Gold Star For Robot Boy

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27.01.2012 | 22:08

Symptomträger Wulff und die Partys der elitären Netzwerke

Symptomträger Wulff und die Partys der elitären Netzwerke

Riefe mich heute ein Meinungsmacheinstitut an und fragte, ob ich den Rücktritt des Bundespräsidenten befürworten würde, meine Antwort wäre "Nein". Nicht dass ich Wulff für ehrlich, integer oder rechtschaffen hielte oder ihm gar Symphatien entgegenbrächte. Nein, Wulff muss bleiben, weil sich ein schlechtes Vorbild, ein charakterloser Politiker, ein Gesetzesbrecher bestens als Mahnmal gegen eine rücksichtslose, egoistische zur Lobbykratie verkommenen Gesellschaftsordnung eignet und auf diesem leidvollen Wege möglicherweise Denkprozesse und Erkenntnisgewinne in Gang setzt. Zu Wulffs Verteidigung muss darüberhinaus festgestellt werden: der Christdemokrat ist lediglich Symptomträger. Er entstammt einer konservativ-katholisch geprägten Patchwork Familie und hatte eine "schwierige Kindheit", wie er persönlich bei seiner Selbstdemontage im ARD/ZDF-Interview erklärte. Wulff engagierte sich seit frühster Jugend für die Schüler Union und gehörte später dem Bundesvorstand der Jungen Union an. Hand aufs Herz, jeder erinnert sich an diesen Typus des reaktionären Polit-Nerds, der seine teenage kicks nicht bei der Rebellion gegen das Elternhaus, dem Kennenlernen des anderen Geschlechts, Selbstversuchen mit Alkohol, sondern der penetranten Indoktrination Gleichaltriger erlangte. Außenseiter, die schon schon im Teenageralter, gescheitelt, in Oberhemd und Rautenmusterpullunder mit dem Aktenkoffer zur Schule gingen und wie Gerhard Löwenthal redeten. Ob Wulff diesem Stereotyp entsprach mag spekulativ sein, der Ruf des Spießers eilte dem bekennenden Bananensafttrinker zweifelsohne voraus. Ein Juristensohn, der Jura studiert und eine Juristin heiratet. Standesgemäß, langweilig. Erst die Bekanntschaft seiner zweiten Frau brachte Schwung in Wulffs vorbestimmtes Leben. Ausgerechnet der Nestbau für die neue Herzensdame, die gemeinsamen Gratisurlaube in den Luxusresidenzen befreundeter Unternehmer garantieren dem ehemaligen Pro Christ Unterstützer seit 2 Monaten Negativschlagzeilen, Häme und schlechte Umfragewerte. Kaum im höchsten Amt des Staates angekommen wird es einsam um den Schnäppchenpräsidenten, der seit heute mit richterlicher Erlaubnis als Lügner bezeichnet werden darf. Dabei wollte er doch lediglich ein wenig Spaß, Luxus, Glamour im Kreise seiner Unternehmerfreunde und ihrer Unterstützer in Politik, Medien und Showbusiness. So wie am 17.11.2011 bei der Publishers' Night 2011 des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger in der Telekom-Repräsentanz in Berlin. Als er die Laudatio für den Kriegsverbrecher Henry Kissinger halten durfte. Helmut Markwort, Patricia Riekel, Carsten Maschmeyer waren auch da. Maria Furtwaengler amüsierte sich mit Kai Diekmann während ihr Mann Hubert Burda mit Henry Kissinger und Mathias Doepfner Konversation betrieb. Air Berlin war auch wieder da. Es gab Cocktails. Thomas De Maiziere warf sich in Pose. La Ferres und Maschmeyer wirkten zwischenzeitlich partymüde. Am Ende zückten alle ihre Handys und machten Schnappschüsse, damals im November 2011, ca. 4 Wochen bevor der Rubikon für Wulff überschritten war.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.01.2012 um 22:47
Hi Goldstar,

wieder präzise, informativ und interessant geschrieben. Aber: pardon, ich mag über Wulff erst wieder etwas lesen, wenn etwas Neues zutage gefördert wird.
Ist bei ihm ja ansonsten einfach das gleiche:
Diskrepanz zwischen Befund und Befinden aufgrund interessengeleiteter Definitionsmacht.

(PS: Die Fotos sind gut: Döpfner kann sich so teuer kleiden, wie er will, er kriegts einfach nicht gebacken, mal gut bzw. elegant angezogen zu sein, irgendwas passt bei ihm immer wieder nicht zusammen. Geschmack und Stil kann man sich eben nicht kaufen.)
cuchulainn schrieb am 27.01.2012 um 22:52
was müsste denn dr. döpfner machen, um "Geschmack und Stil" zu beweisen, also "elegant angezogen zu sein"?
Gold Star For Robot Boy schrieb am 27.01.2012 um 23:16
Danke Fr. Smilla, ich freue mich, dass die Fotos gefallen.

Neues Causa Wulff:
"Die niedersächsische Landesregierung unter dem früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff hat den umstrittenen Nord-Süd-Dialog stärker unterstützt als bislang bekannt. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB), die zu mehr als 50 Prozent dem Land gehört, beteiligte sich "Zeit Online" zufolge zweimal finanziell und direkt an der Ausrichtung der Lobby-Veranstaltung."
www.rp-online.de/politik/deutschland/bundespraesident/niedersachsens-landesregierung-erneut-unter-druck-1.2689191
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.01.2012 um 23:39
1. Ein Jacket mit längeren Ärmeln.
2. Ein Hemd mit kürzeren Ärmeln und dezenteren Manschetten, die auch bei Bewegungen wieder zurück in den Ärmel rutschen.
3. Nie wieder einen komplett beigefarbenen Anzug tragen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.01.2012 um 23:42
@Goldstar

Ja, ist was Neues.
Zum Schlapplachen ist doch dabei, dass Wulff noch nicht mal einen Nord-Süd-Dialog hinkriegt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.01.2012 um 22:29
Ist natürlich ironisch gemeint.
Achtermann schrieb am 28.01.2012 um 14:00
Man muss doch mal ab und zu einen Blick in die Regenbogenpresse werfen, um zu sehen, was die Gewählten in ihrer freien Zeit so treiben. Beim Arzt im Wartezimmer sitzend nehme ich die Gelegenheit wahr. Mir kommt beim Durchblättern dieser Postillen immer Hartz-IV in den Sinn. Sehen und gesehen werden. Darauf scheint es inzwischen auch dem einen oder anderen Politiker anzukommen. Homestories werden zum inszenierten Instrumentarium. Wulff ist ein klassischer Fall dieses Genres. Scharping war auch so einer. Es gibt noch mehr von ihnen...
poor on ruhr schrieb am 29.01.2012 um 19:37
Gutes Blog. Gerne gelesen, was die Wertung des Autors der vorhandenen Fakten betrifft.

Bekennender Bananensafttrinker und erster Repäsentant der

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