Teil 1
Dr. Leonard Novy [Fellow mit Thema Gesellschaft, Projekt Public Leadership, Leiter des Bereichs Gesprächsformate der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktionen GmbH (Verlagsgruppe Holtzbrinck), ehemals Leiter zweier Projekte zur Strategie- und Steuerungsfähigkeit der Politik bei der Bertelsmann Stiftung. Novy mag e's, e-democracy, e-governance, e-partizipation, e-ssembly, e-learning, ergo jene bürgernahen Demokratiebeschleuniger, die auch von der Gütersloher Krake propagiert werden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dominic Schwickert beschönigt Novy die Potentiale des Web 2.o:
" Theoretisch demokratisiert das Internet mit seinen horizontalen Strukturen das Agenda Setting, könnte sich also zu einem Schauplatz politischer Willensbildung und Auseinandersetzung entwickeln, von dem wichtige Impulse für anstehende Entscheidungen ausgehen. Auf der anderen Seite fndet die kritische Öffentlichkeit über das Internet Möglichkeiten, Transparenz politischer Prozesse sowie politische Kommunikation und Beteiligung einzufordern."
Damit die horizontalen Strukturen nicht völlig ungschützt dem freien Spiel des Cyberspaces ausgesetzt sind, wirft die Bertelsmann-Tochter Arvato gelegentlich ein Auge auf die Netzgemeinde:
" München (ots) - arvato online services, Full-Service-Dienstleister für Online-Marketing und Loyalty-Services, hat sein Portfolio um Social Media Monitoring erweitert. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, relevante Foren, Blogs und Communities zu beobachten und die Darstellung des eigenen Portfolios und Images im Netz zu überwachen. Bei negativen Ergebnissen berät arvato online services seine Kunden bei der Entwicklung von zielgruppengenauen Marketing-Aktionen, die zu einer Verbesserung des Images beitragen."
Jens Witteck [Associate mit Thema Sicherheit,Projekt Cybersecurity, Arbeitgeber:EADS Deutschland/Cassadian, früher Offizier und Hubschrauberpilot im deutschen Heer und zwischen 2004 und 2007 in diversen Auslandseinsätzen in Afghanistan und Pakistan tätig]
Last but not least Dr. Karsten Ottenberg, Vize-Präsident der SNV, Vorsitzender der Geschäftsführung von Giesecke & Devrient. G&D ist ein Technologiekonzern mit Sitz in München, der sich, ausgehend vom Banknoten- und Personalausweisdruck, auch zu einem Spezialisten für Chipkarten und Sicherheitslösungen entwickelt hat. G&D ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins Wissensfabrik-Unternehmen für Deutschland, der Bildungspartnerschaften mit Schulen und Kindergärten unterhält, die z.B. Grundschülern spielerisch (Gründung einer Orangensaftfirma) Elemente des Wirtschaftskreislaufs sowie grundlegende Begriffe der Betriebswirtschaftslehre vermittelt.
http://i55.tinypic.com/309setl.jpgQuelle:Wissensfabrik-Unternehmen für Deutschland
G&D ist zudem Mitglied in der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft e.V., deren neoliberale Interpretation des Sozialstaats jahrelang in den Talksshows des Öffentlich-Rechtlichen Kampagnenjournalsmus propagiert wurde:
" Ausgelöst durch die Krise befinden wir uns aktuell in einer neuen Systemdebatte.(...)Über viele Jahre haben wir uns deswegen mit einem im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Wachstum zufrieden geben müssen. Mehr denn je müssen wir in der Öffentlichkeit dafür werben, die Soziale Marktwirtschaft zu neuer Leistungskraft zu führen, sie von wachstumshemmendem Ballast zu befreien.(...)Deswegen fordern wir weniger Regulierung und mehr Flexibilisierung im Bereich des Kündigungsschutzes, bei befristeten Arbeitsverhältnissen, beim Einsatz von Zeitarbeit und bei Teilzeitverhältnissen. Nur auf diesem Wege werden wir mehr Menschen in Arbeit bekommen und ihnen damit selbstverantwortete gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Dies ist wahrhaft sozial."
G&D hält 79 % der Anteile an der secunet Security Networks AG, in dessen Aufsichtsrat Ottenberg und andere G&D Akteure sitzen. secunet und eine weitere G&D-Tochter, Giesecke & Devrient Egypt Ltd., waren bei der Produktion von Ausweisen und Chipkarten für Telekommunikation, Kartenzahlung, Industrie- und Regierungsanwendungen in Ägypten verantwortlich. Hierbei kooperierte die ägyptische Tochter von G&D mit dem Telekommunikationsunternehmen Orascom Telecom, dessen Vorstandsvorsitzender und Großaktionär Naguib Sawiris der reichsten Familie des Landes angehört, die dem Mubarak-Regime nahe stand. Sawiris vertraute bis zum Rücktritt Mubaraks auf dessen Vizepräsidenten und Geheimdienstchef Omar Suleiman, der in Programme zur Verschleppung von Terrorverdächtigen durch den US-Geheimdienst CIA involviert war. Die secunet Security Networks AG war darüberhinaus gemeinsam mit G&D Egypt Services Ltd. für die Errichtung der IT-Sicherheitsinfrastruktur in Ägypten verantwortlich. secunet präsentiert sich selbstbewußt auf der Rüstungsmesse IDEX und kümmert sich um den zunehmenden Bedarf am Schutz von kritischen Infrastrukturen und Informationssicherheit im arabischen Raum.
secunet, Gewinner des Big Brother Awards, Sicherheitspartner der BRD und Mitglied des eingetragenen Vereins ITSMIG profitiert überwiegend von Regierungsaufträgen (ELSTER, De-Mail,digitale Lesegeräte für elektronische Ausweisdokumente, SINA-Komponenten für Bundeswehr/ NATO und Internet-Provider):
" Die Förderung der IT-Sicherheit liegt im gemeinsamen Interesse und der beiderseitigen Verantwortung von Staat und Wirtschaft. Das Bundesministerium des Innern hat deshalb nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den Dialog mit Vertretern und Vertreterinnen aus der IT-Sicherheitsindustrie intensiviert. Für die Umsetzung ihrer Strategien zur IT-Sicherheit benötigt die Bundesregierung starke Partner in der Wirtschaft, zum Beispiel für die Herstellung geeigneter Produkte."
secunet wurde 1997, als Ausgliederung des RWTÜV Essen gegründet. Mit der Übernahme der amerikanischen Firma seculab Inc.(vorher TUViT Inc.) gelang secunet der Einstieg in den weltweit größten Markt für IT-Sicherheit . Seculab zählte unter anderem die IBM Tochter Tivoli Systems Inc. und Daimler Chrysler zu ihren Kunden. TUViT war eines der ersten unabhängigen, von der National Security Agency (US-Geheimdienst NSA) und dem National Institute of Standards and Technology (NIST) akkreditierten Common Criteria Evaluation Labore. „It is the first accredited both in this country and Europe. Products that meet the international Common Criteria for information technology security are given preference in U.S. government purchasing. By July next year, certification will be mandatory for all secure products bought by agencies.“ PR Newswire schrieb am 16.Oktober 2000:
„TUViT, Incorporated ( www.tuvit.net ), a provider of information technology (IT) security evaluation and consulting services, has been approved by the National Security Agency (NSA) and the National Institute of Standards and Technology (NIST) to perform security testing according to the Common Criteria (IEC/ISO 15408) scheme.“
Begleitet wurde dieser Prozeß von Robert Müller, der für Daimler, secunet, TUVit tätig war. 1999 diskutierte Müller mit Computer Experten und Geheimdienstlern über internationale Sicherheitsstandards im IT-Bereich und hielt in den USA einen Vortrag zum Thema „The European Directive on Privacy and its Implications to U.S. Companies“ . Wer www.tuvit.net aufruft landet beim TÜV NORD. Seit der Fusion von TÜV NORD und RWTÜV zur TÜV NORD Gruppe im Jahr 2004 gehört ein weiterer Dienstleister auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik zu dieser Gruppe: TÜViT. Zum Angebot der TÜViT gehört die Bewertung, Prüfung und Zertifizierung von IT-Prozessen, IT-Systemen und IT-Produkten, u.a. nach Common Criteria. Im Aufsichtsrat der TÜV Informationstechnik GmbH und der TÜV NORD sitzen Vorständler und Aufsichtsratmitglieder von secunet und Giesecke und Devrient, die sich selbstverständlich ihre eigenen Produkte von TÜViT zertifizieren lassen.
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Quelle:secunet Kundenzeitung
Im Behördenspiegel erläutert secunet-Chef Dr. Rainer Baumgart die Geschäftsgrundlage seiner Firma:
" Wikileaks und Stuxnet haben die IT Welt und die Medien in den letzten Monaten in Atem gehalten. Beide Ereignisse haben wieder einmal gezeigt, wie angreifbar unsere Gesellschaft und ihre Infrastrukturen sind. Gibt es überhaupt einen wirksamen Schutz oder sind wir Cyberattacken und den kriminellen Machenschaften von Hackern und Wirtschaftsspionen hilflos ausgesetzt ? (...) Ein kleines diplomatisches Gewitter, das die Wikileaks-Affäre verursachte, ist nichts im Vergleich zu den chaotischen Zuständen, die zum Beispiel eintreten würden, wenn ein Cyber-Angriff auf die Infrastrukturen in Deutschland die Wirtschaft und Gesellschaft lahmlegt. Und gerade jetzt ist die Gefahr groß, denn sowohl Wikileaks als auch Stuxnet werden ihre Nachahmer finden. "
In der gleichen Ausgabe wird verwiesen auf die Ausführungen von John Gill, dem Vizepräsident der IT-Firma 3iMind und ehemaligen Chief Security Officer im Weißen Haus, der zu Gast auf dem Europäischen Polizeikongress war:
" Gill stellte die Überwachungs-Lösung "Osint" vor, die u. a. Soziale Netzwerke, das frei verfügbare Internet aber auch Geheimdienstinformationen durchsucht. Osint könnte "Trends, Schablonen, Motivationen,Wörter" finden, die bei der Kriminalitäts-und Terroristenbekämpfung helfenkönnen."Das Internet ist das Spielfeld für die Kriminalität im 21.Jahrhundert", erläuterte Gill. Es müsse gelingen, dass die Ermittlungsbehörden den Kriminellen voraus sind. Viele Informationen stünden offen zur Verfügung, aber "es ist schier unmöglich das zu überschauen". Osint durchsuche über 230 Millionen Webseiten und alle sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook. Anders als offene Suchmaschinen, scannt Osint hierbei vor allem auch das"tiefe Web", also Chatroom, Foren und auch Passwortgeschützte Bereiche. Die Software verstehe auch semantische Unterschiede, so könne Osint erkennen, ob in einem Forum von dem Auto "C4" oder dem Sprengstoff die Rede ist."
Die beeindruckende Offenheit unseres ehemaligen Innenministers und aktuellen Kriegsministers Thomas De Maiziere auf der Europäischen Sicherheitskonferenz ISSE verdeutlicht den Stellenwert der Informations- und Kommunikationstechnologie im Kontext des Security Industrial Complex:
"Stellen Sie sich vor, es gäbe kein Internet. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Email-Kommunikation. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Mobil-Telefonie. Manche von den hier Anwesenden, meine Person eingeschlossen, würden sich dann in 1980er Jahre zurückversetzt fühlen. Wir hätten keine Viren- und Trojaner-Attacken, unsere Netze würden nicht durch Spam-Mails verstopft und im Restaurant würde ein schöner Abend mit Freunden nicht durch ständiges Mobiltelefon-Gebimmel unterbrochen werden. Andererseits gäbe es aber auch keine boomende Internet-Industrie, keine schnellen und unkomplizierten Kommunikationswege und auch der Abend mit den Freunden wäre vielleicht so spontan nicht zusammengekommen, weil eben diese nicht erreichbar gewesen wären."
Juerg Spörndli, 47, ehemaliger Mitarbeiter der IT-Sicherheitsfirma Crypto AG im Spiegel Artikel "Wer ist der befugte Vierte? Geheimdienste unterwandern den Schutz von Verschlüsselungsgeräten" :
"Am Anfang meiner Arbeit war ich idealistisch. Schnell begriff ich aber, daß es auch darum ging Big Brother USA die Möglichkeit zu geben, anderen Ländern über die Schulter schauen zu können."
http://i56.tinypic.com/14c5khx.jpghttp://i54.tinypic.com/24oumow.jpghttp://i56.tinypic.com/2w53fhu.jpghttp://i54.tinypic.com/jqhu3c.jpghttp://i56.tinypic.com/9ibrpj.jpgQuelle:Hacking Team
"Auch gegen Attacken in der virtuellen Computerwelt soll sich die Nato in Zukunft gemeinsam verteidigen. Laut einem Zeitungsbericht könne dann auch eine Cyber-Attacke den Bündnisfall auslösen."(FR)