Gustlik

Blog von Gustlik

14.09.2010 | 21:24

Lachtauben weinen nicht, auch nicht in Weissensee


Als Uwe Kockisch als Stahlwerker im Film den Sozialrealisten spielte und die Jugend des Landes an die Kinoleinwände beordert wurde, um sich einbilden zu lassen, hatte die DDR noch 10 Jährchen.
Im Radio gab es Notenbude, Beatkiste, Musikalische Luftfracht ... und Christine Dähn. Über Musik lässt sich streiten. Wir hatten aber wenigstens die besseren Texte, die, die unserer Lebenssituation und unserer "Blauen Stunde" entsprachen. Nun ist nicht jeder zum Antikommunisten geworden, der 1980 im Pionierlager von Groß Köris Punkmusik im RIAS gehört hat. Das entsprach zwar nicht "der Linie", ging aber nicht anders. Dem Gegenwärtigen muss man erklären, dass es damals noch kein Internet gab, man konnte also keine Musik per Stream hören, musste in Reichweite eines "Feindsenders" sein, um auf Mittelwelle oder Ultrakurzwelle der Westmusik zu lauschen.
Nun ist es für mich ein Witz der Geschichte, dass ein nicht ganz Linientreuer mir gerade 1980 zwischen den Bungalows eines Pionierlagers mitgeteilt hat, dass dieser Staat "DDR" es nicht mehr lange machen würde. Sein Spruch "Bald ist wieder Ramadan" hängt mir immer noch am Ohr. Der Ramadan begann damals in Polen.
Ich habe mich damals als Betreuungs- oder Küchenhelfer nicht beirren lassen und weiter in der Beatkiste gesessen. Im Alter von 17 Jahren hat man doch noch viele "Blaue Stunden" vor sich, eher die poetischen, die ich meine...

...
Die Pupillen
werden tief zur Märchenzeit
Träume stillen
sorgenvolle Klage
und alle Landschaft wird weit
...

[Berluc]

Uwe Kockisch ist bei der Stasi gelandet. Das kann ja nur Kockisch sein! Und Katrin Saß? So richtig schlau macht sie mich nicht, mehr. Letztens musste sie im WDR wieder betonen, dass doch überall die Stasigysis noch den Mund aufmachen. Man solle sich doch mal die schönen Städte im Osten, Görlitz... anschauen, jetzt! Frau Saß hat eine sehr einfache Argumentationslinie, einen Faden.
Passend oder zufällig kommt zur Ausstrahlung der 1. Folge "Weissensee" ein Buch in die Nachrichten und in den Handel, dass im Ost-Sport Doping ganz zielgerichtet betrieben wurde.
Nein, ich konnte Manfred Ewald auch nicht leiden. Aber Sport hatte 1980 trotzdem eine andere Stellung. Das war doch keine Randerscheinung im Stundenplan.

Ja, immer diese Reduziererei! Man kann die DDR so lange einkochen lassen bis Stasi und Doping übrigbleiben. Die passenden Brühwürfel gibt es dann gratis beim nächsten Journalistenfrühstück.

Nein, Katrin Saß hätte sich lieber in einen Silbernen Bären verwandeln sollen, der singt.
Ja doch, solche Politkader, Typen wie Kockisch, haben Jahre später die Uniform ganz schnell gewechselt, meistens.
Da war der Stahlwerker Uwe immer noch mit seiner VEB-Kluft unterwegs und später arbeitslos.

Und der Film, wie war denn der nun?

Ostberlin 1980. Irgendwie Soße mit Brühwürfel.
Nach 4 Minuten war man schon bei der Fluchtkonstruktion. Der 2. Polizist macht bei der Wagenkontrolle die Ehrenbezeigung mit Links. Frau Saß darf singen oder tut so.

Note nach DDR-Schulsystem: Drei-Minus für den MDR!

Heimat geht aber besser...



 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Magda schrieb am 14.09.2010 um 22:54
Ja, ist wie erwartet war. Autorin der Serie ist jene Dame, die auch "Die Frau vom Checkpoint Charly" verantwortet.

Konstruierte Geschichten und Konstellationen. Und in der Tat eingedamptt auf das, was heute übrig bleiben soll.

Ich guck mir das nicht weiter an. Es interessiert mich auch nicht mehr, wie Regina Ziegler, die die Serie wohl als eine Art "Drombusch mit Stasi" oder so erklärt hat, das umgesetzt hat.
Gustlik schrieb am 15.09.2010 um 07:10
Ich sicher auch nicht...
Wenn Katrin Saß doch noch das Singen lernen sollte, werpassen wir was.
Ludwig Hasselberg schrieb am 14.09.2010 um 23:10
Was bringt dich denn dazu anzunehmen, es könne hier überhaupt um Heimat gehen?
Gustlik schrieb am 15.09.2010 um 07:11
Wollte der Serie eine Chance geben...
Ludwig Hasselberg schrieb am 15.09.2010 um 09:51
All we are saying.. is give crap a chance? ;-)
mahung schrieb am 15.09.2010 um 00:23
"Ja, immer diese Reduziererei! Man kann die DDR so lange einkochen lassen bis Stasi und Doping übrigbleiben. Die passenden Brühwürfel gibt es dann gratis beim nächsten Journalistenfrühstück".

so schön gesagt. darf ich das in meine Zitatesammlung übernehmen?
Gustlik schrieb am 15.09.2010 um 07:13
Das Zitat stammt aus der abendlichen Wutansammlung.
Gustlik
aufgedacht und nachgeschrieben
Ort:
bad frankenhausen
Mitglied seit:
2 Jahre 8 Wochen
Zuletzt aktiv:
13.04.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 667
Kommentare: 1159
Logbuch
07:20
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:15
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:09
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
05:07
marvinius hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:26
JR's China Blog hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG