Gustlik

Blog von Gustlik

24.07.2010 | 21:39

Emotionale Spaltung in D

Als die Nachrichten der Woche den Tod von Luis Corvalán melden, kommen verschüttete Emotionen aus den Ruinen der DDR hervor.

- luis -

Ein "Auferstanden aus Ruinen" lauert hinter der letzten Mauer. Salvador Allende und Victor Jara treten auch gleich noch auf den Platz, Salvador hält eine mitreisende überzeugende Rede und Victor Jara spielt auf seiner Gitarre ein Lied über Gerechtigkeit und ein Lied über Liebe. Revolutionen müssen die Liebenden mitnehmen, um sich der Zukunft zu widmen.

An anderer Stelle in D ist diese Nachricht nur eine Randnotiz, ein unemotionale Alltäglichkeit aus dem Ticker. Keine rote Briefmarke, kein Wort von Solidarität, kein rotes Lied, kein rotes Fest störte dort den Fortbestand von Sammelbild & Album. Man hat sich arrangiert und klebt schon lange am guten Geschmack von Nutella und Kinderschokolade. Augusto Pinochet hat freie Hand.

Geschichte lässt sich nicht vergleichen. Chile ist nicht Deutschland, deswegen hat diese SPD keinen Salvador Allende. Der deutsche Kommunist Luis würde sich finden und eine Unidad Popular unterstützen, ein Rot-Rot, ich auch. Das Gesprächsprotokoll beim Verfassungsschutz würde eine "Radikalisierung" der Positionen feststellen, die freie Presse würde vor "Radikalen" warnen.

Soweit wird es nicht kommen. Der Reichstag ist nicht die Moneda. Es ist nur ein Planspiel, dass sich auch Piloten finden würden, Bomben auf die gewählten Verfassten zu werfen. Es wird auch noch lange dauern, dass mir bei Worten von SPD-Gesellen ein Schauer über den Rücken läuft.

Die letzten Worte von Allende aus der brennenden Moneda in Santiago liegen mir noch im Ohr, ein Schauer, Emotionen bleiben.

Im Fenster steht ein rotes Paar. Luis und Salvador.

"Prost! Ihr Radikalen! Auf Chile!"

- rot rot -

 
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Kommentare
luggi schrieb am 24.07.2010 um 22:20
Hey Alter, da fehlt noch die Musik


Als die Freiheit frei wurde, hackte man ihr die Hände ab.

1973 (September) als Sozialisten und Kommunisten in Chile einig waren, da pfiff die Konterrevolution auf alles. Aber nicht auf Grausamkeiten. Nicht nur die usa waren an dem Putsch beteiligt.
Magda schrieb am 24.07.2010 um 22:25
Mir fiel auch so allerlei ein, als ich vom Tod Corvalans hörte. Wenn ich mich nicht irre, war es ein Handel mit der Sowjetunion, bei der er freigetauscht wurde gegen den sowjetischen Bürgerrechtler Bukowski.

"Geschichte lässt sich nicht vergleichen. Chile ist nicht Deutschland, deswegen hat diese SPD keinen Salvador Allende."

Ach es ist ja alles noch viel verquerer. Ich habe kürzlich einen Chilenen gehört, der verglich die chilenische Diktatur mit der DDR.

Ich erinnere mich noch, wie ein CDU Politiker namens Bruno Heck das Stadion von Santiago de Chile besuchte, in dem die Regimegegner alle eingesperrt waren und die Verhältnisse bei sonnigem Wetter erträglich fand. Jetzt habe ich nachgelesen, man habe all seine kritischen Worte ins Gegenteil verkehrt.

Ich denke auch noch an Lieder wie die Rose von Chile von Chris Doerk und an "Venceremos" von Inti Illimani. oder an ein Lied von Ernst Busch,das Corvalan gewidmet war .

Aber ich weiß auch, dass Corvalan in Moskau sehr unter Bewachung stand und von allen Seiten abgehört wurde.

Aber Chile war damals so ein Symbol. Die Unidad Popular eine Hoffnung.
Magda schrieb am 24.07.2010 um 22:27
Gustlik schrieb am 24.07.2010 um 22:32
Da ist dann der Schauer...

www.ciudadseva.com/textos/otros/sa-11sep.mp3

(Letzte Worte Allendes aus der Moneda.)

.Radio Magallanes .
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