Wer verzapft hier eigentlich was?
Da analysiert der CCC verdächtige Dateien, die natürlich in ihrer Nutzbarkeit einen Trojaner darstellen. Schnell ist man bei dem Wort Bundestrojaner, dann mutiert das Wort zum Staatstrojaner.
Spiegel, Stern & Co machen daraus natürlich eine deutsche Geschichte. Das BKA wird unter Druck gesetzt. Jeder muss dazu was sagen.
„Hallo Herr Lehrer, ich weiß was!“
Politiker fordern Aufklärung. Auch hier in der Community wird ganz unseriös abgeschrieben, was der Skandal hergibt: „Bundestrojaner!“. Alle treffen sich im Troja Bistro und nuscheln kräftig mit.
Das Analysierte stammt also aus deutschen Behörden?
Niemand ist aber in der Lage, das CCC-Szenario zu hinterfragen. Vielleicht sollte manch gespiegelte und ungespiegelte Redaktion weniger in teure Digitalkameras http://kyf.net/freitag/img/troja.jpgund bunte Contentmaschinen investieren, sondern in ordentliche Analysewerkzeuge und nicht alles Digitale dem Ehrenamt im CCC überlassen.
Die Beurteilung kippt, der sogenannte „Bundestrojaner“ wird keiner sein. Das Teil ist ein übliches Produkt aus einer üblen Mithörzentrale.
All jene, die die Geschichte des Bundestrojaners nun weiter verfolgen, müssen sich fragen lassen, ob sie damit mehr dem BKA einen Gefallen tun. Letztendlich kann die Behörde sich in aller Ruhe zurücklehnen und nach Recht und Gesetz argumentieren, dass solcher Müll nicht aus dem Bundeshause kommt.
„Wir schnüffeln nur nach Vorlage!“
Der Bundestrojaner sitzt vor dem PC, als Journalist, als Politiker oder als Mitglied einer Community. Alle schreiben nur ab, wie ein schlechter Trojaner. Derweil wird der eigentliche Rücken in aller Ruhe frisch besattelt.
Fehlt nur noch eine Onlinepetition, um das Scheingefecht fortzusetzen und die Forderung nach dem Eurotrojaner, da wir ja Europäer sind.
Fakt ist, dem deutschen Normalo könnte man auch eine hoerzu.sys und eine senden.dll unterjubeln. Er würde erst reagieren, wenn es medial mit Schaum vor dem Mund im Zapfenstreich endet.
Abschreiben ist auch eine Art von Outsourcing. Ganz schön billig. Es lebe das BKA.
Das Statement vom CCC, „wir sind hocherfreut, daß sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung der Computerwanze keine fähiger Experte gewinnen ließ“, macht die Sache nicht besser. Freuen kann man sich darüber nicht, dass staatliche Stellen keine besseren Computerexperten bezahlen können, um Wirtschaftskriminalität und Spionage im und übers Internet bekämpfen zu können. Das wäre dann die eigentliche Aufgabe meines Landes.
Ich war schon immer der Meinung, dass man Virenprogrammierer nicht einsperren, sondern einstellen muss. Doch die Besoldungsgruppe und die Etikette gibt das wohl nicht her.
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=10.10.2011-2
Kultur : Ein medialer Zapfenstreich
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