goedzak

Механика чувственная!

22.12.2011 | 12:12

Jürgen Ehle gniedelt nicht

 

Zweimal Pankow, zweimal Krieg

(für Wolfram Heinrich - wegen dem hier)

 

 

In Leipzig kann ich Greta überreden, den Anschlusszug nach Dresden sausen zu lassen. Die Bahnhofsbuchhandlung am Querbahnsteig ist riesig, sie scheint der Deutschen Nationalbibliothek Konkurrenz machen zu wollen. Aber anders als in jener kriegt man hier einen guten Espresso. Ich erzähle ihr von den Nächten, die ich hier verbracht habe, als der gigantisch hohe Saal noch eine müde Mitropa-Gaststätte war. Sowas passierte damals, wenn man Freunde besuchen wollte, die kein Telefon hatten, weswegen man dann erst an ihrer Wohnungstür erfuhr, dass sie nicht da waren, oder wenn einen an der Autobahnauffahrt keiner mitgenommen, wenn man den letzten Zug verpasst hatte oder wenn wegen Schneeverwehungen gar kein Zug mehr fuhr. Bei der Episode mit dem Typen, der mich abschleppen wollte, guckt Greta ungläubig. Sieht man mir den hübschen Burschen, der ich mal war, denn gar nicht mehr an?!

 ich wachte auf / und war ein alter mann / und ich sah die gefahr / ich war allein / das war nicht neu / doch ich wusste, von nun an wird’s für immer sein

Ich mag den Bahnhof, mochte ihn schon, als er noch ein riesiger steinern grauer Sack(-bahnhof) war. In dem anderen Leipziger Sack, einem Schönefelder Ballsaal mit Kneipe Sächsischer Hof, zur DDR-Zeit das FDJ-Jugendklubhaus „Jörgen Schmidtchen“ (offizielle Bezeichnung) fand eines der ersten Konzerte in der nun 30jährigen Karriere der Rock-Band Pankow statt. Es war die Sachsen-Premiere ihres Rock-Musicals Paule Panke – Ein Tag im Leben eines Lehrlings. Auf der Bühne: das Band-Equipment und sonst als Kulisse ein großer Paravant aus Alu-Folie, eine Fabrik-Uhr und ein eisernes Bettgestell, das als Lodderbett, als Straßenbahn und als Werkbank dient. Dazwischen turnt Paule alias André Herzberg herum, ein dünner lockenköpfiger jüdischer Bengel mit viel Komödianten-Talent. – Vor der Bühne: Die versammelte südliche Häfte der Avantgarde des ‚lyrischen’ DDR-Rocks, die mal sehen wollte, was diese Rotzbengel so zustande bringen. Und ein Haufen Leipziger

 jungs und mädels aus unser’m block / die haben heute Bock auf Rock

 und außerdem die Nase voll von Karat und den Puhdys.

 

 

Den nächsten Zug nehmen wir dann. Programm in Dresden: ein Museumsbesuch und ein Rock’n’Roll-Konzert.

die hände tief in der hose vergraben / spürt er seinen freund / wie immer, wenn er wache steht / hat er von ihr geträumt / er will keinen traum, er will sie richtig / und ihr bild lässt ihm keine ruh’ / jetzt guckt er sich um / es ist keiner zu seh’n / da fassen seine Hände zu

Im neuen Militärhistorischen Museum der ganz uneigennützig spendablen Bundeswehr (Eintritt noch frei bis Jahresende) stehen wir vor einem typischen Soldatenspind der NVA, wie es übrigens auch im KdF- und NVA-Nostalgiemuseum in Prora/Rügen besichtigt werden kann. Auf nachdrückliche Anfrage von Greta krame ich ein paar von meinen Armeeerinnerungen heraus. Die Zeit war lästig bis lustig, sonst aber nicht weiter schlimm. Sogar der EK-Terror, dem auch ich ausgesetzt war, konnte als interessante Erfahrung verbucht werden. Im Museum wird auf dieses Phänomen bei der NVA hingewiesen. In der Bundeswehr gab es sowas nicht?

jetzt denkt er an die jungs in seinem zimmer / die spielen so gern das alte spiel / wenn du heute kuschst, kannst du morgen treten / doch er hat keine lust, so zu sein wie sie / so ein’ spinner wie ihn, den haben sie gerne / und er weiß, morgen muss er ran

Die Ausstellungen sind so lecker gemacht, wie das in neuen Museen heute eben üblich ist. Es wird nicht nur von Waffentechnik, Uniformen und Strategie und Taktik gehandelt, schon gar nicht werden Militär und Krieg als Bewährungsfelder für männliche Ehre und Heldenmut hingestellt. Man hat sich Mühe gegeben, auch die Gewalt, die Zerstörung und das Leiden der Zivilbevölkerung zu zeigen. Außerdem thematisieren die Austellungsmacher mentalitäts- und kulturgeschichtliche Aspekte, wie Körperlichkeit in militärischen Formationen, die Rezeption des Militärischen in Jugendkulturen und Mode und sogar den Einsatz von Tieren beim Militär.


 

Trotzdem mag ich Wolfgang Wippermann nicht zustimmen, der im Freitag vom 13. Oktober 2011 schreibt, es würde nicht der Eindruck erzeugt, Krieg sei ein allgemeines anthropologisches und letzlich unvermeidliches Phänomen. Doch, dass es das ist, soll man denken, wenn man das Haus verlässt. Der Krieg lässt sich nicht aus der Welt schaffen, es kommt nur darauf an, dass die Guten (nämlich ‚wir’) die besseren Waffen und die überlegene Moral haben. Dann siegen ‚wir’ schneller und verlustärmer und können der Zivilbevölkerung helfen, so zu werden wie ‚wir’.

Es handelt sich um subtiles Storytelling. Die vordergründige thesen-visualisierende Installationskunst und die in den musealen Inszenierungen vorgeführte Kritik an der Gewalt und ihren Folgen dient letzlich nur der Imagepflege eines Heeres, dass wieder im Krieg steht. 

 


Dagegen war die verschwundene DDR-Ausstellung lächerlich plump: der gute Krieg ist ein sauberer Krieg gegen den kriegstreiberischen Imperialismus, der schmutzig ist und all die Greuel und Leiden zu verantworten hat und für sie bestraft gehört. Die NVA, damals eine Armee auf Friedenswacht, wird heute so gesehen: ideologiegesteuert und latent bis offen aggressiv!


 

 

Wenn man in dieser Stadt rumläuft, begegnet einem der Opferkult recht häufig. Kein Wunder also, dass das Dresden-Bombardement vom Februar 1945 auch in diesem Museum eine Rolle spielt. Wipperman sieht in der Formensprache der Libeskind-Architektur eine Verbeugung vor diesem Opfer-Mythos. Das mag sein. Auf mich hat der Keil eher wie ein martialisches Symbol für Militanz gewirkt. Da passt es gut, dass sich im Außengelände wieder deutsche und russische Panzer (zur Zeit allerdings friedlich) gegenüber stehen.


 

Greta und ich sparen uns den Blick aus der Spitze des Keils auf die Reinkarnation der Frauenkirche und verlassen das Gelände. Ein paar hundert Meter entfernt treffen wir eine kleine Gruppe Sowjetsoldaten, denen wir verschwörerisch zublinzeln.


 

Auf dem Weg zum Konzert im Alten Schlachthof meint Greta, dass für einen Museumsbesuch vor einem Rock-Konzert ein anderes Museum mit einer friedlicheren Thematik besser gepasst hätte. Ich erinnere sie daran, dass manche Jugendzeitschriften in der DDR noch in den sechziger jahren behauptet hatten, der Rock’n’Roll diene dazu, junge Männer aufzuputschen und zu enthemmen, um sie auf ihren Einsatz im imperialistischen Krieg vorzubereiten.

Pankow, das ist die Band, über die der westdeutsche Musikjournalist Olaf Leitner geschrieben hatte: Schon der Name war ein Hieb: PANKOW (...) Den wahnwitzigsten Coup des DDRock leistete sich Pankow, als es die Bigband der inzwischen auf Gorbi vereidigten "Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte" mit auf Tournee nahm, um mit ihr jene Songs zu intonieren, die Jahre zuvor SED-Funktionäre wutschnaubend torpediert hätten - mit eben diesen Soldaten als Drohpotential an der Seite. So ändern sich Zeiten und Symbole. - Die New York Times schrieb: Pankow (...) a dynamic band that combines the energy of the Clash with the innovation of the Talking Heads. - Christoph Dieckmann: Die Riffs und Hooks von Pankow kann einem kein HNO-Arzt wieder aus den Ohren ziehen.

Pankow-Verächter gibt es auch. Michael Rudolph nannte Jürgen Ehle den Lutz Rathenow der Gitarre, was immer er damit auch sagen wollte – und natürlich die sich forever young fühlenden Popmusikjournalisten, die den üblichen Hohn über Musiker ausgießen, die sich mit über 50 noch auf die Bühne trauen - und meine Quartals-Freundin, selber kaum jünger und nicht mehr so rank und schlank wie damals, findet Herzbergs Bauch unmöglich.

 

 

Greta sagt, guck dir den dicken Herzberg an, wie ein Brummkreisel. Immerhin, sage ich, er kreiselt noch ganz schön. Im Stillen muss ich ihr Recht geben. Der Sänger ist superpräsent, treibt die Band an, nicht weniger als die Rhythm-Section Ingo Yorck (bass) und Stefan Dohanetz (drums), aber seine Körpersprache ist doch etwas behäbiger geworden. Ehle, der Gitarrist dagegen gehört zum Typus Kleine-Männer-werden-niemals-alt!

Wenn der schnoddrige André mit seiner verschliffenen, träge verschleppten Gesangsphonetik die Attitüde liefert, dann ist es Jürgen, der dem Bandauftritt die Seele gibt. Der jungenhafte Typ, klein, zierlich, in einem früheren Pankow-Song die Gitarren-Ballerina genannt, pflegt einen spartanischen Riff-Stil, aber sein Gitarrenspiel ist auf eine unglaublich attraktive Weise körperlich. Seine Bewegungen sind elegant, fließend, und wenn Clapton Mr Slow Hand ist, dann kann man Jürgen den Mr Guitar Body nennen. Standbein, Spielbein, Hüftschwung, Spielbein, Standbein, Schulterkreisen, grazile Griff-Gesten – zurückhaltende Bewegungen, die doch so tänzerisch anmuten. Die Riffs kommen trocken und knapp wie bei Keith Richards, als dessen Zonen-Ausgabe Jürgen Ehle von phantasielosen Musikjournalisten oft bezeichnet wird, aber Jürgens Stil ist viel, viel eleganter als der von Keith - und außerdem hat er noch keine Arthritis!

 

 

Obwohl Pankow heute keine rein ostdeutsch besetzte Band mehr sind (Kulle Dziuk, Keyboarder, Bruder von Danny, kommt aus Duisburg) findet sich in der Liste der Tourdates kein einziger Auftrittsort im Westen. An der Qualität dieser Band kann es nicht liegen. Songwriting, Life-Performance – diese Band rockt! Es ist ja das alte Lied, die westdeutschen Stars waren im Osten gut bekannt, umgekehrt sah es und sieht es anders aus. Dabei fällt doch gerade an den westdeutschen Top-Acts wie Lindenberg, Grönemeyer, Westernhagen, ja sogar bei den Ärzten und den Toten Hosen auf: starke, meinetwegen auch sympathische Attitüde, aber musikalisch eher konventionell, Mainstream-Rock. Dagegen ist Pankow eine echte Rock’n’Roll-Perle von ganz eigenem Glanz.

Dass sie heute noch erfolgreich touren, liegt an den treuen ostdeutschen Fans, bei denen aber die Jugenderinnerungen einen Großteil der Motivation ausmachen. Die neuen Alben finden freundliche Aufnahme und werden durchaus geschätzt, aber nur mit ihnen allein würden Pankow auch im Osten auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Es ist, wie es ist. Das neue Album Neuer Tag in Pankow spielt aber auch mit den eigenen und den Erinnerungen der Fans. In mehreren Songs werden Textpassagen der alten Hits melancholisch variiert oder es kommen Figuren vor, die in den Alben vor 25 Jahren als unangepasste Teenager, nun als vom Leben gebeutelte Erwachsene dargestellt sind (Paule Panke, Mathilde, Karlineken,...)

an der bushaltestelle kam mathilde nach der arbeit an / in der schaufensterscheibe vom bäcker seh’ ich immer noch ihr spiegelbild / aufruhr in den augen und’n Kind an der Hand

 

 

Wenn die fünf Jungs, fast alle 50 und aufwärts, am Ende des Konzerts eine Linie bilden, sich die Arme auf die Schultern legen, sich unisono vor den treuen Fans verbeugen, mag man gar nicht glauben, dass ihr neuestes Album nicht in freudvoll kollektivistischer Weise, soll heißen, in dem Raum-Zeit-Kontinuum eines Aufnahmestudios, produziert wurde. Nein, ein jeder von ihnen werkelte daheim an seinen Parts, schickte die Datein herum, änderte, schickte wieder, bis Mastermind Jürgen Ehle zufrieden war und alles zusammenschmiss.

Das Ergebnis ist ein reifes Rocksong-Album, wie es erwachsen gewordenen Musikern gut ansteht. Aber es klingt immer noch ganz so, als hätte da eine Posse von gleichgesinnten Freunden zwei Wochen unter Zuhilfename von Nikotin, Koffein und anderen Genussmitteln eingesperrt in einem Studio gearbeitet.

Das Publikum beim Konzert in Dresden ist wie immer ganz aus dem Häuschen, singt aus vollem Hals die Texte mit. Die Band ist glücklich. Greta sagt, wo kommen die ganzen 30jährigen her?


Die heimeligen Dresdner Advent- und Striezelmärkte haben schon geschlossen, als wir recht schweigsam zurück zur Pension wandern. 


...dann geh’n sie in die garderobe / und waschen sich die farbe ab / schnell ins hotel, es ist schon spät / mal gucken, ob die show da noch weitergeht

 

 

 

Drei Wochen später

Greta ist wieder da, wo sie hinzugehören meint. Zum Abschlusskonzert der 2011er Pankow-Tour im Postbahnhof am Ostbahnhof in Berlin gehe ich aber auch in weiblicher Begleitung. Die junge Dame, noch deutlich unter Dreißig, ist gar keine so große Ausnahme im rappelvollen Saal, fast wundert es einen. Das Publikum, kräftig vorgeglüht von der Support-Band The Baby Universal, tobt, die Band schwebt 30 cm über den Bühnenbrettern. Der Bassist Ingo Yorck, sonst eben bassistenmäßig zurückhaltend, stößt unvermittelt Urschreie aus. Das Adrenalin treibt die schönsten Blüten.

wo gestern noch die mauer stand / geh’n zwei spazieren / hand in hand / junge, was willst du mehr?

Eine Szene zwischendurch hat fast symbolischen Charakter. Christian ‚Kuno’ Kunert, Singersongwriter, der bisher überlebende Teil des Duos Pannach&Kunert, vorher Sänger und Gitarrist bei der DDR-Kultband Renft, kommt auf die Bühne, um mit Ehle und Herzberg seinen 1986er Song Der Tag, an dem die Mauer fiel zu singen und zu spielen. Dieser Mann ist richtig alt geworden und wirkt nicht mehr sehr gesund, worüber er auch noch Witze reißt. Fast behutsam reicht ihm Hannes Scheffler, der Gitarrist von Baby Universal die Klampfe und geleitet ihn nach dem Song wieder nach backstage. Da waren drei Generationen Rock’n’Roller gemeinsam auf der Bühne.

wie mein vater hat vater blues / einen sohn, den ich nicht nennen muss / wenn ich heute vor dem radio hock / sind wir brüder, ich und der rock / wie ich schwitze, woher kommt das wohl? / soviel hitze hat der rock´n´roll

Mitten im Publikumspulk treffen wir Heiner Witte, Gitarrist der Bluesrock-Band Engerling, im Westen bekannt als die Tour- und Studio-Band von Mitch Ryder. Er ist gekommen, um Jürgen Ehle Rhythmus-Gitarre spielen zu sehen, wie er sagt. Sein ‚Chef’ Mitch, das alte Nebelhorn aus Detroit, verlangt, dass sich seine beiden Gitarristen bei Live-Auftritten Gniedel-Duelle liefern. Aber Jürgen Ehle gniedelt nicht!

 

 

Am nächsten Vormittag wanke ich vereinsamt und verkatert zum Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst. Es fällt kalter Nieselregen, aber ein Ohrwurm macht mir die Situation erträglicher: Er will anders sein (Pankow, Keine Stars,1986). Das prägnante Bläser-Motiv des Songs wird heutzutage vom Keyboarder Kulle Dziuk intoniert, damals aber stand bei Live-Auftritten die volle Wucht des Orchesters der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte dahinter, eine Perestrojka-Sympathie-Kundgebung der Band.


 

Als ich Schüler einer Polytechnischen Oberschule der DDR war, gehörte ein Besuch in diesem ehemaligen sowjetischen Museum für den Großen Vaterländischen Krieg der Völker der Sowjetunion genauso zum obligatorischen Programm wie eine Fahrt zur Gedenkstätte KZ Buchenwald.

Das Museum in der Villa, in der am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Nazi-Wehrmacht unterzeichnet wurde, ist vor Jahren (fast) völlig neu gestaltet worden und befindet sich heute in Trägerschaft verschiedener russicher und deutscher Institutionen. Den Ausstellungen ist anzumerken, dass hier um einen Kompromiss zwischen teils sehr konträren Auffassungen zum Krieg gegen die Sowjetunion gerungen wurde. Verschwiegen wird nun nichts mehr. Die Ausstellungsgestaltung ist eher konventionell, wichtiger aber ist, dieses Museum löst ein, was das in Dresden nur verspricht.

Es wird anschaulich, dass Krieg kein Menschheitsfluch, sondern konkrete Politik ist. Es wird anschaulich, dass es nicht das ‚Böse’ an sich ist, was Menschen zu Gewalttätern macht, sondern dass sie dazu aus bestimmtem Kalkül gebracht werden. Es wird anschaulich, was unter diesen Umständen die einen Menschen den anderen antun. Die Leiden der Zivilbevölkerung, in Dresden geradezu ästhetisierend inszeniertes Thema, werden hier nüchtern in Foto- und Textdokumenten gezeigt. Und das haut einen um.

Als ich wieder in den Regen trete und den Weg zum S-Bahnhof laufe, ist der Kater verschwunden.

 

 

 

 

Fotos:

1 Katy Otto (2011)

2/3 Andreas Liebich (1982)

4-12/14-16 goedzak (2011)

13 Zeitfixierer (2009)

 

 

 
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Kommentare
tlacuache schrieb am 22.12.2011 um 12:44
Mundoffensteh..
koslowski schrieb am 22.12.2011 um 13:20
Wunderbar. Habe viel gelernt, kluge und witzige Sätze gelesen und zum Nachdenken anstiftende Bilder betrachtet. Danke!
pedrei56 schrieb am 22.12.2011 um 13:34
Hochachtung. Hab' s 2x gelesen. Und weiterempfohlen.
Magda schrieb am 22.12.2011 um 13:45
Ganz klasse, nicht allein wegen des Themas. Das sowieso, aber das ist wirklich wunderbare literarische- kulturelle Reportage.

Da beneide ich Dich - dieses elegante Verbinden und die Impressionen.

Prima, prima, prima .... **********

"Sieht man mir den hübschen Burschen, der ich mal war, denn gar nicht mehr an?!"

Doch, doch :-)
merdeister schrieb am 23.12.2011 um 11:19
"Sieht man mir den hübschen Burschen, der ich mal war, denn gar nicht mehr an?!"

Doch, doch :-)


Dachte ich auch, s.o. wie alles andere :-)
goedzak schrieb am 23.12.2011 um 18:04
Ha, hab ich also bei Weiblein und Männlein gleichermaßen immer noch Wirkung! - Nun kann das neue Jahr kommen!!!

:))))
SuzieQ schrieb am 22.12.2011 um 14:48
Lieber goedzak,

das hast Du ganz wunderbar in die Welt gesetzt!

Eine leicht lesbare, weil in ihren Bann ziehende, informative, anregende Erfahrungsbeschreibung, illustrierte Besonderheiten, persönlich aufbereitet, eine angenehme Erlebniskomposition, untermalt mit Songtextfragmenten und den ( eigenen?! ) Fotos.
Fast ist es, als sei man dabei gewesen.

Manches zum Nachdenken, wie
"Greta ist wieder da, wo sie hinzugehören meint. "

Ein dickes Dankeschön
SuzieQ

Das sähe gedruckt ganz fantastisch aus!
Magda schrieb am 22.12.2011 um 17:13
"Das sähe gedruckt ganz fantastisch aus!"

Fand ich auch.
goedzak schrieb am 26.12.2011 um 19:40
Danke, Suzie-I like the way you talk! :)

Was die Fotos angeht, ich habe mal, da nicht alle von mir sind, die Credits ergänzt (siehe oben).

Was das 'gedruckt' angeht, ich schätze, der Lektoratsaufwand ist zu hoch. Außerdem passt der Text nicht in die Marginalspalte. Und die Fotos, jedenfalls meine, sind eben 'geknippst', mehr nicht... :)
SuzieQ schrieb am 28.12.2011 um 01:55
Gern, goedzak-you're not a 'Knippser' at all and you know it! : )

I don't need credits ...

ischabe keine Ahnung von Lektoratsaufwand oder Marginalspalten, aber:

wo ein Wille, da ein Weg ...
sachichmalsobytheway ; )
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:08
@Magda
"Das sähe gedruckt ganz fantastisch aus!"

Fand ich auch.


Hmnja, wohl wahr. Wenn man sich anschaut, was für ein Scheisendreck gedruckt wird, ist es wirklich jammerschade, daß dieser Text ungedruckt bleibt (das heißt, schaumermal).
Als notorischer Westdeutscher und Musikidiot habe ich den Text zwar nur zur Hälfte verstanden, aber das reicht aus, ihn zu würdigen.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:10
@goedzak
Was das 'gedruckt' angeht, ich schätze, der Lektoratsaufwand ist zu hoch.

Jetzt spinn halt nicht. Ein, zwei Tippfehler ausgebügelt und der Text paßt. Halbe Stunde, wenn sich der Lektor Zeit nimmt.

Außerdem passt der Text nicht in die Marginalspalte.

Je nun, es soll andere Spalten geben, habe ich mir sagen lassen.

Und die Fotos, jedenfalls meine, sind eben 'geknippst', mehr nicht... :)

Ja, was denn? Schlag irgendeine Zeitschrift auf, ein, zwei künstlerisch gestaltete Photos, vielleicht, der große Rest ist einfach nur geknipst.

Ciao
Wolfram
Alien59 schrieb am 22.12.2011 um 17:23
Wow.
Das muss ich später noch mal lesen.
goedzak schrieb am 22.12.2011 um 19:50
Liebe Leute, ich habe mich sehr über Eure Kommentare gefreut! Lob ist ja immer angenehm, aber wenn man merkt, dass das eigene Geschreibsel gern und mit Gewinn gelesen wurde, ist das ja noch viel schöner!! Vielen Dank!

Und hier noch ein Weihnachtskärtchen für Euch:

Rapanui schrieb am 22.12.2011 um 20:20
Sehr informativ, sehr klug, sehr gute Fotos - ein echter Goedzak eben.

Den Pankow-Coup mit der Big Band der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte hatte ich tatsächlich schon wieder vergessen. Dank für diese Erinnerung.

Allerdings würde ich heute zu keinem Pankow-Konzert mehr gehen. Wie hört sich denn das von 50 jährigen an: "Doris, ich hatte es noch nie gemacht - und Du hast es mir beigebracht"? Ich behalte die guten Erinnerungen.

Mir war gar nicht bewusst, dass Herzberg und Ehle wieder zusammen Musik machen, Herzberg hatte ja Ehles IM-Tätigkeit schwer zu schaffen gemacht. Daran ist ja 1997 (?) Pankow zerbrochen.
goedzak schrieb am 23.12.2011 um 02:10
Den Einwand mit der 'Doris' höre ich nicht zum ersten Mal.

Nun ja, Pankow haben bis 1989 fünf Alben veröffentlicht, danach ebenfalls fünf, die letzten beiden 2004 und 2011. In den letzten Konzerten, von denen hier berichtet wurde, waren die Anteile der Songs ähnlich verteilt, wobei das diesjährige Album nach meinem Eindruck anteilmäßig überrepräsentiert war. Beim alten Publikum kam das sehr gut an, die neuen Songs sind auch danach. Trotzdem haben alle auch die 'Doris' wieder begrüßt.
Vielleicht löst sich die Skepsis in Wohlgefallen auf, wenn man berücksichtigt, dass der Text von Rocksongs eine ganz andere Rolle spielt als der von Chansons oder Liedermacher-Liedern.
Außerdem: Tut es dem erwachsenen Vater z.B. eines pubertierenden Sohnes nicht gut, sich an die eigenen Wirren des sexuellen 'Sozialisation' zu erinnern?

Übrigens, sie haben auch wieder die 'Gabi' gespielt:
"Gabi hat gefragt / und der Vater hat ja gesagt / Gabi darf zur Disko gehn' (...)"
goedzak schrieb am 23.12.2011 um 02:15
Ach so, Herzberg war 1990 ausgestiegen, machte Solo-Alben, kam 1996 zurück. Sie haben sich 1997 dann getrennt, weil es nicht genug Auftrittsmöglichkeiten gab. Seit 2004 gibt es wieder in Abständen von mehreren Jahren neue Platten und Tourneen, die jeweils 6 oder 8 Wochen dauern.
Rapanui schrieb am 23.12.2011 um 11:49
>>>Den Einwand mit der 'Doris' höre ich nicht zum ersten Mal. <<<

Deshalb ist Ihr Bericht so schön. Ich erfahre die Neuigkeiten, kann mir anhand Ihrer lebendigen Schilderung den Auftritt vorstellen und muss den dicken Herzbergbauch bei "Gabi" nicht wirklich sehen. Das würde mir sehr weh tun.

>>>dass der Text von Rocksongs eine ganz andere Rolle spielt als der von Chansons oder Liedermacher-Liedern<<<

Pankow mochte ich gerade wegen der Texte. Das war eben nicht so ein Schmonzes wie bei den Puhdys oder Karat - "wenn ein schwan stirbt", "über sieben Brücken". "Paule Panke" war phänomenal - Songs über 'ne Werkstatt und den ABV als wahrhaftigen Rock'n Roll, da musste jeder Schwan einfach nur noch abgeschossen werden.

Ich werde mir mal neue CDs von Pankow kaufen, wusste gar nicht, dass da noch etwas kam. Ich befürchte aber Frust, wie bei der CD "Rot" von Silly. Die stößt mich trotz oder gerade wegen der neuen Karma-Texte ab.
goedzak schrieb am 26.12.2011 um 19:59
"Pankow mochte ich gerade wegen der Texte." - Rapanui, ich habe über diese Sache mit der Spezifik der Texte in der Pop-Musik nochmal nachgedacht.

Vielleicht kann man solche Genre wie Chansons und Liedermacher-Songs ja als eine Art "literarische Musik" bezeichnen? Der Text steht im Mittelpunkt. Die Entfernung zum rezitierten, gesprochenen, deklamierten Gedicht/Text ist viel geringer, als die zum Rock-Song, Rap, oder dgl.

Klassischer Jazz, Blues, Rock'n'Roll, HipHop usw. sind "Körper-Musik". Diese Pop-Genre haben wahrscheinlich zur Veränderung der Körperkultur im 20. Jahrhundert mehr beigetragen als Sport und Fitness-Welle.

Die Sinnlichkeit der "literarischen Musik" wie auch z.B. von Lyrik ist eine vermittelte, eine, die erst zurück durch den Geist gehen muss (beim sog. Rezipienten), bevor sie wieder in den Körper fahren kann.

Guten Rock'n'Roll z.B. kann man nicht intellektuell 'genießen', man kann ihn 'hinterher' reflektieren (z.B. auch seinen Textteil), aber wer sich von ihm nicht in Bewegung, in's Schwitzen bringen lässt, "der wird es nicht erjagen".
Rapanui schrieb am 27.12.2011 um 15:07
>>>Vielleicht kann man solche Genre wie Chansons und Liedermacher-Songs ja als eine Art "literarische Musik" bezeichnen?<<<

Rock'n Roll ist dann ein "rhythmischer, klingender Text".

A)
Da hinten kommt der ABV
Mit seiner Frau
Die finden die Idee ganz toll
Wir tanzen heut' im Stadtpark Rock'n Roll



Diese Poesie passt zum Rock'n Roll. (Der Auftritt hier ist kein Vergleich mit Pankow vor 30 Jahren, das ist nur peinlich)

B)
Alle Liebe der Welt
Wenn dir das gefällt
Viele Finger soll'n nach dir fassen
Dich zerreißen vor Lust
Und von all deinem Frust
Deiner Leere nichts übrig lassen



Dieser Schwulst'n Schwurbel passt genau zur hier vorgestellten Instrumentierung.

Aus'm West'n haste nichts
Doch ich seh' Dir gerne ins Gesicht.
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 15:28
Silly mit Anna Loos ist recht glatt und süß geworden, das stimmt, gestylt - sie haben Erfolg damit. (Und Uwe Hassbecker neigt zum 'Gniedeln', :))

Der Clip vom allerersten Konzert der diesjährigen Tour von Pankw - naja, aber etwas unfair doch, eine Handyaufnahme auf youtube mit den eigenen goldenen Erinnerungen zu vergleichen...
Rapanui schrieb am 27.12.2011 um 16:33
@ goedzak schrieb am 27.12.2011 um 15:28

>>>eigenen goldenen Erinnerungen..<<<

Ich bin ja kein Musikkritiker, sondern schreibe nur, dass die Songs auf der alten LP auch heute musikalisch gut sind und mich erreichen. Das ist ja nicht meine "goldene Erinnerung" sondern meine erlebte Gegenwart.

Die eingerosteten Bewegungen von Herzberg und die fehlende Kraft im Gesang werden den Songs und meinen Erinnerungen tatsächlich nicht gerecht. Es macht mich nur melancholisch.

Naja, ob es in der Kunst möglich ist, von fair und unfair zu sprechen....

"Hassbe" gniedelt, obwohl ein brillanter Gitarrist, wirklich ganz, ganz furchtbar und der alte Panker Jäcki Reznicek muss es ertragen.
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:11
@Rapanui
Ich erfahre die Neuigkeiten, kann mir anhand Ihrer lebendigen Schilderung den Auftritt vorstellen und muss den dicken Herzbergbauch bei "Gabi" nicht wirklich sehen. Das würde mir sehr weh tun.

Ach, wildes Gerücht. Da ist kein dicker Bauch, ein stattlicher älterer Herr halt.


Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:12
@Rapanui
"Hassbe" gniedelt,

Jetzt frag ich doch mal: Was ist "gniedeln"?

Ciao
Wolfram
Rapanui schrieb am 29.12.2011 um 09:16
@ Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:11

Das ist ja noch schlimmer - ein Sinfonieorchester und 'ne Harfe!

Im Original beginnt das Stück spannungsvoll, der monotone Rhythmus unterdrückt nur mühsam die Energie, die dann nach der Textzeile "zu lange die alten Männer verehrt" mit aller Wucht hervorbricht.

Auf diesen Satz habe ich jedesmal gewartet, weil dann endlich der Damm brach. An dieses Gefühl erinnere ich mich und das ersäuft der bombastische Streichereinsatz und ein älterer dicker Herr kann mit dem Energiebündel von damals nicht mithalten.

Oben habe ich es schon mal geschrieben. Für die Textezeile aus "Aufruhr in den Augen":

"Aus'm West'n haste nichts
Doch ich seh' Dir gerne ins Gesicht."

bin ich Pankow bis heute dankbar. Darum ging es mir: wir brauchen den "Westen" nicht, wir hätten es lieber allein hinbekommen. Zur Strafe gibt es jetzt Pankow an Sinfonieorchester in süßsaurer Harfe.
Rapanui schrieb am 29.12.2011 um 09:21
@ Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:12

>>>Jetzt frag ich doch mal: Was ist "gniedeln"?<<<

Oben das Video Silly: "Alles Rot" ab 07:45 min bis Schluss.
goedzak schrieb am 29.12.2011 um 10:06
Wie auch immer, in den Konzerten, die ich besucht habe, WAR Herzberg ein Energiebündel!
Rapanui schrieb am 29.12.2011 um 10:36
@ goedzak schrieb am 29.12.2011 um 10:06

Is ja schon gut. Ich habe mir gerade zwei neue Pankow CDs bestellt. ;-)

Pankow: Neuer Tag in Pankow
Pankow: In Aufruhr
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 19:27
@Rapanui
Das ist ja noch schlimmer - ein Sinfonieorchester und 'ne Harfe!

Das Orchester haben die anscheinend nicht mitgebracht, das gehörte zur Standardausrüstung bei der Veranstaltung Ost-Rock Klassik.

...und ein älterer dicker Herr kann mit dem Energiebündel von damals nicht mithalten.

Was willst auch machen gegen die Biologie?

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 19:28
@Rapanui
>>>Jetzt frag ich doch mal: Was ist "gniedeln"?<<<

Oben das Video Silly: "Alles Rot" ab 07:45 min bis Schluss.


Ach so, gniedeln heißt so viel wie jimi-hendrixen?


Ciao
Wolfram
Rapanui schrieb am 30.12.2011 um 11:50
@ Wolfram Heinrich

>>>Was willst auch machen gegen die Biologie?<<<

Auf einem Klassentreffen hörte ich von zwei Mädels, die seinerzeit zwischen Smokie und Led Zeppelin schwooften, dass sie jetzt immer zu den Puhdys auf den Hutberg nach Kamenz ziehen und Wunderkerzen schwenken.

Es wäre seinerzeit völlig undenkbar gewesen auch nur einen anerkennenden Satz über diese Truppe zu verlieren. Das war die Staatsrockband. Stefan Diestelmann hat diesem Umstand in "Hof vom Prenzlauer Berg" verewigt.

www.sonymusic.de/Stefan-Diestelmann/Folk-Blues-Best/P/107148

www.lyrics85.com/STEFAN-DIESTELMANN-HOF-VOM-PRENZLAUER-BERG-LYRICS/294375/

"Und ich komm' in unser Haus rein und da stinkst fürchterlich
Und ich komm' in unser Haus rein und da stinkst fürchterlich
Da liegt hinter der Tür so 'n Haufen und der riecht nur nach sich
Und im Hinterhaus singt einer besoffen, falsch und träge
Und im Hinterhaus singt einer besoffen, falsch und träge
Und der singt so 'n Song von den PUHDYS "Geh' dem Wind nicht aus dem Wege"
'n Haufen Leute, 'n Haufen Leute machen Krach jede Nacht
Yeah, 'n Haufen Leute, 'n Haufen Leute machen Krach jede Nacht
Und die Diegners haben 's auch am off'nen Fenster gemacht"

Also, diese Mädels gehen jetzt zu den Puhdys und ich frage mich, was da passiert sein muss.

Das mit der "Biologie" liefert eine hinreichende Erklärung auch fürs Publikum.
Rapanui schrieb am 30.12.2011 um 11:56
@ Wolfram Heinrich

>>>Ach so, gniedeln heißt so viel wie jimi-hendrixen?<<<

Der Jimi hat sich ja das Gniedeln ausgedacht und gerade bei dem hier aufgeführten Werk zu einem Mittel stilisiert. Davon ist das zeitgenössische moderne Gniedeln weit entfernt. Zeitgenössische Gniedler betreiben ihr Handwerk erwerbsmäßig.

Das haben sie mit den zeitgenössischen modernen Jodlern gemein.
goedzak schrieb am 30.12.2011 um 13:08
Ich habe mir am Heiligen Abend zum Baum putzen mal wieder die ganze Woodstock-Session von JH angehört, schön laut. Das ist kein Gegniedel, das ist 'Noise', das putzt die Ohren und den Raum dazwischen. :)

"Also, diese Mädels gehen jetzt zu den Puhdys und ich frage mich, was da passiert sein muss." - Bei jeder (und jedem), die/der in der Jugend in der Lage war, unterschiedslos Smokie und Led Zeppelin zu mögen, waren schon damals alle Messen gesungen.
Rapanui schrieb am 30.12.2011 um 13:48
@ goedzak schrieb am 30.12.2011 um 13:08

Gönnse mir doch ochmal 'nstich.

Natürlich gniedelt der JH nicht, aber die äußere Form dieser Art die Laute zu schlagen, wird ohne den inneren Gehalt bei JH zu verstehen, massenhaft nachgeäfft.

Wäre das ein guter Abschluss?

Eric Clapton - While my guitar gently weeps

goedzak schrieb am 31.12.2011 um 15:10
Das war ja gar nicht polemisch gemeint, sollte nur eine 'Erläuterung' zum Begriff des Gniedelns, gerichtet an Wolfram, sein. - Rapanui macht ne Menge Stiche, finde ich. :)
Auf ein stichhaltiges Jahr 2012!
Wolfram Heinrich schrieb am 31.12.2011 um 21:19
@Rapanui
Das mit der "Biologie" liefert eine hinreichende Erklärung auch fürs Publikum.

Ich bitte doch um ein wenig mehr Nachsicht für uns ältere Herrschaften. Ich mache zwar spontan immer noch diese sinnlosen Tänzel- und Ausfallschritte, die für Achtjährige so typisch sind. Auf einer Bühne, käme ich denn auf eine solche, würde ich sie aber nicht machen, sie würden wohl lächerlich wirken.
Ich bin ein alter Sack, hier schlurfe ich, ich könnt auch anders (noch).

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 31.12.2011 um 21:20
@Rapanui
>>>Ach so, gniedeln heißt so viel wie jimi-hendrixen?<<<

Der Jimi hat sich ja das Gniedeln ausgedacht und gerade bei dem hier aufgeführten Werk zu einem Mittel stilisiert. Davon ist das zeitgenössische moderne Gniedeln weit entfernt. Zeitgenössische Gniedler betreiben ihr Handwerk erwerbsmäßig.


Verstehe ich das so richtig: Gniedeln ist Jimi-Hendrixen ohne Sinn & Verstand?

Ciao
Wolfram
goedzak schrieb am 01.01.2012 um 14:42
Gniedeln ist Manierismus.
Wolfram Heinrich schrieb am 01.01.2012 um 15:21
@goedzak
Gniedeln ist Manierismus.

Alles klar, man dankt.
Nur, Meister, sagt an: Woher kommt das Wort "gniedeln".

Ciao
Wolfram
goedzak schrieb am 01.01.2012 um 15:48
Das habe ich gerade versucht, herauszufinden. Aber leider hat mich eine Institution enttäuscht, auf die immer Verlass war: der 'Grimm'!

Aber hier steht was:

www.wiktionary.org/wiki/gniedeln
goedzak schrieb am 01.01.2012 um 16:45
Kleiner Dialog im 'Rolling Sone'-Forum:

- Könntest Du mir bitte erklären, was gniedeln ist?????

- Gniedeln=mehr Noten spielen als die Ohren vertragen können...

- Umgangssprachlich auch gerne (und zurecht!) als Griffbrettwichsen bezeichnet.
miauxx schrieb am 22.12.2011 um 21:04
Auch von mir: Gern gelesen.
Stimmungsvolle Reisebeschreibung durch dichte Erinnerungsszenarien.

Ich bin ja noch ein bissel jünger; die DDR schied dahin, als Rockkonzertbesuche, NVA usw. mich noch nicht ereilt hatten. Vieles von dem, was Du beschreibst kann ich aber trotzdem sehr gut nachvollziehen.
Zumindest der Geruch, der von der alternativen DDR-Rockszene ausging, die Namen (irgendwann gab's ja auch die Amiga-Reihe "Die anderen Bands"), die Konzerte in den Dorfkneipen oder auch auf Burganlagen, wohin diese komischen Menschen in grünen Parkas, hautengen Jeans und Klettis strömten, waren mir schon bekannt. Näher kennengelernt habe ich diese Bands aber erst nach der Wende.

Vor vielleicht 2 Jahren war ich auf einem Konzert von Sandow - die sich ja kurz vor der Jahrtausendwende auch schon mal aufgelöst hatten - und sah dort zu meinen Erstaunen auch ein paar Besucher von höchstens 20 Jahren Alter!
Rapanui schrieb am 23.12.2011 um 12:00
>>>Zumindest der Geruch, der von der alternativen DDR-Rockszene ausging<<<

Pankow war keine "alternative Rockszene", die waren nicht irgendwo am Rand, sondern das war, so weit man in der DDR davon sprechen konnte, eine der großen Bands.

Die waren nicht mehr einfach so abzuschalten und zu marginalisieren - das machte Pankow so wirksam. Deshalb ist der "Fall Ehle" eben auch nicht so einfach abzuhandeln. Ehle war wichtig, um Pankow genau in diese Position zu bringen.

Das wird in ein "Hubertus-Knabe-Hirn" nie niemals hineinpassen. Diese "Pankow Connection" ist für das Verständnis der späten DDR sehr anschaulich. Deshalb wäre es eben so interessant zu erfahren, wie Ehle und Herzberg ihre Angelegenheiten geklärt haben.
archinaut schrieb am 23.12.2011 um 03:20
Lehrreich und bekömmlich ;-))
Magda schrieb am 23.12.2011 um 11:19


Ich bin auch sehr musikalisch und wünsche Frohes Weihnachtsfest.

Tourneeanfragen bitte an mein 1-Euro-Klavier.
miauxx schrieb am 23.12.2011 um 12:19
Zu zwei Händen auf dem engen Raum - das hat schon was artistisches! :-)

Frohe Weihnachten!
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:14
@Magda
Tourneeanfragen bitte an mein 1-Euro-Klavier.

Ich frag mich ja, ob der Rubinstein das auf diesem Klavier besser hinbekommen hätte.

Ciao
Wolfram
kay.kloetzer schrieb am 23.12.2011 um 17:09
vielen dank für dieses wunderbare geschenk! und nun: friedliche weihnachten (dann bald).
herzliche grüße
kk
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 15:31
Schon wieder vorbei - Weihnachten, meine ich. Ich werde jetzt die Kerzen am Baum kontrolliert runterbrennen lassen, einen Kaffee dabei schlürfend. Danach wird er abgetakelt und dann am Baumabwurfplatz um die Ecke der erste sein... :)
Popkontext schrieb am 23.12.2011 um 17:43
Zu den Ostbands hatte ich ja nie den Bezug - außer dass City mal bei uns im Club gespielt haben und ich, zufällig reingeraten, es nicht ganz so Scheiße fand wie erwartet.

Einen deutlich innigeren Bezug habe ich allerdings zur von Dir hier erwähnten Leipziger Mitropa. Hier kurz nach der Wende, im Januar 1991 glaube ich - heimlich aufgenommen mit einer auf dem Tisch unaffällig abgelegten Kamera. Das waren, glaube ich, alles Leute, die da zu Hause waren wie in ihrer Stammkneipe, nicht auf der Durchreise. Ich hatte da jedenfalls das Gefühl es kommt nicht so gut, sie offen zu fotografieren. Und ein interessantes soziologisches Phänomen, was ich leider dann nicht weiter verfolgt habe.
Leipzig Hauptbahnhof 1991

Danke für den schönen Text und schöne Feiertage!
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 15:33
Mit diesem Foto hast Du mir eine Freude gemacht, Danke! Genau so habe ich den Ort in Erinnerung.

Ich hätte ja noch einen verspäteten Weihnachtswunsch: dieses Foto in einer etwas höheren Auflösung?!!?
Popkontext schrieb am 27.12.2011 um 15:42
Habe ich leider nur von einem alten Abzug notdürftig eingescannt, also mit ein paar Staubkörnern und nicht so riesig aufgelöst. Dafür aber extra für dich (wirklich!)...Schick ich dir.
Popkontext schrieb am 27.12.2011 um 15:49
Oh sehe gerade, dass ich es sogar mit der größten Auflösung, die ich habe, hochgeladen habe. Also einfach draufklicken (ggf. "Grafik anzeigen") und runterladen, oder hier (da auch draufklicken und "groß" anwählen): www.flickr.com/photos/popkontext/6559770207/in/photostream
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 15:57
Vielen Dank, jetzt hab ich's! :))
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:15
@Popkontext
Einen deutlich innigeren Bezug habe ich allerdings zur von Dir hier erwähnten Leipziger Mitropa. Hier kurz nach der Wende, im Januar 1991 glaube ich - heimlich aufgenommen mit einer auf dem Tisch unauffällig abgelegten Kamera. Das waren, glaube ich, alles Leute, die da zu Hause waren wie in ihrer Stammkneipe, nicht auf der Durchreise. Ich hatte da jedenfalls das Gefühl es kommt nicht so gut, sie offen zu fotografieren.

Herausgekommen ist jedenfalls ein Foto, das jedem Fotoband höchste Ehre machen würde. Das ist kein Kompliment, ich mein das so.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:16
@goedzak
Ich hätte ja noch einen verspäteten Weihnachtswunsch: dieses Foto in einer etwas höheren Auflösung?!!?

Bild rechts anklicken, "Bild anzeigen" wählen und dann auf volle Größe schalten. Das Bild hat bereits ein riesiges Format.

Ciao
Wolfram
Popkontext schrieb am 29.12.2011 um 16:02
@Wolfgang
ja, ich mag das Bild auch sehr gern, deshalb fiel es mir auch gleihc ein, als ich goedzaks Text las. Leider sind aufgrund der Aufnahmesituation die Leute nicht scharf genug, um sie herauszuvergrößern: Sie paffende Omi mit ihrem Hut auf, damit die Dauerwelle nicht durcheinander kommt und der mampfende Typ mit seinen über die Glatze gekämmten Haaren sind ein Bild für die Götter, und auch ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Popkontext schrieb am 29.12.2011 um 16:05
...Wolfram, Wolfram, Wolfram - bitte um Gnade ;)...
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 21:59
@Popkontext
ja, ich mag das Bild auch sehr gern, deshalb fiel es mir auch gleihc ein, als ich goedzaks Text las. Leider sind aufgrund der Aufnahmesituation die Leute nicht scharf genug, um sie herauszuvergrößern

Scheiß auf die Schärfe. Gute Bilder unterscheiden sich doch nicht von schlechten Bildern durch die Schärfe (oder meinetwegen auch die Belichtung). Gute Bilder haben einen gewissen Pfiff (was immer das genau ist), schlechte Bilder haben den nicht. Und dein Bild hat Pfiff. Die Oma und der (Fast-)Glatzkopf wirken erst so richtig durch die Kombination der Beiden, und durch ihren Platz in der Gesamtkomposition. Es ist mir schon klar, daß bei der Aufnahmesituation, die du geschildert hast, die Bildkomposition nicht gesteuert, geschweige ausgezirkelt war. Aber so geht's manchmal, der Zufall hilft mit. Als Fotomaterial und Entwicklung noch teuer war, haben Profi-Fotografen mit dem Material gesaut, sie haben x Bilder von einem Motiv geschossen und eines davon war genau das Richtige.
Den guten Fotografen macht aus, daß er das richtige Bild erkennt, daß er auch noch ein Gespür dafür hat, wieviel Millimeter er von welchem Rand wegschneiden muß, daß das Bild dann auch wirklich stimmt.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 22:00
@Popkontext
...Wolfram, Wolfram, Wolfram - bitte um Gnade ;)...

Da bist du grade so mal an einer verschärften Rüge mit Schmackes und Mayo vorbeigeschrammt.

Ciao
Wolfram
mcmac schrieb am 23.12.2011 um 18:46
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!
… И ещо раз, за родинў: An der Decke/ hängt 'ne Motte...
goedzak schrieb am 23.12.2011 um 19:02
:))

na klar, denkt sie / die nenn' ich lotte...

Und wenn wir schon bei Graffitis auf T-34-Panzern sind: Sagt Dir 'Rudy 102' etwas?
mcmac schrieb am 24.12.2011 um 02:38
Nee, leider nicht. -Das ist aber kein Grund, nicht weiter zu fragen/suchen.

Ol' Keef ist beileibe lange nicht so elegant, wie Ol' Juergen; die beiden Riff-Haie gegeneinander auszuspielen (was Du definitiv NICHT getan hast; eher das Gegenteil) wird weder dem einen noch dem anderen gerecht.

...Manno, ist das ein schöner Beitrag...
Danke nochmal.
mcmac schrieb am 24.12.2011 um 02:51
2 - was:

1



2



lg bis hierhin
mcmac schrieb am 24.12.2011 um 03:23
Ein Noch-Was:

Einer gniedelt ebenfalls nicht, weil 'dafour' letztlich keiner so richtig gniedeln mochte, wenn sie/er ernst genommen wollen ...

...Etwas älteres Gegniedel ;-))

Rapanui schrieb am 24.12.2011 um 10:24
@ goedzak schrieb am 23.12.2011 um 19:02

>>> Sagt Dir 'Rudy 102' etwas?<<<

Klar, das war der Dienstwagen von Janek, Olgierd, Grigorij und Gustlik.
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 13:42
Gegeneinander ausspielen wäre natürlich Blödsinn. Die Anspielung ging an die, die immer diese klischeehaften Vergleiche anstellen, wenn sie über z.B. einen Gitarristen schreiben, zumal einen ostdeutschen. Pankow wären die "Stones des Ostens" gewesen, herrje!

Du hast gute Clips ausgesucht! Danke! Der Mitschnitt von 'Gib mir 'n Zeichen' trifft es ganz gut, auch wenn dieser Tourneestart-Ausschnitt noch etwas müde klingt.

"Rudy 102" steht auf einem T-34-Panzer aus der polnischen 60er-Jahre-Fernsehserie "Vier Panzersoldaten und ein Hund", die im 2. WK handelt, Rapanui kennt sie auch... :)
weinsztein schrieb am 24.12.2011 um 03:54
Leider erst jetzt gelesen und das sehr gern.
Das ist echtes goedzak.
Da traut man sich ja kaum noch, selbst zu bloggen, hier.

Danke, Dir auch ein köstliches Neues Jahr!
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 13:36
"Da traut man sich ja kaum noch, selbst zu bloggen, hier." - Das Gegenteil sollte der Effekt sein: Anregung! :)

Wer so entspannt übers Kochen und z.B. Barbierbesuche schreiben kann, sollte das auf weitere Themen ausdehnen!!!
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 01:07
... außerdem die Nase voll von Karat und den Puhdys.

Von Karat kenne ich nur das Lied mit den Sieben Brücken. Und da muß ich sagen: Donnerwetter! Der Text ist eine echte Herausforderung an jeden Zensor.
"Über sieben Brücken mußt Du gehen
Sieben dunkle Jahre überstehen
Sieben mal wirst Du die Asche sein
Aber einmal auch der helle Schein"
Bedeutet der Text jetzt was oder eher nicht? Und falls ja, ist der Text staatsfeindlich? Und wenn ja, wieso?

...und sogar den Einsatz von Tieren beim Militär.

Und nun rätsele ich, inwieweit Wildschweine militärdiensttauglich sind.

Ciao
Wolfram
goedzak schrieb am 29.12.2011 um 10:11
Wolfram, die Frage nach der 'richtigen' Interpretation des Karattextes kann wahrscheinlich Peter Maffay am besten beantworten. Der hat doch mit seiner Cover-Version auch zum Fall der Mauer beigetragen. :)

Wenn ich mich recht erinnere, wurde in der Ausstellung mittgeteilt, dass zu vorindustrieller Militärzeit lebende Tiere als Verpflegungsvorrat auf den Feldzügen mitgeführt wurden - wahrscheinlich in den dünn besiedelten Gebieten, wo es nix zu plündern gab...
luzieh.fair schrieb am 29.12.2011 um 10:28
"Der hat doch mit seiner Cover-Version auch zum Fall der Mauer beigetragen"

Ich dachte, das sei der hier gewesen:-) :

goedzak schrieb am 29.12.2011 um 16:28
Klar, der! Aber Maffay auch, der ist nur zu bescheiden, drüber zu reden! :))
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 19:29
@goedzak
Wolfram, die Frage nach der 'richtigen' Interpretation des Karattextes kann wahrscheinlich Peter Maffay am besten beantworten. Der hat doch mit seiner Cover-Version auch zum Fall der Mauer beigetragen. :)

Ach, der auch? So viele Helden...

Ciao
Wolfram
Streifzug schrieb am 29.12.2011 um 13:16
Beziehungskram und Kriegsmuseum, nett :)
goedzak schrieb am 29.12.2011 um 16:27
"Nett" und harmlos - ist nun mal meine Art. So böse und gefährlich wie Du würde ich gerne, ist mir aber nicht gegeben.
Streifzug schrieb am 29.12.2011 um 16:35
[das "nett" mit :) bezieht sich auf deine Kombination von Beziehungskram mit Kriegsmuseum ...]
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.12.2011 um 15:33
Lieber goedzak,

einfach einmal schlendern durch die vielen Blogs!
Nun bin ich am Ende des Jahres auch auf Ihren gestoßen und finde ihn wunderbar.

Alles Liebe und Gute auch für Sie und Greta

Ihre
HN

www.youtube.com/watch?v=xv8HH1RObIs
goedzak schrieb am 29.12.2011 um 16:25
Danke und gute Wünsche zurück!

Das 'Schlendern' gönne ich mir auch ab und zu. Vor allem ist es interessant, was vor Monaten oder gar 1 oder 2 Jahren hier so an Blogtexten veröffentlicht wurde.

Ein Lese-Tip: die Texte von 'outnumber', "zuletzt aktiv vor 721 Tagen"

www.freitag.de/community/blogs/outnumber

Es gab hier auch schon Streit darüber, ob sog. 'persönliche' Texte in diesem Forum angebracht seien oder nicht. Ich vermisse den Ton, den outnumber in den FC-Blog einbrachte.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.12.2011 um 17:09
"Es gab hier auch schon Streit darüber, ob sog. 'persönliche' Texte in diesem Forum angebracht seien oder nicht. Ich vermisse den Ton, den outnumber in den FC-Blog einbrachte."

LIeber Goedz@k,

wer immer das auch ist, warum sollte der /die Sie stören?
Ich habe mir ein paar Texte des von Ihnen geschätzten "outnumber" durchgelesen.
Schade, das er das Handtuch geworfen hat! Ich finde nicht, dass das nötig war. Er hatte viele positive Kommentare. Also, um was geht es?

Es ist unmöglich, allen gefallen zu wollen!

Ihre
HN
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.12.2011 um 17:10
dass
Wolfram Heinrich schrieb am 29.12.2011 um 22:02
@goedzak
Es gab hier auch schon Streit darüber, ob sog. 'persönliche' Texte in diesem Forum angebracht seien oder nicht.

Wenn persönliche Texte darin bestehen, daß einer schildert, daß er heute morgen beim Scheißen war und die Exkremente ein bißchen lockerer waren als gestern, dann ist auf so einen Beitrag geschissen. Natürlich. Wenn er allerdings, an diese Schilderung anknüpfend, eine gescheite Schilderung der Welt, wie sie ist und sein könnte, anhängt, dann... Nur zu.
Ich erinnere an die Meister des Wiener Feuilletons, die es geschafft haben, aus Banalitäten Kunstwerke zu zaubern.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.12.2011 um 22:39
@ Wolfram

„Bei jeder Lektüre antwortet der Lesende mit seiner bewussten oder unbewussten Biografie auf das, was er liest.“ Dieser scheinbar banale Satz von Robert Walser trifft es doch. Es wäre dann zu fragen, warum jemand etwas höchst Subjektives nicht erträgt.

Ach, wärst Du doch nicht immer so brachial – aber Recht hast Du schon. Von Wittgenstein stammt so ein Satz über das Private oder das Persönlichste, das dann langweilig sei, wenn es nicht ins Allgemeine gewendet werde. (Kann auch mein Satz sein!)

Mir ist übrigens aufgefallen, dass Menschen, die peinlichst vermeiden, über sich persönlich zu reden, es nicht können, oft nicht noch nicht begriffen haben, dass das eigene Elend auch das der anderen ist. Auch banal, aber davon lebt die Psychotherapie, der Beichtstuhl, das geistliche Gespräch etc.

"Ach", da trage ich nur Eulen nach Athen – auch wenn Du eher für die Verkehrssünder zuständig bist.

Salut
Helena
Wolfram Heinrich schrieb am 31.12.2011 um 14:49
@Helena Neumann
„Bei jeder Lektüre antwortet der Lesende mit seiner bewussten oder unbewussten Biografie auf das, was er liest.“ Dieser scheinbar banale Satz von Robert Walser trifft es doch.

Er trifft es, in der Tat, und mir erscheint der Satz auch oberflächlich gelesen nicht als banal. Bei jeder Lektüre, bei jedem Gespräch treffen immer zwei Hirne zusammen und es ergibt sich etwas Drittes. Ich habe mit zwanzig Bücher gelesen, die mir am Arsch vorbeigegangen sind, ich habe dieselben Bücher zwanzig, dreißig Jahre später nochmal gelesen und sie haben mir einen geistigen Gewinn gebracht. Und umgekehrt.

Es wäre dann zu fragen, warum jemand etwas höchst Subjektives nicht erträgt.

Bei der MPU interessiert sich der fragende Psychologe sehr stark für die Vergangenheit seines Klienten, obwohl es eigentlich um dessen Zukunft geht. Das Interesse an der Vergangenheit rührt daher, weil die Erfahrung lehrt, daß eine andere Zukunft nur dann stabil sein kann, wenn die Vergangenheit erkannt ist.
Konkret: Wer etwa ein massives Alkoholproblem hat und immer noch in diesem Problem steckt (mag er auch derzeit gerade - wegen der Leberwerte und der MPU - eine Trinkpause eingelegt haben), der neigt dazu, dieses Problem vor sich selber zu verniedlichen. Ich bin (noch) zu schwach, das Problem zu lösen, also gibt es das Problem nicht.
Was ich sagen will: Wer Subjektives nicht erträgt, der hat Angst davor. In den höchstpersönlichen Problemen anderer Leute erkenne ich nämlich immer auch meine eigenen. Das ist brisant. Der Indio am Amazonas, die Negerin am Kongo mag , im Vergleich zu meinen, so unterschiedliche Lebensbedingungen wie nur immer haben, letztlich sind es die gleichen. Der Indio weint aus denselben Gründen wie ich, die Negerin lacht aus dem selben Grund wie ich.

Ach, wärst Du doch nicht immer so brachial

Mit "brachial" meinst du vermutlich meine gelegentlich derbe Ausdrucksweise. Nun, ich bin vom Lande, ich bin der Sohn eines Metzgers, aufgewachsen mit den Kindern von Schreinern und Maurern. Auf dem Gymnasium habe ich gelernt, Wolfram von Eschenbach und Kant als meinesgleichen zu erkennen, ich kann, wenn ich denn will, klugschwätzen, daß es dir die Tränen in die Augen treibt, aber ich bin auch immer noch der grobe Lackl von seinerzeit. Ich kann dir edle Sätze ins Ohr flöten und ich kann dich mit entsetzlichen Grobheiten zum Erröten bringen.
Alles hat seine Zeit, das Edle hat seine und auch das Grobe.
" IOKASTE In diesem unsachlichen Ton rede ich nicht weiter mit dir.
ÖDIPUS Was ist unsachlich daran, einen groben Sachverhalt mit groben Worten zu beschreiben? Wenn das Zeug - in kleinste Portionen zerlegt - auf dem Untersuchungstisch eines Arztes liegt, dann nenn' es meinetwegen 'Exkremente'. Im Fluß unten, aus dem die ganze Stadt trinkt, schwimmen keine 'Exkremente', sondern 'Scheiße'; frische oder halbzersetzte, jedenfalls aber: stinkende Scheiße. Jede andere Bezeichnung dafür ist unsachlich.
"

Von Wittgenstein stammt so ein Satz über das Private oder das Persönlichste, das dann langweilig sei, wenn es nicht ins Allgemeine gewendet werde. (Kann auch mein Satz sein!)

Den Satz von Wittgenstein kannte ich bislang nicht, aber das könnte auch mein Satz sein. Das heißt, ich würde ihn so präzisieren (er verliert dadurch an Knackigkeit): Das Persönlichste, nicht in ins Allgemeine gewendet, ist dann nicht langweilig, solange ich es nur für mich und meine engste Umgebung niederschreibe. Veröffentliche ich dagegen diese Gedanken, so muß ich eine Verbindung zum Allgemeinen herstellen, ansonsten wäre mein Text eine Frechheit oder (gedankenlose) Lyrik.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass Menschen, die peinlichst vermeiden, über sich persönlich zu reden, es nicht können, oft nicht noch nicht begriffen haben, dass das eigene Elend auch das der anderen ist. Auch banal, aber davon lebt die Psychotherapie, der Beichtstuhl, das geistliche Gespräch etc.

In der Tat, es ist der Psychotherapeut und der Pfarrer (im Idealfall ist der Psychotherapeut immer auch tröstender Geistlicher - und umgekehrt) einer, der den Bedrängten dazu verführt, endlich einmal über sich zu sprechen. Konkrete Ratschläge können beide nur sehr bedingt geben. Was sie beide können ist, zuzuhören und zum Weitersprechen zu ermuntern. Sie sind beide im Idealfall platonische Hebammen, welche die Lösung, die der Leidende in sich trägt, zur Welt bringen.
Es gibt Untersuchungen über die Wirksamkeit der verschiedenen Psychotherapie-Schulen. Das Ergebnis ist: Es ist belanglos, ob ein Therapeut psychoanalytisch vorgeht, nach der Humanistischen Gesprächstherapie oder nach was immer - entscheidend ist die Persönlichkeit des Therapeuten, bzw. der Rapport (im Sinne von Gleichklang der Seelen) zwischen Therapeut und Klient.

Ciao
Wolfram
goedzak schrieb am 31.12.2011 um 15:26
Wolfram, Du bist ja fleißig bis zum Anschlag! :)
Ich weiß in diesem Moment gar nicht, wie ich bis nächstes Jahr wach bleiben soll.

Was den gelegentlichen Streit um die sog. 'persönlichen' Texte angeht, der hat(te) ja hier auch noch die Dimension der Frage: Kann das denn 'links' sein? - Will sagen, die Ablehnung hatte auch ideologische Gründe, bei anderen vielleicht auch narzistische, so nach dem Motto, ich schreibe hier immer den tiefschürfenden philosophischen oder politischen Kram, aber Erfolg haben die da mit ihren banalen Geschichtchen - oder so. Egal, zum Glück kann ja hier immer noch jeder sowohl posten als auch lesen, was er will.

@Helena
Was das hiesige Schicksal von outnumber angeht, das ist eine Geschichte persönlicher Verletzungen, Angriffe und/oder Missverständnisse, die aufzuwärmen grundverkehrt und überhaupt, weil sehr subjektiv, fragwürdig wäre.
Wolfram Heinrich schrieb am 31.12.2011 um 21:40
@goedzak
Will sagen, die Ablehnung hatte auch ideologische Gründe, bei anderen vielleicht auch narzistische, so nach dem Motto, ich schreibe hier immer den tiefschürfenden philosophischen oder politischen Kram, aber Erfolg haben die da mit ihren banalen Geschichtchen - oder so.

Ach Gott, erstens sind private Geschichten nicht notwendigerweise banal, Magda bringt da immer wieder mal dergleichen und dein Gniedel-Blog ist ja auch weiß Gott nicht ohne Verweis aufs Allgemeine.
Und wer mit tiefschürfendem Kram Aufmerksamkeit will, der muß die Leute zum Lesen verführen. Wir sind nicht an der Uni, wo der Student den Aufsatz seines Professors lesen muß, wenn er den Seminarschein bekommen will. Hier mußt du als Schreiber schon mal mit dem Arsch wackeln und das Dekollete tiefer legen, damit die versammelte Gemeinde auf deine schöne Seele aufmerksam wird.

Egal, zum Glück kann ja hier immer noch jeder sowohl posten als auch lesen, was er will.

Um ein Wort von Hemingway abzuwandeln: Das Handwerk des Lesens ist schnell erlernt, für die Kunst des Nicht-Lesens braucht es dagegen viele, viele Jahre.

Ciao
Wolfram
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