„Präsentiert die Klamotte!“, könnte der Befehl von Kosslick lauten.
Der rote Teppich lädt zur Positur, insbesondere die Weiblichkeit stellt sich quer, um in die Gazetten zu kommen. Das nackte Schulterblatt zittert am Mikrofon, zitiert, wie toll doch gerade Berlin und dieses Filmfest sei. Da spielt es keine Rolle, dass man sich jahrsüber in anderen Erdteilen rumtreibt.
Nach Mitternacht in 2 Jahren werden wir uns erinnern. Im TV-Programm der Länderanstalt X steht dann ein Streifen dieser Tage.
Immer mehr Kinos in unserer Nähe geben auf. Kurz vor Lichtspielschluss spult man noch die aktuellen Hollywood-Streifen runter, um wenigstens eine schwarze Null an die XXL-Kultur-Cola zu schreiben.
Zwar gibt sich der politische Ausschuss der Berlinale alle Mühe, die Lage in Iran oder China mit westlicher Einseitigkeit öffentlich zu hinterfragen, doch nur Eingeengte jener Länder haben eine Chance, den Kulturbetrieb des Westens zu nutzen.
Würde Solo Sunny heute noch singen, sie könnte nur noch in Randbezirken auftreten. Ai Weiwei dürfte unter anderen Umständen keine Bulettenbude in Berlin betreiben.
Es ist 5 nach 12! Viel Berlinale kommt bei uns nicht an. Aber wir haben ja 3SAT und später in 2 Jahren das Nachtprogramm.
Wir drehen unseren eigenen Film und reichen den bei der nächsten Provinzale ein. Einen roten Teppich wollen wir nicht, wir bleiben lieber im Hintergrund. Es mag ein geschäftsschädigender Nachteil sein, nicht zu sehen, um gesehen zu werden. Stille Post eben, mit stiller Kunst. Besser als jeder Kultur-Chauvinismus, absolut colafrei.
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=10.02.2012
Kultur : 23:65 Uhr – Es ist 5 nach 12
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