellschaftliche Wahrnehmung funktioniert nur noch medial vermittelt. Mediengerechtheit ist wichtiger als Materialgerechtheit.
Das klassische Produktdesign verschwindet. Es ist auf dem Weg in den Untergrund, dorthin, wo seit je das fröhliche und trotzige Leben der Volkskulturen stattfindet, anonym, buntgemischt, vergänglich.
Auf Seite 102 des gelegentlich immer noch als Standardwerk zur Geschichte des DDR-Designs gehandelten Bildbands S.E.D. - Schönes Einheitsdesign findet sich die Abbildung eines Haartrockners. In der willkürlichen Stichprobensammlung von Artefakten eines längst verschwundenen Produktalltags gehört dieser Gegenstand zu den wenigen Objekten, die auf einen professionellen Designentwurf zurückgehen. Der Fön war von 1959 bis 1989 in der Produktion.
Es handelt sich um die erste Industriedesignarbeit des Plastikers und Formgestalters Hubert Petras.
Dass ein von Kunst und Handwerk herkommender Gestalter sich mit Industrieentwürfen beschäftigt, war in den fünfziger Jahren noch der übliche Werdegang eines Designers. Eine Industriedesignausbildung begann sich an vielen Kunst- und Werkkunstschulen wie Offenbach, Hamburg oder Halle/Saale erst von den kunsthandwerklichen Bereichen zu emanzipieren. Noch war die Mehrzahl der Gestaltungsgegenstände strukturell Handwerksprodukten vergleichbar, ihre gestalterische Bearbeitung hauptsächlich ein plastisches Problem. In den klassischen Arbeitsbereichen des Designs, wie zum Beispiel der Glas- und Porzellangestaltung, ist das bis heute so geblieben: handwerkliche Musterentwürfe für industrielle Vervielfältigung. Die eigentliche Entfaltung des Designs als industrielle Tätigkeit, der Schritt vom herkömmlichen Entwerfen für die Industrie zur Industrialisierung des Entwerfens selbst, ging von der Hochschule für Gestaltung Ulm aus.
Die Avantgardisten der praktischen Gestaltung entwickelten in den zwanziger und dreißiger Jahre das Formenmaterial, das den Entwicklungsstendenzen der Industriegesellschaft angemessen war. Genaugenommen handelte es sich noch nicht um funktionalistische Gestaltung, sondern um eine formale Interpretation wesentlicher Zeitentwicklungen. Die Gebrauchsgegenstände waren Vehikel, die Träger einer über ihren praktischen Zweck hinausgehenden kommunikativen Absicht, eine Polemik gegen den Historismus und die Neoromantik des Jugendstils.
Offene Strukturen
Mit seinen legendären Zylindervasen folgte Hubert Petras diesen Intentionen. Von der damaligen offiziösen Kritik wurden sie als für sich stehende Einzelobjekte und als (in der DDR noch verpöntes) funktionalistisches Design interpretiert. Ein doppeltes Mißverständnis: Sie waren ein formales Experiment. Aus einer "Liebe zur Vertikalen", aus Abneigung gegen die als inadäquat empfundene "behäbige Pummeligkeit" (Petras), mit der Porzellangefäße üblicherweise daher kamen, aus der Lust, die Formbarkeit des Materials auszureizen, suchten Hubert Petras und andere geschmähte KollegInnen wie Ilse Decho den gestalterischen Ausdruck für den "Geist der Zeit".
Die Vasen waren keine Einzelstücke mehr, sondern auf das Ensemble, den Raum und die Gebrauchssituation bezogen - Elemente also, die nicht mehr nach den Maßstäben einer vorindustriellen Ästhetik harmonisch in sich geschlossener und für sich stehender plastischer Ganzheiten bewertet werden konnten. Insofern waren Entwürfe wie das Vasenensemble Symbole und bewußte Interpretationen einer aktuellen Entwicklung, die dazu führte, dass die gegenständliche Infrastruktur des Alltagslebens technischer und komplexer wurde und sich funktionelle Zusammenhänge immer weniger in kompakten Einzelgestalten, sondern in Systemen und offenen Strukturen formierten. Abgearbeitet wurde dies an einem Gegenstand, der praktisch abseits der Progression der Zeit stand: einer Vase.
Losungen wie Volksbedarf statt Luxusbedarf und Die Wohnung für das Existenzminimum sowie Namen wie Hannes Meyer, Ferdinand Kramer, Wilhelm Wagenfeld oder Franz Ehrlich und Selman Selmanagic standen für einen Nebenstrang der funktionalistischen Avantgarde der zwanziger und dreißiger Jahre, der seine Fortentwicklung trotz zeitweise heftiger ideologischer Anfeindungen nach dem Krieg auch in der DDR fand. Den Arbeiten aus diesem Umkreis fehlte jenes Demonstrative, Polemische, Exklusive, das die Entwürfe vieler Bauhäusler aus der Sicht des kunstbeflissenen Bildungsbürgertums zu Stilmöbeln machte. Die Gestaltungsarbeiten der Kramers und Ehrlichs folgten der Prämisse: mit einem Minimum an Material- und Arbeitsaufwand ein Optimum an Gebrauchsqualität für sozial genau definierte Situationen zu schaffen. Der Bezug auf industrielle Produktionsweisen und ihre ästhetische Formierung war nicht Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Aus der formalen Gediegenheit ihrer Entwürfe spricht nicht subjektiver Ausdruckswille, sondern ein hohes Maß an Achtung vor den Adressaten ihrer Bemühungen.
Hubert Petras stand mit seinen Entwürfen für Glas- und Porzellangefäße, Kunststoffprodukte und Sanitärkeramik in dieser Tradition. Er schloss sich Wilhelm Wagenfelds Postulat der Unterordnung der gestalterischen Subjektivität unter die Erfordernisse des praktischen und sozialen Gebrauchs der zu bearbeitenden Gegenstände rückhaltlos an. Für ihn waren die Restriktionen, die sich aus Ökonomie und Technologie ergeben, keine Einengung sondern eine Herausforderung. Und so wie er mit Wagenfeld den vordergründigen individuellen Selbstausdruck des Gestalters in seinen Gegenständen ablehnte, leugnete er auch die Möglichkeit, dem Nutzer mit dem Produkt ein Symbol für dessen Individualität in die Hand zu geben. Gegenstände, die nicht stören und nicht ablenken, die wichtig nur im Gebrauch sind und deren Existenz nicht belastet - das bleibt das Einfache, was schwer zu machen ist.
Einen Automatismus - nach dem Motto Was praktisch ist, ist auch schön - bedeutet dies jedoch nicht. Optimale Funktionalität und gute Gestaltung bedingen sich, garantieren aber einander nicht. Die Gestaltqualität eines Produkts kann immer noch als Eigenwert und als subjektive Leistung eines ‚Künstlers’ wahrgenommen werden. Aber die wichtigste Prämisse dieser Gestaltungshaltung ist: Der stofflich und formal aufwendige Gegenstand erheischt zuviel Aufmerksamkeit, frißt zuviel Leben, bindet in seiner gegenständlich-gestalterischen Form zuviel lebendige Arbeit - ist eine Last, vermindert gesellschaftliche wie individuelle Freiräume und Handlungsmöglichkeiten.
Dieser Aspekt ist es letzlich, der immer wieder die eifernden Kämpfer für "Individualität" und "gestalterische Freiheit" auf den Plan ruft. Die demagogischen Schlachtrufe sollen kaschieren, in wessen Interesse hier eine Ordnungsmacht aufmarschiert, die Subversion zu unterbinden hat.
Formen sind Dornen im Auge
Die Verunglimpfung von Dingen wegen ihrer formalen Erscheinung hat Tradition. Das ideologische und politische Bekämpfen gestalterischer Programmatiken ist noch ihr simpelster Ausdruck und wird heute als typisch allein für sog. autoritäre Regimes angesehen. Die polemische Überwindung einer Gestaltungsdoktrin durch die nachfolgende, das Ritual eines quasi modischen und demonstrativ unpolitischen Wandels, lässt sich aber immer wieder beobachten.
Eine Gestaltungshaltung, die die Kompensation, die Beschönigung und die Bevormundung ablehnt, die keine Ausflüchte in das Dingliche zuläßt, die vergegenständlichte fremde Individualität als Ersatz für die Mühen und Gefahren der eigenen lebendigen Subjektivität nicht liefern will, verstört, erschreckt die einen und bedroht die anderen mit der Veränderung des Status Quo. Das kalte, grelle Licht der Aufklärung, das uns aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit aufstören will, trifft auf die romantisch anheimelnde Dunkelheit, in der wir alle Trost und Unterschlupf finden.
Die postmoderne Modernekritik war wie die romantische Kritik an der Aufklärung zwiespältig. Zunächst richtete sie sich gegen die kapitalrationale Verwertung der Ästhetik der Moderne. Dabei nahm sie jedoch deren intendierte Programmatik und die entwickelten Instrumentarien für die Realität ihres sozialökonomischen Gebrauchs und umgekehrt.
Tumbe Toren
Die Bewegung der Realität macht laufend konkrete Utopien obsolet. Nicht aber die Triebkräfte der Kreation von Utopien. Unkraut vergeht nicht. Utopisch-kritische Symbolik haftet, wie jegliche Symbolik, Gegenständen nicht wie Farbe an. Sie ist ein unruhiger Geist. Der verschwindet, ersteht wieder auf, wandert. Das Gespenst geht immer noch um. Sieht aber so aus, als hätte es sich neue Schlupfwinkel gesucht. Eine Vase ist wieder eine Vase.
Der klassische Wagenfeldsche-Petrassche Gegenstand ist verschwunden - aber wohin? Sicher ist nur: Nichts geht verloren. Was wir in dem zur Realität erklärten Lichtkegel heute sehen, ist Ornament seiner selbst - virtuelle Realität. Die Warenästhetik kappt die letzte gegenständliche Bodenhaftung und ist damit ganz bei sich angekommen. Die teuren leeren Versprechungen können jetzt körperlos im Internet verkauft werden. Das ist auch viel ökologischer.
Was bleibt? Vielleicht nur die fröhliche Renitenz des Hans im Glück, der - scheinbar ein tumber Tor - sich eigensinnig weigert, die Dinge nach ihrem Tauschwert zu beurteilen, sondern auf ihren Gebrauchswert pocht. Der am Ende alles verliert und unbelastet neuen Möglichkeiten entgegenspringt.
Und eines Tages darüber in die Grube fährt.
Hubert Petras starb im 81. Lebensjahr am 19. August 2010 in Halle / Saale.
Arbeiten von ihm befinden sich in den Beständen des Grassi-Museums in Leipzig und der Neuen Sammlung in München. Und vielleicht haben ein paar Menschen, die seinen Namen gar nicht kennen, heute noch einen seiner Wäschebottiche oder eine Zylindervase in Gebrauch.
(Fotos: Eva Mahn, Günther Höhne, Klaus E. Göltz, Georg Eckelt, Hubert Petras, Helga Schulze-Brinkop)
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Ich kannte Hubert Petras nicht. Gut, dass du über ihn mit Kennerschaft und Empathie berichtet hast. Danke schön.
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Na, wie gesagt, koslowski und hibou, der Mann wollte kein Stardesigner sein.
Danke für's Lesen! |
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Wir: Banausen. Stimmt schon :-)
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Na, vielleicht: Zu lang!? :)
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schrieb am
22.09.2010 um 22:41
:)
nee. |
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Hallo goedzak,
... der Wunsch nach ganz einfacher Herstellbarkeit, ...das gefällt mir als Blaupause für die Gestaltung "alternativer", neuer Gesellschaften/strukturen. Denn: Die stofflich und formal aufwendige Theorie (von mir modifiziert) erheischt zuviel Aufmerksamkeit, frißt zuviel Leben, bindet in seiner gegenständlich-gestalterischen Form zuviel lebendige Arbeit - ist eine Last, vermindert gesellschaftliche wie individuelle Freiräume und Handlungsmöglichkeiten. |
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Na, Du stellst ja Bezüge her! :)
InterBlogBezüge, was? Kann man vielleicht sagen: Die Sprache ist das äußere Design der Theorie, und sie sollte schön und funktional sein, und von Achtung vor Adressaten zeugen? - Man muss nur aufpassen, dass das nicht zu Anbiederung verkommt... |
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Kein Biedermeier-Verschnitt :)
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Danke für den Link, Streifzug. Der Bezug vom klassischen BRAUN-Design (Rams), damit der Technikdesignmoderne der 50er/60er Jahre (HfG Ulm und so), der auch die Generation der DDR-Designer anhingen, zu der Petras gehörte, zum Designkonzept von Apple ist naheliegend. Nur der Werbeetat ist vielfach höher, und die 'Kunst', glatte weiße Flächen mit distinktiver Symbolik aufzuladen, ist noch sehr viel ausgefeilter geworden.
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Es gibt das frische Buch Less and More: The Design Ethos of Dieter Rams
In seiner über 40-jährigen Tätigkeit bei Braun hat sich Dieter Rams zweifellos als einer der einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts etabliert. Seine klare und elegante visuelle Sprache hat nicht nur das Produktdesign über Jahrzehnte geprägt, sondern ebenso das grundlegende Verständnis davon, was Design überhaupt ist, kann und soll.Das könnte doch was für LeckerSchmecker wie dich sein :) |
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Danke für den Tipp! - Aber so ein 'LeckerSchmecker' bin ich gar nicht. Auch das sog. 'Schlichte' ist oft nur eine Attitüde. Darin besteht die Fragwürdigkeit der meisten Design-Doktrinen, dass am Formalen eindeutige kulturelle oder soziale Bedeutungen festgemacht werden.
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LeckerSchmecker bezog sich auf die Attitüde des Täubchenessens :)
Was bleibt, wenn Formales aller Symbolketten, aller kulturellen und sozialen Bedeutungen entkleidet wird? Ein Feuerstein? |
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Um's Entkleiden geht's ja nicht, also 'bedeutungslos' gibt es nicht, klar. Es herrscht nur die weit verbreitete Meinung, z.B. unter Designern, man könnte bestimmte Bedeutungen am Gegenstand in dem Akt seiner Gestaltung herstellen. Bedeutungen wachsen im Gebrauch und/oder regnen aus den Kontexten auf den Gegenstand herab. Sie verdunsten aber auch schnell wieder.
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So wie Du über Hubert Petras schreibst, musst Du ihm sehr nahe sein. Danke für diesen Blick in Designgeschichte und Designphilosophie und dass Du uns Hubert Petras vorgestellt hast. Du bist ein lieber Mensch, goedzak.
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Ich kannte ihn. Wir haben uns vor Jahren öfter lange unterhalten. Er war noch vor kurzem bei bestimmten Ausstellungen und Veranstaltungen zu treffen, ein feinsinniger und bodenständiger Mensch.
Ich bin lieb? Pssst, sag's nicht so laut. Du sabotierst mein Bemühen, bööööse zu sein. |
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Das Böse-Sein gelingt Ihnen zu meiner Freude ganz schlecht...;-)..., lieber goedzak.
Vielen Dank für Ihren liebevollen und schönen Nachruf auf Hubert Petras. Mir, da aus dem Westen, war er vorher gar nicht bekannt. Wer Blumen liebt, liebt schlichte Vasen. Die als Objekt jeder Betrachtung wert sind, nicht aber mit den Blumen in Konkurrenz treten. So sollte eigentlich jede Gestaltung sein - daß sie im Moment der Benutzung ihre Funktion gut erfüllt und aller Aufmerksamkeit wert ist, danach vom Bewußtsein aber auch wieder entlassen werden kann. Es gibt dazu ein japanisches Gestaltungsprinzip, Wabi-Sabi, das sich anhand einer Geschichte verdeutlichen läßt: ein Wanderer kommt in die Nacht, ohne die Nähe menschlicher Behausung zu erreichen. Er bindet hohe Gräser zusammen, damit sie ein Zelt bilden und schläft dort gut und tief. Löst am Morgen die Gräser voneinander und wandert weiter. Von der Nacht bleiben, nachdem das Gras sich wieder aufgerichtet hat, nur Erholung und Erinnerung. Sollten Sie es nicht bereits kennen, möchte ich Ihnen gern Tanizaki Jun’ichirōs 'Lob des Schattens' empfehlen, daraus: 'Das, was man als schön bezeichnet, entsteht in der Regel aus der Praxis des täglichen Lebens.' Immer wieder wunderbar zu sehen, daß gute Gestalter auf der ganzen Welt zu ganz ähnlichen Schlüssen kommen, nicht wahr? |
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Sie bringen das sehr schön auf den Punkt, hêre frouwe. Und Dank für die Hinweise nach Japan. Wir können/müssen auch was dazu tun: die Übersetzung in's Industrie- u. Informationszeitalter (wenn man zudem an all die anderen Gegenstände von Gestaltung denkt).
Eine Vase für sich so wichtig zu nehmen, selbst ohne Gedanken an die Blumen, richtet ja noch nicht allzu viel Schaden an. Schon schwieriger ist es mit Möbeln. Die Wohnung als Hindernis-Parcour der wichtig-schönen Plastiken... |
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@Goezdak,
klug und schön. Vielen Dank Goezdak >>>>Die Bewegung der Realität macht laufend konkrete Utopien obsolet. Nicht aber die Triebkräfte der Kreation von Utopien. Unkraut vergeht nicht.<<<< Dame von Welt >>>>Er bindet hohe Gräser zusammen, damit sie ein Zelt bilden und schläft dort gut und tief. Löst am Morgen die Gräser voneinander und wandert weiter. Von der Nacht bleiben, nachdem das Gras sich wieder aufgerichtet hat, nur Erholung und Erinnerung. Dazu die Stimmung eines Liedes von Hans-Eckhardt Wenzel, Das Gras in S. >>>Sicher einmal, wenn nach tausend Jahren Einer über diese Stelle streicht, Findet er ein Stück von unsern Haaren, Das als Gras aus dieser Stelle greift<<<< www.youtube.com/watch?v=jwrHoxiJklQ Es ist ein Version, in der Wenzel die erste Strophe in Französisch singt, dann der vertrauten Text. Die Melodie schöner als im Original auf seiner ersten Platte 1986. |
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Wo Wenzel spielt
da lass dich ruhig nieder nur böse Menschen hassen seine Lieder! (Ich glaube aber, die frz. Strophe singt er nicht selber...) |
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@ goedzak
Am 24. Juli 2010 sang Wenzel das Lied auf einem Konzert in Beulbar (bei Jena) im AmViehtheater selbst und in Französisch, aber das "Gedächtnis ist ein grünes Kissen, Das unterm nackten Rücken lag". Wer weiß? Der rührige Betreiber des AmViehtheaters in Beulbar Georg (Orge) Zurawski hat auch einige Jahre in Halle/ Saale am Theater gesungen. Was für ein lebensfroher und produktiver Mensch! amviehtheaterzubeulbar.org/ www.duo-janna.de/orje.html textmen.de/wp-content/uploads/2007/10/orge-zurawski.pdf |
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Mir schien die Stimme ganz anders zu klingen. Werde mich wohl irren.
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was Petras zu den herausforderungen sagt, die durch einschränkung auf bestimmte materialien und/oder gebrauchswert hervorgerufen werden, finde ich sehr erhellend und wesentlich - letztendlich kann man das auch auf die bedingungen beziehen, unter denen kunst entsteht ... Danke für dieses detaillierte schlaglicht auf einen künstler, der sonst nicht so im rampenlicht steht (und was den fön betrifft - wir besaßen einen gelben).
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Dabei spricht man doch als Gegensatz zur 'angewandten' (soll wohl auch heißen 'angebundenen') von der 'freien' Kunst. Das sind so Begriffe....
Nach meiner Beobachtung sind diejenigen Designer, die sich am meisten als Künstler fühlen, auch die, die am wenigsten bereit sind, sich den von Petras benannten Restriktionen zu unterwerfen. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass sie eben keine 'richtigen' Künstler sind, denn es stimmt sicher, was Du über die Bedingungen von Kunst sagst. PS: Eigentlich rede ich gar nicht gern in Kunstbegriffen über praktische Gestaltung/Design. Die Gemeinsamkeiten im Vordergrund zu sehen, täuscht leider allzu schnell über die Unterschiede hinweg, was wiederum dem jeweiligen Selbstverständnis nicht gut tut. |
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schrieb am
23.09.2010 um 12:11
...sind diejenigen Designer, die sich am meisten als Künstler fühlen...
Also, dann ist Design Kunst die sich nützlich macht. Oder? |
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Am interessantesten finde ich eigentlich die Oberflaechen.
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Die Bebilderung zeigt, was für ein zeitgemäß unzeitgemäßes Design das war/ist.
Es ist schlicht schön (Achtung! Wortspiel!!!). Danke, lieber goedzak, für den interessanten Artikel, und danke auch, daß Du die Standarte der Kreaivität so hoch hältst... ;-) |
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Ja, der Standard der allgemeinen Krenaivität muss unbedingt erhöht werden.
;))> |
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Also, wie hoch sollen wir das Plansoll für die Kreatininiveatät der Standard-Standarten denn nun ansetzen? :-DDD
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Danke! - War der Test erfolgreich?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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